Sony hat das FE 100-400mm F5.6-8 OSS vorgestellt, ein Supertelezoom für Alpha-Kameras mit E-Mount, das 654 Gramm wiegt und 899 Euro kostet. Damit ist es das mit Abstand leichteste und günstigste 100-400er im E-Mount-System. Verfügbar sein soll es ab dem 21. August 2026. Der Haken: Die Offenblende fällt schnell auf F8 ab.
Das Wichtigste in Kürze
- Brennweite 100 bis 400 mm, Offenblende F5.6 bis F8
- 654 Gramm, 78,2 × 164,5 mm, 67-mm-Filtergewinde
- UVP 899 Euro, Marktstart 21. August 2026 (USA: September, 849,99 US-Dollar)
- Zwei Linearmotoren, optischer Bildstabilisator, staub- und feuchtigkeitsresistent
- Keine Stativschelle, Montage läuft über das Kameragehäuse
Warum Sony ausgerechnet ein langsames 100-400er baut
Sony hat im Telebereich eigentlich kein Angebotsproblem. Es gibt das FE 100-400mm F4.5-5.6 GM OSS, es gibt das 200-600mm G, es gibt die großen Festbrennweiten. Was bislang fehlte, war ein Objektiv für Leute, die einmal im Jahr in den Nationalpark fahren und nicht 2.500 Euro für Reichweite ausgeben wollen.
Genau in diese Lücke zielt das neue Modell. Sony nennt als Zielgruppe ausdrücklich ambitionierte Hobbyfotografen, die sich für Vögel, Wildtiere oder Sport interessieren. Jazz Sidharh, Lens Marketing Manager bei Sony Imaging Products and Solutions Europe, formuliert es so: Das Objektiv vereine „hervorragende Mobilität mit exzellenter Bildqualität“.
Das Gewicht ist dabei das eigentliche Argument. 654 Gramm sind rund 500 Gramm weniger als beim Sigma 100-400mm F5-6.3 DG DN, und das GM-Pendant von Sony wiegt mit 1.395 Gramm mehr als das Doppelte. Wer schon mal einen Tag mit einem schweren Telezoom um den Hals durch den Wald gelaufen ist, weiß, wie viel das im Alltag ausmacht.
Sony FE 100-400mm F5.6-8 OSS: Technische Daten im Überblick
| Merkmal | Sony FE 100-400mm F5.6-8 OSS (SEL100400) |
|---|---|
| Brennweite | 100 bis 400 mm |
| Offenblende | F5.6 bis F8 |
| Optischer Aufbau | 15 Elemente in 10 Gruppen, davon 2 ED- und 2 asphärische Elemente |
| Blendenlamellen | 9, kreisförmig |
| Naheinstellgrenze | 1,13 m (Weitwinkel) / 0,86 m (Tele) |
| Max. Abbildungsmaßstab | 0,41x |
| Bildstabilisierung | Optical SteadyShot, unterstützt Active Mode |
| Autofokus | Zwei Linearmotoren, bis zu 120 B/s mit Alpha 9 III |
| Filterdurchmesser | 67 mm |
| Abmessungen | 78,2 × 164,5 mm |
| Gewicht | ca. 654 g |
| Telekonverter | SEL14TC (1,4x) und SEL20TC (2x) |
| UVP | 899 Euro |
Autofokus, Stabilisator und Bedienung
Im Inneren arbeiten zwei Linearmotoren, die den Fokus auch beim Zoomen nachführen. Mit der Alpha 9 III sind bis zu 120 Bilder pro Sekunde mit AF- und AE-Nachführung drin, was auf dem Papier beeindruckt, in der Praxis aber vor allem eine Aussage über die Kamera ist. Der Stabilisator arbeitet mit der gehäuseinternen Stabilisierung zusammen und unterstützt den Active Mode für Videoaufnahmen.
Für Videofilmer interessant: Das Objektiv beherrscht Breathing Compensation, gleicht den Bildwinkelsprung beim Fokussieren also aus. Das funktioniert nur mit kompatiblen Kameras wie der Sony Alpha 7 V oder der neuen Cinema-Line-Kamera FX5.
An Bedienelementen gibt es eine Fokus-Haltetaste, einen Umschalter für Fokusmodus und Fokusbereich sowie eine Zoomarretierung, damit die Front beim Tragen nicht ausfährt. Das Gehäuse ist staub- und feuchtigkeitsresistent, eine Gegenlichtblende liegt bei. Eine Stativschelle hat Sony nicht vorgesehen, das Objektiv hängt also immer am Kameragehäuse. Bei 654 Gramm ist das vertretbar, bei längeren Sitzungen am Stativ aber ungewohnt.
F8 ist der Preis für die Leichtigkeit
Die spannendste Zahl im Datenblatt ist nicht das Gewicht, sondern die Blende. F5.6 gilt nur am kurzen Ende. Laut PetaPixel erreicht das Objektiv bereits bei rund 220 mm die F8 und bleibt dort bis 400 mm.
Das hat Konsequenzen. Bei Sonnenschein auf der Wiese ist F8 kein Thema, da reichen kurze Belichtungszeiten bei ISO 400. In der Dämmerung, im Wald oder in einer Sporthalle wird es dagegen eng, weil die ISO-Werte schnell vierstellig werden. Wer regelmäßig bei schlechtem Licht fotografiert, ist mit einem lichtstärkeren Objektiv besser bedient, auch wenn es mehr wiegt und kostet.
Die Telekonverter-Kompatibilität steht zwar im Datenblatt, ist rechnerisch aber grenzwertig: Mit dem 2x-Konverter kommt man auf 800 mm, allerdings bei F16. Im APS-C-Modus sind sogar 1.200 mm möglich. Praktisch nutzbar ist das nur bei sehr hellem Licht.
Erste Einschätzungen aus der Praxis
PetaPixel hat das Objektiv bereits getestet und kommt zu einem nüchternen Urteil: Die Schärfe sei ordentlich und über den Zoombereich konsistent, in den Ecken gebe es kleine Abstriche. Der Autofokus arbeite brauchbar, wirke an der Naheinstellgrenze aber gelegentlich unentschlossen und halte mit Sonys teureren Objektiven nicht ganz mit. Die Verarbeitung sei sichtbar auf den Preis hin optimiert, mit viel Kunststoff, ohne dabei billig zu wirken.
Bemerkenswert: Sony selbst stellt laut PetaPixel klar, dass das Objektiv bei Auflösung und Bokeh nicht an die eigenen Premium-Modelle heranreicht. So offen liest man das selten von einem Hersteller, und es trifft die Positionierung ziemlich genau.
Die Konkurrenz
Konzeptionell am nächsten kommt Canons RF 100-400mm F5.6-8 IS USM: 635 Gramm, 164,7 Millimeter lang, rund 790 Euro. Es passt aber nur an Canon-Gehäuse. Im E-Mount muss sich Sony vor allem gegen Drittanbieter behaupten:
| Objektiv | Gewicht | Preis (ca.) |
|---|---|---|
| Sony FE 100-400mm F5.6-8 OSS | 654 g | 899 Euro |
| Sigma 100-400mm F5-6.3 DG DN OS C | 1.140 g | ab ca. 920 Euro |
| Tamron 50-400mm F4.5-6.3 Di III VC VXD | 1.155 g | ab ca. 1.080 Euro |
| Sony FE 100-400mm F4.5-5.6 GM OSS | 1.395 g | ab ca. 2.000 Euro |
Sigma und Tamron bieten mehr Lichtstärke und eine solidere Verarbeitung, wiegen dafür aber fast doppelt so viel. Wer maximale Bildqualität will, landet ohnehin beim GM, zahlt dafür aber gut das Doppelte. Wer eine leichte Reisebrennweite sucht, hat jetzt eine Option, die es vorher im E-Mount nicht gab.
Preis und Verfügbarkeit
Das Sony FE 100-400mm F5.6-8 OSS ist ab sofort vorbestellbar und soll ab dem 21. August 2026 zur UVP von 899 Euro in den Handel kommen. In den USA liegt der Preis bei 849,99 US-Dollar, dort wird allerdings erst im September ausgeliefert.
Fazit
Das Sony FE 100-400mm F5.6-8 OSS ist kein Objektiv für Leute, die das technisch Beste wollen. Es ist eins für Leute, die 400 Millimeter brauchen, aber weder das Gewicht noch den Preis eines Profi-Telezooms tragen möchten. Innerhalb dieser Rechnung geht es auf: 654 Gramm für 899 Euro ist eine Kombination, die es im E-Mount bislang nicht gab. Ob es zu euch passt, entscheidet sich vor allem am Licht. Wer bei Tageslicht draußen fotografiert, bekommt hier viel Reichweite für wenig Gewicht. Wer regelmäßig in der Dämmerung unterwegs ist, sollte die F8 ernst nehmen und lieber zu einem lichtstärkeren Modell greifen.
Quellen: Sony Presscentre, Sony Produktseite,
