Thermal Grizzly WireView Pro II Noctua Edition: Leiser GPU-Wächter gegen schmelzende 12V-2×6-Stecker

Philipp Briel
Philipp Briel · 5 Min. Lesezeit
Thermal Grizzly WireView Pro II Noctua Edition
Bild: Thermal Grizzly

Die WireView Pro II Noctua Edition überwacht den 12V-2×6-Stromstecker von High-End-Grafikkarten und misst dabei den Strom auf jedem einzelnen Kontaktpin getrennt, statt nur einen gemeinsamen Wert für das ganze Kabel auszugeben. Seit dem 27. September 2026 ist das Gemeinschaftsprodukt von Thermal Grizzly und Noctua für 189,90 Euro erhältlich. Der Unterschied zur Standardversion: ein größerer, CNC-gefräster Aluminiumkühlkörper mit integriertem Noctua-Lüfter, der die Elektronik in den meisten Betriebssituationen komplett passiv kühlt.

Kurz zusammengefasst:

  • Gemeinschaftsprodukt von Thermal Grizzly und Noctua, seit 27. September 2026 verfügbar
  • Preis: 189,90 Euro (Standardversion in Schwarz: 119,90 Euro, in Weiß: 124,90 Euro)
  • Noctua-Kühlkörper hält den NF-A4x10-Lüfter bei 300 Watt GPU-Last dauerhaft aus, wo die Standardversion nach 5:40 Minuten anspringt
  • Läuft der Lüfter doch einmal an, dreht er mit knapp 2.000 statt 5.000 U/min und ist mit 21,5 statt 39,4 dB(A) deutlich leiser

Warum ein Grafikkarten-Stromstecker überhaupt überwacht werden muss

Der 12V-2×6-Anschluss, Nachfolger des ursprünglichen 12VHPWR-Standards, ist für bis zu 600 Watt ausgelegt, verteilt diese Last aber auf lediglich sechs 12-Volt-Adern mit je 1,31 Quadratmillimetern Querschnitt. Sitzt eine der Adern nicht richtig im Stecker, verteilt sich der Strom nicht mehr gleichmäßig, und im ungünstigsten Fall müssen zwei verbliebene Leitungen die komplette Last einer High-End-Grafikkarte wie der RTX 5090 tragen. Das kann die Kontakte binnen Minuten auf über 170 Grad Celsius aufheizen und den Stecker im schlimmsten Fall zum Schmelzen bringen, wie unter anderem Messungen von PCGH gezeigt haben. Anders als ältere RTX-3090-Ti-Modelle erkennt die RTX 5090 fehlerhafte Einzelleitungen dabei nicht, weil sie den Stromfluss nur gebündelt misst.

Genau hier setzt die WireView-Pro-Reihe an: Das Gerät sitzt zwischen Netzteilkabel und Grafikkarte, zeigt Spannung und Leistung jedes einzelnen Pins auf einem TFT-IPS-Display an und macht so sichtbar, wenn eine Ader mehr Last trägt als die anderen. Wer schon einmal einen High-End-Gaming-PC mit einer aktuellen Grafikkarte zusammengestellt hat, kennt das ungute Gefühl beim ersten Einschalten mit einem 600-Watt-Stecker im Gehäuse. Das WireView Pro II soll genau diese Unsicherheit nehmen.

Was die Noctua Edition technisch anders macht

Die Messtechnik im Inneren ist bei beiden Varianten identisch. Der Unterschied steckt im Kühlkonzept: Noctua und Thermal Grizzly haben gemeinsam einen größeren, CNC-gefrästen Aluminiumkühlkörper entwickelt, der über eine zusätzliche Kühlplatte mit Wärmeleitpad an die Elektronik angebunden ist. Darin sitzt ein rahmenloser Noctua NF-A4x10 PWM-Lüfter im bekannten braun-beigen Design mit dem markanten Lüftergitter der Marke. Das Display lässt sich zudem um 180 Grad drehen, damit es sich unabhängig vom Kabelverlauf im Gehäuse lesen lässt.

Merkmal Standardversion Noctua Edition
Kühlkörper Kompakter Aluminiumkühler Größerer CNC-gefräster Aluminiumkühler mit Wärmeleitpad
Lüfter Kleiner Referenzlüfter Noctua NF-A4x10 PWM (rahmenlos)
Lüfterdrehzahl ca. 5.000 U/min knapp unter 2.000 U/min
Lautstärke (10 cm Abstand) 39,4 dB(A) 21,5 dB(A)
Lüfter-Einschaltpunkt bei 300 W GPU-Last nach 5:40 Minuten bleibt aus
Preis (UVP) 119,90 € (Schwarz) / 124,90 € (Weiß) 189,90 €

In der Praxis heißt das: Bei einer typischen GPU-Last von rund 300 Watt bleibt der Lüfter der Noctua-Version nach Angaben der Hersteller dauerhaft aus, während er bei der Standardversion nach etwa 5:40 Minuten anspringt und dann mit hörbaren 39,4 dB(A) läuft. Muss der Noctua-Lüfter doch einmal ran, dreht er mit knapp 2.000 statt 5.000 Umdrehungen pro Minute und bleibt mit 21,5 dB(A) deutlich unauffälliger. Wer schon einmal einen passiven Noctua-Kühler im Test erlebt hat, kennt dieses Prinzip: Ein überdimensionierter Kühlkörper übernimmt den Großteil der Arbeit, der Lüfter greift nur im Ausnahmefall ein.

Roman Hartung, CEO von Thermal Grizzly, begründet die Noctua-Kooperation mit dem Feedback zur ursprünglichen WireView Pro II: Der Lüfter sei in sehr leisen Systemen noch wahrnehmbar gewesen. Noctua-CEO Roland Mossig ergänzt, dass der angepasste Kühlkörper den Großteil der Arbeit passiv erledigt und der Lüfter dadurch in den meisten Anwendungsfällen abgeschaltet bleibt. Wer sich schon einmal durch die Lüfter-Historie von Noctua gearbeitet hat, wird das Muster erkennen: lieber ein größerer, langsam drehender Lüfter als ein kleiner, hochtouriger.

Preis und Verfügbarkeit

Die WireView Pro II Noctua Edition ist seit dem 27. September 2026 direkt über den Thermal-Grizzly-Shop sowie über die Produktseite von Noctua erhältlich, jeweils für 189,90 Euro beziehungsweise 189,90 US-Dollar. Zum Vergleich: Die schwarze Standardversion kostet 119,90 Euro, die weiße Variante 124,90 Euro. Damit zahlt man für die leisere Kühlung einen Aufpreis von rund 65 bis 70 Euro.

Fazit

Für alle, die nach den wiederkehrenden Meldungen über schmelzende 12V-2×6-Stecker bei High-End-Grafikkarten sowieso schon über ein Monitoring-Gerät nachdenken, macht die Noctua Edition die Entscheidung leichter: Der Aufpreis gegenüber der Standardversion lohnt sich vor allem in leisen Gaming- oder Workstation-Systemen, in denen jedes zusätzliche Lüftergeräusch auffällt. Wer dagegen ohnehin ein lautes System mit mehreren Radiatorlüftern betreibt, kann bei der günstigeren Standardversion bleiben und stattdessen in ein leises Kühlkonzept an anderer Stelle im Gehäuse investieren.