Twitch trainiert KI mit deinen Streams: So schaltest du das Opt-out ein

Philipp Briel
Philipp Briel · 5 Min. Lesezeit
Twitch

Twitch lässt ab sofort standardmäßig zu, dass Amazon eure Streams, VODs, Clips und sogar den Chatverlauf für das Training generativer KI-Modelle verwendet. Wer das nicht will, muss aktiv widersprechen, denn die neue Einstellung ist von Haus aus aktiviert und liegt gut versteckt in den Datenschutzoptionen. Wir zeigen euch, wo ihr sie findet und was das Opt-out tatsächlich abschaltet.

Kurz zusammengefasst:

  • Twitch hat eine neue Einstellung eingeführt, die Kanalinhalte für das Training von Amazons generativen KI-Modellen freigibt. Standardmäßig ist sie aktiv.
  • Betroffen sind Streams, VODs, Clips, Stream-Chats sowie Bilder und Texte auf dem Kanal.
  • Deaktivieren lässt sich das unter Einstellungen > Sicherheit und Datenschutz > „Training für generative KI“.
  • Das Opt-out gilt nur für das Modelltraining. Andere KI-Funktionen wie AutoMod oder automatische Untertitel laufen unabhängig davon weiter.

Was Twitch angekündigt hat

Laut einem Bericht von TechCrunch vom 12. August 2026 hat Twitch eine neue Datenschutzoption ausgerollt, mit der Streamer der Nutzung ihrer Inhalte für KI-Training widersprechen können. Der Haken dabei: Ohne aktives Zutun ist die Option eingeschaltet, jeder Kanal ist also automatisch Teil des Trainingsdatensatzes.

Twitch-CPO Mike Minton begründete das Vorgehen bei einem Livestream mit bemerkenswerter Offenheit: „If this was opt-in, nobody would opt in. That’s honestly the answer.“ Mary Kish, Head of Community bei Twitch, ergänzte laut PC Gamer, die Opt-out-Möglichkeit sei eine Reaktion auf die Community. Nach den Reaktionen der letzten Tage darf man daran zweifeln, dass sie damit viele beruhigt hat.

Wer selbst schon mal auf Twitch gestreamt hat, weiß: Die Plattform sammelt ohnehin enorme Mengen an Video-, Audio- und Chatdaten. Neu ist, dass Amazon das jetzt offiziell zum Training eigener KI-Modelle nutzen will, und zwar über die eigentliche Plattform hinaus.

So deaktivierst du das KI-Training

Das Abschalten dauert keine zwei Minuten, ist aber nicht besonders leicht zu finden:

Im Browser:

  1. Auf euer Profilbild oben rechts klicken
  2. Zu Einstellungen > Sicherheit und Datenschutz wechseln
  3. Nach unten scrollen bis zum Punkt „Training für generative KI“
  4. Den Schalter deaktivieren

In der mobilen App:

  1. Profil > Einstellungen > Sicherheit und Datenschutz öffnen
  2. Die KI-Trainingsoption suchen
  3. Ausschalten

Ein Hinweis, der vielen die Suche erspart: Die Einstellung muss nur an einer Stelle geändert werden, Web und App teilen sich dasselbe Konto-Flag. Laut Twitch-Support (via Twitch Support auf X) greift der Opt-out nur für künftiges Training, bereits verarbeitete Daten werden dadurch nicht rückwirkend entfernt.

Welche Inhalte landen im Trainingsdatensatz

Nach Angaben aus dem Twitch-FAQ, zitiert von 404 Media, betrifft die Standardeinstellung: Livestreams, VODs, Clips, den Stream-Chat sowie Bilder und Text auf dem Kanal. Wer seine Streams automatisch als VOD speichert, gibt Amazon also potenziell auch Zugriff auf sein komplettes Archiv, sofern nicht vorher widersprochen wurde.

Wichtig: Das Opt-out schaltet ausschließlich das Training generativer KI-Modelle ab. Twitch selbst weist darauf hin, dass andere KI-gestützte Funktionen wie AutoMod zur Moderation oder die automatische Untertitel-Generierung davon unberührt bleiben und weiterlaufen.

Massive Kritik aus der Community

Die Reaktion der Streamer-Community fiel deutlich aus. In einem Twitch-eigenen Feedback-Thread im UserVoice-Forum sammelten sich über 14.000 Stimmen und mehr als 228 Seiten Kommentare mit der Forderung, KI-Funktionen grundsätzlich als Opt-in statt Opt-out anzubieten. Auf Bluesky brachte es ein Nutzer auf den Punkt: „they know we don’t want it. they do not care.“

Während eines offiziellen Streams protestierten laut TechCrunch rund 3.000 Zuschauer live im Chat gegen die Ankündigung. Der Vergleich zu Metas ähnlichem Vorgehen bei Instagram und Facebook, wo Nutzerinhalte ebenfalls standardmäßig für KI-Training freigegeben sind, drängt sich vielen in der Community auf.

Auch aus der Spieleindustrie kommt Gegenwind. Berater Mike Futter warf laut PC Gamer eine Frage auf, die Twitch bisher nicht beantwortet hat: Was passiert, wenn ein Streamer ein Spiel zeigt und dabei selbst zugestimmt hat, das Studio dahinter aber nicht gefragt wurde? Futter rechnet damit, dass sich Rechtsabteilungen von Publishern demnächst genauer mit dem Thema befassen.

Amazons KI-Strategie dahinter

Amazon investiert seit Jahren massiv in eigene KI-Modelle, von Alexa+ bis zu hauseigenen Bildgeneratoren, und Twitch-Content ist dafür eine naheliegende Datenquelle: Millionen Stunden Video, Sprache und Text, live und unzensiert. Laut 404 Media nutzt Amazon Twitch-Inhalte deshalb nicht erst seit dieser Woche, sondern bereits seit 2024 in einer internen „Prototyping“-Phase, ohne dass dies öffentlich kommuniziert wurde. Neu ist nur, dass die Praxis jetzt offiziell ist und Streamer zumindest die Möglichkeit haben, ihr künftig zu widersprechen.

Wie generell mit KI-Training und Kennzeichnungspflichten umgegangen werden muss, haben wir bereits im Artikel zur KI-Kennzeichnungspflicht 2026 eingeordnet. Für Plattformbetreiber wie Twitch gelten diese Regeln bislang nur eingeschränkt, was die aktuelle Debatte zusätzlich befeuert.

Fazit

Dass Amazon Trainingsdaten braucht, ist keine Überraschung. Wie offen Twitch-CPO Mike Minton aber zugegeben hat, dass ein Opt-in schlicht zu wenig Daten gebracht hätte, ist ungewöhnlich ehrlich und gleichzeitig ziemlich entlarvend. Wer nicht möchte, dass seine Streams und Chats bei Amazon im Trainingspool landen, sollte die zwei Minuten investieren und die Einstellung manuell abschalten. Verlassen kann man sich auf eine freiwillige Rücksichtnahme der Plattform offenbar nicht.