UGREEN HomeAgent: Lokale KI-Hubs sollen dein Smart Home privater machen

Philipp Briel
Philipp Briel · 6 Min. Lesezeit
UGREEN HomeAgent
Bild: UGREEN

Der UGREEN HomeAgent ist ein neuer lokaler KI-Hub, der NAS-Speicher, Kamera-Überwachung und Smart-Home-Steuerung in einem Gerät bündelt, ohne dass Videos oder Sprachbefehle dafür in die Cloud müssen. UGREEN hat die Serie zusammen mit dem High-End-Modell MasterAgent MA100 und mehreren MagFlow-Ladegeräten im Rahmen einer paneuropäischen Produkteinführung vorgestellt und wagt damit den Sprung vom NAS- und Zubehörhersteller ins Smart-Home-Geschäft.

Kurz zusammengefasst: UGREEN bringt mit HA100, HA100 Pro und MasterAgent MA100 drei Smart-Home-Hubs, die KI-Auswertung, NAS-Speicher und Kamera-Aufzeichnung lokal im Haus erledigen. Dazu kommen SynCare-Kameras, der Smart Speaker für den Sprachassistenten Uliya und die Gallery-Bilderrahmen. Reservierungen laufen ab sofort über den UGREEN-Shop, die eigentliche Kickstarter-Kampagne startet am 27. Oktober 2026. Die Auslieferung ist gestaffelt zwischen Januar und Juli 2027 geplant, Home-Assistant-Unterstützung fehlt bislang.

Was ist der UGREEN HomeAgent überhaupt?

UGREEN nennt den HomeAgent einen „Agentic AI Local Hub“ und meint damit ein Gerät, das gleichzeitig als NAS, als Videorekorder für Überwachungskameras und als Steuerzentrale fürs Smart Home arbeitet. Läuft bei anderen Herstellern die Gesichtserkennung oder die Auswertung von Kamerabildern meist über einen Cloud-Server, soll beim HomeAgent alles im eigenen Netzwerk bleiben.

Möglich macht das UGOS Pro, ein komplett neues, Linux-basiertes Betriebssystem von UGREEN. Es kombiniert klassische NAS-Aufgaben wie Speicherverwaltung, Backups und Synchronisation mit KI-Funktionen für Objekterkennung, Sprachsteuerung und Smart-Home-Automatisierung. Wer schon mit Synology DSM oder QNAP QTS gearbeitet hat, dürfte sich beim Grundprinzip schnell zurechtfinden, auch wenn UGOS Pro deutlich stärker auf Kameras und KI zugeschnitten ist als die Betriebssysteme der Konkurrenz.

Datenschutz als Verkaufsargument, nicht als Nebensatz

UGREEN positioniert den HomeAgent bewusst gegen das Image klassischer Überwachungskameras. Statt reiner Kontrolle soll das Gerät helfen, Alltagsmomente festzuhalten, die sonst untergehen würden.

„HomeAgent erkennt proaktiv Momente, die es wirklich wert sind, in Erinnerung zu bleiben, und fasst sie für Nutzer:innen in einem personalisierten Tagesüberblick zusammen. Wir möchten Familien dabei helfen, die kostbare Zeit, die sie gemeinsam verbringen, zu bewahren.“

Samuel Zhang, CEO von UGREEN

Dahinter steckt auch ein Seitenhieb auf die Konkurrenz: Sicherheitsanbieter wie Eufy standen zuletzt wegen laxem Umgang mit Kamera-Daten in der Kritik. UGREEN wirbt daher explizit damit, dass Video- und Sprachdaten lokal verarbeitet werden, mit AES-256-Verschlüsselung für gespeicherte Daten und Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für den Fernzugriff. Erste Hands-on-Tests bestätigen, dass dieses Versprechen zumindest im Alltag spürbar ist: Die Einrichtung soll in unter fünf Minuten ganz ohne Anleitung funktionieren.

Technische Daten: HA100, HA100 Pro und MasterAgent MA100 im Vergleich

Die drei Hubs unterscheiden sich vor allem in der KI-Rechenleistung und beim Speicherausbau. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Eckdaten zusammen:

Modell KI-Leistung RAM Speicherschächte Netzwerk Preis (UVP / Super-Early-Bird)
HomeAgent HA100 26 TOPS (Rockchip RK3588 + Beschleunigerkarte) 16 GB 2× NAS, 1× NVR, 1× M.2 (PCIe 3.0 x1) 2,5 GbE 1.799 $ / 899 $
HomeAgent HA100 Pro 205 TOPS (160 + 45 TOPS) 32 GB 2× NAS, 1× NVR, 1× M.2 (PCIe 4.0 x4) 10 GbE 5.999 $ / 2.999 $
MasterAgent MA100 2.070 TFLOPS FP4 (Sparse) via NVIDIA Jetson Thor T5000 128 GB LPDDR5X 3× NAS, 1× NVR, 2× M.2 (PCIe 3.0 x4) 10 GbE 19.999 $ / 9.999 $
UGREEN HomeAgent
Bild: UGREEN

Auffällig: Anders als bei UGREENs bisherigen NAS-Systemen lässt sich beim HomeAgent offenbar keine externe GPU per eGPU-Gehäuse nachrüsten. Für alle drei Modelle gilt außerdem, dass sich Speicher und Kameraaufzeichnungen dank einer 2+1-Konfiguration sauber trennen lassen und Smartphones, Rechner sowie Cloud-Dienste automatisch gesichert werden. Die Grundidee ähnelt klassischen Backup-Strategien auf einem NAS, nur eben mit KI-Auswertung obendrauf.

Uliya, SynCare-Kameras und das restliche Ökosystem

Zum Start bindet UGREEN den HomeAgent in ein komplettes Zubehör-Ökosystem ein:

  • SynCare OD800 Pro (Solar-Außenkamera): 4K-Hauptobjektiv plus Dual-3K-Zoomobjektiv mit 9-fachem Zoom, 10.000-mAh-Akku, 6-Watt-Solarpanel, PIR- und Radarerkennung bis 15 Meter. Preis: 199 $ statt 339 $.
  • SynCare OD600 Pro (PoE-Außenkamera): 8-MP-Hauptsensor mit Dual-5-MP-Zoomobjektiven, Anschluss per Power over Ethernet. Preis: 159 $ statt 269 $.
  • SynCare ID500 Pro (Innenkamera): 8 MP, 360°-Schwenk, 160°-Neigung, 940-nm-Nachtsicht, erkennt auch Babygeschrei. Preis: 89 $ statt 149 $.
  • UGREEN Gallery: 13,3-Zoll-Bilderrahmen mit E-Ink-Spectra-6-Farbdisplay, bis zu sechs Monate Akkulaufzeit. Preis: 299 $ statt 439 $.
  • Smart Speaker für Uliya: Vier-Mikrofon-Array für raumweite Spracherkennung, 5-Watt-Treiber mit zwei passiven Radiatoren. Preis: 69 $ statt 99 $.

Die Kameras erkennen laut UGREEN eigenständig Personen, Fahrzeuge, Haustiere, Pakete und herumlungernde Personen und fassen Ereignisse per KI zu durchsuchbaren Zusammenfassungen zusammen. Sprachbefehle laufen über den hauseigenen Assistenten Uliya, der eng mit dem Sprachmodell Qwen3 verzahnt ist, wahlweise aber auch Cloud-Dienste wie ChatGPT anbinden kann. Zum Start werden unter anderem Deutsch, Englisch, Französisch und Japanisch unterstützt. Über Matter lassen sich zudem Geräte anderer Hersteller einbinden, etwa fürs selbstgebaute Smart-Home-Sensoren, die viele Nutzer bereits im Einsatz haben.

Preise, Verfügbarkeit und Kickstarter-Termin

Reservierungen für HA100, HA100 Pro und MasterAgent MA100 laufen seit dem 4. September 2026 über den offiziellen UGREEN-AIoT-Store. Der Zeitraum endet am 27. Oktober 2026, wenn die eigentliche Kickstarter-Kampagne startet. Wer jetzt reserviert, zahlt eine Anzahlung von 50 US-Dollar (HA100/HA100 Pro) beziehungsweise 200 US-Dollar (MasterAgent MA100) und sichert sich den „Super Early Bird“-Rabatt von 50 Prozent gegenüber der UVP. Die Anzahlung lässt sich laut UGREEN jederzeit vor Kampagnenende zurückerstatten, auf alle Geräte gibt es zwei Jahre Garantie.

Die Auslieferung zieht sich allerdings über mehrere Monate: HA100, OD600 Pro und ID500 Pro sollen Ende Januar 2027 verschickt werden, HA100 Pro, OD800 Pro, Gallery und Smart Speaker Ende April 2027, MasterAgent MA100 sowie ein zusätzlicher LCD-Bilderrahmen erst Ende Juli 2027. Verfügbar sein sollen die Produkte in den USA, Kanada, der EU (mit Ausnahme von Irland und Litauen), Großbritannien, Australien und Singapur. Konkrete Angaben zu Deutschland speziell macht UGREEN bislang nicht, über die EU-Verfügbarkeit dürfte der Versand hierher aber möglich sein.

Wo es noch hakt

Neben der offenen Frage, wie günstig die Geräte nach Ende der Rabattaktion tatsächlich sind, bleiben ein paar Kritikpunkte: Der HomeAgent unterstützt bislang weder Home Assistant noch Zigbee oder Thread, die Anbindung an Drittgeräte läuft aktuell nur über Matter und ONVIF. Konkurrent Anker bindet mit seiner Eufy-Reihe bereits Home Assistant an, hier muss UGREEN erst noch nachziehen. Auch der Einstiegspreis von 1.799 US-Dollar für die HA100 bleibt selbst mit Rabatt kein Schnäppchen, zumal noch unklar ist, wie viel am Ende für Steuern und Versand nach Deutschland draufkommt.

Fazit

Der UGREEN HomeAgent zeigt, wohin die Reise bei NAS-Herstellern aktuell geht: weg vom reinen Datenspeicher, hin zu einem KI-Hub, der Kameras, Sprachsteuerung und Automatisierung unter einem Dach lokal verarbeitet. Das Datenschutz-Argument sitzt in Zeiten wiederkehrender Kamera-Skandale, und die ersten Praxiseindrücke klingen vielversprechend. Ob sich eine Reservierung lohnt, hängt aber stark davon ab, wie wichtig einem Home-Assistant-Support ist und ob der happige Einstiegspreis ins Budget passt. Wer ohnehin ein Upgrade für seine Videoüberwachung plant, sollte sich vorher auch anschauen, wie Synologys Surveillance Station das Thema löst, um beide Ansätze vergleichen zu können.