Ultrahuman M2 Live: Glukose-Tracking ohne Rezept mit Abbotts Lingo startet in den USA

Philipp Briel
Philipp Briel · 5 Min. Lesezeit
Ultrahuman M2 Live
Bild: Ultrahuman

Ultrahuman hat mit M2 Live eine neue Plattform zur kontinuierlichen Glukosemessung in den USA gestartet, die ohne Rezept auskommt. Möglich macht das die Integration von Abbotts rezeptfreiem Sensor Lingo. Damit lässt sich der Blutzuckerverlauf rund um die Uhr verfolgen – die Sensoren starten im Abo bei 99 US-Dollar pro Monat. Ein wichtiger Hinweis vorweg: Der Launch betrifft zunächst nur den US-Markt, in Deutschland ist die Plattform in dieser Form noch nicht verfügbar.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ultrahuman M2 Live integriert Abbotts rezeptfreien CGM-Sensor Lingo – kein Arztbesuch nötig
  • Preise in den USA: einzelner Sensor 129 US-Dollar, Abo ab 99 US-Dollar pro Monat
  • Nachfolger der M1-Live-Plattform, die noch auf das verschreibungspflichtige FreeStyle Libre setzte (249 US-Dollar/Monat)
  • Start vorerst nur in den USA – die Einordnung für Deutschland steht weiter unten

Was ein CGM ohne Rezept überhaupt bedeutet

Ein CGM (Continuous Glucose Monitor) ist ein kleiner Sensor mit einem hauchdünnen Faden unter der Haut, meist am Oberarm getragen. Er misst den Glukosewert rund um die Uhr und schickt die Daten ans Smartphone. Klassisch kennt man die Technik aus der Diabetes-Therapie – dort braucht es ein Rezept und die Geräte sind entsprechend teuer.

Abbotts Lingo dreht den Spieß um: Der Biosensor richtet sich an gesundheitsbewusste Erwachsene ab 18 Jahren, die kein Insulin spritzen, und ist in den USA seit 2024 rezeptfrei erhältlich – im Einzelhandel teils schon ab rund 49 US-Dollar. Genau diesen Sensor zapft Ultrahuman jetzt an. Das ist der eigentliche Kniff von M2 Live: Statt eines medizinischen, verschreibungspflichtigen Geräts (wie beim Vorgänger M1 Live mit FreeStyle Libre) läuft die zweite Generation über die günstigere Consumer-Hardware. Der Preis fällt damit von 249 auf 99 US-Dollar pro Monat.

Mehr als nur eine Glukose-Kurve

Der Sensor selbst ist relativ simpel – die eigentliche Arbeit erledigt die Ultrahuman-App. Sie zeigt den Live-Wert in mg/dL, zeichnet den Tagesverlauf und schlägt Alarm, wenn man den Zielbereich verlässt. Spannender wird es, wenn man die Glukosedaten nicht isoliert betrachtet. Ultrahuman kombiniert sie mit Werten aus dem hauseigenen Smart Ring sowie über 100 Blutbiomarkern aus dem Dienst Blood Vision. So sollen Nutzer das Warum hinter jeder Spitze und jedem Abfall erkennen.

Den Faden zwischen all diesen Daten zieht Jade, Ultrahumans KI-System, das Glukosemuster mit Schlaf, HRV, Aktivität, Erholung und Hauttemperatur verknüpft. Dazu kommen mehrere Bewertungs-Tools:

  • Metabolic Score: ein täglicher Wert von 0 bis 100, der die Glukoseregulation abbildet. Laut Ultrahuman wurde er in einer Multi-Center-Studie validiert und in Nature veröffentlicht.
  • Food Score: eine Bewertung von 1 bis 10, wie stark ein Lebensmittel den Glukosespiegel beeinflusst.
  • Fueling Score: zeigt, wie die Glukoseverfügbarkeit Training, Ausdauer und Erholung beeinflusst.
  • OGDb: nach eigenen Angaben die weltweit größte offene Glukose-Datenbank mit anonymisierten Durchschnittswerten zu verschiedenen Lebensmitteln.

Praktisch: Anders als beim teureren M1 Live funktioniert M2 Live laut Ultrahuman auch ohne ein eigenes Gerät der Marke. Den vollen Mehrwert entfaltet die Plattform aber erst in Kombination mit dem Ring.

Die Forschung dahinter

Ultrahuman verweist auf eine für ein Consumer-Produkt ungewöhnlich breite Studienbasis. Neben der in Nature veröffentlichten Validierung des Metabolic Score nennt das Unternehmen eine 2026 mit Stanfords Snyder Lab entstandene Schlaf-Stoffwechsel-Studie, die 227.860 Nächte von 5.859 Erwachsenen ausgewertet haben soll. Das Ergebnis laut Ultrahuman: Eine konsistente Schlaf-Zeit ist der stärkste einzelne Prädiktor für die Stoffwechselgesundheit. Hinzu kommt eine laufende GLP-1-Studie mit der Mayo Clinic. Diese Angaben stammen aus der Mitteilung des Herstellers und lassen sich von uns nicht unabhängig bewerten.

Und was heißt das für Deutschland?

Hier wird es wichtig: M2 Live startet ausdrücklich nur in den USA, und Abbotts Lingo ist bislang ein US-Produkt. In Deutschland sind CGM-Sensoren grundsätzlich erhältlich – etwa das FreeStyle Libre –, sie sind hierzulande aber als Medizinprodukte eingeordnet und primär auf die Diabetes-Versorgung ausgerichtet, häufig auf Rezept. Ein rezeptfreies Wellness-CGM für Gesunde, wie es Lingo in den USA verkörpert, bewegt sich regulatorisch in einem anderen Rahmen.

Wer in Deutschland in Richtung Selbstvermessung schaut, landet daher aktuell eher bei klassischen Wearables. Eine Übersicht findest du in unserem Ratgeber zu den besten Fitness-Trackern. Und wer Abo-Modelle wie das von Ultrahuman scheut, findet mit Geräten wie dem Amazfit Helio Strap abofreie Alternativen für das Gesundheits-Tracking – wenn auch ohne Glukosemessung.

Preise und Verfügbarkeit

Ultrahuman M2 Live ist ab sofort in den USA über ultrahuman.com erhältlich, einzelne Quellen sprechen von einem Rollout „in den kommenden Wochen“. Ein einzelner Lingo-Biosensor kostet 129 US-Dollar, das Abo startet bei 99 US-Dollar pro Monat. Jeder Sensor lässt sich bis zu 14 Tage tragen – Ultrahuman selbst weist allerdings darauf hin, dass in einer Studie nur rund 77 Prozent der Sensoren die vollen 14 Tage durchhielten. Sicherheitsinformationen zu Lingo gibt es bei Abbott, alle Produktdetails bei Ultrahuman.

Fazit

Ultrahuman M2 Live macht das Glukose-Tracking ohne Rezept deutlich günstiger und niedrigschwelliger – zumindest in den USA. Der eigentliche Clou ist nicht der Sensor, sondern die Software drumherum: Wer Glukosewerte mit Schlaf, Aktivität und Biomarkern zusammenführt, bekommt mehr Kontext als aus einer reinen Kurve. Spannend bleibt die Frage, ob aus den vielen Datenpunkten am Ende auch nachhaltige Gewohnheiten werden oder nur ein weiteres Dashboard. Für deutsche Interessenten heißt es vorerst abwarten: Bis ein rezeptfreies Wellness-CGM dieser Art hierzulande ankommt, dürfte angesichts der Regulatorik noch etwas Zeit vergehen.

Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei gesundheitlichen Fragen oder dem Verdacht auf Stoffwechselerkrankungen ist eine Ärztin oder ein Arzt die richtige Anlaufstelle.