VLC startet unter Windows 11 quälend langsam? Microsoft Defender ist schuld

Philipp Briel
Philipp Briel · 4 Min. Lesezeit
VLC

Wer gerade unter Windows 11 eine MP3-Datei mit VLC öffnet, wartet in manchen Fällen bis zu 33 Sekunden auf den Start der Wiedergabe. Schuld daran ist nach Angaben von VideoLAN kein Fehler im Player selbst, sondern ein Bug in Microsoft Defender, der VLCs Plugin-Cache blockiert. Die Entwickler wehren sich damit gegen den Vorwurf, Open-Source-Software sei grundsätzlich unzuverlässig.

Kurz zusammengefasst:

  • VLC braucht auf betroffenen Windows-11-Systemen bis zu 33 Sekunden, um eine MP3-Datei abzuspielen.
  • VideoLAN macht einen Bug in Microsoft Defender verantwortlich, der VLCs Plugin-Cache unter Quarantäne stellt.
  • Ausgelöst wurde die öffentliche Debatte durch einen kritischen Post von Spieleentwickler Jonathan Blow.
  • Workaround: VLC-Ordner als Ausnahme in Windows Defender eintragen oder den Plugin-Cache neu erzeugen.

Der Auslöser: Ein Tweet von Jonathan Blow

Die Geschichte begann mit einer öffentlichen Beschwerde. Spieleentwickler Jonathan Blow, bekannt für Titel wie Braid und The Witness, postete auf X, dass VLC bei ihm 33 Sekunden brauchte, um eine einzelne MP3-Datei abzuspielen. Seine Konsequenz: Er wechselte kurzerhand zum Windows Media Player und nutzte den Vorfall, um den Zustand von Open-Source-Software unter Windows generell infrage zu stellen.

Das Problem trat bei ihm auf einem Ryzen 9 9800X3D mit 32 GB DDR5-RAM auf, also alles andere als schwacher Hardware. Andere Nutzer berichteten von ähnlichen Verzögerungen, teils um die 24 Sekunden auch unter Windows 10. Zum Vergleich zog Blow den integrierten Windows Media Player heran, der im Leerlauf rund 377 MB RAM belegt, aber eben ohne die Verzögerung startet.

Die Ursache: Wie Microsoft Defender unter Windows 11 VLCs Plugin-Cache lahmlegt

VideoLAN reagierte prompt und öffentlich auf X. Die Kernaussage: Ein Update von Windows 11 hat einen Bug in Microsoft Defender eingeführt, der VLCs Plugin-Cache-Datei fälschlich unter Quarantäne stellt. VLC lädt Codecs, Demuxer und Ein-/Ausgabe-Module nämlich nicht als eine einzige kompilierte Binärdatei, sondern bei Bedarf aus einem Cache namens plugins.dat. Wird diese Datei von Defender blockiert oder verzögert freigegeben, dauert es entsprechend lange, bis VLC überhaupt herausfindet, welches Modul es für eine MP3-Datei braucht.

Der genaue technische Mechanismus dahinter ist bislang nicht vollständig geklärt, das Problem existiert Berichten zufolge aber schon seit über einem Jahr. Fehlerhafte Defender-Updates, die legitime Software fälschlich blockieren, sind kein Einzelfall, wie ähnliche Windows-Update-Probleme immer wieder zeigen.

VideoLAN kontert: „Peinlich ist nicht Open Source“

Besonders deutlich wurde VideoLAN in der Reaktion auf Blows Kritik an Open-Source-Software. In einem Post auf X hieß es sinngemäß: Der Fehler liege an einem „Bug“ von Microsoft Defender in einem Windows-11-Update, das VLCs Plugin-Cache auf magische Weise unter Quarantäne gestellt habe. Eine Neuinstallation von VLC oder die Regenerierung des Plugin-Cache behebe das Problem. Offen kritisierten die Entwickler zudem, Open-Source-Software als peinlich zu bezeichnen, wenn tatsächlich ein Windows-Bug die Ursache sei.

Eine offizielle Stellungnahme von Microsoft zu dem Vorfall gibt es bislang nicht. Auffällig ist allerdings, dass eine Community-Note unter Blows ursprünglichem Post bestätigte, dass das Hinzufügen einer Defender-Ausnahme für den VLC-Ordner das Problem tatsächlich löst, was die Darstellung von VideoLAN stützt.

So behebt ihr das Problem selbst

Wer selbst betroffen ist, hat drei Möglichkeiten, wobei die erste am wenigsten Nebenwirkungen hat:

  1. Defender-Ausnahme einrichten: Windows-Sicherheit öffnen, dort zu „Viren- und Bedrohungsschutz“ und „Einstellungen verwalten“ wechseln und den VLC-Installationsordner (in der Regel C:\Program Files\VideoLAN) als Ausschluss hinzufügen.
  2. Plugin-Cache neu erzeugen: Im Startmenü nach „VLC media player – reset preferences and cache files“ suchen oder die Datei vlc-cache-gen.exe im Installationsordner ausführen. Achtung, dabei gehen individuelle Einstellungen wie Equalizer, Tastenkürzel und Untertitel-Konfiguration verloren.
  3. VLC neu installieren: Die aktuellste Version von der offiziellen VideoLAN-Website laden und VLC komplett neu aufsetzen, falls die ersten beiden Schritte nicht helfen.

Nutzer, die die Defender-Ausnahme testeten, berichten, dass sich die Ladezeit dadurch von mehreren Sekunden auf unter eine Sekunde reduzierte, was für die These eines Defender-Bugs spricht.

Fazit

Der Fall zeigt vor allem eins: Bevor man Open-Source-Software vorschnell für schlechte Performance verantwortlich macht, lohnt sich ein Blick auf die eigene Systemkonfiguration. Ein Windows-Defender-Bug, der seit über einem Jahr besteht und offenbar erst durch einen viralen Post öffentlich wurde, wirft zudem die Frage auf, wie gründlich Microsoft eigene Sicherheitsupdates gegen etablierte Drittanbieter-Software testet. Bis es dazu eine offizielle Stellungnahme gibt, hilft nur der manuelle Workaround.

Quellen:  Windows Central, VideoLAN auf X