WhatsApp verteilt drei neue Funktionen für Gruppenchats. Mit @alle lassen sich sämtliche Mitglieder auf einen Schlag benachrichtigen, Umfragen bekommen eine Endzeit sowie eine anonyme Abstimmung, und aus einer bestehenden Gruppe heraus entsteht mit wenigen Taps eine zweite. Angekündigt hat Meta das Ganze am 4. August 2026 im offiziellen WhatsApp-Blog, ausgerollt wird wie üblich schrittweise.
Das Wichtigste in Kürze
- @alle erwähnt jedes Gruppenmitglied gleichzeitig und kommt auch dann durch, wenn der Chat stummgeschaltet ist.
- In Gruppen mit mehr als 32 Personen dürfen nur Admins die Funktion nutzen.
- Umfragen lassen sich terminieren, anonymisieren und 15 Minuten lang nachbearbeiten.
- Eine neue Gruppe entsteht direkt aus der alten heraus, ohne dass man alle Kontakte einzeln zusammensucht.
@alle: worauf Gruppenadmins lange gewartet haben
Wer schon einmal versucht hat, 40 Leute in einer Elterngruppe über einen ausgefallenen Wandertag zu informieren, kennt das Problem: Entweder man tippt jeden Namen einzeln an, oder man hofft, dass die Nachricht irgendwann gelesen wird. Genau dafür gibt es jetzt @alle. Ein Tag, alle bekommen eine Erwähnung.
Der technisch interessante Teil steckt im Kleingedruckten. Die Benachrichtigung durchbricht standardmäßig die Stummschaltung des Chats. Wer eine Gruppe also bewusst auf lautlos gestellt hat, wird trotzdem angepingt. WhatsApp begründet das mit zeitkritischen Meldungen wie kurzfristigen Absagen oder geschlossenen Büros. Nervig finden das trotzdem einige, deshalb lässt sich die Ausnahme in den Einstellungen wieder abschalten.
Damit die Funktion nicht in jeder 200-Personen-Gruppe zur Lärmquelle wird, hat Meta eine Grenze eingezogen: Ab 33 Mitgliedern ist @alle ausschließlich Administratoren vorbehalten. In kleineren Runden darf jeder ran. Die Zahl wirkt willkürlich, ergibt aber Sinn, wenn man sie als Trennlinie zwischen Freundeskreis und Verteiler liest.
Neu ist die Idee nicht. Telegram und Signal kennen vergleichbare Massen-Erwähnungen seit Jahren, und in WhatsApp Business gab es Umwege über Broadcast-Listen. Wenn ihr euch fragt, wo der Unterschied zwischen Gruppe und Broadcast liegt: Das haben wir in unserem Ratgeber zu Broadcast in WhatsApp aufgedröselt.
Umfragen: Deadline, Anonymität und 15 Minuten Reue
Die Abstimmungsfunktion bekommt gleich drei Verbesserungen. Erstens lässt sich beim Erstellen eine Endzeit festlegen. Läuft die ab, schließt die Umfrage automatisch und niemand kann nachträglich das Ergebnis kippen. Praktisch für alles, wo ein Termin dranhängt.
Zweitens können Ersteller die Namen der Abstimmenden verbergen. Bisher war in WhatsApp jederzeit sichtbar, wer wofür gestimmt hat, was in Gruppen mit Chef, Schwiegereltern oder Vereinsvorstand die Antworten spürbar beeinflusst hat. Anonyme Umfragen sind der offensichtlich fehlende Baustein gewesen.
Drittens gibt es ein Bearbeitungsfenster von 15 Minuten. Tippfehler in der Frage, eine vergessene Antwortoption oder eine unglücklich formulierte Auswahl lassen sich in dieser Zeit korrigieren, statt die Umfrage löschen und neu anlegen zu müssen. Wie ihr überhaupt eine Abstimmung startet, zeigen wir Schritt für Schritt in der Anleitung Umfrage in WhatsApp-Gruppe erstellen.
Nebengruppen: neue Gruppe aus der alten heraus
Der dritte Punkt ist der unspektakulärste und im Alltag vermutlich der nützlichste. Aus einer bestehenden Gruppe heraus lässt sich künftig eine neue Gruppe mit ausgewählten Mitgliedern anlegen, ohne im Adressbuch nach jedem Kontakt einzeln zu suchen. WhatsApp nennt als Beispiel die Planung einer Überraschungsparty, bei der eine Person eben nicht dabei sein soll.
Realistischer dürfte der Fall sein, dass ein Teilthema aus dem Hauptchat auswandert, bevor 90 Nachrichten über die Sitzordnung den Rest der Gruppe erschlagen. Wer bei der Gelegenheit noch einen Namen für die neue Runde braucht: Wir haben eine Sammlung cooler WhatsApp-Gruppennamen. Und falls ihr umgekehrt nicht ständig in fremde Gruppen gezogen werden wollt, hilft unsere Anleitung, wie ihr Einladungen in WhatsApp-Gruppen verhindern könnt.
Die neuen Gruppenfunktionen im Überblick
| Funktion | Was sie macht | Einschränkung |
|---|---|---|
| @alle | Benachrichtigt alle Gruppenmitglieder gleichzeitig, auch bei stummgeschaltetem Chat | Ab 33 Mitgliedern nur für Admins, pro Nutzer abschaltbar |
| Umfrage-Endzeit | Abstimmung schließt automatisch zum gesetzten Zeitpunkt | Legt der Ersteller beim Anlegen fest |
| Anonyme Umfrage | Verbirgt die Namen der Abstimmenden | Optional, muss aktiviert werden |
| Umfrage nachbearbeiten | Frage und Optionen nachträglich korrigieren | Nur innerhalb von 15 Minuten |
| Gruppe aus Gruppe | Legt eine neue Gruppe mit ausgewählten Mitgliedern an | Keine bekannt |
Verfügbarkeit: wann kommen die neuen Funktionen an?
Meta nennt weder ein konkretes Datum noch eine Reihenfolge nach Plattform. Der Blogeintrag spricht davon, dass die Funktionen ab sofort ausgerollt werden, was bei WhatsApp erfahrungsgemäß über mehrere Wochen serverseitig passiert. Ein App-Update aus dem Play Store oder App Store beschleunigt das nicht zwingend, schadet aber auch nicht. Android, iOS, Web und Desktop sollen alle bedient werden, nur eben nicht zeitgleich.
Parallel testet WhatsApp in der Android-Beta ein erweitertes Speicher-Management, mit dem sich Medien gefiltert über mehrere Chats hinweg löschen lassen. Das ist bisher nicht Teil der offiziellen Ankündigung.
Fazit
Die neuen WhatsApp-Funktionen erfinden den Gruppenchat nicht neu, sie schließen Lücken, die seit Jahren offen waren. Anonyme Umfragen und eine Deadline für Abstimmungen sind Features, die Konkurrenten wie Telegram längst haben. Und @alle ist genau das Werkzeug, das jeder Gruppenadmin schon zehnmal vermisst hat, sinnvollerweise ab 33 Mitgliedern hinter einer Admin-Sperre.
Der spannendste Nebeneffekt ist die Sache mit der Stummschaltung. Eine Erwähnung, die bewusst gesetzte Ruhe durchbricht, ist ein kleiner Bruch mit dem Prinzip, dass Nutzer die Kontrolle über ihre Benachrichtigungen behalten. WhatsApp lässt die Option zwar abschalten, doch die Voreinstellung sagt mehr über die Prioritäten als jede Pressemitteilung. Wer sowieso Ordnung im Messenger braucht, findet in unserem Ratgeber Tipps, wie sich WhatsApp-Chats verbergen lassen.
Quellen: WhatsApp Blog