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Professionelle Datenrettung – Ein Besuch bei Kroll Ontrack

Datensicherung ist ein extrem wichtiges Thema. Nicht nur für große Firmen, sondern auch für kleine Unternehmen oder Privatanwender. Wir bekommen heutzutage diverse Backup-Möglichkeiten angeboten. Ob es die Cloud im Internet, eine USB-Festplatte oder der lokale NAS-Server ist. Doch Datensicherung wird leider immer noch wehleidig behandelt und bei Datenverlust ist der Ärger groß. Bei solchen Fällen kommt Kroll Ontrack ins Spiel, einer der größten Dattenretter der Welt mit Hauptsitz in den USA. Anfang März war ich zu Besuch bei den Datenrettern im deutschen Dattenrettungszentrum in Böblingen bei Stuttgart.

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Täglich kommen zwischen 10 und 25 neue Aufträge in das Datenrettungszentrum, dessen Umfang stark variiert. Manche Aufträge sind innerhalb von Stunden behandelt, andere ziehen sich über Wochen hin.

Bevor es an die Datenrettung geht, wird immer zuerst ein Image von dem defekten Speichermedium erstellt und auf dem hauseigenen Server gesichert. Die Datenretter arbeiten nur an einer Kopie der Daten um diese nicht möglicherweise weiter zu zerstören. Doch auch für mögliche forensische Untersuchungen ist diese Beweismaterialsicherung wichtig. Denn durch die Zugriffe durch Kroll Ontrack können auch Daten verändert werden, wie beispielsweise das Datum des letzten Zugriffes. Doch auch das muss natürlich gesichert bleiben.

Das Datenrettungszentrum ist in zwei Bereiche eingeteilt. Zum einen gibt es den Reinraum, in dem es um die Sicherung der Daten geht. Die Techniker im Reinraum sind eher für die Elektronik zuständig, denn sollte eine Festplatte oder ein Smartphone nicht mehr starten, kann dort auch auf ein riesiges Lager zurückgegriffen werden um defekte Teile mit Ersatzteilen zu ersetzen. In dem Lager befinden sich Festplatten der letzten 8 Jahre um aktuelle Jobs mit Ersatzteilen zu versorgen. In manchen Fällen reicht auch das nicht und es wird sogar Hitze oder Kälte als mögliche Fehlerkorrektur eingesetzt.

Ein reiner Austausch der defekten Hardware reicht jedoch nicht aus, denn die Daten enthalten dann falsche Parameter und können somit nicht gelesen werden. Daher gibt es noch eine zweite Abteilung bei Kroll Ontrack. Das Labor ist für den logischen Teil zuständig. Dort sitzen die Informatiker und durchforsten die Daten nach falschen Parametern und bessern Datenfehler aus.

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In der heutigen Zeit müssen natürlich nicht nur Daten von Festplatten gerettet werden. Auch Smartphones können unter Datenverlust leiden. Dafür muss das Smartphone nicht nicht mal kaputt gehen. Man kann auch aus versehen eine wichtige Telefonnummer oder Nachricht gelöscht haben. Mittlerweile haben rund 5 Prozent der Aufträge die Kroll Ontrack erhält mit Smartphones zu tun.

Bei manchen Geräten ist das nicht ganz unproblematisch und die Datenrettung gestaltet sich schwierig. So ist es bei Apples iPhones bis zum iPhone 4 möglich gewesen alle Daten auszulesen. Auch wenn diese gelöscht waren oder der Sperrcode nicht bekannt war. Seit dem iPhone 4S ist das leider nicht mehr möglich.

Durch die verwendete Verschlüssung seit dem iPhone 4S kann nur noch ein rein logischer Zugriff erfolgen. Das heißt die Daten können nur so ausgelesen werden, wie sie beim Start des iPhones auch sichtbar wären. Natürlich hat Kroll Ontrack dennoch einige Tricks auf Lager.

So gibt es eine spezielle SPSW-Datei, die das iPhone beim Zurücksetzen nicht auf Werkseinstellungen zurücksetzt und somit die Dateien des Users erhält. Dadurch kann man wieder Zugriff auf das iPhone erlangen.

Bei Smartphones wird viel durch die Software XPY erreicht, welche ein Backup der Geräte machen kann. Die Wiederherstellung von Daten kann so relativ schnell erfolgen – sofern sie denn überhaupt noch da sind.

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Davon kriegt der Kunde jedoch nichts mit. Er liefert sein kaputtes Gerät ein und erhält zunächst eine Diagnose. Diese kostet je nach Service-Variante mindestens gute 100,- Euro. Enthalten ist dabei ein File Reporting in dem Kroll Ontrack mitteilt, welche Daten gerettet werden können. Erst danach erteilt der Kunde den vollständigen Auftrag zur Datenrettung. Im günstigsten Tarif landen Privatanwender bei Festplatten dann zwischen 700 und 900 Euro. Dafür bekommen sie jedoch auch ihre Daten auf einer neuen USB-Festplatte ausgeliefert, welche verschlüsselt an den Kunden zurück geschickt wird. So wird sichergestellt, dass nur er die Daten lesen kann.

Bei Smartphones ist die Datenrettung zwar deutlich günstiger, dennoch sollte man sich lieber vorher schon um eine Sicherung seiner Daten kümmern, bevor man dann das Nachsehen hat. Also legt bitte von den Daten die euch wichtig sind Backups an. Und wenn es eine automatische Cloudsicherung von geschossenen Fotos auf dem Smartphone ist.

Hast du schon mal einen Datenverlust gehabt? Womit hast du dein Backup organisiert oder waren die Daten komplett weg?

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Simon Lüthje

Ich bin der Gründer dieses Blogs und interessiere mich für alles was mit Technik zu tun hat, bin jedoch auch dem Zocken nicht abgeneigt. Geboren wurde ich in Hamburg, wohne nun jedoch in Berlin.

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