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Alternative zu Repeatern: MESH WLAN Netze

E-Mail, Messenger, Streaming-Dienste, Social Media Plattformen – sämtliche Apps und Dienste, die wir im täglichen Gebrauch über das Internet nutzen, haben das globale Netzwerk längst zu einem unverzichtbaren Kommunikationsmittel gemacht. Für viele gibt es daher nichts schlimmeres als ein Abbruch der Verbindung. Für alle, die zu Hause oder in ihrem Unternehmen für lückenlosen WLAN-Empfang sorgen wollen, sind die neuen MESH-Netze vielleicht genau das, worauf sie gewartet haben. In diesem Beitrag erklären wir, was MESH-Netze sind und worauf es in der Praxis ankommt.

Grundlagen der WLAN MESH Technologie

MESH-Systeme sind durch mehrere Router verbundenen Netze, die selbst bei größeren Wohn- und Arbeitsflächen für eine gleichmäßige und flächendeckende Verteilung der Signale sorgen können. Somit sollen unerwünschte Funklöcher im Büro oder den eigenen 4 Wänden jetzt endlich der Vergangenheit angehören.

Im Gegensatz zu WLAN-Repeatern, die bis dato das Mittel der Wahl zur Verbesserung des WLAN-Empfangs waren, überzeugen MESH-Netze mit einer gleichmäßigeren Versorgung (in Bezug auf die Fläche UND die Leistung!) sowie einem intelligenterem und damit flexibeleren Management.

AVM, Netgear, Google, Linksys sind hierzulande aktuell die Vorreiter in Bezug auf die Hardware (s. unten). In unserem Nachbarland Österreich hat der Anbieter A1 allerdings das bisher anschaulichste Video zur Erklärung geliefert (ab 0:57 ):

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MESH WLAN Netze als Alternative zu zentralen Systemen

Im Gegensatz zu einem gewöhnlichen W-LAN-Router, der sein Signal häufig aus den verwinkeltsten Ecken der Wohnung an die Endgeräte weitersenden muss, können die dezentralen MESH-Systeme genau dort platziert werden, wo sie auch benötigt werden. Das aus mehreren Routern bestehende Netzwerk bietet eine flexible Handhabung der Endgeräte, die in der Wohnung oder im Büro direkt am Schreibtisch oder im Wohnzimmer aufgestellt werden können.

Dadurch ist das Signal nicht nur an jener Stelle der Wohnung am stärksten, an der ihr den Router sonst anbringen würdet, sondern an jedem noch so abgelegenem Ort eurer Wahl. Somit bietet die MESH-Variante zentralen Systemen gegenüber vor allem den Vorteil, dass selbst bei größeren Büroflächen ein flächendeckendes Signal mit gleichbleibend hoher Geschwindigkeit genutzt werden kann.

Funktionsweise der „Vermaschten“ Netze im Detail

Grundlegend wird durch die Router eines MESH-Netzes ein einziges, großes Netz erzeugt (eine SSID!), in dem an allen Standorten die gleichmäßig verteilte, maximale Übertragungsleistung anliegt. Bei der Nutzung von Repeatern erzeugt im Gegensatz hierzu jeder Verstärker ein eigenes Subnetz. Diese Subnetze sind technisch bedingt aber wesentlich schwächer als das Hauptnetz.

Ein weiterer Vorteil der MESH-Technologie ist aber auch die Fähigkeit zur Selbstkonfiguration. Während in zentralen Systeme bei Störungen das gesamte Netz lahmliegt, gewährleistet die dezentrale Variante auch dann das Funktionieren des Systems, wenn einzelne Knotenpunkte ausfallen sollten. Diese Funktionsweise basiert auf sogenannten „Ad hoc“-Systemen, dessen Funknetz aus mindestens zwei Endgeräten besteht, die miteinander zu einem „vermaschten“ Netz verknüpft werden.

Die mobilen Endgeräte wie Handys, Notebooks oder Tablets werden schließlich über Wireless Access Points miteinander verbunden, die einen drahtlosen Internetzugang ohne festen Ausgangspunkt ermöglichen. Hier liegt ein weiterer fundamentaler Unterschied zu Repeater-Systemen, bei denen das Endgerät entscheiden muss, welches Netz genutzt wird. Die Access-Points übergeben die Endgeräte untereinander fließend, sodass ihr immer den besten Empfang genießt – auch wenn ihr z.B. mit dem Smartphone aus dem Erdgeschoss ins 2. OG wechselt!

Eine effektive Verteilung der Datenlast wird vor allem dadurch gewährleistet, dass das sich ständig erneuernde Routingverfahren nicht nur den genauen Standpunkt der verschiedenen Endgeräte ermittelt, sondern auch prüft, ob neue Geräte hinzukommen oder ausfallen. Dementsprechend wird die Datenlastverteilung genaustens an das sich verändernde Netz angepasst und Sie erhalten jederzeit die bestmögliche Internetverbindung.

Übrigens: Die MESH-Technologie beschränkt sich in den Funktionsprinzipien nicht nur auf WLAN-Netze! AM 18.07.2017 präsentierte die Bluetooth Special Interest Group (SIG) in den USA die MESH-Netzwerk-Erweiterung für ihr Funkprotokoll.

Eine Übersicht der verschiedenen MESH Router

Trotz der ähnlichen Funktionsweise aller sich selbst konfigurierenden Systeme, bietet der Markt eine Bandbreite an verschiedenen MESH-Routern, die selbstverständlich mit den unterschiedlichsten Vorzügen sowie mit gewissen Nachteilen daherkommen.

Während das Orbi-System von Netgear sowie die Router von Google Wifi mit einer besonders nutzerfreundlichen Handhabung ihrer Komplettsysteme werben, bietet das Velop-System von Linksys eine zusätzliche Integration von Alexa an, die jedoch nicht ganz unumstritten ist. Derweil erprobt AVM für die Fritzboxen die Erweiterung seiner bisherigen Infrastruktur durch Repeater und Powerline-Adapter, die sich zwar nur an bestimmte Fritzboxen anschließen lassen, aber immerhin eine kostengünstige Variante in echter MESH-Qualität bieten. Einen Überblick über die derzeit gängigsten MESH-Geräte samt ihrer Vor- und Nachteile erhaltet ihr bei uns.

Das Orbi System von Netgear

Das Orbi-System von Netgear verspricht vor allem eine einfache Handhabung des Tri-Band-Systems, das aus einem Orbi-Router und den beiden AP-Verstärkern, den Orbi-Satellites, besteht. Per einfachem Knopfdruck sollen die schlichten Geräte installiert und miteinander verbunden werden können, die auf einer Gesamtfläche von 350 Quadratmetern eine Übertragungsrate von bis 1,733 MBit/s erreichen. Allerdings funktioniert die Einrichtung via Knopfdruck nur dann, wenn keine festen IP-Adressen genutzt werden und sämtliche Geräte über WLAN verbunden sind. Soll es jedoch an ein System mit festen IP-Adressen gebunden werden, bei dem die Geräte über ein Kabel angeschlossen sind, ist eine Installation über den PC notwendig.

Google Wifi

Einfacher ist die Installation bei den Routern von Google Wifi, die beim Einsatz von mindestens einem zusätzlichen Node ein Netzwerk bilden sollen, das eine Fläche von 400 Quadratmetern abdeckt. Die einzelnen Geräte sollen in nur wenigen Minuten per einfacher Handy-App angeschlossen und verwaltet werden können, dessen Network-Assistent euch Schritt für Schritt durch die Einrichtung führt. Der einzige Nachteil scheint bisher der Preis zu sein, da der einzelne Router zwar schon ab 130 € erhältlich ist, aber seine volle Leistung erreicht er erst mit zusätzlichen Nodes, die im Doppelpack um die 250 € kosten.

Velop von Linksys

Auch Linksys‘ Velop-Router (zum Test) bietet ein aus drei Einheiten bestehendes MESH-System, das auf eine besonders ausgewachsene Funktechnik setzt. Neben der Konfiguration, die mittels Bluetooth LE über eine App stattfindet, ist auch die Integration von Alexa möglich. Über Sprachbefehle erlaubt sie die Verwaltung des eigenen Netzwerks, was auch schon zu den Hauptkritikpunkten bei den Velop-Routern gehört. Die Weitergabe von Passwörtern über Sprachbefehle stellt für viele Nutzer eine Sicherheitslücke dar, die ihr jedoch vermeiden könnt, indem ihr die Funktion gänzlich abschaltet.

AVM & die FRITZ!Box

Der Berliner Routerhersteller AVM erprobt derzeit die Ausbaufähigkeit bestimmter Fritzboxen, die mit zusätzlichen Repeatern und Adaptern ein zuverlässiges MESH-Netz herstellen sollen. Die sich in der Beta-Phase befindende Labor-Version lässt sich bisher aber nur bei den Fritzboxen 7490, 7580 und 7590 anwenden, die mithilfe der Power-Adapter und Repeater zu Access Points umfunktioniert werden. Besonders hervorzuheben ist das gute Preis-Leistungsverhältnis, da eine Einheit zu einem Preis von 70 € zu haben ist, was im Schnitt nur ein Fünftel des Preises ist, den andere Anbieter verlangen.

Fazit

Die MESH-Technologie ist mehr als nur eine Alternative zu Repeatern für euer WLAN-Netz. Tatsächlich erzeugen MESH-Netze ein einziges großes Netzwerk mit nur einer SSID. Der Übergang zwischen den Knotenpunkten kann also fließend erfolgen – im Gegensatz zum Ablauf bei Repeater-Lösungen. Zudem lassen sich „tote Zonen“, also Gebiete im Gebäude ohne Empfang, auf ein absolutes Minimum reduzieren.

Schließlich ermöglichen die MESH-Netze, auch wenn es sich bei den „bis zu“ Angaben der Hersteller genau genommen natürlich auch hier um Augenwischerei handelt, höhere Up- und Download-Geschwindigkeiten. Wenn also der Preis stimmt und die Einrichtung intuitiv erfolgen kann, wird sich diese Netzwerk-Technologie wohl nicht mehr aufhalten lassen.

Obwohl MESH WLAN eine sichere und flächendeckende Internetverbindung garantiert, die sich nachweislich immer mehr Nutzer wünschen, schien die bisher zu komplizierte Einrichtung der Router viele Verbraucher nicht zu überzeugen. In Zukunft kann man jedoch auf Geräte hoffen, dessen Installation über Knopfdruck oder via Handy-App denkbar einfach ist.

Auch die hohen Preise der Geräte haben bisher dafür gesorgt, dass viele Interessenten von einem Kauf abgesehen haben, doch inzwischen gibt es viele verschiedene Modelle zu angemessenen Preisen. So können immer mehr Verbraucher von den vielversprechenden MESH-Systemen profitieren, die vor allem bei größeren Wohn- und Bürolandschaften auf eine reibungslos funktionierende WLAN-Internetverbindung angewiesen sind.

Auch gesellschaftlich und politisch bieten sich durch die MESH-Technologie neue Möglichkieten.  So kann das Commotion-Wireless-Netz auch an Orten angewendet werden, an denen die Nutzer von staatlicher Zensur und Repressalien betroffen sind. Die drahtlose Infrastruktur ermöglicht somit die Erschaffung eines ungestörten Raums, an dem ungestört Informationen ausgetauscht werden können. Beispielsweise das geplante „Halal-Netz“ konnte so umgangen werden, wie es 2013 bei den Präsidentschaftswahlen im Iran der Fall war. Die dezentrale MESH-Variante könnte also auch politisch an Bedeutung gewinnen, da es zukünftig neue Strukturen erschafft, die zu einem grenzenlosen Austausch von Informationen und zur weltweiten Kommunikation beitragen.

Olaf Hennig

Olaf Hennig gründete 1996, nach seinem Elektrotechnik-Studium an der Uni Dresden und seinem Abschluss als staatlich geprüfter Techniker für Datenverarbeitungstechnik am DAA-Technikum Jena, das Unternehmen Funk & Telefonsysteme Hennig e.K.

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Simon

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