Wer sich heute einen Heimspeicher wie den Zendure SolarFlow 2400 Pro (€ 738,99 *) oder den SolarFlow 2400 AC (Preis nicht verfügbar *) zulegt, kauft nicht mehr nur einen Akku mit Wechselrichter, sondern ein System, das eigenständig Entscheidungen trifft und dem Nutzer beim Stromsparen hilft. Zendure nennt seine KI-Steuerung ZENKI und verspricht damit Einsparungen von bis zu 73 Prozent gegenüber ungesteuertem Betrieb. Klingt gut auf dem Papier – aber wie verhält sich das Ganze, wenn man es tagelang im eigenen Zuhause laufen lässt? Genau das haben wir uns angeschaut, mit besonderem Fokus auf die drei verfügbaren Steuerungsmodi: ZENKI, Auto und Expert.
Ein System, drei Philosophien der Steuerung
Zendure gibt Nutzern nicht nur einen Automatikmodus an die Hand, sondern gleich drei unterschiedliche Herangehensweisen, wie das Energiemanagement im Haus organisiert werden kann. Das ist im Vergleich zu vielen Wettbewerbern schon mal ein Pluspunkt, weil nicht jeder Haushalt die gleichen Anforderungen hat.
ZENKI-Modus: Hier übernimmt die KI die komplette Optimierung. Sie bezieht Echtzeit-Strompreise, Wetterprognosen und die individuellen Verbrauchsgewohnheiten des Haushalts ein und entscheidet auf dieser Basis, wann geladen, entladen oder Netzstrom bezogen wird. Grüner Strom wird dabei bevorzugt behandelt. Wer einen dynamischen Stromtarif nutzt, profitiert hier natürlich am meisten. Zendure punktet nämlich mit einer Anbindung an 870 Stromanbieter in 32 europäischen Märkten.
Auto-Modus: Etwas zurückhaltender als ZENKI, aber trotzdem automatisiert. Der Auto-Modus passt sich in Echtzeit an die aktuellen Bedingungen im System an und eignet sich damit für praktisch jedes Setup – auch für Haushalte ohne dynamischen Tarif oder Smart Meter.
Expert-Modus: Für alle, die lieber selbst Hand anlegen. Hier lassen sich feste Zeitfenster und individuelle Regeln definieren, etwa „lade zwischen 2 und 5 Uhr nachts“ oder „priorisiere die Wärmepumpe ab 18 Uhr“. Wer sein Verbrauchsverhalten genau kennt oder besondere Anforderungen hat, kann damit deutlich präziser eingreifen als es eine automatische Steuerung je könnte.
Der ZENKI-Modus im Alltag: Wie gut trifft die KI ihre Entscheidungen?
Im Alltag war genau dieser Punkt für uns am spannendsten. Schließlich verspricht Zendure hier die größte Entlastung. Man soll das System einfach laufen lassen können, ohne täglich in die App schauen zu müssen. Und tatsächlich funktioniert das größtenteils so, wie es sein soll. Sobald Smart Meter und dynamischer Tarif eingebunden sind, beginnt das System sichtbar vorausschauend zu arbeiten.
An sonnigen Tagen wird der Speicher konsequent aus PV-Überschuss gefüllt, an bewölkten Tagen mit absehbar schwacher Solarleistung lud das System stattdessen gezielt in günstigen Nachtstunden nach. Das Ganze lässt sich dann sehr gut anhand der Ladekurven in der App erkennen. Bemerkenswert ist, dass das System auf wechselhafte Wetterlagen reagiert.
Statt starr an einem einmal festgelegten Plan festzuhalten, passt die KI ihre Prognose im Tagesverlauf bei Bedarf mehrfach an, wenn sich die tatsächliche PV-Erzeugung von der Vorhersage unterscheidet. Das wirkt weniger wie eine feste Zeitschaltuhr mit Wetterbonus und eher wie eine Steuerung, die tatsächlich mitdenkt.
Wo die Grenzen liegen, zeigt sich dann mitunter bei sehr kurzfristigen, spontanen Lastspitzen. Das ist etwa dann der Fall, wenn plötzlich mehrere Großverbraucher gleichzeitig anlaufen. Hier reagiert das System zuverlässig, aber eben reaktiv statt vorausschauend, was bei einer KI-Steuerung auch kaum anders zu erwarten ist. Wer plant, punktuell sehr spezifische Lasten zu takten, ist im Expert-Modus besser aufgehoben.
Spannend ist in diesem Zusammenhang, dass Zendure auf der IFA 2026 mit Agentic HEMS bereits einen Schritt in diese Richtung angekündigt hat. Das System soll über reine KI-Planung hinausgehen: Mithilfe des ZenPulse-Prognosemodells und eigenständig handelnder ZENKI-KI-Agenten will Zendure nicht mehr nur reagieren, sondern vorausschauend planen und selbstständig handeln, etwa um eine teure Lastspitze frühzeitig mit gespeicherter Energie abzufedern. Ob das auch spontane Lastspitzen der hier getesteten Art zuverlässiger abfedert, konnten wir im Testzeitraum noch nicht prüfen, da uns diese Funktion noch nicht zur Verfügung stand.
Auto-Modus: Die pragmatische Mitte
Ohne Smart Meter oder dynamischen Tarif bleibt der Auto-Modus die naheliegende Wahl. Genau hier zeigt sich, dass Zendure auch für einfachere Setups mitgedacht hat. Die Regelung reagiert auf aktuelle Erzeugungs- und Verbrauchswerte, ohne auf die Preisprognosen von ZENKI angewiesen zu sein. In der Praxis läuft das unauffällig und zuverlässig.
Zwar mag das alles weniger „intelligent“ sein als der ZENKI-Modus, aber eben auch deutlich anspruchsloser in der Einrichtung. Für Haushalte, die primär den Eigenverbrauch maximieren wollen, ohne sich mit Tarifstrukturen zu beschäftigen, ist das eine solide und pragmatische Lösung.
Expert-Modus: Volle Kontrolle für alle, die es genau wissen wollen
Der Expert-Modus richtet sich klar an eine andere Zielgruppe. Wer eigene Zeitfenster definieren möchte, bekommt hier ein Werkzeug für Feintuning an die Hand. Ratsam ist das etwa dann, wenn ein bestimmter Stromtarif nur zu festen Uhrzeiten günstig ist oder wenn einzelne Verbraucher priorisiert werden sollen. Hilfreich ist dabei die dynamische Preisanzeige. Diese wird in 15-Minuten-Intervallen aktualisiert, was dabei hilft, die Verhaltensregeln für das System nicht auf gut Glück festzulegen.
Allerdings erfordert der Experten-Modus eben auch mehr Aufwand. Wer den Expert-Modus sinnvoll nutzen will, muss sich nicht nur mit den eigenen Verbrauchsmustern auseinandersetzen. Auch muss man wissen, dass die Regeln bei Änderungen im Haushalt (neues E-Auto, andere Arbeitszeiten, saisonale Schwankungen) angepasst werden sollten. Für alle, die genau das wollen – volle Kontrolle statt Blackbox – ist das aber ein echtes Argument für das System und nicht dagegen.
Zwischen den Modi wechseln: Kein Alles-oder-nichts
Positiv fällt auf, dass der Wechsel zwischen den drei Modi jederzeit in der App möglich ist, ohne dass Konfigurationen verloren gehen. Wer zunächst im Auto-Modus startet und später merkt, dass sich ein dynamischer Tarif lohnt, kann nahtlos zu ZENKI wechseln. Ebenso lässt sich der Expert-Modus punktuell für einzelne Sonderfälle nutzen, ohne die automatische Steuerung dauerhaft aufzugeben.

Sprachsteuerung und offenes Ökosystem als Zusatznutzen
Neben der reinen Lade- und Entladelogik bringt das System auch einen Sprachassistenten mit, der freihändige Bedienung und akustische Statusmeldungen erlaubt. Das mag zwar kein Kernfeature sein, im Alltag könnte es für manch einen aber durchaus zusätzlichen Bedienkomfort bedeuten.
Viel wichtiger für die praktische Relevanz der KI-Steuerung ist aber die Offenheit des Ökosystems. Die Integration von Smart-Home-Plattformen, Wallboxen und unter anderem Tesla-Fahrzeugen (Model 3/Y) bedeutet, dass ZENKI nicht isoliert arbeitet, sondern zunehmend auch größere Verbraucher im Haus mit einbeziehen kann.
Fazit: Wie gut ist die KI-Steuerung wirklich?
Die kurze Antwort: überraschend gut! Allerdings ist der volle Nutzen an Voraussetzungen geknüpft. Der ZENKI-Modus schöpft sein immenses Sparpotential nämlich nur im Zusammenspiel mit Smart Meter und dynamischem Tarif spürbar aus. Diese sind Grundlage für vorausschauende Entscheidungen, die über simples Reagieren hinausgehen. Ohne diese Zusatzkomponenten bleibt viel von diesem Potenzial ungenutzt, und der Auto-Modus übernimmt dann solide, aber deutlich unspektakulärer die Regelung.
Für Technikinteressierte, die genau verstehen wollen, was ihr System wann tut, und die bereit sind, selbst Hand anzulegen, bietet der Expert-Modus eine Kontrolltiefe, die man bei vielen Konkurrenzsystemen vermisst. Am Ende zeigt sich: Die drei Modi sind kein Marketing-Feature, sondern decken tatsächlich drei unterschiedliche Nutzertypen ab – von „einfach laufen lassen“ bis „ich will jede Entscheidung selbst treffen“. Genau diese Flexibilität macht ZENKI im Alltag so interessant.
Bilder: Zendure
