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Umschulung für Quereinsteiger – was zu beachten ist

Die Zeiten sind längst vorbei, in denen der Beruf maßgeblich die eigene Identität bestimmt. Die Nachnamen von Personen zeugen von einer Reihe längst vergessener Berufe wie der Beruf des Meiers, Wagners, Küfers, Hofmeisters und Köhlers. Bis weit in das Industriezeitalter hinein war es vor allem im Handwerk der Regelfall, dass man bei seinem Beruf sein Leben lang blieb. Großartige Wahlmöglichkeiten gab es ebenfalls nicht. Während höhere Bildung den Eliten vorbehalten war, galt für das Handwerk das Prinzip: wie der Vater, so der Sohn.

Gründe für die Umschulung

Die Zeiten haben sich geändert. Berufstätige, die während ihrer Laufbahn mehr als zehn Stellen besetzen, sind eher die Regel als die Ausnahme geworden. Bestimmte Berufe wie der Schriftsetzer, Korbmacher und Büromaschinenmechaniker haben keine Zukunft mehr, sodass eine Umschulung notwendig wird, um für den Arbeitsmarkt attraktiv zu bleiben. Andere Interessenten finden nach einer langen Pause, die durch Krankheit oder Elternzeit verursacht wurde, keinen Anschluss in ihrem alten Beruf.

In anderen Fällen sind es Pull-Faktoren, die für den Wunsch den Ausschlag geben, mit einer Umschulung frisch durchstarten zu können. Hier sind durch den technologischen Fortschritt neue Berufsfelder entstanden, die das eigene Interesse wecken und mit zahlreichen Chancen verbunden sind. Auch der Wunsch nach dem Erlernen neuer Fähigkeiten und attraktivere Löhne können als Triebfeder Pate spielen. Die Persönlichkeit kann sich mit der Zeit ändern und mit ihr die Interessen sowie die Sichtweise auf Prioritäten. Weitere Bewerber spüren persönliche Potenziale auf, die sie nur in einem anderen Beruf ausschöpfen können.

Der Ablauf einer Umschulung

Die Umschulung dauert im Regelfall zwei Jahre und ist damit ein Jahr kürzer als eine ordentliche Berufsausbildung. Ein anderer Unterschied zur Ausbildung, die ausschließlich in Vollzeit angeboten wird, besteht darin, dass Bewerber die Wahl zwischen einer Umschulung in Vollzeit oder Teilzeit haben. Bei einer Umschulung in Teilzeit wird vor allem im praktischen Teil der Ausbildung gekürzt. Dies geschieht, um der persönlichen Situation vieler Absolventen gerecht zu werden, die mitten im Leben stehen und eine Familie zu versorgen haben.

Die Abschlussprüfungen bleiben für beide Gruppen allerdings gleich, sodass für eine Umschulung in Teilzeit ein besonderes Organisationstalent gefragt ist, das sich mit der Bereitschaft zur selbstständigen Aneignung von Lerninhalten verbindet. Manche Angebote für die Umschulung in Teilzeit bieten Bewerbern allerdings eine Ausbildung in 30 oder 36 Monaten an, um den Lernaufwand zu entzerren. Eine Abschlussprüfung am Ende der Umschulung entscheidet darüber, ob man bestanden hat und das Zertifikat erwirbt.

Die Arten der Umschulung

Eine entsprechende Fortbildungsmaßnahme kann als schulische, betriebliche und überbetriebliche Umschulung erfolgen. Die Unterscheidung hat verschiedene Auswirkungen auf den Ablauf.

Schulische Umschulung

Bei der schulischen Umschulung dominiert der theoretische Part der Ausbildung. Während diese in einer Berufsschule stattfindet, ergänzen Praktika den Unterricht. Ein Gehalt wird nicht gezahlt. Stattdessen müssen Bewerber oftmals Gebühren für die Ausbildung entrichten.

Betriebliche Umschulung

Die betriebliche Umschulung wird von Arbeitgebern getragen, die ein Gehalt zahlen, das nur geringfügig weniger ist als bei einer ordentlichen Ausbildung. Zur Anwendung kommt das duale System, das heißt, die Umschulung findet praktisch im Betrieb und theoretisch in der Berufsschule statt. Nach erfolgreichem Abschluss werden die Absolventen vom betrieblichen Träger als reguläre Arbeitskräfte übernommen.

Überbetriebliche Umschulung

Der Träger ist eine von der IHK anerkannte Bildungsinstitution. Während der Träger den theoretischen Teil der Umschulung übernimmt, werden zur Bewältigung des praktischen Teils Praktika in externen Betrieben absolviert. Die Kosten übernimmt das Jobcenter oder die Arbeitsagentur. Die Chance auf Übernahme ist geringer als bei einer von einem Betrieb getragenen Umschulung. Dafür vermittelt der überbetriebliche Träger zu mehreren Betrieben und kooperiert hierzu mit freien Unternehmen.

Der richtige Auftritt gegenüber dem Sachbearbeiter

Wer eine Umschulung machen möchte, sollte sich mit dem Jobcenter oder der Arbeitsagentur in Verbindung setzen. Ein Rechtsanspruch auf Kostenübernahme entsteht nicht. Wer seinem Fallmanager die Notwendigkeit dieser Maßnahme plausibel machen kann und diesen von der persönlichen Eignung und den Perspektiven der neuen Ausrichtung überzeugt, hat aber gute Chancen, dass der Sachbearbeiter dem Antrag auf Förderung zustimmt.

Gastautor

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