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Testbericht: „Albion Online“ von Sandbox Interactive – Sei wer du willst!

MMORPGs sorgen seit jeher für unterhaltsame Spielstunden auf der heimischen Couch, hält die spielergesteuerte Wirtschaftsmaschinerie die Langzeitmotivation der Zockergemeinde doch auf einem konstant hohen Level. Diesen Umstand macht sich auch deutsche Spieleschmiede Sandbox Interactive zu Nutze und hat mit „Albion Online“ einen riesigen MMO-Sandkasten geschaffen. Ob die Mixtur aus vollkommener Freiheit, vielfältigen Möglichkeiten und einem dynamischen Spielareal überzeugen kann? Wir verraten euch mehr in unserem Test.

Story: Verloren im Nichts

Nun, eine wirkliche Story gibt es bei „Albion Online“ nicht, vielmehr wird der Spieler mitten in das Geschehen von hineingeworfen. Nachdem ihr euren Charakter kreiert habt, findet ihr euch in der tristen Einöde wieder, ohne jegliche Ausstattung und Rückzugsmöglichkeit.

Schnell wird klar, dass ihr aktiv werden müsst, um euren Platz in dem Wüstenland zu finden.

Ihr wohnt zunächst lediglich einfachen Stammesverbänden bei und macht einen großen Bogen um jegliche Raubtiere, die euch gefährlich werden können.

Ansonsten stehen sich in dem Albion-Universum zahlreiche verfeindete Gruppierungen gegenüber, wie beispielsweise die Ketzer, die Hüter von Albion, die Untoten sowie die Morganas.

Gameplay: Vom edlen Handelsmann zum mächtigen Zauberer

Ansonsten erinnert die offene Spielwelt mit seinem mittelalterlichen Touch ganz an Games im Stile von „Dark Age of Camelot“ und „League of Legends“.

Der komplette Wirtschaftskreislauf ist spielergesteuert und auf Hauptmissionen wird hier gänzlich verzichtet. Vielmehr habt ihr alle Möglichkeiten, euch frei zu entfalten und könnt auf den unendlichen Kontinenten des Spiels ganz nach Lust und Laune farmen, craften und handeln.

In der Iso-Perspektive erforscht ihr verschiedenste Areale, wie staubige Wüstenlandschaften oder steiles Gebirge und sammelt nützliche Rohstoffe, wie Holz, Stein, Metalle oder Fasern.

Die jeweilige Qualitätsstufe der Ressourcen bestimmt den Aufwand, der mit der Beschaffung verbunden ist.

Wart ihr bei eurer Suche erfolgreich, könnt ihr mit den Rohstoffen euer ganz persönliches Eigenheim erschaffen sowie Möbel und Deko-Elemente zusammenzimmern.

Möchtet ihr eure Versorgung noch optimieren, könnt ihr euch anderen Gilden anschließen und euch untereinander mit nützlichen Rohstoffen versorgen, um größere Bauprojekte oder eine eigene Gildeninsel zu errichten. Leider sind viele Rohstoffe aufgrund der hohen Spielerzahl gnadenlos abgefarmt. Hier wären ein paar mehr Städte sinnvoll gewesen, um die Spielerhorden aufzufangen.

Neben einem komplexen Handelskreislauf punktet „Albion Online“ zudem noch mit einem ausgefeilten PvP-System, das stets die richtige Strategie erfordert. In den Schlachten werdet ihr nur dann von Erfolg gekrönt, wenn ihr eure Waffen, Rüstung und Magie bestmöglich miteinander kombiniert. Je mächtiger eure Klinge, euer Zauberstab oder euer Schild ausfällt, desto höher sind eure Siegchancen.

Die richtige Ausrüstung erlangt ihr vor allem, wenn ihr im Waffenhandwerk ein gutes Händchen beweist.

Die dafür vorgesehen Handwerksmaterialien erlangt ihr von Gegnern oder sammelt sie in der weitreichenden Spielwelt ein.

Zudem gibt es ganz besonders seltene Gegenstände, die euch einzigartige Fähigkeiten bescheren. Hierzu bedarf es wertvoller Ressourcen, die so nur selten in verborgenen Schatztruhen zu finden sind.

Auch im Kampf bewährt sich Teamgeist und wirkliche Fortschritte werdet ihr nur als Gilde erzielen. In wilden Raubzügen gelangt ihr nicht nur an wertvolle Ressourcen, sondern verschiebt die Machtverhältnisse auch zu euren Gunsten. Aber auch friedlich gestimmte Spieler kommen hier voll auf ihre Kosten, ohne von Feinden und Monstern gestört zu werden. Speziell markierte Zonen versprechen Schutz und die ideale Spielwiese für Neulinge.

Welche Fähigkeiten ihr in „Albion Online“ grundlegend ausbauen wollt, ist ganz euch überlassen.

Mittels des Destiny Boards könnt ihr verschiedenste Fertigkeiten erlangen und kontinuierlich ausbauen. Ob ihr euch nun vielseitigen Kampftechniken widmet, euer Handwerk als Schmied perfektioniert oder euch lieber als erfolgreicher Händler in Reichtum suhlen wollt, bleibt ganz euch überlassen. So wird aus einem einfachen Bogenschützen im Nu ein mächtiger Zauberer, wenn der Spieler diesen Weg denn gehen will.

Ein wichtiger Punkt, in dem sich Albion Online angenehm von anderen Genrevertretern abhebt, ist der, dass euch während des Spiels keine festgelegte Klasse aufgezwungen wird. Vielmehr könnt ihr euch im Laufe des Geschehens immer wieder andere Fähigkeiten anvisieren und verleiht eurer Figur damit ausgesprochen hohe Individualität. Doch diese breite Auswahl ist gleichermaßen Fluch und Segen zugleich. So wird man von den vielfältigen Möglichkeiten regelrecht übermannt. Um jedoch Meister eines Faches zu werden, gilt es, ordentlich Geduld zu beweisen und ein- und dieselbe Fähigkeit in Dauerschleife zu absolvieren. Und überhaupt kommt immer wieder der Eindruck auf, dass die investierte Mühe und Zeit nur mit mäßigen Skills belohnt werden.

Für jeden Berufszweig winken euch passende Quests, die bei Absolvierung mit Ruhmespunkten abgeschlossen werden und euch in den Spielstufen aufsteigen lassen.

Wenn auch der stete Aufstieg hier sehr reizvoll erscheint, erlangt ihr binnen kürzester Zeit Routine und folgt dem ewigen Kreislauf aus Farmen und Craften.

Um das Portemonnaie eurer Spielfigur stetig zu füllen, macht es Sinn, alles zu sammeln, was euren Weg kreuzt und diese Gegenstände im Auktionshaus in Münzen zu verwandeln.

Neben gesammelten Ressourcen könnt ihr selbstredend auch eure Farmerzeugnisse, wie Obst und Gemüse an den Mann bringen oder daraus wertvolle Tränke mixen.  Jeder Herstellvorgang erfordert jedoch eine Investition an virtuellem Geld. Wer die nächste Stadt bereisen möchte, sollte jedoch Vorsicht walten lassen. Wer in einem Gebiet von Feinden überrascht wird, kann schnell alles an Equipment verlieren. Daher ist es ratsam, insbesondere wertvolle Items schnell zu Geld zu machen.

Balance: Hier ist Teamgeist gefragt

Die einzelnen Dungeons sind in unterschiedliche Schwierigkeitsstufen unterteilt, die euch Aufschluss darüber geben, mit welcher Spielerzahl diese zu bezwingen sind. Hier vermissen wir definitiv etwas Abwechslung sowie die Kreativität seitens der Entwickler. Zwar dürft ihr euch in Albion Online auch an wütenden Räubern und Kreaturen austoben, wirklich komplexe Kämpfe erwarten euch jedoch nur in festen Gilden. Und genau hier liegt ein enormer Schwachpunkt des Spiels. Wer wirklich das Wesen des Spiels vollends auskosten möchte, muss im Team agieren. Einzelkämpfer werden nur wenig erreichen und sehen sich früher oder später gezwungen, sich einer Gruppe anzuschließen. Wirklich weit voran kommt ihr nur, wenn ihr euch mit den Besten verbündet. Überhaupt werden Einsteiger hier ziemlich allein gelassen, da Tode sehr hart bestraft werden und schnell mal alles an Items und Mühe zunichte machen.

Steuerung: Übersichtlich und flüssig

Hinsichtlich der Steuerung punktet „Albion Online“ mit einer übersichtlichen Zahl einsetzbarer Fähigkeiten, sowie einer flüssigen Steuerung, die sich vor allem in rasanten Kämpfen bewährt.

Wer mit der ursprünglichen Tastenbelegung nicht zufrieden ist, kann diese auch hinsichtlich bestimmter Aktionen beliebig anpassen. Besonders cool: Das Spiel lässt sich auch auf Android- oder iOS-Tablets spielen

Grafik: Auch in technischer Hinsicht ganz im Stile des Mittelalters

Leider schwächelt Albion Online vor allem hinsichtlich der Technik. So gibt es immer wieder Probleme mit dem Server und nicht selten ging der ein oder andere Spielstand verloren.

Optisch punktet „Albion Online“ mit einem comichaften Grafikstil, der das Mittelalterflair gekonnt überträgt und so den ganz eigenen Charme des Spiels erzeugt.

Dennoch lässt sich nicht von der Hand weisen, dass die Grafik etwas veraltet ist und auch die flüssigen Animationen lassen sich nicht gerade als optisches Schmankerl bezeichnen. Zwar ist die Grafik auf dem PC ein wenig detailreicher als auf den leistungsschwachen Tablets, aber zeitgemäß ist sie nicht.

Auch die Soundkulisse unterstreicht die mittelmäßige Präsentation und kommt eher unspektakulär daher. Einzig die einzelnen Menütöne verleihen der Stadt eine gewisse Lebendigkeit, erweisen sich aber nach einigen Spielstunden als durchaus nervig.

Fazit: Vielfältige Interaktionsmöglichkeiten, mittelmäßige Präsentation

Mit „Albion Online“ setzt Sandbox auf ein offenes Klassensystem, ein flexibles Gameplay  und vielfältige Interaktionsmöglichkeiten.

Zwar offenbart das Game grundsätzlich interessante Ansätze, insbesondere die Optik fällt jedoch eher staubig aus und lässt die Spielatmosphäre zuweilen deutlich leiden. Und wenn auch die Spielwelt schier unendlich ist, ist es doch gerade die Gleichförmigkeit, die zuweilen etwas Langeweile aufkommen lässt.  Fans dieses Genres erhalten mit „Albion Online“ jedoch ein abwechslungsreiches Online-Rollenspiel und werden in dem Game eine unterhaltsame Dauerbeschäftigung finden.

Pro
Contra
Story
60%
+ typisches Mittelalterflair– fehlende Hintergrundstory
Gameplay
75%
+ vielfältige Aktionsmöglichkeiten
+ spielergesteuerter Handelskreislauf
+ Destiny Board zur Charakterentwicklung
+ ausgefeiltes PvP-System
Balance
75%
+ markierte Zonen ganz ohne Kämpfe– Schlachten oft nur im Team zu bewältigen
Steuerung
90%
+ flüssige und übersichtliche Steuerung
Grafik & Sound
70%
+ flüssige Animationen– veraltete Grafik
– nervige Geräuschkulisse

Albion Online

Story
Gameplay
Balance
Steuerung
Grafik & Sound

Tob dich aus in der Sandbox!

Zwar offenbart das Game grundsätzlich interessante Ansätze, insbesondere die Optik fällt jedoch eher staubig aus und lässt die Spielatmosphäre zuweilen deutlich leiden.

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