Spiele Testberichte

The Evil Within 2 im Test: Der Survival-Horror kehrt zurück

Spielwelt und Charaktere

Vorweggenommen sei die Information, dass die Handlung sich im simulierten Ort “Union“, einer Kleinstadt abspielt. Der ständige Wandel dieses Ortes, der mehr und mehr zerfällt, ist direkt vom Zustand Lilys abhängig – Details und weitere Erläuterungen bieten sich im Spiel nach und nach. Im Gegensatz zum ersten Teil ist dem Spieler dieses Mal von Beginn an klar, dass er sich nicht in der Realität befindet. Die gesamte Spielwelt ist den Gedanken entsprungen – Lilys Gehirn bietet dabei gewissermaßen die Grundlage, wird durch die verschiedenen Antagonisten jedoch stark verändert bzw. manipuliert.

Auch für Sebastian bieten sich im STEM viele Möglichkeiten zur Beschäftigung mit den eigenen Gedanken. Nachdem er an den Apparat angeschlossen wurde, landet er zunächst in einem Zimmer, das seinen persönlichen Sicherheitsraum darstellt. Ausgestaltet wird es laut Kidman durch sein Unterbewusstsein. Die gesamte Handlung ist auch eine Reise in die Vergangenheit und in das Ich des Protagonisten. So ist er letztendlich nicht nur auf der Suche nach seiner Tochter, die er um jeden Preis retten will, sondern auch auf der Suche nach seiner Identität. Für den Spieler bietet diese Metaebene interessante Einblicke in das Seelenleben des Protagonisten, was für ein Horrorspiel absolut untypisch ist. Eine geradezu innige Beziehung zum Protagonisten, der durch den Spieler gesteuert wird, wird möglich, da seine Gedanken, Gefühle und Handlungen durchweg nachvollziehbar sind. Darüber hinaus werden auch die Nebencharaktere als Personen greifbar – es handelt sich bei diesen nicht um eindimensionale Figuren, die schlicht ein Ziel verfolgen, sondern um Menschen, die aufgrund innerer Antriebe handeln, die teilweise konträr und nicht immer stringent nachvollziehbar sind.

Die Entwickler schaffen durch diese Nähe zu der Gedanken- und Gefühlswelt der Charaktere ein Novum: Bindungen an die Charaktere eines Horrorspiels waren bisher kaum möglich, da sie oft kühl und distanziert wirkten. In “The Evil Within 2“ wird jedoch viel Wert auf die Entwicklung jeder einzelnen Figur gelegt.

Survival

Das Spiel lässt sich ganz eindeutig dem Genre des Horror-Survival zuordnen. So steht der Spieler immer wieder vor der Frage, wie er den Protagonisten am Leben erhalten kann. Soll der Gegner frontal angegriffen werden oder halte ich mich lieber versteckt? Schleiche ich davon oder springe ich ihn von hinten an? Derartige Fragen sind allgegenwärtig. So können wir Sebastian im Spiel agiler und wendiger machen – ebenso können wir ihn aber auch zu einem beinharten Kämpfer formen.

Munition bleibt auch in diesem Teil der Reihe sehr kostbar. Jeder verfehlte Schuss gerät ob der knappen Ressourcen zum Ärgernis. Die Übergänge zwischen den verschiedenen Spielstilen und -taktiken bleiben indes fließend. In jeder Situation kann individuell entschieden werden, wie Sebastian sich verhalten soll. Die Spannung bleibt so über das gesamte Spiel hinweg konstant aufrechterhalten.

Nicht nur Munition muss während des Spiels gesammelt werden. Darüber hinaus gilt es wie im Vorgänger eine grüne Masse einzusammeln, die vor allem durch das Töten von Gegnern entsteht. Mit ihr können die eigenen Fähigkeiten entscheidend verbessert werden. Daneben bietet es sich an, Dias zu sammeln, die aus Sebastians Vergangenheit stammen. Diese machen die im vorherigen Abschnitt beschriebenen Einblicke in seine Persönlichkeit erst möglich. Alle Sammelgegenstände sind in der gesamten Spielwelt verstreut und nicht sonderlich reichlich vorhanden. Den Entwicklern gelingt jedoch der schwierige Spagat zwischen Überfluss und extremer Verknappung.

Ein wenig enttäuschend muten einige der Gegner an: Zombies. Trotz der großen Kreativität, die immer wieder deutlich wird, werden massenweise Zombies als Gegner eingesetzt. Hier hätten die Entwickler auf ausgefallenere Kreaturen, die im Spiel ebenfalls anzutreffen sind, zurückgreifen können.

Technik

Technisch fallen leider einige Kritikpunkte auf. Das Grundgerüst ist zwar als durchaus sehenswert zu betrachten; die Entwickler gingen jedoch einige faule Kompromisse ein, die sich aus der offenen Spielwelt ergeben. Die künstlerische Gestaltung der Spielwelt ist zwar durchaus sehenswert, dennoch wäre technisch wesentlich mehr möglich gewesen. Insgesamt ist die technische Ausgestaltung der Spielwelt dennoch als grundsolide zu bewerten, der Spieler hat zahlreiche Möglichkeiten, Lichtqualität und weitere optische Einstellungen vorzunehmen.

Die Charaktere sind optisch und technisch zumeist einwandfrei gestaltet. In wenigen Ausnahmefällen wirken sie leicht deformiert, was häufig jedoch auf ungünstige Kamerawinkel oder eine suboptimale Beleuchtung der Szenerie zurückzuführen ist.

Soundeffekte sind rar gesät, fallen in einigen Fällen jedoch negativ auf. So ist ein Gewitter beispielsweise ausschließlich mit einem einzigen Donnerklang ausgestaltet, der im Sekundentakt abgespielt wird. Hier besteht definitiv Verbesserungsbedarf.

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Simon Lüthje

Ich bin der Gründer dieses Blogs und interessiere mich für alles was mit Technik zu tun hat, bin jedoch auch dem Zocken nicht abgeneigt. Geboren wurde ich in Hamburg, wohne nun jedoch in Berlin.

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