Seit OnePlus 2023 mit dem ersten OnePlus Pad in den Android-Tablet-Markt eingestiegen ist, hat sich einiges getan. Während das Original noch im gehobenen Mittelklasse-Segment angesiedelt war, wagt das OnePlus Pad 4 nun den konsequenten Schritt nach oben und positioniert sich klar im Premium-Bereich. Ich habe das Tablet nun eine Weile lang genutzt. Vom Streaming auf der Couch über produktives Arbeiten mit mehreren Fenstern bis hin zu längeren Gaming-Sessions. Ob das OnePlus Pad 4 den hohen Erwartungen gerecht wird und wo es schwächelt, klärt mein ausführlicher Test.
Technische Daten des OnePlus Pad 4
| Merkmal | OnePlus Pad 4 |
|---|---|
| Produkt | Pad 4 |
| Display | 13,2 Zoll IPS-LCD, 3.392 × 2.400 Pixel, 7:5, 144 Hz, 12-Bit |
| Helligkeit | 700 Nits (typ.), bis 1.000 Nits (HBM), Dolby Vision |
| Prozessor | Qualcomm Snapdragon 8 Elite Gen 5 |
| Grafik | Adreno 840 (1.200 MHz) |
| Arbeitsspeicher | 8 GB / 12 GB LPDDR5X |
| Speicher | 256 GB / 512 GB UFS 4.1 (nicht erweiterbar) |
| Akku | 13.380 mAh |
| Laden | 80W SUPERVOOC (ca. 2 h auf 100 %) |
| Lautsprecher | 8 Speaker (4 Hoch-/4 Tieftöner) |
| Konnektivität | Wi-Fi 7, Bluetooth 6.0, USB-C; kein Mobilfunk |
| Betriebssystem | OxygenOS 16 (Android 16) |
| Maße / Gewicht | 5,94 mm dünn, 672 g |
| Farben | Dune Glow, Sage Mist |
| Besonderheiten | Kein Fingerabdrucksensor, kein Widevine L1, kein IR-Blaster |
| Preis | 508,99 € (mit dem Gutscheincode DECD60) |
Design und Verarbeitung
Nimmt man das OnePlus Pad 4 zum ersten Mal in die Hand, fällt sofort die enorm hochwertige Anmutung auf. Der Unibody besteht aus Metall und misst an der dünnsten Stelle gerade einmal 5,94 mm. Das Tablet ist damit minimal flacher als selbst das ohnehin schon rank gebaute iPad Air. Gleichzeitig wirkt das Gehäuse mit seinen 672 Gramm überraschend ausgewogen, auch wenn das Gewicht in Kombination mit der dünnen Bauweise bei längeren Sessions in der Hand durchaus spürbar wird. Das Designkonzept ist beinahe identisch zum Vorgänger Pad 3 geblieben; die einzigen sichtbaren Unterschiede sind die beiden neuen Farbvarianten und die neu positionierten Pogo-Pins für das Tastatur-Zubehör.
Mein Testgerät kam in der Farbe Sage Mist, einem warmen Grünton, der im richtigen Licht regelrecht aufleuchtet. Alternativ steht mit Dune Glow ein kühleres, mattes Finish zur Wahl – beide Varianten wirken edel und durchdacht. Die Tastenanordnung ist schlicht gehalten: eine Lautstärkewippe an der rechten Längsseite und der Power-Button an der Oberkante. Vier Lautsprechergitter an den Seiten beherbergen das Achtfach-Lautsprechersystem, der USB-C-Port sitzt an der Unterkante. Einen microSD-Slot oder SIM-Support sucht man vergebens.
Bei aller Eleganz gibt es zwei Kritikpunkte: Zum einen sind die physischen Tasten an der Längsseite in fast jeder Haltung unbequem zu erreichen. Zum anderen rächt sich die Kombination aus extrem dünnen Displayrändern und fehlender Handballenerkennung an den Bezeln, berührt auch nur ein winziger Teil der Handfläche den Rand des Touchscreens, reagiert die Bedienung nicht mehr.
OnePlus Pad 4 Test: Moderne Ausstattung
Beim Innenleben fährt OnePlus die ganz große Kelle auf. Im Pad 4 arbeitet der Qualcomm Snapdragon 8 Elite Gen 5, der aktuell schnellste mobile Prozessor für Android-Geräte. Ihm stehen 12 GB LPDDR5X-RAM zur Seite, kombiniert mit 256 GB oder 512 GB schnellem UFF-4.1-Speicher. Mein Testgerät war die 12-GB-Variante mit 256 GB. Bezeichnenderweise gab es beim Vorgänger noch Konfigurationen mit 12 und 16 GB, während 16 GB nun gar nicht mehr angeboten werden – ein kleiner, aber spürbarer Rückschritt, der den gestiegenen Komponentenkosten geschuldet sein dürfte.
Bei der drahtlosen Konnektivität gibt sich das OnePlus Pad 4 keine Blöße: Wi-Fi 7 und Bluetooth 6.0 sind an Bord, dazu erstmals eine KI-gestützte Smart-Antennen-Technologie, die intelligent zwischen den Antennen umschaltet, um die beste Verbindung zu halten. In der Praxis war die WLAN-Leistung durchweg ausgezeichnet, ohne Aussetzer oder Funklöcher. Umso unverständlicher ist das Fehlen jeglicher Mobilfunkoption.
Selbst das deutlich günstigere OnePlus Pad Go 2 bietet 5G. Hinzu kommen weitere Auslassungen, die mich nach mittlerweile vier Generationen verwundern: Es gibt weder einen Fingerabdrucksensor noch einen IR-Blaster. Entsperrt wird ausschließlich per Code oder weniger sicherer Gesichtserkennung.
Helles 13,2-Zoll-Display
Das 13,2-Zoll-Display übernimmt im Kern das bereits hochgelobte Panel des Pad 3 und das ist überwiegend eine gute Nachricht. Es handelt sich um ein IPS-LCD im ungewöhnlichen 7:5-Format mit einer Auflösung von 3.392 × 2.400 Pixeln, 12-Bit-Farbtiefe (8 Bit + FRC) und einer maximalen Bildwiederholrate von 144 Hz. Die Farbabdeckung liegt bei 98 % des DCI-P3-Farbraums, und ein DeltaE-Wert von 0,7 sorgt für eine in dieser Preisklasse beeindruckende Farbgenauigkeit. Im Alltag glänzt der Bildschirm mit satten, gut gesättigten Farben und kräftigem Kontrast.
Der größte Fortschritt gegenüber dem Vorgänger ist die Helligkeit, die nun 700 Nits für Standardinhalte und bis zu 1.000 Nits im High-Brightness-Modus erreicht (zuvor 900 Nits). Das macht draußen einen echten Unterschied. Dennoch bleibt es physikalisch ein LCD: Die tiefen Schwarzwerte eines OLED-Panels erreicht es nicht, in kontrastreichen Szenen sind die angehobenen Schwarztöne erkennbar. Ein OLED hätte dieses Tablet endgültig zur Spitze gemacht. Auch die Bewegungsschärfe ist typisch für IPS. Beim schnellen Scrollen kann Text leicht verschwimmen.
Mein größter Kritikpunkt betrifft jedoch nicht das Panel selbst: Dem Pad 4 fehlt die Widevine-L1-Zertifizierung, weshalb Netflix und Amazon Prime Video nur in SD-Auflösung wiedergegeben werden. Auf einem 13,2-Zoll-Display wirkt das deutlich verwaschen. Ein Manko, das OnePlus über alle Generationen hinweg nicht in den Griff bekommen hat. Hier zeigt sich, dass Streaming-Tauglichkeit kein Selbstläufer ist.
Ein Punkt, den auch unser Test des HUAWEI MatePad Pro 13.2″ eindrücklich illustriert hat. Die 144-Hz-Wiederholrate liefert dafür durchweg flüssige Performance und lässt sich auf dem LCD sogar großzügig nutzen, etwa beim Browsen in Chrome.
Beeindruckende Akkulaufzeit im Pad 4
Die Akkulaufzeit gehört zu den absoluten Stärken des OnePlus Pad 4. Im Inneren steckt ein riesiger 13.380-mAh-Akku. Ein Plus von rund 10 % gegenüber dem Vorgänger, ohne dass das Gehäuse dicker geworden wäre. In meinem Test hielt das Tablet bei moderater Nutzung problemlos über mehrere Tage durch. Beim Dauerstreaming auf YouTube schaffte es beeindruckende 24 Stunden am Stück. Der effiziente Snapdragon 8 Elite Gen 5 trägt bei leichten Aufgaben spürbar zu dieser Ausdauer bei.
Besonders überzeugt hat mich die Standby-Zeit. Für ein Tablet, das man eben nicht täglich nutzt, ist das entscheidend. Selbst nach mehreren Tagen ohne Nutzung, bei aktivem WLAN und eingeschalteten Benachrichtigungen, verlor das Pad 4 kaum Energie. So ist meist genug Saft übrig, um es sofort verwenden zu können, ohne erst ans Ladegerät zu müssen. Aufgeladen wird mit 80W SUPERVOOC; von 0 auf 100 % vergehen knapp zwei Stunden. Das ist angesichts der gewaltigen Kapazität ein fairer Wert, auch wenn schlankere Akkus der Konkurrenz prozentual schneller laden.
Performance
In puncto Leistung lässt das Pad 4 keine Wünsche offen. Der Snapdragon 8 Elite Gen 5 stemmt alles, was man ihm vorsetzt, mit Leichtigkeit. Im Geekbench-6-Multi-Core-Test erreichte das Tablet rund 10.946 Punkte und setzte sich damit klar vor viele Konkurrenten. Die Benchmark-Werte sind durch die Bank sehr gut. Lediglich beim 3D Mark Stress Test zeigt sich eine deutliche Drosselung der Leistung.
| Benchmark | Ergebnis |
| Geekbench 6 CPU | 3.536 Pkt. / 10.283 Pkt. |
| Geekbench 6 GPU | 23.267 Pkt. |
| Geekbench AI | 2.336 / 3.953 / 3.259 Pkt. |
| PCMark Work 3.1 | 13.277 Pkt. |
| 3DMark Wild Life Extreme | 7.215 Pkt. |
| 3DMark Solar Bay | 12.796 Pkt. |
| 3D Mark Steel Nomad Light | 2.842 Pkt. |
| Steel Nomad Light Stress Test | 79,2 Prozent |
Für das Thermomanagement setzt OnePlus auf dieselbe Cryo-velocity-Kühltechnik wie im OnePlus 15, allerdings mit einer deutlich größeren Vapor Chamber von 45.260 mm², die der Tablet-Bauform Rechnung trägt. Das Ergebnis überzeugt: Selbst nach längeren Gaming-Sessions mit Titeln wie Genshin Impact gibt es keine spürbaren Hotspots, und das Tablet drosselt unter normalen Umgebungstemperaturen kaum.
Lediglich am oberen Rand der Rückseite wird es leicht warm. Wer gerne spielt, profitiert von der exzellenten Kühlung und dem schnellen Chip. Wie unterschiedlich Tablet-Chips ausfallen können, zeigt der Blick auf alternative Plattformen wie im HUAWEI MatePad Pro 12.2 Test.
Praxistest des OnePlus Pad 4
Im täglichen Einsatz hat sich vor allem eines gezeigt: Das OnePlus Pad 4 ist endlich an dem Punkt angekommen, an dem die Software mit der starken Hardware mithalten kann. Das Tablet läuft mit OxygenOS 16 auf Basis von Android 16 und kommt erfreulich aufgeräumt daher. Anders als auf den OnePlus-Smartphones, die der Hersteller gerne mit eigenen Apps vollpackt, fehlen hier der hauseigene App-Store, der eigene Browser, der Theme-Store und der Phone Manager nahezu vollständig. Selbst die Videos-App zeigt ausschließlich lokale Inhalte statt beworbener Empfehlungen. Dieses saubere Grunderlebnis hat mir den Einstieg deutlich angenehmer gemacht, als ich es von der Marke gewohnt war.
Das eigentliche Highlight im Alltag ist jedoch das Multitasking. Mit Open Canvas lassen sich bis zu fünf Apps gleichzeitig in frei skalierbaren Fenstern öffnen, und über Gesten kann ich Anwendungen schnell minimieren oder zwischen einem vordefinierten Drei-App-Layout und frei positionierten Fenstern wechseln. Bei mir liefen meist Slack, Google Docs und Chrome parallel – fürs Schreiben, Recherchieren und Kommunizieren in einem Rutsch. Auf dem riesigen 13,2-Zoll-Display fühlt sich das näher an einem echten Laptop an als bei jedem früheren OnePlus-Tablet. Zwar gibt es eine gewisse Lernkurve, weil Android derartige Layouts erst seit Kurzem unterstützt, doch nach ein paar Tagen gingen mir die Gesten flüssig von der Hand. Auch die Dateiverwaltung wurde spürbar verbessert: Dateien lassen sich per Drag-and-drop zwischen Apps verschieben, Ordner mehrspaltig anzeigen und über Vorschaubilder identifizieren, ohne sie zu öffnen. Ergänzt wird das Ganze durch O+ Connect, mit dem ich den Bildschirm meines OnePlus-Smartphones spiegeln, die Zwischenablage teilen und Dateien übertragen konnte – plattformübergreifend sogar zu iOS, Windows und Mac.
Trotz aller Fortschritte fehlt es an manchen Stellen aber noch am letzten Feinschliff. Die geräteübergreifende Dateiübertragung läuft bei OnePlus nach wie vor über dedizierte Apps und wirkt damit umständlicher als die mittlerweile in Android integrierte AirDrop-ähnliche Lösung von Google und Samsung. Funktionen wie Live Alerts – OnePlus‘ Variante von Apples Dynamic Island – wirken auf dem Tablet deplatziert, da schlicht die passende Frontkamera-Aussparung fehlt, um die das UI sich gruppieren könnte; stattdessen schwebt es etwas verloren am oberen Displayrand. Die Helligkeits- und Lautstärkeregler in der Benachrichtigungsleiste reagierten zudem überempfindlich: Schon kleinste Fingerbewegungen führten zu großen Sprüngen. Und in einzelnen Momenten fror die Oberfläche kurz ein – nichts Dramatisches, aber bei einem Gerät dieser Preisklasse nicht ganz das, was man erwartet.
Beim Medienkonsum spielt das Pad 4 seine Größe voll aus. Das Achtfach-Lautsprechersystem aus vier Hoch- und vier Tieftönern liefert für ein so dünnes Gerät einen erstaunlich klaren, raumfüllenden Klang. Die Mitten und Höhen sind angenehm präzise, und auch ein wenig Bass ist vorhanden – mehr, als man dem schlanken Gehäuse zutrauen würde. Praktisch ist, dass das System die Stereokanäle automatisch der Ausrichtung anpasst. Allerdings funktioniert der Stereoeffekt nur im Querformat sauber; hält man das Tablet hochkant, sitzt ein Kanal oben und einer unten, wodurch die räumliche Abbildung verloren geht. Oberhalb von rund 75 % Lautstärke kippt der ansonsten warme Klang außerdem ins Schrille und wirkt eher auf maximale Lautstärke als auf Ausgewogenheit getrimmt. Beim Serien-Binge hat mich die Kombination aus großem Display und kräftigem Sound dennoch klar überzeugt – nur die bereits erwähnte SD-Beschränkung bei Streaming-Diensten trübt das Bild.
OnePlus Pad 4 Test: Fazit
Das OnePlus Pad 4 ist ein selbstbewusster Auftritt im Premium-Segment und rechtfertigt seinen Preis größtenteils. Die Hardware ist in jeder Hinsicht flaggschiffwürdig: vom blitzschnellen Snapdragon 8 Elite Gen 5 mit hervorragendem Thermomanagement über das brillante 13,2-Zoll-Display und die herausragende Akkulaufzeit bis hin zum kräftigen Achtfach-Lautsprechersystem. OxygenOS 16 ist deutlich gereift und macht das Pad 4 endlich zu einem ernstzunehmenden Produktivgerät.
Dennoch bleibt ein zwiespältiger Eindruck. Die fehlende Widevine-L1-Zertifizierung ist für ein display-zentriertes Gerät dieser Preisklasse ein gravierendes Versäumnis, und die komplett fehlende Mobilfunkoption lässt sich angesichts günstigerer Alternativen mit 5G nur schwer entschuldigen. Hinzu kommen der fehlende Fingerabdrucksensor und die etwas knapp bemessene 8-GB-Basisvariante. Letztlich ist es weniger OnePlus als das gesamte Android-Tablet-Ökosystem, das diesem ansonsten exzellenten Gerät noch im Weg steht. Wer ein erstklassiges Android-Tablet für Produktivität und Medienkonsum sucht und mit den genannten Lücken leben kann, bekommt hier eines der derzeit besten Geräte am Markt.
VORTEILE
- Starke Performance
- Moderne Ausstattung
- Schlankes Design
- Tadellose Verarbeitung
- Großer Akku; schnelle Ladezeit
- Helles 144-Hz-Display
NACHTEILE
- Keine Widevine-L1-Zertifizierung
- Keine Mobilfunk-Optionen
- Kein Fingerabdrucksensor
- Nur IPS-Panel
- Fehlende Handballenerkennung an den schmalen Rändern
Fazit
Das OnePlus Pad 4 überzeugt mit Flaggschiff-Hardware, traumhafter Akkulaufzeit und gereifter Software. Ärgerliche Lücken wie fehlendes Widevine L1, kein Mobilfunk und kein Fingerabdrucksensor trüben aber das ansonsten herausragende Gesamtbild.
