OnePlus hat mit der im April vorgestellten Watch 4 seine Flaggschiff-Smartwatch konsequent weiterentwickelt. Vollständiges Titangehäuse, Wear OS 6, Google Gemini und eine Akkulaufzeit, die im Marktvergleich kaum zu schlagen ist. Auf dem Papier klingt das überzeugend. Ich habe die Uhr mehrere Wochen intensiv getragen und schaue mir an, ob die OnePlus Watch 4 diesem Versprechen auch im Alltag gerecht wird.
Technische Daten der OnePlus Watch 4
| Produktname | Watch 4 |
| Betriebssystem | Android; iOS |
| Bluetooth | Bluetooth 5.2 |
| Features | Acceleration sensor, Gyroscope sensor, Optical heart rate sensor, Optical blood oxygen sensor, Wrist temperature sensor, Geomagnetic sensor, Ambient light sensor, Air pressure sensor, NFC, Google Wallet, Gemini |
| Display | LTPO-OLED (466 x 466 Pixel); 3.000 Nits |
| Wasserdichtigkeit | 5ATM, IP69 |
| Akkulaufzeit | Bis zu 16 Tage (Energiesparmodus); Bis zu 5 Tage (Smartwach-Modus) |
| Gewicht | 43 Gramm |
| Preis | € 208,96 * (20 Euro Rabatt mit dem Code DE6SS20 bis 10. Juni 23:59 Uhr – nur 188,96 Euro) |
OnePlus Watch 4 Test: Design und Verarbeitung
Der erste Eindruck zählt und die OnePlus Watch 4 macht einen sehr guten ersten Eindruck. Das Gehäuse besteht vollständig aus Titanlegierung und ist in zwei Farben erhältlich: Midnight Titanium und Evergreen Titanium. Das klingt nicht nur edel, das fühlt sich auch so an. Die Nieten-Detaillierung an der Lünette wirkt durchdacht und verleiht der Uhr eine industrielle, gleichzeitig elegante Ästhetik, die sich sowohl im Büro als auch beim Sport trägt.
Im Vergleich zum Vorgänger ist die Watch 4 13 Prozent leichter und 6 Prozent dünner. Sie bringt bei 11 mm Bauhöhe nur noch 43 Gramm auf die Waage. Das macht sich am Handgelenk bemerkbar: Ich habe die Uhr mehrmals über Nacht getragen, ohne dass sie mich beim Schlafen gestört hat. Ein Punkt, der bei einer 47-mm-Uhr keineswegs selbstverständlich ist.
Das Display ist durch Saphirglas geschützt, was im täglichen Gebrauch Kratzer zuverlässig abwehrt. Das 1,5-Zoll-LTPO-AMOLED-Panel löst mit 466 x 466 Pixeln bei 310 PPI auf und erreicht bis zu 3.000 Nits Helligkeit. Selbst bei direkter Sonneneinstrahlung bleibt der Inhalt gut ablesbar.
Die Watch 4 erfüllt den Militärstandard MIL-STD-810H, unterstützt Bedienung mit nassen Händen und ist vollständig meerwasserkorrosionsbeständig. Sie trägt die Schutzklassen IP68 und IP69. Im Alltag bedeutet das: schwimmen, Regen, Schweiß, alles kein Problem. Ich habe die Uhr beim Schwimmen und unter der Dusche getragen, ohne auch nur einen Moment daran zu denken, sie abzunehmen.
Ein echter Kritikpunkt bleibt allerdings die Größe. OnePlus hält auch mit der Watch 4 an einem einzelnen, großformatigen Gehäuse fest, das wieder rund 47 mm misst. Eine kleinere Variante gibt es zum Launch nicht. Wer kleine Handgelenke hat, wird sich mit der Uhr schwertun. Tragekomfort und Herzfrequenzmessung bei intensivem Training können darunter leiden. Gerade für Nutzerinnen in der angestrebten Zielgruppe ist das ein spürbares Manko.
Ausstattung und Features der OnePlus Watch 4
Unter der Haube setzt die OnePlus Watch 4 auf eine Dual-Engine-Architektur. Als Prozessor kommt der Qualcomm Snapdragon W5 Gen 1 zum Einsatz, der durch einen BES2800-Co-Prozessor unterstützt wird. Dazu kommen 2 GB RAM und 32 GB interner Speicher. Das reicht für flüssige Wear-OS-Navigation, schnelle App-Starts und das lokale Speichern von Musik problemlos aus.
Das Betriebssystem ist Wear OS 6 mit OxygenOS Watch 8 als Oberfläche. Die Watch 4 kommt damit als eines der ersten Geräte mit Wear OS 6 direkt ab Werk auf den Markt und bringt eine polierter wirkende Oberfläche, flüssigere Animationen und tiefere Integration mit Google-Features wie Gemini mit sich.
Google Gemini lässt sich direkt über die Uhr aktivieren. Per „Hey Google“ können Nachrichten gesendet, Aufgaben erledigt und komplexe Fragen gestellt werden. Ganz ohne das Smartphone aus der Tasche zu holen. In der Praxis funktioniert das zuverlässig, solange man sich in Bluetooth-Reichweite des Smartphones befindet.
Beim Gesundheits-Tracking führt OnePlus mit dem sogenannten „60-Second Wellness Overview“ eine Funktion ein, die ich im Alltag als überraschend nützlich empfinde. In einer einzigen 60-sekündigen Messung erfasst die Uhr bis zu neun Indikatoren aus den Bereichen Herzgesundheit, Schlaf und mentales Wohlbefinden. Darunter Herzfrequenz, Blutsauerstoff, Körpertemperatur und Stresslevel. Das schafft ein schnelles Gesamtbild, ohne dass man verschiedene Apps einzeln aufrufen muss.
Über 100 Sportmodi sind verfügbar, davon 11 mit einem dedizierten Professional-Sport-Modus. Darunter Laufen, Radfahren, Tennis, Badminton, Hallenschwimmen und Skifahren. Für ambitionierte Läufer bietet die Uhr einen Pace-Assistenten, der in Echtzeit die Abweichung vom Zieltempo trackt. Das Laktat-Schwellenwert-Tracking ist ebenfalls an Bord, setzt aber mindestens einen absolvierten Outdoor-Run voraus, um valide Daten zu generieren.
Das GPS-System unterstützt L1- und L5-Bänder sowie GLONASS, Galileo, BDS und QZSS. In meinen Outdoor-Tests war die Positionserfassung präzise und schnell. Was fehlt: In dieser Preisklasse fällt das Fehlen von EKG und eSIM auf. Beides bieten Konkurrenten wie die HUAWEI Watch FIT 5 Pro (unser Test) oder die Google Pixel Watch 4. Wer auf LTE-Konnektivität oder eine medizinisch zertifizierte EKG-Funktion angewiesen ist, muss weiterhin zu einem anderen Gerät greifen. Auch das NFC-basierte mobile Bezahlen ist je nach Region nicht verfügbar.
Akkulaufzeit beeindruckt: Bis zu 5 Tage
Die Akkulaufzeit ist das zentrale Verkaufsargument der OnePlus Watch 4 und hier liefert sie. Im Smart-Modus hält die Uhr laut Hersteller bis zu 5 Tage durch, im Energiesparmodus sogar bis zu 16 Tage. In meinem Test mit aktiviertem Always-On-Display, kontinuierlichem Health-Monitoring und täglichem Workout-Tracking kam ich konstant auf gut vier Tage. Das ist im Wear-OS-Segment schlicht herausragend und entspricht Werten, die wir sonst beispielsweise nur bei der Huawei Watch GT 6 (Pro) und anderen Geräen des Herstellers finden.
Dieser Wert ist identisch mit dem des Vorgängers OnePlus Watch 3, was zeigt, dass OnePlus das bereits exzellente Niveau hält, aber nicht weiterentwickelt hat. Wer von der Watch 3 kommt, wird daher in diesem Punkt keinen Unterschied spüren. Für Neueinsteiger ins OnePlus-Ökosystem ist die Akkulaufzeit aber nach wie vor ein klarer Kaufargument gegenüber Alternativen wie der Galaxy Watch8 (die typischerweise nach zwei bis drei Tagen an die Steckdose muss) oder der Pixel Watch 4.
Ein Vorbehalt aus der Praxis: Um die Maximalwerte zu erreichen, schaltet die Uhr bestimmte Gesundheits-Features und das Always-On-Display standardmäßig ab. Nutzer, die alle Features gleichzeitig aktiv haben möchten, landen deutlich unterhalb der beworbenen Zahlen. Das ist kein Dealbreaker, sollte aber beim Kauf bewusst sein.
App-Anbindung via OHealth
Die OnePlus Watch 4 läuft mit Wear OS 6 und ist damit vollständig in das Google-Ökosystem eingebunden. Google Pay, Google Maps, Google Wallet und der gesamte Play Store für Smartwatch-Apps sind verfügbar. Das ist ein klarer Vorteil gegenüber proprietären Betriebssystemen.
Für Gesundheits- und Fitness-Daten setzt OnePlus auf die OHealth-App. Die App erfordert ein Android-Gerät mit mindestens Android 9.0 und GMS-Version 23.45.23 oder höher. iOS-Geräte und Android-Go-Versionen werden nicht unterstützt. Das schränkt die Nutzerbasis messbar ein. Wer ein iPhone hat oder ein Android-Gerät ohne Google-Dienste, ist außen vor.
Viele der fortschrittlichsten Features, insbesondere professionelle Laufanalysen und spezifische Gesundheits-Syncs, funktionieren primär im Zusammenspiel mit einem OnePlus-Smartphone optimal. Auf anderen Android-Geräten sind Basisfunktionen problemlos nutzbar, aber das volle Potenzial entfaltet sich im OnePlus-Ökosystem. Das ist ein bekanntes Muster bei Hersteller-Smartwatches, schränkt aber die Flexibilität ein.
Die Gemini-Integration funktioniert im Alltag zuverlässig: Sprachbefehle werden schnell verarbeitet, Nachrichten diktiert und Timer gesetzt, ohne das Smartphone aufzunehmen. Für Wear-OS-Verhältnisse ist die Bediengeschwindigkeit insgesamt gut. Gelegentliche Verzögerungen bei Benachrichtigungen habe ich vereinzelt bemerkt, sie blieben aber die Ausnahme.
OnePlus Watch 4 im Praxistest
Im mehrwöchigen Alltag hat mich die OnePlus Watch 4 in mehreren Punkten überzeugt und an einigen Stellen auch enttäuscht. Das Titangehäuse hinterlässt nach Wochen des Tragens keine Kratzer und die Helligkeit des Displays reicht selbst bei praller Sonne für eine problemlose Ablesung. Die Uhr besteht nach Militärstandard MIL-STD-810H in 16 Kategorien, darunter Salznebel, Sandstaub, Temperaturschwankungen und Stoßbelastung. Diese Zertifizierung ist im Praxistest kein abstraktes Versprechen: Ich habe die Watch 4 beim beim Schwimmen im Freibad und auf einem mehrstündigen Wandergang getragen und sie hat das alles ohne Beanstandung mitgemacht. Auch beim unfreiwilligen Anstoßen an Türrahmen und Schreibtischkanten hat das Saphirglas keinerlei Spuren davongetragen.
Der 60-Second Wellness Overview hat sich schnell als feste Morgenroutine etabliert. Einmal drauftippen, 60 Sekunden ruhig halten, fertiges Überblicksbild über Herzfrequenz, SpO2, Stress, Körpertemperatur und Schlafqualität. Wer bislang morgens verschiedene Gesundheits-Apps einzeln aufgerufen hat, wird diese Zusammenfassung auf Anhieb zu schätzen wissen.
Die Messergebnisse wirken dabei plausibel und akkurat. Bei der Herzfrequenz lag die Abweichung in Ruhe konsistent unter zwei Schlägen pro Minute. Beim Stresslevel und den Mental-Health-Indikatoren sollte man die Werte als Orientierung verstehen, nicht als klinische Diagnose. Im Sport überzeugt die Watch 4 vor allem beim Laufen. Die Professional Running Mode liefert detaillierte Biomechanik-Daten. Schrittfrequenz, vertikale Oszillation, Bodenkontaktzeit und Laufkadenz, die für ambitionierte Hobbyläufer echten Mehrwert bieten. Allerdings muss ich sagen, dass beispielsweise die Pixel Watch 4 hier durch die Bank akkuratere Ergebnisse liefert.
Im klassischen Smartwatch-Alltag schlägt sich die Uhr gut. WhatsApp, E-Mails, Kalendereinträge und Anrufe kamen zuverlässig und mit akzeptabler Verzögerung an. Direktantworten per Diktat über Gemini funktionieren flüssig, solange man nicht gerade in einer lauten Umgebung steht. Der integrierte Lautsprecher ist für kurze Anrufannahmen ausreichend, klingt aber erwartungsgemäß dünn.
Einschränkend muss ich den Chip noch einmal ansprechen: Die Watch 4 nutzt denselben Snapdragon W5 Gen 1 wie die Watch 3 und sogar die Watch 2. Kein Upgrade auf Qualcomms neuere Snapdragon-Wear-Elite-Plattform. Im täglichen Gebrauch ist die Performance flüssig und App-Starts sind schnell genug, um nicht zu nerven. Wer aber von einem anderen modernen Wear-OS-Gerät wechselt, wird keinen spürbaren Performance-Sprung erleben. Gerade im Hinblick auf zukünftige Wear-OS-Features und On-Device-KI-Verarbeitung (Stichwort Gemini) fühlt sich die Entscheidung für die ältere Plattform mittelfristig etwas kurzsichtig an.
Wer alle Gesundheits-Features gleichzeitig aktiv betreibt, merkt außerdem, dass die Uhr bei maximaler Auslastung deutlich früher ans Ladekabel muss als die Hochglanzzahlen des Herstellers suggerieren. Das ist kein Fehler, sondern eine Designentscheidung: Wer maximale Akkulaufzeit will, muss Features priorisieren. Wer alles auf einmal will, landet schnell bei drei Tagen statt fünf.
Zwei Punkte haben mich im Alltag aber extrem genervt:
- Wenn ich über Nacht in den Schlafenszeit-Modus wechsele, schaltet sich die Watch 4 automatisch in den Energiesparmodus. Das Aufwecken am nächsten Morgen dauert dann ewig. Ab und zu bleibt das Wearable dabei sogar kurz hängen. Hinzu kommt, dass man den Energiesparmodus und dann noch einmal den Schlaf-Modus getrennt deaktivieren muss.
- Das zweite Problem knüpft direkt daran an: Nach diesem nervigen Aufweck-Prozess ist die Uhr offenbar nicht mehr in der Lage, das Always-on-Display darzustellen. Obwohl das AoD weiterhin aktiviert ist, wird es nach dem Aufwachen morgens nicht mehr dargestellt. Der Bildschirm bleibt schwarz. Das lässt sich lediglich durch (mehrmaliges!) deaktivieren und aktivieren des AoD beheben. Unglaublich nervig.
OnePlus Watch 4 Test: Fazit
Die OnePlus Watch 4 ist eine durchaus gelungene Flaggschiff-Smartwatch mit klaren Stärken und einer handvoll konkreter Schwächen. Das vollständige Titangehäuse macht sich in Haptik, Gewicht und Robustheit täglich bemerkbar. Die Akkulaufzeit ist für Wear OS nach wie vor ungeschlagen, Wear OS 6 mit Gemini bringt die Plattform spürbar nach vorne und das Display gehört mit seinen 3.000 Nits zum Besten, was der Markt aktuell zu bieten hat.
Auf der anderen Seite: Kein LTE, kein Upgrade auf neuere Wearable-Silicon-Plattformen, kein kleineres Gehäuse zum Launch. Das sind drei Punkte, die OnePlus-Watch-3-Besitzer kaum zum Upgrade bewegen werden. Wer außerdem EKG oder Blutdruckmessung erwartet, muss zur Konkurrenz schauen. Gerade eine EKG-Funktion ist heutzutage ja fast schon Standard bei Smartwatches. Immerhin ist diese in den 60-Sekunden-Health-Check integriert.
Hinzu kommen die angesprochenen Probleme mit dem Schlafenszeit-Modus und Always-on-Display, die mich ehrlich gesagt tierisch nerven. Die könnte OnePlus natürlich durch ein Firmware-Update in den Griff kriegen, aktuell jedoch stört mich das sehr. Für alle anderen (insbesondere Android-Nutzer, die erstmals in eine Premium-Smartwatch investieren oder von einer älteren Uhr wechseln) ist die OnePlus Watch 4 eine gute Option im WearOS-Kosmos. Wenn auch nicht die beste Wahl.
VORTEILE
- Hochwertiges Titangehäuse
- Starke Akkulaufzeit (für WearOS)
- Gemini-Integration
- Helles LTPO-AMOLED-Display mit 3.000 Nits
- IP68/IP69-Zertifizierung
- Viele Sportmodi
- Recht präzise Sensoren
NACHTEILE
- Nur eine Gehäusegröße (47 mm)
- Älterer Chip
- Kein LTE und eSIM
- Unter iOS stark ein geschränkt
- Beworbene Maximalakku-Werte nur mit eingeschränkten Features erreichbar
- Einige Bugs und Problemchen
Fazit
Die OnePlus Watch 4 ist eine sehr gute Wear-OS-Smartwatch für Nutzer, die lange Akkulaufzeit, premium Verarbeitung und Google-Ökosystem in einem Gerät suchen. Wer von der Watch 3 kommt oder LTE und EKG benötigt, sollte zweimal nachdenken. Einige Bugs und Fehler trüben aktuell den Eindruck.



