PC-Komponenten

Noctua NF-D12L im Test: 120-mm-Doppelturm-Kühler mit niedriger Bauhöhe

Noctua – ein großer Name im Computerbereich, seit langer Zeit verbindet man mit dieser Marke eine hohe Leistung, eine saubere Verarbeitung und eine hohe Langlebigkeit der Produkte. Auf der anderen Seite denkt man an braun-beige Lüfter, die zu kaum einem modernen PC-Designkonzept passen, und an eine recht langsame Erneuerung der Produktpalette. Wenn neue Produkte auf den Markt kommen, sind diese allerdings durchaus interessant. Noctuas CPU-Kühler NH-D15 ist seit Jahren ein sehr gefragtes Top-Modell, wenn auch sehr groß, und der Lüfter NF-A12x25 hat gänzlich neue Maßstäbe gesetzt, was das Verhältnis aus Lautstärke und Leistung angeht.

Der neue Noctua NH-D12L wirkt wie eine Fusion dieser beiden Topseller. Einerseits ist er im Dual-Tower-Design entworfen wie der NH-D15S, andererseits kommt er mit einem NF-A12x25 in der Rundrahmen-Version. Durch diese Konstruktion erreicht er eine Bauhöhe von nur 145 mm und ist somit ganze 2 cm niedriger als der NH-D15 und auch 1,3 cm niedriger als die hauseigenen Single-Tower-Kühler NH-U12S und NH-U12A, die wie der NH-D12L mit 120mm-Lüftern ausgestattet sind. Durch diese reduzierte Bauhöhe bekommt man den Kühlkörper auch in Gehäuse, in denen man andere CPU-Kühler mit 120mm-Lüftern vergessen konnte.

Nun bleiben insbesondere zwei Fragen: Wie klein dürfen Gehäuse werden und wie hoch ist bei einem so niedrigen Kühler die Kühlleistung? Um diese und weitere Fragen zu klären, haben wir diesen Kühler erhalten und können ihn auf Herz und Nieren testen.

Kühler-Spezifikationen

Sockel-Kompatibilität Intel LGA1700, LGA1200, LGA1156, LGA1155, LGA1151, LGA1150, LGA2011, LGA2066 and AMD AM5, AM4
Höhe x Breite x Tiefe 145 mm x 125 mm x 113 mm
Gewicht ohne Lüfter 700 g
Gewicht mit Lüfter 890 g
Material Kupfer (Boden und Heat-Pipes), Aluminium (Kühlrippen), verlötet & vernickelt
Lüfter-Kompatibilität NF-A12x25r (inkompatibel mit rechteckigen 120 mm Lüftern)
Lieferumfang – NF-A12x25r PWM Premium-Lüfter
– NA-RC14 Low-Noise-Adapter (L.N.A.)
– NT-H1 High-End Wärmeleitpaste
– Lüfterklammern für Doppellüfterbetrieb
– SecuFirm2™ Montage-Kit
– Noctua Case-Badge aus Metall
Garantie 6 Jahre
Maximale Umdrehungsgeschwindigkeit Lüfter (+/-10%) 2000 RPM
Maximale Geräuschentwicklung 22,6 dB(A)
zu erwartende Lüfter-Betriebszeit >150.000 h

Verpackung und Lieferumfang

Neben dem Kühlkörper samt Montagematerial für alle aktuell üblichen Sockel: AMDs AM4 und dem kommenden AM5 sowie Intels neuem LGA1700, wie auch den bisherigen LGA1200 und den 115x-Modellen der früheren Core-i-Generationen. Ältere Sockel werden nicht mehr unterstützt, auch AM3 nicht, doch wird auch kaum jemand einen neuen Oberklasse-Kühler für ein altes System kaufen. Außerdem befinden sich im Lieferumfang natürlich ein Lüfter, die Klammern zur Montage von zwei Lüftern, Wärmeleitpaste für mehrere Verwendungen und ein Low-Noise-Adapter, um den Lüfter zu drosseln. Zur Montage ist außerdem ein langer Schraubendreher dabei und natürlich die Anleitung.

Nachhaltigkeit wird bei Noctua wertgeschätzt: Das Verpackungsmaterial besteht fast vollständig aus Pappe. Weder Schaumstoff noch Plastikhüllen kommen für den Kühler zum Einsatz. Lediglich im Befestigungsmaterial sind ein paar Teile in Kunststofftütchen verpackt. Das Auspacken ist nicht ganz so leicht: das Verpackungsmaterial ist sehr passgenau und gut verkantet verarbeitet, somit teilweise etwas schwierig auseinander zu ziehen. Ein Karton, in welchem sich der Kühlkörper mit dem Lüfter befindet, steckt in weiteren Kartonteilen, die als Polstermaterial fungieren. Zwischen dem Lüfter und einer Seite des Kühlkörpers steckt noch ein Stück Karton. Das Befestigungsmaterial samt Anleitung steckt in einer weiteren Box.

Davon abgesehen ist Noctua dafür bekannt, zukünftige Sockel zu unterstützen. Wer also in einen doch nicht gerade billigen Noctua-Kühler investiert, kann sich sicher sein, diesen auch bei zukünftigen Systemen zum Einsatz bringen zu können. Wer den Kaufnachweis vorlegen kann, wie auch die Anschaffung eines neuen nicht nativ unterstützten Sockels, bekommt üblicherweise kostenfrei das passende Befestigungsmaterial geliefert – ein netter Bonus außerhalb des eigentlichen Lieferumfangs.

Design und Verarbeitung

Noctua und die Optik – man mag das Design lieben, man mag es hassen. Der NH-D12L trifft das typische Noctua-Design mit vernickeltem Aluminium-Kühlkörper und dem beige-braunen NF-A12x25r, der äquivalent zum NH-D15S zwischen den beiden Towern angebracht wird. Insgesamt ist der Kühler zweckmäßig gestaltet und verzichtet auf optische Feinheiten. So liegen die Enden der Heatpipes frei und es gibt auch keine Abdeckungen oder sonstige Spielereien. Ein blanker Kühlkörper mit einem beige-braunen Lüfter. Die Lüfter-Platzierung wirkt auf den ersten Blick etwas seltsam, da man nicht wirklich gewohnt ist, beim Blick auf einen Kühler keine Lüfterfront zu sehen.

Durch das vorhandene Befestigungsmaterial kann man sich allerdings noch einen zweiten dieser Lüfter zulegen und an der Front montieren. Auf diese Weise wirkt der Kühler deutlich größer und etwas harmonischer, doch ist das eine Investition, die gut zu überlegen ist – ein Leistungsvergleich findet sich in diesem Testbericht.

Optisch ist der Kühler also insbesondere geeignet für Systeme, die sowieso mit Noctua-Lüftern bestückt sind oder geschlossene Systeme, die nicht auf moderne Optik und  RGB-Design ausgelegt sind. Die Verarbeitung ist beeindruckend. Die Lamellen des Kühlkörpers sind sauber verarbeitet und sehen durch die fein strukturierte Oberfläche mit dem Noctua-Logo auch hochwertiger aus als hochglanz-glatte Flächen; sie sind gerade und machen keine Anstalten, sich ansatzweise zu verbiegen, wie das bei einigen günstigeren Kühlern – wie auch dem als Vergleichsmodell herangezogenen Enermax ETS-F40-FS – der Fall ist. Somit wirkt der Kühlkörper des Noctua NH-D12L sehr massiv und hochwertig und besitzt außerdem insgesamt 38 eng aneinander liegende Lamellen, die durch die druckoptimierten Lüfter auf der recht kleinen Fläche eine gute Menge an Wärme abgeben. Die Hardware zur Befestigung ist ebenfalls in der höchsten Qualitätsklasse angesiedelt, wie auch der Lüfter. Selbst an den Klammern zum Halten der Lüfter am Kühlkörper ist die hohe Qualität zu spüren. Wo man bei vielen günstigeren Konkurrenzmodellen zieht und zerrt, um den Lüfter in Position zu bringen, gibt der Draht hier leicht nach beim Ziehen, fällt jedoch sehr angenehm und sicher in die Halteposition und wird am Lüfter selbst durch eine feine Schlaufe sicher gehalten und springt so nicht einfach wieder heraus.

Der Lüfter, der NF-A12X25r, ist zwar ein 120-mm-Lüfter, doch er ist nicht kompatibel zu anderen 120-mm-Lüftern. Der Lochabstand ist mit 93×83 mm nicht quadratisch und so kann man ihn nicht an anderen Stellen einsetzen und umgekehrt ist es nicht möglich, andere Lüfter als diesen am Kühlkörper zu befestigen.

Einbau

Das Montagesystem ist das allseits bekannte und bereits von vielen Noctua-Kühlern verwendete SecuFirm2. Bei AMD wird die typische AMD-Backplate verwendet und mit Abstandshaltern werden Brackets von vorne aufgeschraubt. Anschließend wird einfach der Kühlkörper auf den Brackets festgedreht, wofür man jedoch den mittig platzierten Lüfter abnehmen muss. Sobald der Kühler fest ist, wird der Lüfter wieder angebracht. Sehr einfach, sehr effizient.

Prinzipiell funktioniert die Montage bei Intel-Systemen fast identisch, doch muss man hier die mitgelieferte Backplate zunächst selbst montieren, wofür man die mitgelieferte Montageanleitung beachten sollte.
Bei der Montage dieses Kühlers sind natürlich große Gehäuse absolut kein Problem. Interessant wird es dann, wenn die Gehäuse kleiner werden. Nach dem modernen Enermax StarryKnight SK30, das einen hinteren Gehäuselüfter von 120 mm erlaubt, haben wir ein sehr altes, generisches Gehäuse mit einem 80-mm-Rear-Lüfter ausgegraben. Ein typischer ATX-Tower aus der Zeit von Windows XP, kaum breiter als ein 5,25“-Slot. Das ist quasi der Endgegner für ordentliche Lüfter; meist kamen Top-Blower zum Einsatz. Was gibt’s zu sagen? Eng wurde es, aber das Gehäuse ging zu. Das dürfte der erste Oberklasse-Doppelturm-Kühler mit 120-mm-Lüftern sein, der in ein so kleines Gehäuse passt.

Ein Hinweis: Der Kühler mit einem Lüfter hält die RAM-Slots komplett frei, doch wenn ein zweiter Lüfter angebracht wird, muss dieser oberhalb des Arbeitsspeichers platziert werden und erhöht somit möglicherweise die Gesamthöhe. In dem kleinen Gehäuse wäre die Montage mit dem zweiten Lüfter über dem RAM nicht möglich gewesen.

Leistung

Getestet wurde der Kühler auf zwei Prozessoren. Einerseits einem AMD Ryzen 5 3600X als typische Mittelklasse-CPU, andererseits war nach dem Blick auf Noctuas Kompatibilitäts-Klassifikation das Interesse geweckt, denn laut dieser ist selbst der Betrieb auf AMDs Consumer-Topmodell Ryzen 9 5950X kein Problem, was natürlich ebenfalls getestet werden will. In beiden Fällen einmal in Werksausstattung mit einem Lüfter und einmal mit einem optionalen zweiten Lüfter, der die Kosten jedoch stark erhöht.

Apropos Lüfter: Abgesehen vom runden Rahmen sind die NF-A12x25r identisch zu den bereits bekannten NF-A12x25. Diese Lüfter sind besonders effektiv bei geringer Lautstärke und die Besonderheit der Lüfter ist der sehr geringe Abstand der Lüfterblätter zum Rahmen.
Bei einer Drehzahl bis etwa 1200 ist der Lüfter nahezu unhörbar und erst über etwa 1600 Umdrehungen ist er aus langsam drehenden Gehäuselüftern herauszuhören zu sein. Bei voller Drehzahl von etwa 2000 Umdrehungen ist er deutlich hörbar, doch schlägt er dann leistungsmäßig die meisten Konkurrenzlüfter.

Auf dem 3600X ist im Enermax-Gehäuse StarryKnight SK30 mit Gehäuselüftern auf 60% Leistung als Referenz-Kühler der Enermax ETS-F40-FS zum Einsatz gekommen. Dies ist ein 140-mm-Kühler, der ein breites Gehäuse voraussetzt. Die Temperatur wurde gemessen nach einer 5-minütigen Aufwärmzeit bei einer dauerhaften Cinebench-Last und das Messergebnis ist ein einminütiges Durchschnittsmessergebnis. Anschließend wurde der Noctua NH-D12L getestet – zunächst werksseitig mit einem Lüfter, anschließend mit einem zusätzlichen Lüfter. Dargestellt wird hier das Temperatur-Delta, also der Unterschied zwischen absolut gemessener Temperatur und der Raumtemperatur.

Test am AMD Ryzen 5 3600X Temperatur-Delta bei 50% PWM Temperatur-Delta bei 100% PWM
Enermax ETS-F40-FS 43°C 41,3°C
Noctua NH-D12L mit einem Lüfter 42,5°C 39°C
Noctua NH-D12L mit zwei Lüftern 39,4°C 38°C

Selbst mit einem Lüfter schlägt der Noctua also bereits den großen 140-mm-Kühler von Enermax. Mit zwei Lüftern erhöht sich der Abstand. Der Unterschied zwischen einem und zwei Lüftern ist zwar messbar, aber im realistischen Alltags-Betrieb nicht allzu relevant.

Da der Kühler laut Noctua-Webseite selbst einen Ryzen 9 5950X unter Kontrolle halten kann, für welchen bereits auf der Verpackung eine Wasserkühlung empfohlen wird, wird das ebenfalls getestet. Als Vergleichskühler kommt eine 280-mm-AIO-Wasserkühlung mit zwei 140-mm-Hochleistungslüftern zum Einsatz. Es ist generell nicht zu erwarten, dass ein regulärer Luftlühler die Leistung eines großen Wasserkühlers schlägt, doch Luftkühler wie der NH-D12L haben auch Vorteile, wie eine höhere Ausfallsicherheit. Getestet wird hier in einem Fractal Design Arc XL, das mit einigen Noctua NF-A14 und NF-A12x25 als Gehäuselüfter ausgestattet ist. Diese laufen auf voller Leistung.

Test am AMD Ryzen 9 5950X Temperatur-Delta bei 50% PWM Temperatur-Delta bei 100% PWM
be quiet! Silent Loop 2 280 mm 36,2°C 33,6°C
Noctua NH-D12L mit einem Lüfter 39,3°C 35,8°C
Noctua NH-D12L mit zwei Lüftern 37,6°C 34,7°C

Klar – ganz geschlagen wird der Wasserkühler nicht, doch der Unterschied ist erstaunlich gering. Insgesamt hält er auch diesen Monster-Prozessor weit genug vom Throttling entfernt. Erneut zeigt sich auch wieder, dass die Doppel-Lüfter-Bestückung zwar konsequent stärker ist als die Version mit einem Lüfter, doch ist der Unterschied weiterhin nicht wirklich beeindruckend.

Fazit zum Noctua NF-D12L Test

Dieser Kühler bringt eine hohe Dual-Tower-Leistung in ein verhältnismäßig kompaktes Format und schafft es dennoch, selbst starke Prozessoren vor einer Schutzdrosselung abzuhalten. Dazu kommt die Verarbeitung der höchsten Qualitätsstufe. Insgesamt kann der Kühler somit fast uneingeschränkt empfohlen werden. Wenn der recht hohe Preis nicht wäre. Wer den Platz hat, findet zu einem ähnlichen Preis auch den größeren und noch etwas stärkeren Noctua NH-D15 oder etwas günstiger den be quiet! Dark Rock Pro 4 oder den DeepCool AK620. Doch keiner dieser Kühler wird in älteren oder kleinen Gehäusen so sicher unterkommen, wie es der NH-D12L schafft. Damit schließt Noctua eine Lücke, die vorher von merklich leistungsschwächeren 92-mm-Kühlern eingenommen wurde. Eine wirklich beeindruckende Leistung! Die Möglichkeit, einen zweiten Lüfter zu verbauen, ist nett, aber nicht zwangsweise sinnvoll. Damit verteuert sich der Kühler deutlich und es ist zwar eine Verbesserung der Kühlleistung messbar, doch ist dieser Unterschied im Alltag nicht wirklich entscheidend.

Noctua NH-D12L

Verarbeitung
Design
Montage
Leistung
Preis-Leistungs-Verhältnis

92/100

Der Noctua NH-D12L bietet eine hohe Leistung in einem einzigartigen Format. Noctuas Optik ist allerdings gewöhnungsbedürftig und die Premium-Qualität hat auch einen Premium-Preis.

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Simon Deobald

Schon zu Kindertagen, noch bevor ich wirklich lesen konnte, wusste ich unter DOS, was einzutippen ist, um "Die Siedler" zu starten. Wenige Jahrzehnte später beschäftige ich mich auch weit intensiver mit PCs und entsprechender Hardware, bin ansonsten als Feuerwehrmann, (Produkt-)Fotograf und Redakteur tätig, wie auch ein Gitarren-Nerd.

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