ASUS ROG Cetra Open Wireless im Test: Gaming-Earbuds der anderen Art

Philipp Briel
Philipp Briel · 12 Min. Lesezeit
ASUS ROG Cetra Open Wireless

Die ASUS ROG Cetra Open Wireless sind etwas, das es so bisher nicht gab: Open-Ear-Earbuds, die explizit für Gamer entwickelt wurden. Kein Silikon-Ohrstöpsel, kein Noise-Cancelling und ein freier Gehörgang. Klingt nischig? Ist es auch. Ob das ein Problem ist, zeigt dieser Test.

Technische Daten der ASUS ROG Cetra Open Wireless

Produkt Cetra Open Wireless
Bluetooth-Codecs SBC, AAC
Treiber 14,2 mm
Frequenzgang 20 Hz bis 20.000 Hz
Maximaler Betriebsbereich 15m (ohne Hindernis)
Akkulaufzeit Bis zu 16 Std., insgesamt 40 Std. mit Ladeetui; (variiert je nach Lautstärkepegel und Audioinhalt) / Bis zu 64h via Bluetooth
Ladezeit 2 Std. (für Ladeetui via USB-C)
Kompatibilität PC; Mac, PS5; PS4; Nintendo Switch; iOS; Adroid; Bluetooth
Besondere Features Simultanes Multipoint; RGB-Beleuchtung; Phantom Bass; Immersion Mode
Preis € 240,49 *

ASUS ROG Cetra Open Wireless Test: Design und Verarbeitung

In-Ear-Kopfhörer für Gamer: Das kennen wir mittlerweile. Beispielsweise von den SteelSeries Arctis GameBuds (unser Test) oder den ASUS ROG Cetra True Wireless. Aber als Open-Ear-Kopfhörer? Das ist neu. Dabei war es nur eine Frage der Zeit, bis ein Hersteller diesen Weg geht – gelten Open-Ears doch als das am schnellsten wachsende Segment im Kopfhörerbereich.

ASUS setzt beim Design voll auf die ROG-Ästhetik. Die Earbuds wirken vergleichsweise klobig und kantig für ein Open-Ear-Modell. Das muss man definitiv mögen. Was natürlich ebenfalls nicht fehlen darf ist eine RGB-Beleuchtung, die in der Begleit-App angepasst oder komplett deaktiviert werden kann – das gestaltet das Auftreten wesentlich dezenter und verlängert, ganz nebenbei, noch die Akkulaufzeit. Aber selbst ohne Beleuchtung bleibt das Design unverkennbar ein Gaming-Produkt, und zwar eines, das seinen Ursprung nicht versteckt.

Die ASUS ROG Cetra Open Wireless kommen in einem wuchtigen Ladecase daher. Kaum kompakter als ein mittelgroßes Smartphone und dabei etwa ziemlich dick. Wirklich hosentaschenfreundlich ist das nicht. Der wesentliche Grund dafür ist der mitgelieferte 2,4-GHz-USB-C-Dongle, der im Case sicher verstaut wird. Das Ladecase verfügt über eine IPX2-Bewertung, die vor gelegentlichen Spritzern und feuchter Umgebung schützt.  Das ist solide, aber kein Allwetter-Schutz. Der Dongle selbst hat eine L-förmige Bauweise. Nicht ideal gelöst, da er so den benachbarten USB-Port blockiert, wenn er eingesteckt wird.

Immerhin verfügt der Dongle über einen USB-C-Passthrough-Anschluss, mit dem man beispielsweise einen Controller weiterhin laden kann. Ziemlich praktisch. Die Earbuds hinterlassen einen solideren Eindruck. Sie sind nach IPX5 zertifiziert, was Schutz gegen Regen und Schweiß bietet. Lediglich der USB-Dongle ist komplett ohne Wasserresistenz. Für Gaming-Sessions im Innenbereich spielt das weniger eine Rolle, aber wer die Earbuds auch beim Sport nutzen möchte, sollte das wissen.

Das Tragekonzept folgt dem klassischen Open-Ear-Ohrclip-Ansatz: Jedes Earbud legt sich mit einem Bügel über die Ohrmuschel, der Treiber sitzt direkt vor dem Gehörgang, ohne ihn zu verschließen. Das Gewicht liegt bei 11 Gramm pro Earbud. Leicht genug, um nach einer kurzen Eingewöhnungsphase kaum noch wahrgenommen zu werden. Ein mitgeliefertes reflektierendes Nackenband mit eingebautem Federstahl hält die Earbuds bei Bedarf zusätzlich gesichert. Es lässt sich durch Drehen der Earbuds beim Einsetzen in der Klemmmkraft anpassen.

Den Tragekomfort empfinde ich, als jemand der bereits viele Open-Ear-Kopfhörer getestet hat, als etwas gewöhungsbedürftig. Das liegt vielleicht daran, dass die ASUS ROG Cetra Open Wireless auf ein recht großes und breites Gegengewicht setzen, das hinter dem Ohr ruht. Nicht ideal, aber man gewöhnt sich dran. Die einzelne Taste auf jedem Earbud hat einen angenehm taktilen Druckpunkt und lässt sich auch blind gut ertasten. Die Verarbeitung der Ohrstöpsel selbst ist sehr gut, leider hält das etwas wackelige Kunststoff-Ladecase da nicht mit.

Ausstattung der ASUS ROG Cetra Open Wireless

Auf dem Papier bieten die ASUS ROG Cetra Open Wireless eine für Gaming-Earbuds ungewöhnlich breite Ausstattung. Dank Bluetooth und eines 2,4-GHz-Dongles sind sie kompatibel mit PC, macOS, PS5, PS4, Nintendo Switch 2, Nintendo Switch, Steam Deck, iOS und Android.

Damit decken die Cetra Open Wireless so gut wie jede relevante Gaming-Plattform ab. Ein echter Vorteil gegenüber Konkurrenten, die teils nur für eine Konsolengeneration oder ein Ökosystem optimiert sind.
Besonders praktisch und im Gaming-Segment keineswegs selbstverständlich: Die Cetra Open Wireless unterstützen simultane Multipoint-Connectivity. Mit dem 2,4-GHz-Dongle an der PS5 lassen sie sich gleichzeitig per Bluetooth mit einem Smartphone verbinden. So kann man parallel Musik oder Podcasts auf dem Handy hören und gleichzeitig ins Spiel eintauchen.

ASUS ROG Cetra Open Wireless

Standardmäßiges Multipoint, bei dem immer nur eine Verbindung aktiv Audio liefert, kennen viele Nutzer – aber simultanes Multipoint, das beide Quellen gleichzeitig verarbeitet, ist selbst bei teureren Gaming-Headsets keine Selbstverständlichkeit. Wer viel zwischen Spielen, Calls und Musik wechselt, wird dieses Feature zu schätzen wissen.

Als Treiber kommen 14-mm-Einheiten mit Carbon-beschichteter Membran zum Einsatz, die einen Frequenzgang von 20 Hz bis 20.000 Hz abdecken. Bluetooth 6.0 wird unterstützt, allerdings stehen nur die Codecs SBC und AAC zur Verfügung. Für den primären Gaming-Anwendungsfall ist das ausreichend, zumal hochauflösende Codecs wie aptX oder LDAC im Open-Ear-Segment ohnehin kaum Sinn machen.

Die Steuerung über die integrierten Tasten ist grundsätzlich logisch aufgebaut: einmal tippen für Play/Pause oder Anruf annehmen, zweimal für den nächsten Titel oder Anruf ablehnen, dreimal für den Sprachassistenten und viermal für die Lautstärke – links für leiser, rechts für lauter. Immerhin lässt sich die gesamte Tastenbelegung in der Gear Link App nach eigenen Vorlieben anpassen. Die Buttons selbst haben einen angenehmen, knackigen Druckpunkt und lassen sich sicher finden, auch ohne hinzusehen.

ASUS ROG Cetra Open Wireless

Ein weiteres praktisches Detail: Der USB-Dongle verfügt über einen USB-C-Passthrough-Port, der es erlaubt, das angeschlossene Gerät weiterhin zu laden, auch wenn der Ladeanschluss durch den Dongle belegt ist. In der Praxis ist das vor allem für Smartphone-Gaming oder den Einsatz am Laptop relevant, wo jeder Port zählt.

Akkulaufzeit von bis zu 16 Stunden

Die Akkulaufzeit gehört zu den überzeugendsten Aspekten der ASUS ROG Cetra Open Wireless. ASUS gibt eine Laufzeit von bis zu 16 Stunden pro Ladung an, das Ladecase liefert weitere 32 Stunden. In der Summe also 48 Stunden Gesamtkapazität. Diese Angaben sind erfreulich realistisch: Nach ausgedehnten Gaming-Sessions von acht Stunden und mehr zeigten die Earbuds keine bedenklichen Anzeichen von Erschöpfung.

Der Vergleich mit der Konkurrenz fällt deutlich aus: Die SteelSeries Arctis GameBuds, einer der stärksten Konkurrenten im Gaming-Earbud-Segment, schaffen rund zehn Stunden pro Ladung mit 30 Stunden im Case. In dieser Disziplin sind die Cetra Open Wireless klar besser aufgestellt als ihre direkten Konkurrenten.

Beim Einsatz über den USB-Dongle mit aktiviertem Immersion Mode (dämpft niedrige Frequenzen wie Brummen oder Lüfter) waren es rund sieben Stunden und 30 Minuten drin. Das zeigt: Wer alle Features gleichzeitig nutzt (RGB-Beleuchtung, Immersion Mode, Dongle-Verbindung) sollte mit deutlich geringeren Laufzeiten rechnen als die Herstellerangabe vermuten lässt. Die 16 Stunden werden unter optimierten Bedingungen erreicht, also mit deaktivierter Beleuchtung, ohne Phantom Bass und ohne Immersion Mode. Im realistischen Alltagsbetrieb mit gemischten Verbindungen und aktiven Features kann man von acht bis zehn Stunden pro Akkuladung ausgehen, was immer noch sehr gut ist.

Das Ladecase gibt laut Herstellerangabe rund drei vollständige Aufladungen der Earbuds. Schade ist, dass Wireless Charging nicht unterstützt wird. Ein Feature, das in dieser Preisklasse mittlerweile keine Seltenheit mehr ist und das den Alltag merklich vereinfacht hätte.

App-Anbindung per Gear Link

Die Software-Anbindung ist eine der positiven Überraschungen des Produkts. Die ASUS ROG Cetra Open Wireless lassen sich über die Gear Link Plattform steuern und zwar wahlweise über eine mobile App oder über eine browserbasierte Web-App.

ASUS ROG Cetra Open Wireless

Anstatt auf eine klassisch installierte Software zu setzen, hat ASUS eine browserbasierte Lösung entwickelt, die ohne lokale Installation auskommt und auf praktisch jedem PC oder Smartphone funktioniert, solange eine Internetverbindung besteht. Das bedeutet konkret: kein Armoury Crate, keine aufgezwungene Registrierung. Gerade für Gamer, die schon genug Bloatware auf ihrem Rechner haben, ist das ein echter Pluspunkt.

Sowohl in der mobilen App als auch in der Web-Version lassen sich EQ-Einstellungen, die RGB-Beleuchtung, die Button-Belegungen und die Mikrofon-Einstellungen anpassen. Der Equalizer bietet zehn Bänder sowie diverse Presets für Gaming, Musik und Film. Das ist mehr Flexibilität, als viele Gaming-Headsets in dieser Preisklasse bieten.

Die Mikrofon-Einstellungen sind besonders durchdacht: Es gibt eine Noise-Gate-Option sowie ein „Perfect Voice“-Feature, das die eigene Stimme automatisch optimiert und für klarere Übertragung im Teamplay sorgt.
Über die App lässt sich auch der sogenannte Immersion Mode aktivieren. Dieser Modus funktioniert als eine Art abgeschwächte Variante von Noise-Cancelling: Er reduziert kontinuierliche Umgebungsgeräusche wie das Summen einer Klimaanlage, das Rauschen von Verkehr oder Stimmen in der Umgebung, ohne die Umgebungswahrnehmung vollständig zu unterbinden. Das ist kein Ersatz für vollständiges ANC, aber es senkt den Rauschpegel spürbar in ruhigeren Umgebungen. In wirklich lauten Situationen wie der U-Bahn oder im Großraumbüro stößt er aber an klare Grenzen.

Die Touch-Gesten der Earbuds lassen sich in der App vollständig individuell belegen. Insgesamt ist die Gear Link App für ein Gaming-Produkt erstaunlich übersichtlich und angenehm zu bedienen. Keine Selbstverständlichkeit in einem Segment, in dem Companion-Apps oft mehr Frust als Freude bereiten.

Soundqualität der ASUS ROG Cetra Open Wireless

Die Soundqualität der ASUS ROG Cetra Open Wireless ist zweifellos schwierig zu beschreiben. Was man den Open-Ears zu Gute halten muss ist, dass sie in dieser Produktkategorie wirklich gut klingen. Aber sie sind eben auch weit davon entfernt, ein Allrounder zu sein.

Beginnen wir mit dem Positiven. In dialoglastigen Singleplayer-Spielen wie Baldur’s Gate 3 oder Claire Obscure werden Stimmen durch die Cetra Open Wireless klar und detailreich wiedergegeben. Einzelne Wörter verschmelzen nicht ineinander, und selbst emotionale Nuancen kommen deutlich durch. Auch die Darstellung der Soundeffekte und Räumlichkeit gefallen: Schritte der Gegner lassen sich präzise orten, Explosionen klingen wuchtig.

ASUS ROG Cetra Open Wireless

Doch sobald man sich in Richtung voluminöserem, bassbetontem Sound bewegt, kommen die Schwächen des Open-Ear-Konzepts zum Vorschein. Der Bass steht merklich zurück und schafft es nicht, sich neben Mitten und Höhen klar zu positionieren. Zumal insbesondere die Höhen stark überbetont aufspielen, was mitunter bei hoher Lautstärke zu einer unangenehmen Schärfe führen kann.

Das Phantom Bass Feature in der App versucht da gegenzusteuern, einen Tiefbass kann diese aber auch nicht ins Ohr (beziehungsweise davor) zaubern. Gerade Horror-Games mit dichter Atmosphäre büßen hier deutlich ein. Aber auch die Musik kann sich nicht so entfalten, wie man es von Gaming-Headsets oder Kopfhörern gewohnt sein dürfte. Dem Soundtrack fehlt es merklich an Substanz, Instrumente klingen eher dünn und lassen den gewissen Pomp vermissen.

Verglichen mit geschlossenen In-Ear-Gaming-Earbuds oder Over-Ear-Headsets bleibt das Klangbild zwangsläufig dünner. Das war zu erwarten. In Verbindung mit den schrillen Höhen klingen die ASUS ROG Cetra Open Wireless für meinen Geschmack aber zu angestrengt, was auf Dauer ermüdend sein kann.

Mikrofon-Testaufnahme ASUS ROG Cetra Open Wireless:

Was das Mikrofon angeht: Es arbeitet grundsätzlich gut, liefert klare Sprachverständlichkeit und einen ordentlichen Signal-Rausch-Abstand. Sehr laute Geräusche können die Mikrofone jedoch gelegentlich überfordern und zu Clipping führen. Die KI-gestützte Rauschunterdrückung isoliert die eigene Stimme auch dann gut. Für Teamplay-Kommunikation in Online-Matches ist das absolut ausreichend, viel mehr sollte man aber besser nicht erwarten.

ASUS ROG Cetra Open Wireless Test: Fazit

Seien wir ehrlich: Die ASUS ROG Cetra Open Wireless sind ein Nischenprodukt. Open-Ear-Kopfhörer haben im Alltag und Sport zweifellos ihre Daseinsberechtigung – das zeigt sich auch an der zunehmenden Beliebtheit der Produktkategorie. Aber im Gaming-Einsatz? Sehe ich nicht wirklich, welchen Sinn (oder Vorteil) Open-Ears hier bieten sollen.

Gamerinnen und Gamer wünschen sich doch meist den bestmöglichen Klang und den kann diese Klassifizierung einfach nicht bieten. Das ist kein Problem von ASUS ROG, sondern liegt einfach an der Bauart. Für Gamer, die bewusst auf ihre Umgebung reagieren wollen oder müssen – sei es, um Gespräche zu hören, die Türklingel nicht zu verpassen oder schlicht weil sie In-Ear-Lösungen nicht mögen – bieten die Cetra Open Wireless echte Vorteile: einen überzeugenden Tragekomfort über viele Stunden (wenn sie denn zum eigenen Ohr passen), eine starke Akkulaufzeit, simultanes Multipoint, breite Plattformkompatibilität und eine durchdachte Software-Anbindung ganz ohne Bloatware.

Wer allerdings eine vollständige Immersion in die Spielwelt sucht, einen vollen und lebendigen Klang wünscht, der ist hier nicht an der richtigen Adresse. Der Bass steht stark zurück und die überbetonten Höhen können auf längere Sicht ermüden. Hinzu kommt ein hoher Preis, der sich kaum rechtfertigen lässt: Alternativen, die nicht aus dem Gaming-Segment kommen, gibt’s schon deutlich günstiger. Oder mit mehr Features zum selben Preis. In-Ears wie die bereits angesprochenen Arctis Game Buds von SteelSeries hingegen bieten ein wesentlich runderes Gesamtpaket. Wer Open-Ear-Earbuds speziell für Gaming sucht, hat derzeit allerdings schlicht keine Alternative. Die ASUS ROG Cetra Open Wireless sind in dieser Nische das einzige Produkt auf dem Markt.

ASUS ROG Cetra Open Wireless Award

VORTEILE

  • Offenes Design
  • Stimmige RGB-Beleuchtung
  • Simultane Verbindung
  • Guter Tragekomfort
  • Niedrige Latenz
  • Starke Akkulaufzeit
  • Praktische App

NACHTEILE

  • Nischenprodukt
  • Kaum Bass
  • Überspitzte, anstrengende Höhen
  • Hoher Preis

Detailbewertung

Verarbeitung77
Tragekomfort88
Soundqualität79
Ausstattung90
Preis-Leistungs-Verhältnis80

Fazit

Einzigartige Open-Ear-Kopfhörer für den Gaming-Einsatz mit gutem Klang und starker Akkulaufzeit, allerdings überscharfen Höhen und fehlendem Bass.

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