ASUS ROG Kithara Test: Wie gut ist das offene Gaming-Headset mit 100-mm-Planartreibern und hochauflösendem Klang wirklich? Machen wir uns nix vor… Gaming-Headsets sind doch (weitestgehend) alle gleich. Wuchtiger Bass, getunt auf Spaß. Doch es fehlt an Substanz, neutralem Klang und Ehrlichkeit. Das alles sind Gründe dafür, warum ich schon seit Jahren mit Studio-Kopfhörern (aus dem Hause beyerdynamic) zocke. Das vor Kurzem enthüllte ASUS ROG Kithara will alles anders machen. 100 Millimeter große Planartreiber. Offene Bauweise für einen lebendigen Sound. Hochauflösender Klang. Und vor allem: Eine neutrale, überzeugende Abmischung. Klingt ja fast zu schön um wahr zu sein, oder? Ich hab das Kithara im Test ganz genau unter die Lupe genommen und verrate dir, ob das die Revolution unter den Gaming-Headsets ist.
Technische Daten des ASUS ROG Kithara
| Produkt | Kithara |
| Bauform | Over-Ear |
| Treiber | 100-mm-HIFIMAN-Planartreiber |
| Frequenzbereich (Kopfhörer) | 8-55.000 Hz |
| Impedanz | 16 Ohm |
| Konnektivität | Kabelgebunden (USB-C; 3,5/4,4/6,3 mm Klinke) |
| Mikrofontyp | MEMS |
| Frequenzbereich (Mikrofon) | 20 – 20.000 Hz |
| Gewicht | 420 g |
| Kompatibilität | PC, Mac, PS4, PS5, Nintendo Switch, Smartphone/Tablet |
| Preis | € 319,90 * |
ASUS ROG Kithara Test: Edles Design mit Studio-Anleihen
Die ASUS ROG Kithara macht direkt auf den ersten Blick deutlich, dass es kein klassisches Gaming-Headset sein will. Das Design erinnert mehr an hochwertige audiophile Kopfhörer als an die typischen, geschwungenen RGB-Boliden aus dem ROG-Sortiment. Das Metallgestell wirkt robust und edel, die Scharniere aus Metall sind sauber verarbeitet und das gesamte Gehäuse vermittelt das Gefühl eines deutlich teureren Produkts. Das hier ist Premium durch und durch, gefällt mir verdammt gut!
Die offenen Ohrmuscheln mit ihrem charakteristischen ROG-Design-Element sind optisch zurückhaltend und stilsicher. Stylish, schlicht und durch die reflektierenden Elemente dennoch ein Eye-Catcher.
Besonders positiv ist der Tragekomfort ausgefallen, der einem wirklich langen Einsatz standhält. Das Kopfband ist als weicher Skibrillen-Gurt ausgeführt (wie man es beispielsweise von SteelSeries kennt), der das Gewicht des Headsets trotz seiner eher dünnen Polsterung gleichmäßig über den gesamten Kopf verteilt.
Der Anpressdruck ist dabei angenehm moderat: Nach stundenlangen Gaming-Sessions oder intensiven Musikhörabenden bleibt er kaum als Last spürbar. Mit 420 Gramm ist die Kithara zwar ein ziemlicher Brummer, aber das Gewicht wird durch den durchdachten Trageriemen geschickt kompensiert. Ich empfinde den Komfort jedenfalls höher als bei vielen anderen Gaming-Headsets.
Das Klangzertifikat, das jeder Einheit beiliegt und die individuell gemessene Frequenzgangkurve des eigenen Headsets dokumentiert, ist ein Detail, das in dieser Preisklasse Vertrauen schafft und signalisiert: Hier wurde jedes Paar Treiber einzeln auf Konsistenz geprüft.
Ausstattung und Bedienung: Nicht dein typisches Headset
Was das ASUS ROG Kithara beim Auspacken sofort von der Konkurrenz abhebt, ist die schiere Vielfalt des Zubehörs. Im Lieferumfang stecken: ein 1,8-Meter-Kabel mit Dual-3,5-mm-Anschluss und Inline-Fernbedienung für den Mikrofonbetrieb, ein weiteres 1,8-Meter-Kabel mit 3-in-1-Steckerendstück sowie separat austauschbare Stecker in 3,5-mm-, 4,4-mm-Balanced- und 6,3-mm-Ausführung, dazu ein USB-C-auf-Dual-3,5-mm-Adapter. Wer HiFi-Kopfhörer kennt, wird bei diesem Bundle sofort aufhorchen. Denn das ist eine Ausstattung, die selbst manchen audiophilen Hersteller alt aussehen lässt.
Das sorgt zudem für Vielseitigkeit, da du das Headset nicht nur per Klinke am PC/Notebook oder einem DAC betreiben, sondern auf Wunsch auch digital per USB-C nutzen oder es in dein Audiosystem einbinden kannst. Das zeigt deutlich, dass ASUS ROG hier nicht (nur) auf klassische Gamer abzielt, sondern auch audiophile Anwender abholen will. Ob das gelingt, klären wir später.
Das Herzstück des Kithara sind die gemeinsam mit HiFiMan entwickelten und von ROG-Akustikexperten abgestimmten 100-mm-Planarmagnettreiber. Diese erreichen laut Datenblatt eine Frequenzgang-Breite von 8 Hz bis 55 kHz. Ein Wert, der selbst unter audiophilen Hochleistungskopfhörern herausragt. Der Impedanzwert liegt bei niedrigen 16 Ohm, was bedeutet, dass die Kithara auch ohne dedizierten Kopfhörerverstärker aus einer Soundkarte oder Spielekonsole ausreichend laut und dynamisch klingt. Wer jedoch einen DAC oder Verstärker besitzt, kann das volle Potenzial des Headsets ausschöpfen – und das macht in der Praxis tatsächlich einen hörbaren Unterschied.
Zum Vergleich: Planartreiber sind im Segment der Gaming-Headsets eine Rarität. Diese kommen beispielsweise beim Audeze Maxwell (unser Test) zum Einsatz, fallen dort mit 90 mm aber etwas kleiner aus und erreichen nicht den hohen Frequenzgang des Kithara.
- Welchen Vorteil bieten Planartreiber? Bei Planar-Magnettreibern wird eine dünne, flächige Membran mit eingebetteten Leiterbahnen zwischen mehreren Magneten bewegt, wodurch die Antriebskraft gleichmäßig über die gesamte Membranfläche verteilt wird. Klassische dynamische Treiber hingegen nutzen eine konusförmige Membran, die nur an einem zentralen Schwingspulenpunkt angetrieben wird, was bei höheren Pegeln leichter zu Verzerrungen führen kann.
Die Bedienung über das Inline-Kabel, sofern du dieses verwenden willst, ist schlicht und funktional. Ein Lautstärkeregler sowie ein Stummschalter für das Mikrofon sind vorhanden. Der Lautstärkeregler ist für meinen Geschmack aber etwas zu leichtgängig, was zu unbeabsichtigten Verstellungen führen kann.
Wichtig zu wissen: Das ASUS ROG Kithara kommt ohne Software aus. Kein Equalizer, kein simulierter Surround-Sound. Nur purer, echter Klang. (Spoiler: Und die App-Anbindung hat das Gaming-Headset auch wirklich nicht nötig). Wer also nach Anpassungsmöglichkeiten sucht, ist hier fehl am Platz. Das Kithara ist bewusst puristisch konzipiert und setzt auf analoges, unkomprimiertes Signal statt auf Digitalverarbeitung.
Konnektivität des ASUS ROG Kithara
Die Konnektivität der ASUS ROG Kithara ist für ein Gaming-Headset geradezu ungewöhnlich durchdacht und richtet sich an ein breites Publikum. Vom Konsolenspieler bis zum Desktop-Audiophilen. Das System mit austauschbaren Steckerenden erlaubt es, das identische Kabel je nach Bedarf mit 3,5-mm-Klinke, 6,3-mm-Klinke oder 4,4-mm-Balanced abzuschließen, ohne jedes Mal ein komplett anderes Kabel griffbereit haben zu müssen.
Ergänzt wird das durch den enthaltenen USB-C-auf-Dual-3,5-mm-Adapter, der die Kithara auch mit modernen Laptops, dem Smartphone oder der Nintendo Switch kompatibel macht.
Das Dual-3,5-mm-System, das Mikrofon und Audioausgabe physisch trennt, ist dabei nicht nur ein technisches Detail. Es löst ein echtes Problem. Wer schon einmal ein Gaming-Headset mit einem einzigen kombinierten Klinkenanschluss an einem DAC oder einer Soundkarte betrieben hat, kennt das nervige Übersprechen zwischen Audiosignal und Mikrofonsignal. Beim Kithara sorgt die getrennte Verdrahtung dafür, dass Audioqualität und Mikrofonsignal sich gegenseitig nicht beeinflussen.
Ein klarer Vorteil gegenüber den meisten Konkurrenzprodukten. Kompatibel ist das Headset laut ASUS mit PC, PlayStation 5, Nintendo Switch, iOS und Android sowie mit Xbox-Konsolen via 3,5-mm-Gamepad-Anschluss, was es zu einem echten Allrounder im eigenen Setup macht.
Audio- und Mikrofonqualität des ASUS ROG Kithara
Wenn man lange Zeit mit verschiedenen Gaming-Headsets gearbeitet hat (von SteelSeries Arctis über Razer BlackShark V3 Pro (unser Test) bis hin zum Audeze Maxwell) dann weiß man, dass „guter Klang“ im Gaming-Segment lange Zeit ein relativer Begriff war.
Das ASUS ROG Kithara geht hier einen ganz anderen Weg. Weg vom krachenden, bassbetonten Klang und hin zu einem neutraleren, audiophilen Erlebnis. Ich persönliche spiele, wie eingangs erwähnt, nun schon seit etlichen Jahren mit Studio-Kopfhörern und genau dieses Erlebnis soll das Kithara jetzt in das Segment der Gaming-Headsets bringen.
Nach wochenlangem Einsatz in Battlefield 6, Apex Legends, F1 25 und vielen weiteren Games kann ich klar sagen: Dieses Headset klingt nicht nur besser als jedes andere Gaming-Headset, das ich bislang im Ohr hatte, es klingt schlicht anders, in einer Weise, die einen nicht mehr loslässt.
Die 100-mm-Treiber des Kithara sind dabei außergewöhnlich groß, selbst im audiophilen Kontext. Diese Treibergröße erlaubt es, Luft mit minimaler Verzerrung zu bewegen, während gleichzeitig Geschwindigkeit und Kontrolle erhalten bleiben. Der nutzbare Frequenzbereich von 8 Hz bis 55 kHz gibt dabei kein bravouröses Spec-Sheet-Versprechen ab, sondern sorgt schlicht dafür, dass die Treiber im hörbaren Bereich weit unterhalb ihrer technischen Belastungsgrenze arbeiten. Was letztlich in einem breiteren, klareren Klang gipfelt.
Nun gibt es natürlich eine Einschränkung: Das Kithara ist ein offener Kopfhörer. Und der bietet eben, bauartbedingt, weniger Bass und Wumms als geschlossene Headsets. Erlaubt dadurch aber eine wesentlich bessere Luftigkeit und Räumlichkeit als geschlossene Pendants.
Soll heißen: Der Bass klingt zurückhaltender, weniger physisch präsent. Was das Kithara stattdessen liefert, ist eine Qualität, die ich erst nach einigen Tagen wirklich zu schätzen wusste: Basstextur. Man hört bei dem Kithara die Form des Tieftons, nicht nur seinen Druck. Präzise, detailliert, aber eben auch etwas zurückstehend. Wer von anderen Gaming-Headsets kommt, wird sicherlich (zunächst negativ) überrascht sein. Aber für Shooter-Spieler, die auf feindliche Schritte achten müssen, ist es ein klarer Vorteil, weil der Bass nie tieffrequente Schallquellen wie Fußgeräusche maskiert.
Die Mittenperformance der Kithara ist das Gebiet, auf dem sich die Geister am deutlichsten scheiden. Laut ASUS‘ offiziellem Sound Signature-Zertifikat stehen diese etwas zurück, was man in der Praxis dann auch tatsächlich hört. Stimmen, sowohl beim Musikhören als auch in Podcasts oder Dialogen, sitzen etwas weiter hinten, während es Instrumenten etwas an Durchsetzungsvermögen mangelt.
Dennoch: Im Direktvergleich mit herkömmlichen Gaming-Headsets sind die Mitten der Kithara schlicht überlegen. Für Competitive-Spieler in Shootern wie Counter-Strike oder Valorant bedeutet das konkret: Das Geräusch einer gegnerischen Reload-Animation ist nicht nur hörbar, es ist gut im Raum verortet. Lediglich einige akkustische Details stehen etwas im Hintergrund.
Allerdings ist das Kithara in meinen Augen nicht die erste Wahl für kompetitive Shooter. Ich hatte im Rahmen meines Tests etwas Probleme damit, wichtige Audio-Hinweise ideal im Raum zu orten. Der Grund: Der Hochtonbereich der Kithara ist bewusst zurückhaltend abgestimmt und geht jenseits der 5kHz-Marke merklich zurück. Wer helle, luftige Höhen mit Presence und Brillanz bevorzugt, wird sich mehr Energie im 8-bis-12-kHz-Bereich wünschen. Ob man damit zurecht kommt, muss man – so fürchte ich – selbst ausprobieren und dann entscheiden.
Mikrofon: MEMS im Praxistest
Das abnehmbare Boom-Mikrofon auf Basis von MEMS-Technologie (Micro-Electro-Mechanical System) hebt sich technisch deutlich von den ECM-Mikrofonen (Elektret-Kondensatormikrofon) ab, die in der überwältigenden Mehrheit aller Gaming-Headsets verbaut werden. MEMS-Mikrofone bieten von Haus aus einen besseren Signal-zu-Rausch-Abstand und eine breitere, linearere Frequenzantwort.
Im Fall des Kithara das volle Spektrum von 20 Hz bis 20 kHz bei einem SNR von 74 dB. In der Praxis bedeutet das: Die eigene Stimme kommt sauber, natürlich und ohne das typische, leicht nasale Pressing herüber, das man von Gaming-Headset-Mikrofonen kennt.
Mikrofon-Testaufnahme ASUS ROG Kithara:
Hintergrundgeräusche werden zuverlässig verarbeitet und da das Dual-3,5-mm-System Mikrofon- und Audiokanal physisch trennt, gibt es kein Übersprechen zwischen Audiosignal und Stimme. Eine besonders beruhigende Feststellung: Trotz des offenen Gehäusekonzepts, bei dem Spielton nach außen dringt, wird der Spielton beim Test nicht messbar vom Mikrofon aufgegriffen. Für Kommunikation in Discord, In-Game-Chat oder Teamsitzungen via Microsoft Teams ist das Mikrofon der Kithara klar oberhalb des Durchschnitts. Nur wer streamt oder podcastet, wird ein dediziertes Standalone-Mikrofon vorziehen wollen.
ASUS ROG Kithara Test: Fazit
Das ASUS ROG Kithara ist kein Headset für jeden und doch macht es vieles besser als die meisten klassischen Gaming-Headsets. Wer nach einem kabellosen All-in-One-Headset mit RGB und bunter Software sucht, der wird nicht fündig. Und ist auch nicht die Zielgruppe.
Wer aber täglich stundenlang spielt, Musik hört und dabei auf echte Klangqualität Wert legt, dem bietet das Kithara ein Erlebnis, das in der Gaming-Welt bislang schlicht nicht existierte. ASUS und HiFiMan haben mit diesem Produkt bewiesen, dass sich Gaming und Audiophilie nicht ausschließen müssen. Eine gelungene Verbindung zwischen Gaming-Headset und Studiokopfhörer, die funktioniert.
Der Preis von rund 320 Euro positioniert das Kithara im oberen Gaming-Segment, ist aber angesichts der Treibertechnologie, des Zubehörs und der Klangqualität mehr als gerechtfertigt. Wer schon einmal überlegt hat, sich neben dem Gaming-Headset noch einen separaten audiophilen Kopfhörer zuzulegen, kann mit dem Kithara zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.
Die kleinen Abstriche wie fehlendes Wireless, etwas schlichtes Kabel und zurückstehende Höhen fallen im Gesamtbild kaum ins Gewicht. Lediglich das Fehlen einer Tasche oder eines Hardcase finde ich, gerade in Anbetracht der vielen beiliegenden Kabel und Adapter, schade. Sein volles Potenzial entfaltet das Kithara aber nur an einem Verstärker. Das sollte man beachten.
- Hervorragender Klang
- Audiophiler Charakter
- Sehr gutes Mikrofon
- Hoher Tragekomfort
- Vielseitige Konnektivität
- Exzellente Verarbeitung
- Kabel etwas kurz
- Offenes Design gefällt nicht jedem
- Kein Transportcase
ASUS ROG Kithara
Verarbeitung
Tragekomfort
Soundqualität
Aufnahmequalität
Ausstattung
Preis-Leistungs-Verhältnis
92/100
Audiophiler Klang in einem Gaming-Headset: Das Kithara unterscheidet sich bewusst von klassischen Headsets und begeistert mit exzellentem Klang und hohem Komfort.