Kabellose Gaming-Tastaturen und ich, das war lange keine Liebesgeschichte. Für Maus, Headset und Controller ist Funk längst selbstverständlich, doch ausgerechnet bei der Tastatur habe ich über Jahre einen Bogen um kabellose Modelle gemacht. Zu oft haben mich spürbare Latenzen oder leerlaufende Akkus mitten in der Session aus dem Flow gerissen. Mit der im Juni vorgestellten CHERRY XTRFY K63W Pro Compact kommt nun ein Board auf meinen Schreibtisch, das genau diese Vorbehalte ausräumen will und zwar mit einer Technologie, die man in einer Tastatur bislang schlicht nicht gesehen hat: Ultra-Wideband. Nach mehreren Wochen intensiver Nutzung beim Schreiben und Zocken ziehe ich in diesem CHERRY XTRFY K63W Pro Compact Test Bilanz.
Technische Daten der CHERRY XTRFY K63W Pro Compact
| Produkt | K63W Pro Compact |
| Schalterart | Mechanisch (Low Profile) |
| Angebotene Schaltertypen | CHERRY MX LOW PROFILE 2.0 |
| Schalter austauschbar | Nein |
| Tastenkappen austauschbar | Ja |
| Material | Kunststoff |
| Tastenkappen | ABS |
| Abmessungen (L x B x H) | 307 x 135 x 30 mm (70 Prozent) |
| Gewicht | 820 Gramm |
| Akku | 6.000 mAh |
| Akkulaufzeit | bis zu 1.100 Stunden |
| Verbindung | Ultra-Wideband (Funk); USB-Typ-C (Kabel) |
| Beleuchtung | Per-Key-RGB |
| Konstruktion | Gasket-Mount |
| Abtastrate | 8.000 Hz (kabelgebunden & kabellos) |
| Release | 02. Juli 2026 |
| Preis | 179,99 € (UVP) |
CHERRY XTRFY K63W Pro Compact Test: Design und Verarbeitung
Die CHERRY XTRFY K63W Pro Compact setzt auf einen Formfaktor, den CHERRY selbst als „70-Prozent-Layout“ bezeichnet und der mir im Alltag schnell ans Herz gewachsen ist. Die Idee dahinter: Die komplette F-Reihe bleibt erhalten, während der seitliche Ballast – Nummernblock, Navigationsblock und großzügige Ränder konsequent wegfällt. Das Ergebnis ist ein kompaktes Board mit den Maßen 307 x 135 x 30 mm, das auf dem Schreibtisch erstaunlich wenig Platz beansprucht und vor allem deutlich mehr Bewegungsfreiheit für die Maus lässt.
Wer in schnellen Shootern mit niedriger DPI spielt und großflächige Armbewegungen macht, wird diesen Freiraum sofort zu schätzen wissen. Ein cleverer Kniff sind die Tasten im rechten unteren Bereich: Sie lassen sich zwischen Pfeiltasten und Funktionen wie Shift oder Strg umschalten oder per Mod-Tap-Einstellung sogar gleichzeitig als beides nutzen. Damit gleicht das Board den prinzipbedingten Verzicht auf einen dedizierten Pfeilblock geschickt aus.
Mit 820 Gramm bringt die K63W Pro Compact ein angenehmes Gewicht auf die Waage. Sie steht satt auf dem Tisch, ohne beim Tippen oder bei hektischen Spielmomenten zu verrutschen, bleibt für ein Board dieser Größe aber transportabel. Das Herzstück der Konstruktion ist das echte Gasket-Mount-Design, mit dem CHERRY der Tastatur ein weicheres, gedämpfteres Anschlagverhalten verpassen will. In der Praxis funktioniert das überraschend gut, dazu im Praxisteil mehr. Optisch gibt sich das Board zurückhaltend und sauber: dunkles Gehäuse, graue und schwarze Tastenkappen sowie eine per Taste individuell anpassbare RGB-Beleuchtung, die für die nötige Portion Gaming-Flair sorgt, ohne aufdringlich zu wirken.
So überzeugend die Konstruktion ist, an einem Punkt muss ich Kritik üben: Die Tastenkappen bestehen lediglich aus ABS-Kunststoff. Für ein Board, das preislich im Premiumsegment angesiedelt ist, hätte ich hier hochwertigere PBT-Kappen erwartet, wie sie etwa die Corsair Vanguard Air 99 Wireless oder die Logitech G512 X bieten.
ABS-Kappen neigen bekanntlich dazu, nach längerer Nutzung an den meistbenutzten Tasten zu glänzen und ihre matte Oberfläche zu verlieren. Und genau das zeigt sich bei den sommerlichen Temperaturen und der K63W Pro leider sehr schnell. Bei einem so hochpreisigen Modell ist das ein vermeidbarer Wermutstropfen.
Ausstattung der CHERRY XTRFY K63W Pro Compact
Bei der Ausstattung fährt CHERRY groß auf, und das eigentliche Alleinstellungsmerkmal versteckt sich im Funkmodul. Die K63W Pro Compact ist nach Herstellerangaben die erste Gaming-Tastatur der Welt mit Ultra-Wideband-Verbindung (UWB). Anders als klassische 2,4-GHz-Funkverbindungen, die sich ein ohnehin überfülltes Frequenzband mit zahllosen anderen Geräten teilen, sendet UWB kurze Impulse über ein sehr breites Frequenzspektrum. Das soll laut CHERRY für präzises Signal-Timing, weniger Interferenzen und eine stabilere Verbindung sorgen. Gerade in Umgebungen, in denen sich viele Funksignale tummeln.
Das verbindet sich mit dem zweiten Highlight: einer echten Polling-Rate von 8.000 Hz, und zwar sowohl im Funk- als auch im Kabelbetrieb. Die Tastatur meldet ihre Eingaben damit bis zu achtmal pro Millisekunde an den Rechner. Ein Wert, den man sonst fast ausschließlich von kabelgebundenen Boards kennt, der aber mittlerweile in mehr Wireless-Tastaturen Einzug hält. Wie vorteilhaft das nun wirklich sein mag, sei einmal dahingestellt. Aber Profis wird’s sicher freuen.
Unter den Tastenkappen arbeiten CHERRYs MX LOW PROFILE 2.0 Switches, die überarbeitete zweite Generation der hauseigenen flachen Schalter. CHERRY hat das Design verfeinert und ab Werk einen hochwertigen Schmierstoff präzise aufgetragen, was für gleichmäßigeres Tippen, bessere Akustik und eine Lebensdauer von über 100 Millionen Anschlägen ohne Qualitätsverlust sorgen soll.
Diese flachen Switches sind dieselbe Schalter-Familie, die wir bereits in früheren Low-Profile-Boards wie der Corsair K70 RGB MK.2 Low Profile gesehen haben – allerdings deutlich weiterentwickelt. Abgerundet wird das Paket von der per Taste anpassbaren RGB-Beleuchtung. Wer eine geringere UWB-Reichweite im Hinterkopf behalten sollte: Im Vergleich zu 2,4 GHz funkt Ultra-Wideband nicht ganz so weit. Für ein Schreibtisch-Gerät wie eine Tastatur ist das aber kein Problem. Lediglich Couch-Gamer, die ihren PC aus mehreren Metern Entfernung bedienen wollen, könnten hier an Grenzen stoßen.
Akkulaufzeit der CHERRY XTRFY K63W Pro Compact
Beim Thema Ausdauer hat CHERRY ordentlich vorgelegt. In der CHERRY XTRFY K63W Pro Compact steckt ein großzügig dimensionierter Akku mit 6.000 mAh, was für ein Board im 70-Prozent-Format eine bemerkenswert hohe Kapazität ist. CHERRY beziffert die maximale Laufzeit mit bis zu 1.100 Stunden – ein Wert, der zunächst utopisch klingt und natürlich unter Idealbedingungen gemessen wurde. In der Praxis gilt wie bei allen Wireless-Boards:
Wer die RGB-Beleuchtung auf maximale Helligkeit dreht und gleichzeitig die volle 8.000-Hz-Polling-Rate über Funk nutzt, wird diesen Spitzenwert deutlich verfehlen. Das ist allerdings kein spezifischer Kritikpunkt der CHERRY, sondern schlicht Physik, die für jede kabellose Tastatur gilt. Ganz klar: Wer das Keyboard auf maximale Leistung tunt, wird deutlich schneller laden müssen.
Im Test hat mich die Ausdauer überzeugt. Selbst mit aktivierter Beleuchtung und hoher Abtastrate komme ich über mehrere Tage hinweg, ohne ständig an die Ladebuchse denken zu müssen. Und sollte der Akku doch einmal zur Neige gehen, ist das kein Drama: Einfach das USB-Kabel einstecken und nahtlos weiterspielen. Die Tastatur lädt im laufenden Betrieb. Für den stationären Einsatz am Schreibtisch, für den dieses Board konzipiert ist, ist die Akkulaufzeit damit faktisch ein gelöstes Problem.
Die enorme Kapazität sorgt vor allem dafür, dass einen die nervige Niedrig-Akku-Warnung nicht mitten in einer langen Session aus dem Spiel reißt. Ansonsten ist etwas schade, dass es keine direkte Akkustandsanzeige gibt. Die Cherry Xtrfy-„Taste“ neben der F12-Taste zeigt zwar den Stand farblich an, wirklich erklärt, welche Farbe welchem Wert entspricht, wird aber nicht.
App-Anbindung per Cherry Utility
Die Konfiguration der K63W Pro Compact, von der RGB-Beleuchtung über die Polling-Rate bis hin zu den erwähnten Mod-Tap-Belegungen der umschaltbaren Tasten, erfolgt über die hauseigene Software von CHERRY XTRFY namens Cherry Utility. Hier richtet man auch die drei Profile ein und passt die Tastenbelegung an seine persönlichen Vorlieben an. Die grundlegenden Funktionen lassen sich unkompliziert einstellen, und die für den Wettkampf relevanten Parameter wie die Abtastrate sind schnell gefunden.
Wer von der umfangreichen Software-Ausstattung eines großen Herstellers wie Logitechs G Hub kommt, wie wir es im Test der Logitech G512 X gesehen haben, sollte seine Erwartungen an den Funktionsumfang etwas justieren. Der Fokus der K63W Pro Compact liegt klar auf der reinen Performance. Ultra-Wideband, 8K-Polling und das Tippgefühl stehen im Vordergrund, nicht ein Feuerwerk an verspielten Software-Gimmicks.
Für die Zielgruppe der kompetitiven Spieler, die ihr Setup einmal sauber einrichten und dann in Ruhe gelassen werden wollen, ist dieser schlanke Ansatz aber durchaus stimmig. Und die wichtigsten Features sind vorhanden, wirklich tief gehen die Möglichkeiten der Software allerdings nicht. Da geht die eigene Software der magnetischen Cherry XTRFY K5 Pro TMR (Test) deutlich weiter. Die Software ist okay, gehört aber sicherlich nicht zu den besten Lösungen am Markt.
Praxistest und Tippgefühl
Genau hier, beim Tippgefühl, hat mich die CHERRY XTRFY K63W Pro Compact am meisten überrascht. Ich bin ein großer Fan von Low-Profile-Tastaturen und nutze täglich eigentlich die NuPhy Air 75 v3. Die K63W hält hier sehr gut mit und bietet ein ähnlich befriedigendes und gelungenes Tippgefühl, wenngleich die Tastatur etwas höher ausfällt als das Pendant von Nuphy. Dennoch gefällt sie mir ergonomisch ausgesprochen gut.
Die Kombination aus den überarbeiteten MX LOW PROFILE 2.0 Switches und dem echten Gasket-Mount erzeugt ein Tippgefühl, das man von einer flachen Tastatur sonst schlicht nicht erwartet: ein weicherer, gedämpfter Anschlag und ein erstaunlich tiefer, satter Klang. Nicht ganz so cremig wie die Nano Blush-Switches von NuPhy, aber sehr angenehm und weich. Das Board spielt klanglich in einer ähnlichen Liga wie die hervorragende Corsair Vanguard Air 99 Wireless, bleibt dabei aber deutlich kompakter.
Beim Gaming zeigt sich, was die 8.000-Hz-Polling-Rate leistet. In schnellen Shootern fühlt sich die Eingabe unmittelbar und direkt an, jede Bewegung wird ohne spürbare Verzögerung umgesetzt. Ob ich dabei wirklich einen Unterschied zwischen der UWB-Funkverbindung und dem Kabel ertaste? Ehrlich gesagt: nein. Und genau hier liegt der zweischneidige Punkt des ganzen Konzepts. Die Ultra-Wideband-Technologie ist auf dem Papier beeindruckend und löst ein reales Problem überfüllter 2,4-GHz-Bänder.
In der Praxis bin ich an meinem eigenen Setup allerdings noch nie einem überlasteten 2,4-GHz-Frequenzband zum Opfer gefallen, das mir spürbare Verbindungsprobleme bereitet hätte. Und das, obwohl bei mir Wireless-Maus, -Headset, -Controller und mehr zum Einsatz kommen.
Für die meisten Spieler dürfte UWB damit eher Nischen-Appeal haben. Ein technologisches Ausrufezeichen, dessen Vorteile sich im Alltag nicht immer unmittelbar erschließen. Wer hingegen in einer signaltechnisch dicht besiedelten Umgebung spielt, etwa auf LAN-Events oder in einem Haushalt voller Funkgeräte, profitiert hier tatsächlich. Vergleichbare Wireless-Performance auf hohem Niveau bietet im 75/96-Prozent-Bereich auch die Asus ROG Strix Morph 96 Wireless (Test), wenn auch ohne den UWB-Kniff.
Im täglichen Wechsel zwischen Büroarbeit und Gaming hat sich die CHERRY XTRFY K63W Pro Compact als verlässlicher Begleiter erwiesen. Das kompakte Format, das gute Tippgefühl und die kompromisslose Performance machen sie zu einem Board, das sowohl für lange Schreibsessions als auch für kompetitive Matches taugt.
Klangtest CHERRY XTRFY K63W Pro Compact:
Klangtest LOFREE Flow 2:
Klangtest Cherry XTRFY K5 Pro TMR:
Dennoch gefällt mir die Textur der ABS-Tastenkappen nicht ganz so gut. Diese sind mit einer griffigen Oberfläche versehen, die ich in dieser Form noch nie gespürt habe. Das Gefühl ist schwer zu beschreiben. Fast so, als hätte der Hersteller hier eine Anti-Rutsch-Beschichtung aufgetragen. Das klingt zunächst einmal gut erlaubt aber nicht ganz so fließende Bewegungen, wie man es von anderen guten Keycaps gewohnt ist.
Immerhin: Wer mag kann die Tastenkappen ganz einfach austauschen. Die Caps anderer LP-Tastaturen lassen ich problemlos nutzen. Cherry Xtrfy nutzt hier das nSA Profile. Wer generell mit flachen Tastaturen liebäugelt, findet in unserem Test der Lofree Flow Lite eine deutlich günstigere, wenn auch weniger gaming-fokussierte Alternative.
CHERRY XTRFY K63W Pro Compact Test: Fazit
Die CHERRY XTRFY K63W Pro Compact ist eine selbstbewusste Ansage an alle, die kabellosen Gaming-Tastaturen bislang skeptisch gegenüberstanden. Das Board kombiniert eine echte technologische Premiere in Form der Ultra-Wideband-Verbindung mit einer kompromisslosen 8.000-Hz-Polling-Rate, einem riesigen 6.000-mAh-Akku und einem überraschend exzellenten Tippgefühl, das den überarbeiteten MX LOW PROFILE 2.0 Switches und dem echten Gasket-Mount zu verdanken ist. Das kompakte 70-Prozent-Format ist durchdacht und schafft wertvollen Platz für die Maus.
Es bleiben allerdings spürbare Kritikpunkte. Erstens die Tastenkappen aus ABS-Kunststoff, die in dieser Preisklasse einfach nicht mehr zeitgemäß sind und langfristig zum Glänzen neigen. Hinzu kommt die Beschichtung, die kein wirklichen „Fließen“ über die Tasten ermöglicht. Zweitens der Preis: Mit 179,99 Euro ist die K63W Pro Compact für das Gebotene recht hoch angesiedelt, gerade im Vergleich zu anderen hochwertigen Wireless-Boards. Und drittens muss man ehrlich sein: Der praktische Mehrwert von Ultra-Wideband erschließt sich nicht jedem Spieler unmittelbar. Auch ich habe hier keine nennenswerten Vorteile gegenüber klassischen 2,4-GHz-Funkboards feststellen können. Wer dennoch das technologisch fortschrittlichste, kompakteste Low-Profile-Wireless-Board mit erstklassigem Tippgefühl sucht und bereit ist, dafür zu zahlen, bekommt hier ein herausragendes Stück Hardware.
VORTEILE
- 8.000 Hz auch kabellos
- Hervorragendes Tippgefühl
- Hochwertige Verarbeitung
- Bärenstarke Akkulaufzeit
- Kompaktes Layout
- Intelligente umschaltbare Tasten
- Gelungener Klang
NACHTEILE
- Tastenkappen nur aus ABS-Kunststoff
- Hoher Preis
- Ultra-Wideband mit wenig echtem Mehrwert
- Durchschnittliche Software
- "Komischer" Grip der Keycaps
Fazit
Die CHERRY XTRFY K63W Pro Compact glänzt mit Ultra-Wideband-Premiere, echten 8.000 Hz und einem überraschend satten Tippgefühl im kompakten 70-Prozent-Format. ABS-Keycaps und ein happiger Preis trüben das ansonsten herausragende Gesamtbild.

