Das Elgato Wave XLR MK.2 tritt als All-in-One-Mikrofoninterface und Mixer an, das XLR-Mikrofone mit 80 dB Gain, eingebautem DSP-Prozessor und nahtloser Stream-Deck-Integration vereint – und damit einen neuen Standard für Desktop-Audio im Creator-Bereich setzen will.
Mit dem ersten Wave XLR legte Elgato vor einigen Jahren ein professionelles Audio-Interface für XLR-Mikrofone wie das hauseigene Wave DX auf, das ein kompaktes Design mit einem unglaublich einsteigerfreundlichen Bedienkonzept verband. Mit dem neuen Elgato Wave XLR MK.2 hält der Hersteller an dem Konzept fest und erweitert es um eine ganze Reihe nützlicher Verbesserungen, die nicht nur Streamer und Creator begeistern dürfte. Unser Test.
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Technische Daten des Elgato Wave XLR MK.2
| Produkt | Wave XLR MK. 2 |
| Auflösung | 24-bit |
| Sample Rate | 48 kHz |
| Frequenzgang (XLR) | 20 Hz bis 20.000 Hz |
| Frequenzgang (Klinke) | 20 Hz bis 20.000 Hz |
| Anschlüsse | 1x XLR; 1x 3,5-mm-Klinke; 1x USB-C |
| Gain | 80 dB |
| Abmessungen und Gewicht | 93 mm x 118 mm x 73 mm; 320g |
| Besonderheiten | Wave FX-Prozessor; Clipguard 2.0; Onboard Effekte; Auto Gain Wizard; Voice Focus; LED-Anzeige; Touchfläche; Stream Deck-Integration |
| Preis | UVP: 179,99 Euro |
Elgato Wave XLR MK.2 Test: Design und Verarbeitung
Auf den ersten Blick gleicht das Elgato Wave XLR MK.2 optisch der ersten Version. Selbes, schwarzes Kunststoffgehäuse, selber großer Drehregler vorne, selbe Anschlüsse hinten. Doch auf den zweiten Blick zeigen sich einige Detailverbesserungen des kompakten Audio-Interface, das 93 mm x 118 mm x 73 mm misst und rund 320 Gramm auf die Waage bringt.
Das kompakte Gehäuse fügt sich optisch elegant in jedes Setup ein und hebt sich durch seinen markanten, beleuchteten Encoder-Ring deutlich vom Vorgänger ab. Das auffälligste neue Designelement ist der LED-RGB-Encoderring, der den Kontrollregler umgibt und je nach aktiviertem Steuermodus seine Farbe dynamisch ändert.
So weiß man auf den ersten Blick, ob man gerade den Gain, den Kopfhörerausgang oder den Mic-/PC-Mix anpasst, ohne überhaupt auf den Bildschirm schauen zu müssen. Im Vergleich zum Vorgänger lässt sich der LED-Ring besser ablesen als die Punkte-Anzeige der Erstauflage.
Die Touch-to-Mute-Funktion an der Oberseite des Wave XLR MK. 2 reagiert kapazitiv, also ohne mechanischen Druck. Ein einzelnes Antippen genügt, um sich stumm zu schalten. Im Praxisalltag ist das einer der Punkte, die man nach kurzer Zeit gar nicht mehr missen möchte: blitzschnell, lautlos und zuverlässig.
Hinten gibt’s die bekannten Anschlüsse: einmal XLR für das Mikrofon, einmal USB-C für die Verbindung mit PC oder Notebook und einmal 3,5-mm-Klinke für Kopfhörer und Headsets zum Monitoring.
Eine weitere spannende Neuerung, die sicherlich viele freuen dürfte: Das Elgato Wave XLR MK.2 ist modular. Der vordere Drehregler und die Faceplate lassen sich ganz einfach abnehmen und durch andere Farben oder Designs austauschen. Laut Elgato soll es hier nach dem Launch viele neue Design-Optionen geben. Toll für alle, die einen individuellen Look schätzen.
Die Neuerungen des Elgato Wave XLR MK.2
Beim Design des Elgato Wave XLR MK.2 setzt der Hersteller also eher auf Bewährtes. Doch technisch legt die zweite Auflage im direkten Vergleich deutlich zu. Nun war schon das erste Wave XLR ein technisch überzeugendes Audio-Interface, das mit einem klaren und detaillierten Klang begeistern konnte. Doch, Spoilerwarnung, das Wave XLR MK.2 dürfte selbst den anspruchsvollsten Ansprüchen gerecht werden.
Die größte Neuerung ist der Wave FX Processor: ein dedizierter DSP-Chip, der professionelle Effekte wie EQ, Kompressor, Expander, Low Cut und Voice Tune direkt auf der Hardware verarbeitet. Das bedeutet, dass Effekte nicht auf der CPU des Rechners laufen, sondern am Gerät selbst. Das Ergebnis ist eine optimierte, perfekt abgestimmte Stimmdarstellung. Und das in Echtzeit, ohne dass das Interface dafür erst den Umweg über die Software gehen müsste.
Bedeutet: In der Praxis hast du alle Effekte direkt auf dem Mikrofon. Egal, in welchem Programm, Spiel und welcher App du es nutzt. Das macht auch die Auswahl des Aufnahmegeräts deutlich einfacher, denn es wird kein virtuelles „Wave FX“-Gerät mehr angelegt, dass die Effekte enthält. Die laufen direkt über das angeschlossene Mic. Weniger Audiogeräte, noch intuitivere Nutzung. Toll für Laien, genial für Profis, da das in der Praxis noch schneller und zuverlässiger vonstatten geht.
Entwickelt wurde dieser Prozessor in Kooperation mit LEWITT Audio, einem renommierten österreichischen Mikrofonhersteller. Und der hat beispielsweise mit dem RAY oder LCT 440 PURE wirklich überzeugende XLR-Mikrofone im Angebot, die ich selbst nur wärmstens empfehlen kann. Hier gibt’s den geschätzten LEWITT Sound direkt in deinem Interface, für jedes Mikrofon (und ja, das kann auch ein Billig-XLR-Mikrofon wesentlich besser klingen lassen). Die Signalkette läuft dabei nahtlos durch Clipguard, DSP-Onboard-Effekte und VST-Inserts in einem einzigen, ununterbrochenen Pfad. Ohne virtuelle Mikrofonumwege oder komplizierte Routing-Workarounds.
Dazu kommt Clipguard 2.0: Das intelligente Anti-Distortion-System wurde gegenüber dem Vorgänger nochmals verbessert und schützt nun auf mehreren Ebenen gleichzeitig davor, dass das Signal clippt – egal wie laut es plötzlich wird. Wer schon mal mitten im Live-Stream vor Aufregung zu laut gesprochen hat und danach die verzerrte Aufnahme retten musste, weiß, wie wertvoll das ist. Neu ist außerdem der Auto Gain Wizard: Encoder fünf Sekunden gedrückt halten, kurz in das Mikrofon sprechen und das Gerät setzt den optimalen Gain-Wert vollautomatisch. Kein mühsames manuelles Pegeln mehr, kein Trial-and-Error bei neuen Mikrofonen.
Auch das Monitoring wurde nach Feedback der Community grundlegend überarbeitet. Der verbesserte Monitor-Mixer erlaubt nun wesentlich feinere Kontrolle darüber, was genau man im Kopfhörer hört – Mic/PC-Mixing-Modi und Effect Monitoring lassen sich separat einstellen, sofern kabelgebundene Kopfhörer angeschlossen sind.
Elgato Wave XLR MK.2 im Praxistest
Ich habe bereits das erste Wave XLR lange Jahre im Einsatz gehabt, denn ich schätze das Audio-Interface für seinen sauberen, detaillierten Klang und die intuitive Bedienung, gerade in Kombination mit der mächtigen Wave Link-Software.
Nach wochenlangem Einsatz an verschiedenen Mikrofonen, von dynamischen Klassikern wie dem Shure SM7B bis hin zum Elgato Wave DX oder RODE PodMic lässt sich sagen: Das Wave XLR MK.2 hält, was es verspricht. Die 80 dB Gain-Reserven sind ausreichend, um wirklich jedes gängige XLR-Mikrofon rauscharm auszusteuern. Und bieten dabei mehr als genug Reserven, um auch gain-hungrige Micszu befeuern. Das ist ein merklicher Schritt gegenüber dem Vorgänger.
Besonders die intuitive und einsteigerfreundliche Inbetriebnahme und Nutzung gefällt. Interface mit PC oder Notebook verbinden, XLR-Mikrofon anschließen und du bist einsatzbereit. Quasi der Komfort eines USB-Mikrofons, aber per XLR. Das bekommt kein Focurite oder Audioent derart einsteigerfreundlich hin.
Wenngleich das Elgato Wave XLR MK. 2 bei der Anschlussauswahl natürlich limitiert bleibt. Manche, teils günstigere Konkurrenten kommen mit zwei XLR-Eingängen, zusätzlichen 6,3-mm-Eingängen und weiteren Ports, die hier durch Abwesenheit glänzen. Wer darauf Wert legt, ist hier an den falschen Adresse. Aber: Dafür hat Elgato ebenfalls (endlich) eine Lösung parat – in Form des neuen Elgato Wave XLR Pro Audio-Interface.
Onboard-Effekte und Monitoring
Doch zurück zum Wave XLR MK. 2. Die Onboard-Effekte wie Kompressor, EQ, Expander und Low Cut lassen sich direkt über Wave Link einstellen und klingen nicht nach billiger Nachbearbeitung, sondern verbessern den Klang merklich. Auf eine hochwertige, zuverlässige Weise. Besonders der Kompressor arbeitet angenehm transparent: Wer nicht gezielt danach sucht, merkt kaum, dass er aktiv ist und genau das ist das Ziel.
Die VST-Insert-Funktion über den Wave FX Processor ist ein echtes Highlight für fortgeschrittene Nutzer: Plugins wie Reverb oder Voice Changer lassen sich nahtlos in die Signalkette einbinden, ohne virtuelle Mikrofone oder Workarounds und das bei ultra-niedriger Monitoring-Latenz. Im Marketplace von Elgato oder im Netz lassen sich etliche VST-Plugins finden, die schnell und einfach direkt auf das Mikrofon angewandt werden können.
Auch der Auto Gain Wizard ist eine geniale Neuerung. Einfach den Drehregler fünf Sekunden lang gedrückt halten und schon startet ein Aufnahmetest, der den Gain (also die Mikrofonverstärkung) perfekt anpasst. So kann es zu keinem Übersteuern mehr kommen. Ideal, um den perfekten Ton zu erhalten, wenn du häufiger die Position des Mikrofons änderst.
Zusätzlich liefert das Elgato Wave XLR MK. 2 in Verbindung mit der Wave Link-Software Zugriff auf eines der für mich besten Features im Bereich der Mikrofonwelt: Voice Focus.
Voice Focus arbeitet mit künstlicher Intelligenz, um die eigene Stimme klarer zu halten. Beispielsweise, indem Hall, Hintergrundrauschen und ähnliches minimiert werden. Und ganz ehrlich: Ich liebe dieses Feature bereits seit Jahren, weil es unglaublich zuverlässig arbeitet und die Klangqualität (sowohl teurer als auch billiger Mikrofone) wesentlich verbessert.
Voice Focus lässt sich auf Wunsch mit jedem Mikrofon nutzen. Das VST3-Plugin muss allerdings normalerweise für 49,99 US-Dollar gekauft werden. In Kombination mit einem Elgato-Gerät, wie dem Wave XLR oder den Wave-Mikrofonen, kannst du es aber nutzen, ohne zusätzlich zur Kasse gebeten zu werden.
Der Kopfhörerausgang liefert einen kraftvollen, klar klingenden Sound, der auch für anspruchsvolle Over-Ear-Headsets ausreichend Pegel bereitstellt. Zero-Latency-Monitoring beim DSP-Betrieb ist dabei kein PR-Versprechen, sondern im Alltag tatsächlich spürbar. Wer schon mit günstigen Interfaces gearbeitet hat, bei denen ein leichtes Echo durch das Monitoring die Konzentration gestört hat, wird diesen Unterschied unmittelbar bemerken.
Wave Link 3.0 als Game-Changer
Elgatos Wave Link-Software erfreut sich als mächtiges Audio-Tool bei Streamern und Creatorn schon seit Jahren enormer Beliebtheit, doch das neue Wave Link 3.0 hebt die Funktionen nochmal auf ein ganz neues Level und das, obwohl das Teil sich noch im Beta-Stadium befindet.
Wave Link 3.0 ist deutlich mehr als eine einfache Treiber-Software. Es ist ein vollwertiger Broadcast-Mixer, der speziell für Content Creator entwickelt wurde, nicht für Musikproduzenten. Während andere Interfaces auf komplexe DAW-Umgebungen setzen, bringt Wave Link eine intuitive Oberfläche mit, die präzises Audio-Routing, Effektkettenverwaltung und Quellen-Mixing in einer App vereint.
Besonders hervorzuheben ist die native Integration zwischen Wave Link und dem Wave XLR MK.2: Die App erkennt das Gerät sofort, alle Parameter sind direkt ansteuerbar und der Auto Gain Wizard lässt sich mit einem Klick starten. Das Routing mehrerer Audioquellen wie Mikrofon, Spielton, Musik, Discord-Chat, in verschiedene Mix-Ausgänge funktioniert dabei so intuitiv, dass selbst Einsteiger in wenigen Minuten ein professionell klingendes Ergebnis erzielen können.
Beispielaufnahme Elgato Wave XLR MK. 2 MIT Audioeffekten (Shure MV7+):
Beispielaufnahme Elgato Wave XLR MK. 2 OHNE Audioeffekte (Shure MV7+):
Die Stream-Deck-Integration rundet das Paket ab: Lautstärken, Mute-Status und Effekte lassen sich auf die Tasten des Stream Decks legen und per Single-Touch oder Multi-Action-Befehl gleichzeitig mit Beleuchtung, Kamera und weiteren Quellen steuern. Wer einmal erlebt hat, wie es sich anfühlt, mit einer Hand den kompletten Live-Mix zu kontrollieren, wird darauf nicht mehr verzichten wollen.
Elgato Wave XLR Dock MK.2
Stichwort Stream Deck: Wer das Stream Deck+ des Herstellers sein Eigen nennt und keinen Bock hat, sich ein zusätzliches Audio-Interface in Form des Wave XLR hinzustellen, hat ebenfalls Grund zur Freude. Denn mit dem Elgato Wave XLR Dock MK.2 bietet der Hersteller eine neue Version seiner Docking-Lösung an, die einfach an die Rückseite des Stream Deck geschraubt wird.
Technisch setzt das XLR Dock der zweiten Generation auf dieselben Verbesserungen wie das Wave XLR MK.2, also 80 dB Gain, Phantom Power, Clipguard 2.0 und Wave FX-Prozessor, nimmt aber weniger Platz auf dem Schreibtisch weg.
Das einzige, worauf du (im direkten Vergleich) verzichten musst, sind der Drehregler (samt Auto Gain Wizard) und der kapazitive Mute-Button. Dafür kostet das Elgato Wave XLR Dock MK.2 auch 50 Euro weniger als das dedizierte Interface.
Elgato Wave XLR MK.2 Test: Fazit
Das Elgato Wave XLR MK.2 ist kein radikaler Neuanfang, aber eine äußerst durchdachte (und mächtige) Weiterentwicklung, die genau an den richtigen Stellen nachjustiert. Der dedizierte Wave FX Processor mit DSP-Onboard-Effekten und VST-Insert-Funktion, das überarbeitete Monitoring, der Auto Gain Wizard und der visuelle LED-Encoder-Ring machen aus einem bereits guten Audio-Interface ein echtes Power-Tool für Streamer und Creator.
Für Streamer, Podcaster und YouTuber, die ein XLR-Mikrofon betreiben und keine komplexe DAW-Umgebung lernen wollen, gibt es aktuell kaum eine bessere Wahl auf dem Markt. Die nahtlose Integration in das Elgato-Ökosystem mit Stream Deck und Wave Link 3.0 verschafft zudem einen Workflow-Vorteil, den kein reines Audio-Interface bieten kann. Wer bereits ein Stream Deck+ besitzt, sollte einen Blick auf den XLR Dock MK.2 werfen: Hier spart man Platz und USB-Kabel und bekommt quasi alle Features des Wave MK. 2, muss dafür aber auf den physischen Encoder-Ring verzichten.
- Kompakte Bauweise
- Mächtiger Wave FX-Prozessor
- Einzigartige Features (Clipguard 2.0, Voice Focus,…)
- Intuitive Bedienung
- Hervorragender Klang
- Grandiose Software
- Wenige Ausgänge
- Plastik-Bauweise
Elgato Wave XLR MK.2
Design & Verarbeitung
Features
Soundqualität
Software
Preis-Leistungs-Verhältnis
93/100
Mit dem Wave XLR MK.2 liefert Elgato ein beeindruckendes und einsteigerfreundliches Audio-Interface, das technisch auch Profis begeistern dürfte und einzigartige Features mitbringt.