Mit dem Wave XLR MK.2 legte Elgato bereits im März ein exzellentes Audio-Interface auf, das mit seiner intuitiven Bedienung und einem hervorragenden Klang in unserem Test begeistern konnte. Einfaches Setup, einfache Nutzung, aber… für anspruchsvolle Streamerinnen und Streamer zu wenig. Das ändert sich jetzt mit dem neuen Elgato Wave XLR Pro. Zwei XLR-Eingänge, 5×12-Kanal-Audiomixer ohne Latenz und die genialen Features von Wave Link 3.0. Alles auf Hardware-Ebene in einem Teil, das kleiner ist als viele normale Audio-Interfaces. Perfekt also für Dual-PC-Streaming, Konsolen-Gaming und Podcasts. Ob und für wen sich der Kauf lohnt, erfährst du im Elgato Wave XLR Pro Test.
Technische Daten des Elgato Wave XLR Pro
| Produkt | Wave XLR Pro |
| Auflösung | 24-bit |
| Sample Rate | 48 kHz |
| Dynamikumfang | 135 dB |
| Frequenzgang (XLR) | 20 Hz bis 20.000 Hz |
| Frequenzgang (Klinke) | 20 Hz bis 20.000 Hz |
| Anschlüsse | Mikrofon 1 (XLR, Mono), Mikrofon 2 (XLR, Mono), Kopfhörer 1 (6,3- und 3,5-mm-TRS-Klinke, Stereo), Kopfhörer 2 (6,3- und 3,5-mm-Klinke, Stereo), Line-Eingang (3,5-mm-TRS-Klinke, Stereo), Line-Ausgang (3,5-mm-TRS-Klinke, Stereo), Host-I/O (USB-C 2.0 High-Speed), Aux-I/O (USB-C 2.0 Full-Speed) |
| Preamp Gain | 80 dB (x2) |
| Abmessungen und Gewicht | 97 mm x 185 mm x 37 mm; 385g |
| Besonderheiten | Wave FX-Prozessor; Clipguard 2.0; Onboard Effekte; Auto Gain Wizard; Voice Focus; LED-Anzeige; Touchfläche; Stream Deck-Integration; Ducking, Mix-Maxing; Standalone Modus |
| Preis | UVP: 349,99 Euro |
Elgato Wave XLR Pro vs Wave MK.2: Wo liegen die Unterschiede?
Elgato hat seine Wave-Audio-Lineup mit der Wave-Next-Generation von Grund auf neu aufgestellt. Im Zentrum stehen zwei Interfaces: das Wave XLR MK.2 als modernes Single-Input-Interface und das neue Wave XLR Pro als Flaggschiff für komplexe Produktions-Setups. Beide teilen denselben technologischen Kern, unterscheiden sich aber in Eingängen, Routing-Tiefe und Anschlussvielfalt erheblich. Wer das richtige Gerät kaufen will, sollte die Unterschiede kennen.
Was beide gemeinsam haben
Das Herzstück beider Geräte ist der Wave FX Processor, der gemeinsam mit LEWITT Audio entwickelt wurde. Er verarbeitet Clipguard 2.0, DSP-Effekte und VST-Inserts in einem durchgehenden Signalfluss – Studioqualität mit ultra-niedriger Monitoring-Latenz, ohne kompliziertes Routing. Beide bieten 80 dB sauberen Gain, 48V Phantomspeisung, den Auto Gain Wizard sowie vollständige Integration in Wave Link 3.0 und Stream Deck.
Die fünf DSP-Effekte (Low-Cut-Filter, Expander, Voice Tune, Kompressor und Equalizer) laufen auf beiden Geräten direkt auf dem Chip, nicht auf dem Rechner. Das bedeutet: verarbeitetes Audio in Echtzeit, das in jeder App ankommt, ohne zusätzliche virtuelle Geräte oder Software-Umwege.
Ein Eingang vs. zwei Eingänge
Der grundlegendste Unterschied ist der Eingang. Das Wave XLR MK.2 verfügt über einen XLR-Eingang. Perfekt für Solo-Setups. Das Wave XLR Pro bringt zwei vollständig unabhängige Studio-XLR-Preamps mit, beide mit je 80 dB Gain und 48V Phantomspeisung. Damit entfällt bei Podcast-Setups mit Co-Host oder Dual-Mikrofon-Produktionen der Bedarf an einem separaten Mixer.
Mixing Engine: 5 x 12 Hardware-Mixer (nur beim Pro)
Das ist der Bereich, in dem das Pro eine eigene Kategorie bildet. Während das MK.2 sein Routing über Wave Link auf dem Rechner abwickelt, verfügt das Wave XLR Pro über eine vollständige Hardware-Mixing-Engine mit fünf unabhängigen Stereo-Mixes bei Zero Latency. Jeder Mix zieht aus demselben Pool von zwölf Eingangskanälen, kann aber pro Kanal in Pegel, Stummschaltung und Effektkette individuell konfiguriert werden.
Das bedeutet in der Praxis: Der persönliche Kopfhörer-Mix läuft mit DSP-Effekten und vollem Game-Audio, der Stream-Mix mit VST-Verarbeitung und automatisch geduckter Musik – gleichzeitig, auf derselben Hardware, ohne gegenseitige Beeinflussung. Zusätzlich erhält jeder Mix seinen eigenen Mix Maximizer, einen Hardware-Loudness-Prozessor, der Pegel für Broadcast-Sound verdichtet, ohne zu clippen.
Ducking (nur beim Pro)
Exklusiv im Wave XLR Pro: Hardware-Ducking. Hintergrundaudio wie Spielsound oder Musik wird automatisch leiser, sobald jemand spricht, und kehrt danach zurück. Das läuft vollständig auf dem Gerät, reagiert sofort und lässt sich pro Mix individuell konfigurieren. Der Stream-Mix bekommt geducktes Game-Audio, der persönliche Kopfhörer-Mix bleibt unangetastet.
Anschlüsse: deutlich mehr Optionen beim Pro
Das Wave XLR MK.2 bietet einen 3,5-mm-Kopfhörerausgang. Das Pro geht deutlich weiter: zwei Kopfhörerausgänge vorne und hinten, jeweils mit 3,5-mm- und 6,3-mm-Klinke, die Kopfhörer bis 600 Ohm antreiben. Dazu kommen ein USB-Aux-Port für einen zweiten PC, eine Konsole oder ein Smartphone sowie ein Stereo-Line-Ein- und -Ausgang für externe Mixer oder aktive Monitore. Insgesamt stehen zwölf Eingangsquellen zur Verfügung, die flexibel auf alle fünf Ausgangsmixes geroutet werden können.
Standalone-Modus (nur beim Pro)
Ein weiteres Pro-exklusives Feature: Das Gerät funktioniert vollständig ohne angeschlossenen Rechner. Im Standalone-Modus bleiben DSP-Effekte, Mix-Routing und Output-Assignments aktiv, so wie zuletzt in Wave Link gespeichert. VST-Plugins sind dabei nicht verfügbar, da sie den Hostrechner benötigen – alle anderen Verarbeitungen laufen weiterhin auf dem Wave FX Processor.
Software-first statt Hardware-Mixer
Auffällig beim Pro: Es gibt keine physischen Regler für Routing oder Effekte. Das ist eine bewusste Designentscheidung. Die Mixing Engine sitzt in der Hardware, Wave Link ist die Fernbedienung dafür. Wer taktile Kontrolle will, kombiniert das Pro mit einem Stream Deck. Der Vorteil dieses Ansatzes: Das System wächst mit. Neue Features kommen per Software-Update, neues Equipment integriert sich ohne Hardware-Wechsel.
Fazit und Preis
Das Wave XLR MK.2 kostet 169,99 Euro. Das Wave XLR Pro liegt bei 349,99 Euro. Für alle, die ein einzelnes Mikrofon betreiben, ist das Wave XLR MK.2 das richtige Interface. Mit modernem DSP, niedrigem Rauschen und unkomplizierter Bedienung.
Das Wave XLR Pro ist kein direktes Upgrade, sondern ein anderes Gerät für andere oder komplexere Anforderungen: zwei Mikrofone, vollständige Matrix-Mixing-Engine, Ducking, Standalone-Modus und deutlich mehr Anschlussoptionen. Wer solo streamt oder podcastet, ist mit dem MK.2 bestens bedient. Wer ein Dual-Setup, einen Co-Host oder ein komplexes Produktionsstudio betreibt, bekommt mit dem Pro ein vollwertiges Mischpult im Taschenformat.
Design und Verarbeitung des Elgato Wave XLR Pro
Elgato hat beim Wave XLR Pro auf ein eigenständiges Design gesetzt, das sich klar vom Wave XLR MK.2 abhebt. Das Gehäuse ist kompakter als man nach dem Blick auf die Anschlussliste erwarten würde, wirkt dabei aber hochwertig und gut verarbeitet. An der Unterseite befindet sich ein Montage-Punkt, mit dem sich das Interface an einem Tisch oder einem Setup-Rack befestigen lässt. Ein kleines, aber praktisches Detail für alle, die Schreibtischplatz schonen wollen.
Was sofort auffällt, ist das Fehlen jeglicher physischer Regler. Keine Fader, keine Potis, keine Knöpfe. Die gesamte Frontseite des Wave XLR Pro besteht aus Anschlüssen: zwei Kopfhörerausgänge vorne (je 3,5-mm und 6,3-mm-Klinke), dazu zwei USB-C-Ports und die zwei XLR-Buchsen auf der Rückseite. Dahinter steckt eine bewusste Designphilosophie, die Elgato konsequent durchzieht und auf die ich im Praxisteil noch ausführlich eingehe.
Rückseitig gibt es darüber hinaus noch einen Stereo-Line-In und einen Stereo-Line-Out, beide als 3,5-mm-Klinke. Der zweite USB-C-Port ist als USB-Aux ausgewiesen und dient der Verbindung eines zweiten Geräts. Gaming-PC, Konsole oder Smartphone. Wer das Gerät das erste Mal in der Hand hält, stellt schnell fest: Für seine Abmessungen steckt hier ungewöhnlich viel Anschluss-Vielfalt in einem sehr kleinen Gehäuse.
Ein konstruktiver Kritikpunkt muss jedoch erwähnt werden: Im Lieferumfang liegt nur ein einziges USB-C-Kabel bei – für den Host-Anschluss. Wer den USB-Aux-Port für einen zweiten PC oder eine Konsole nutzen möchte, muss das zweite Kabel selbst mitbringen. Bei einem Gerät für 350 Euro wäre ein zweites Kabel im Lieferumfang das Mindeste gewesen.
Die Besonderheiten des Elgato Wave XLR Pro
Das Wave XLR MK.2 ist bereits ein starkes Audio-Interface, aber es adressiert einen klar definierten Nutzerkreis: Solo-Setups, ein Mikrofon, unkomplizierter Einstieg. Das Wave XLR Pro ist für eine andere Zielgruppe gebaut und bringt dafür eine Reihe von Features mit, die man bei keinem anderen Interface dieser Preisklasse in dieser Kombination findet.
Der offensichtlichste Unterschied zum MK.2: Das Wave XLR Pro bietet zwei vollständig unabhängige XLR-Eingänge, jeder mit 80 dB digitalem Gain und separat aktivierbarer 48V Phantomspeisung. Beide Eingänge lassen sich in Wave Link komplett eigenständig konfigurieren. Eigener Gain, eigene Effektkette, eigenes Routing.
Ein Cloudlifter oder externer Preamp-Booster ist selbst für gain-hungrige Mikrofone wie das Shure SM7B oder das Electro-Voice RE20 nicht mehr notwendig. Wer dennoch einen nutzt, kann den in Wave Link per „Inline Boost Compatibility“ aber einfach dazwischenschalten.
Das macht das Wave XLR Pro zur ersten Wahl für alle, die regelmäßig mit einem Co-Host aufnehmen, Gäste im Setup empfangen oder schlicht zwei Mikrofone gleichzeitig betreiben wollen – ohne dafür ein separates Mischpult aufstellen zu müssen.
Wave FX Processor und Clipguard
Wie schon beim MK.2 sitzt auch im Wave XLR Pro Elgatos Wave FX Processor, der in Kooperation mit LEWITT Audio entwickelt wurde. Er ist das Herzstück der Signalverarbeitung: Clipguard 2.0, die fünf DSP-Onboard-Effekte und VST-Inserts laufen alle über diesen Chip. Direkt auf der Hardware, nicht auf dem Rechner.
Das bedeutet in der Praxis: Die Signalkette läuft von der Mikrofonkapsel durch den Preamp, dann durch den Wave FX Processor mit all seinen Effekten, und kommt am Ende als fertig verarbeitetes Signal beim Computer an. Jede App, jedes Programm, jedes Spiel bekommt dasselbe aufbereitete Signal. Kein virtuelles Mikrofon-Gerät, keine Workarounds, keine DAW nötig.
Die DSP-Effektkette umfasst Low-Cut-Filter, Expander, Voice Tune (intelligente Kompression mit Röhren-Charakter), Kompressor und einen vierbändigen EQ. Alle fünf laufen simultan, alle laufen auf der Hardware. Zusätzlich lassen sich über die VST-Insert-Funktion Software-Plugins – Reverb, Voice Changer, Noise Suppression und mehr – direkt in die Hardware-Signalkette einbinden, ebenfalls mit ultra-niedriger Monitoring-Latenz.
Clipguard ist seit dem ersten Wave-Interface ein Kernfeature von Elgato, aber die zweite Generation ist merklich leistungsfähiger. Das System arbeitet auf mehreren Ebenen gleichzeitig: Gestapelte ADC-Wandler fangen Übersteuerungen an der Quelle ab, ein internes 32-Bit-Float-Format sorgt für genug Headroom, und digitale Limiter glätten plötzliche Pegelspitzen am Ausgang. Wer einmal mitten im Live-Stream oder in einer Podcast-Aufnahme ungewollt ins Clipping geraten ist, weiß, wie wertvoll zuverlässige Schutzschaltung ist.
App-Anbindung: Wave Link 3.0
Wave Link 3.0 wurde von Grund auf neu entwickelt und ist der Steuermittelpunkt des gesamten Wave XLR Pro-Setups. Die Oberfläche zeigt alle aktiven Eingangskanäle, alle fünf Mixes und deren Output-Routing in einer übersichtlichen Ansicht. Neue Kanäle lassen sich per Klick hinzufügen, Effekte pro Kanal und pro Mix einzeln aktivieren, Ducking pro Mix konfigurieren und der Maximizer für jeden Ausgang separat einstellen.
Besonders praktisch: Der Auto Gain Wizard in Wave Link analysiert die eigene Stimme in wenigen Sekunden und setzt den optimalen Gain-Wert automatisch – inklusive initialer DSP-Konfiguration basierend auf den Stimm-Charakteristiken. Für alle, die neu in die Welt professioneller Audio-Interfaces einsteigen und sich nicht durch manuelle Pegeleinstellungen arbeiten wollen, ist das eine echte Erleichterung.
Die Stream Deck-Integration ist nahtlos: Über das WaveLink-Plugin für Stream Deck lässt sich der gesamte aktuelle Mix-Stand mit wenigen Klicks auf ein Stream Deck exportieren. Lautstärkeregler, Mute-Buttons, Effekt-Toggles – alles erscheint auf den LCD-Tasten und Drehreglern des Stream Decks, direkt einsatzbereit. Wie das Ganze aufgeteilt und welche Funktionen auf welche Tasten gelegt werden, lässt sich dabei vollständig anpassen.
Elgato Wave XLR Pro im Praxistest
Hardware-Mixing Engine: 5 Mixes, Zero Latency
Das ist das Feature, das das Wave XLR Pro klar aus dem Feld aller vergleichbaren Interfaces heraushebt. Während beim Wave XLR MK.2 das Routing softwareseitig in Wave Link auf dem Rechner läuft, sitzt beim Pro eine vollständige Mixing-Engine direkt auf dem Gerät. Fünf unabhängige Stereo-Mixes, jeder mit bis zu zwölf Eingangskanälen, Zero Latency, alle in Hardware.
Was das in der Praxis bedeutet, zeigt sich am besten anhand eines typischen Streaming-Setups. Auf dem Wave XLR Pro laufen gleichzeitig: ein persönlicher Kopfhörer-Mix mit allen eigenen Quellen in voller Dynamik, ein Stream-Mix für OBS mit VST-verarbeiteter Stimme und automatisch geducktem Spielton, ein Chat-Mix für Discord, ein Recording-Mix für saubere Nachbearbeitung und ein Aux-Mix für ein zweites Gerät. Alle fünf laufen simultan, alle in Hardware, kein Software-Roundtrip, keine Abhängigkeit vom PC.
Und hier liegt auch der entscheidende Vorteil gegenüber Software-basierten Lösungen: Wenn Wave Link abstürzt oder kurz hängt, läuft das Wave XLR Pro einfach weiter. Die Mixes sind im Gerät gespeichert, nicht in der App.
Ducking
Ducking ist exklusiv im Wave XLR Pro und eines dieser Features, die man nach kurzer Zeit nicht mehr missen will. Das Prinzip ist einfach: Ein Key-Channel, typischerweise das Mikrofon, wird als Hauptquelle definiert. Sobald man spricht, werden andere Kanäle automatisch um einen einstellbaren Betrag abgesenkt und kehren nach dem Sprechen zurück. Das läuft vollständig in Hardware, reagiert sofort und benötigt keine manuelle Eingriffe.
Die Tiefe steckt im Per-Mix-Routing. Ducking lässt sich pro Mix einzeln aktivieren oder deaktivieren. Im Stream-Mix wird das Game-Audio automatisch leiser, sobald man redet. Im persönlichen Kopfhörer-Mix bleibt es bei vollem Pegel, weil man beim Spielen keine harten Schnitte hören will. Beides gleichzeitig, auf derselben Hardware, ohne irgendeinen Schalter zu betätigen.
Mix Maximizer
Für jeden der fünf Mixes steht ein eigener Mix Maximizer zur Verfügung. Das ist ein One-Knob-Loudness-Prozessor, der Limiter und Makeup-Gain kombiniert: Mit zunehmendem Pegel senkt er die Threshold, erhöht gleichzeitig den Gain und verdichtet das Signal zu einem satterer, lauteren Broadcast-Sound, ohne dass Clipping möglich ist. Wer den Stream-Mix auf maximale Wirkung aussteuern will, die Aufnahme aber dynamisch und unbearbeitet haben möchte, stellt das pro Mix einfach separat ein.
Standalone-Modus
Ein Feature, das in dieser Preisklasse selten zu finden ist: Das Wave XLR Pro funktioniert vollständig ohne angeschlossenen Rechner. Im Standalone-Modus behält das Gerät die zuletzt in Wave Link gespeicherte Konfiguration – DSP-Effekte, Mix-Routing, Output-Assignments – und arbeitet damit eigenständig weiter. Wer nur schnell zocken will, ohne den Streaming-PC hochzufahren, bekommt trotzdem verarbeitetes Monitoring-Audio direkt im Kopfhörer. VST-Plugins laufen im Standalone-Modus nicht, da sie den Hostrechner voraussetzen. Alles andere funktioniert.
Anschlüsse und Routing in der Praxis
Im Praxisbetrieb zeigt die Anschlussdichte des Wave XLR Pro, warum Elgato hier sehr bewusst nicht gespart hat. Dual-PC-Setup: Gaming-PC an USB-Aux, Streaming-PC an USB-Host – das Wave XLR Pro routet das Game-Audio des Gaming-PCs als eigenen Kanal in den Streaming-Mix, schickt gleichzeitig das verarbeitete Mikrofon-Signal zurück an den Gaming-PC für In-Game-Voice-Chat. Zwei Kopfhörer mit eigenen Mixes? Kein Problem, Kopfhörer 1 und 2 lassen sich auf beliebige Mixes routen. Lautsprecher über Line-Out mit eigenem Mix ohne Mikrofonsignal, damit keine Rückkopplungsschleife entsteht? Ebenfalls drin.
Wer eine Konsole einbinden will, verbindet sie über USB-Aux. Das Konsolen-Audio kommt als eigener Kanal ins Interface zurück, das Mikrofon-Signal geht per USB zurück an die Konsole für Party-Chat. Alles ohne zusätzliche Adapter, ohne externe Mixer, ohne Capture-Karte für das Audio.
Kein physischer Regler – ein cleverer Kompromiss
Das Wave XLR Pro hat keine Fader, keine Potis, keine Knöpfe. Das ist die auffälligste Design-Entscheidung, die Elgato hier getroffen hat, und gleichzeitig die, die am stärksten polarisiert.
Der Gedanke dahinter ist nachvollziehbar: Elgato hat mit dem Stream Deck die beliebteste Hardware-Steuereinheit für Streamer im Portfolio. Wer das Budget vollständig in die Verarbeitungsleistung des Interfaces steckt und die Steuerung an eine modulare, erweiterbare Hardware auslagert, bekommt ein flexibleres System als jedes Interface mit fest verbauten Reglern. Statt vier fixer Fader wie beim GoXLR können es mit dem Stream Deck Plus XL sechs Drehregler sein, oder mit zwei Stream Deck Plus gleichzeitig zehn. Und Stream Deck steuert ohnehin schon Licht, Kamera, Szenen und mehr.
Wer noch kein Stream Deck besitzt und das Wave XLR Pro rein softwarebasiert über Wave Link steuern will, kommt damit zurecht. Die Maus-Bedienung in Wave Link funktioniert reibungslos. Wer aber das volle Potential des Pro ausschöpfen will, wird früher oder später zum Stream Deck greifen.
Elgato Wave XLR Pro Test: Fazit
Das Elgato Wave XLR Pro ist kein gewöhnliches Audio-Interface. Es ist ein vollständiges Hardware-Mischpult im Taschenformat, das Dual-XLR-Eingänge, eine echte Hardware-Mixing-Engine, automatisches Ducking, Broadcast-Maximizer und einen vollwertigen Standalone-Modus in einem kompakten Gehäuse vereint. Für nur 350 Euro und derart kompakt, dass es auf dem Schreibtisch kaum auffällt.
Die fehlenden physischen Regler sind eine Entscheidung, die man entweder nachvollziehen kann oder nicht. Aber in Kombination mit einem Stream Deck erschließt sich ihre Stärke sofort. Das System ist modular, erweiterbar und wächst mit dem Setup. Wer einmal fünf unabhängige Hardware-Mixes mit Zero Latency, per-Mix-Ducking und Maximizer eingerichtet hat, versteht, warum Elgato an dieser Stelle kein Budget in physische Fader gesteckt hat. Das ginge einfach zu weit. Der einzige spürbare Kritikpunkt bleibt der Lieferumfang: Ein zweites USB-C-Kabel gehört für ein Gerät dieser Preisklasse einfach dazu.
Für Streamer mit Dual-PC-Setup, Podcaster mit Co-Host, Creator mit anspruchsvollem Multi-Source-Routing oder alle, die von einem klassischen Mischpult auf eine softwarebasierte, modulare Lösung wechseln wollen – das Wave XLR Pro ist die konsequenteste Antwort auf diese Anforderungen, die der Markt aktuell bietet.
VORTEILE
- Kompaktes Gehäuse
- Sehr viele Anschlüsse
- Zwei vollständig unabhängige XLR-Preamps
- Hardware-Mixing-Engine
- Ducking und Mix Maximizer pro Mix
- Standalone-Modus ohne PC
- Wave FX Processor mit DSP, Clipguard 2.0 und VST-Insert
NACHTEILE
- Kein zweites USB-C-Kabel im Lieferumfang
- Keine physischen Regler
- Kunststoff-Bauweise
Fazit
Das Elgato Wave XLR Pro ist das mächtigste kompakte Audio-Interface für Streamer und Creator. Mit Dual-XLR, Hardware-Mixing-Engine, Ducking und Standalone-Modus in einem Gerät, das keinen Wunsch offen lässt.