Epomaker kennt man hierzulande vor allem für mechanische Tastaturen und Keycaps. Mit dem Mitte August vorgestellten Epomaker GX1 wagt sich der Hersteller nun erstmals auf das Terrain der Gaming-Headsets. Und das gleich mit einem ungewöhnlichen Ansatz: Statt wie die meisten Budget-Headsets auf ein geschlossenes Gehäuse zu setzen, verpasst Epomaker dem GX1 ein offenes Ohrmuschel-Design (Open-Back), kombiniert mit 50-mm-Treibern, virtuellem 7.1-Surround-Sound, einer Triple-Mode-Konnektivität aus 2,4-GHz-Dongle, Bluetooth und USB-C sowie einer für die Preisklasse beachtlichen Akkulaufzeit von bis zu 70 Stunden. Wir haben das GX1 mehrere Wochen beim Zocken, in Discord-Calls und im Büroalltag getestet und verraten dir, ob sich der ungewöhnliche Open-Back-Ansatz bei einem Gaming-Headset lohnt und wo Epomaker als Neuling in diesem Segment noch nachbessern muss.
Technische Daten des Epomaker GX1
| Produkt | GX1 |
| Bauform | Over-Ear-Gaming-Headset, Open-Back |
| Treiber | 50 mm, dynamisch |
| Frequenzbereich | 20 Hz – 20 kHz |
| Surround-Sound | Virtueller 7.1-Surround-Sound |
| Konnektivität | Triple-Mode: 2,4-GHz-Wireless-Dongle, Bluetooth, USB-C-Kabel |
| Mikrofon | Integriertes Mikrofon + abnehmbares Boom-Mikrofon mit ENC |
| RGB-Beleuchtung | Ja, Wabenmuster an den Ohrmuscheln, über Tastendruck oder App steuerbar |
| Akku | 2.000 mAh |
| Akkulaufzeit (RGB aus) | Bis zu 70 Stunden |
| Akkulaufzeit (RGB an) | Bis zu 30 Stunden |
| Ladezeit | Ca. 3 Stunden 20 Minuten |
| Anschluss | USB-C |
| Gewicht | Ca. 320 Gramm |
| Farben | Schwarz, Grau, Pink, Weiß |
| Kompatibilität | PC, Mac, Nintendo Switch, PS4/PS5 (wireless); Xbox Series nur per Kabel |
| Software | Epomaker-App mit EQ-Presets, Surround-Steuerung und Mikrofon-Tuning |
| Lieferumfang | Headset, abnehmbares ENC-Mikrofon, Schaumstoff-Mikrofonabdeckung, USB-C-auf-3,5-mm-Kabel, USB-A-auf-USB-C-Kabel, 2,4-GHz-Dongle, mehrsprachige Bedienungsanleitung |
| Preis (UVP) | 51,95 Euro |
Design, Verarbeitung und Tragekomfort
Auf den ersten Blick verrät das GX1 sein ungewöhnlichstes Merkmal sofort: die perforierten, offenen Ohrmuschel-Abdeckungen, durch die man das Wabenmuster der RGB-Beleuchtung durchschimmern sieht. Statt eines aggressiven Gaming-Looks mit spitzen Kanten und auffälligen Logos setzt Epomaker auf ein eher zurückhaltendes, fast schon audiophil wirkendes Design mit lackierter und teilverchromter Oberfläche. In unserem Test kam das Modell in Weiß, daneben stehen noch Grau, Pink und Schwarz-Rot zur Auswahl.
Bei der Haptik merkt man dem GX1 die Preisklasse an, ohne dass das gleich negativ gemeint sein muss: Das Gehäuse besteht komplett aus Kunststoff, wirkt in unserem Test aber durchweg solide verarbeitet, ohne Knarzen oder spürbares Spiel an den Scharnieren. Die drehbaren Ohrmuscheln sitzen fest, und der siebenstufig verstellbare Kopfbügel ließ sich bei uns ohne Nachjustieren über mehrere Sessions hinweg passend einstellen. Von Premium-Materialien wie Metallbügeln oder Echtleder-Polstern, wie man sie von deutlich teureren Modellen kennt, darf man beim GX1 allerdings nicht ausgehen.
Beim Tragekomfort zeigt sich der Vorteil des geringen Gewichts: Mit rund 320 Gramm gehört das GX1 zu den leichteren Vertretern seiner Klasse, was sich in unserem Test besonders bei mehrstündigen Gaming-Abenden bemerkbar gemacht hat – ein spürbarer Druck am Kopf oder an den Ohren ist bei uns auch nach längeren Sessions nicht aufgetreten. Die weich gepolsterten, mit atmungsaktivem Kunstleder bezogenen Ohrpolster sorgen für einen angenehm moderaten Anpressdruck, der fest genug sitzt, um beim Kopfdrehen nicht zu verrutschen, ohne dabei einzuengen. Das offene Design zahlt hier doppelt ein: Es sorgt für spürbar bessere Luftzirkulation als bei geschlossenen Ohrmuscheln, sodass wir auch nach längerem Tragen keinen Hitzestau unter den Polstern bemerkt haben.
Ausstattung: Triple-Mode-Konnektivität und Bedienung
Beim Verbindungsaufbau punktet das GX1 mit einer echten Stärke: der Triple-Mode-Konnektivität. Über den beiliegenden 2,4-GHz-Dongle verbindet sich das Headset mit rund 25 Millisekunden Latenz an PC, Mac, Nintendo Switch und auch der PS4/PS5, was für kompetitives Gaming absolut ausreichend ist. Zusätzlich steht Bluetooth für die Kopplung mit Smartphone oder Tablet bereit – praktisch, wenn man während einer Ladepause im Spiel schnell einen Podcast oder eine Playlist über das Handy hören möchte. Als dritte Option gibt es die klassische, kabelgebundene USB-C-Verbindung, mit der sich das Headset auch bei leerem Akku weiterbetreiben lässt. In unserem Test hat der Wechsel zwischen den drei Modi über den Schalter an der rechten Ohrmuschel zuverlässig funktioniert, ganz ohne Neuverbindung oder Verzögerung.
Eine Einschränkung sollten Konsolenspieler im Hinterkopf behalten: Xbox-Series-Konsolen unterstützen den 2,4-GHz-Dongle des GX1 nicht, hier funktioniert nur die kabelgebundene Verbindung. PlayStation-Nutzer sind dagegen fein raus, da PS4 und PS5 sowohl kabelgebunden als auch drahtlos über den Dongle funktionieren.
Die Bedienung erfolgt komplett über physische Tasten an den Ohrmuscheln: Auf der linken Seite sitzen Power-Taste, Stummschaltung und der RGB-Umschalter dicht nebeneinander, ergänzt durch ein Lautstärkerad. In unserem Test ließ sich die Lautstärke damit angenehm präzise dosieren, allerdings mussten wir in den ersten Tagen mehrfach kurz nachschauen, welche der eng beieinanderliegenden Tasten wir gerade ertastet hatten – nach etwas Eingewöhnung ging das aber zunehmend routiniert von der Hand.
Akkulaufzeit und Laden im Test
Bei der Akkulaufzeit liefert das GX1 für seine Preisklasse eine der stärksten Zahlen im Test: Mit deaktivierter RGB-Beleuchtung gibt Epomaker bis zu 70 Stunden Spielzeit an, was sich in unserem Alltagstest über mehrere Wochen auch so bestätigt hat. Wir kamen bei ausgeschaltetem RGB-Licht auf einen ganz ähnlichen Wert und mussten das Headset spürbar seltener ans Ladekabel hängen als andere Modelle in dieser Preisklasse. Aktiviert man die RGB-Beleuchtung im Wabenmuster, sinkt die Laufzeit dagegen deutlich auf rund 30 Stunden. Ein Kompromiss, den man angesichts der ohnehin schon langen Basis-Laufzeit gut verschmerzen kann, wenn einem die Optik wichtiger ist als jede letzte Betriebsstunde.
Praktisch für den Alltag: Der 2.000-mAh-Akku ist über USB-C nach rund 3 Stunden und 20 Minuten vollständig aufgeladen. Eine explizite Schnellladefunktion für kurze Zwischenladungen bewirbt Epomaker nicht, in unserem Test reichten aber bereits 15 bis 20 Minuten am Ladekabel für mehrere weitere Spielstunden.
Software: Epomaker-App und Equalizer
Angepasst wird das GX1 über die dazugehörige Epomaker-Software, die sich in unserem Test unkompliziert installieren und mit dem Headset koppeln ließ. Der Funktionsumfang bleibt dabei bewusst überschaubar: Neben mehreren vorkonfigurierten EQ-Presets lässt sich der virtuelle 7.1-Surround-Effekt je nach Spiel oder Medieninhalt an- und ausschalten, dazu kommt eine grobe Feinabstimmung für die Mikrofon-Sprachklarheit und Rauschunterdrückung.
Mit den ausgefeilten Software-Suiten etablierter Headset-Hersteller kann die Epomaker-App nicht mithalten – wer einen vollwertigen, mehrbandigen Equalizer oder detaillierte Profilverwaltung erwartet, wird hier zu wenig Auswahl finden. Für den Einstiegspreis deckt die App aber genau das ab, was die meisten Nutzer im Alltag tatsächlich brauchen, und wirkt dabei angenehm aufgeräumt statt überladen.
Klangqualität im Test: Was das Open-Back-Design wirklich bringt
Das Open-Back-Design ist das mit Abstand ungewöhnlichste Merkmal des GX1 – und genau hier zeigt sich im Test auch der größte Unterschied zu klassischen, geschlossenen Gaming-Headsets. Die 50-mm-Treiber liefern einen kräftigen, spürbar „punchy“ Bass, ohne dabei aufdringlich zu wirken, während Stimmen und Effekte in den Mitten klar und gut durchhörbar bleiben. Die Höhen bleiben in unserem Test überwiegend kontrolliert, können bei sehr hellen, lauten Passagen aber vereinzelt etwas spitz wirken.
Der eigentliche Mehrwert des offenen Designs zeigt sich beim Soundstage: Statt des typischen „Klang sitzt mitten im Kopf“-Gefühls geschlossener Headsets liefert das GX1 ein spürbar breiteres, luftigeres Klangbild. In Shootern wie Valorant oder CS2 hat sich das in unserem Test positiv auf die Ortung von Schritten und Schüssen ausgewirkt. Positionsangaben wirkten weniger komprimiert und ließen sich in hektischen Situationen tendenziell etwas leichter einordnen als mit vergleichbaren geschlossenen Modellen. Bei atmosphärischen Open-World- und Story-Spielen sorgt die zusätzliche Räumlichkeit zudem für ein angenehm immersives, weniger „eingesperrtes“ Hörgefühl.
An die Qualität teurerer offener Headsets wie beispielsweise dem beyerdynamic MMX 330 Pro (unser Test) oder ASUS ROG Kithara (Test) reicht das Epomaker GX1 nicht heran, dennoch gefällt mir das räumliche, lebendige Klangbild gemessen am Preis gut.
Der Haken dabei ist der Bauform geschuldet und lässt sich nicht wegdiskutieren: Ein offenes Design bietet praktisch keine nennenswerte Schallisolierung. Wer im Großraumbüro sitzt, in der WG-Küche zockt oder öffentliche Verkehrsmittel nutzt, wird sowohl selbst mehr von der Umgebung mitbekommen als auch Umstehende mit der eigenen Spielbeschallung stören. Für ruhige Zimmer oder das eigene Gaming-Setup zu Hause ist das kein Problem, für unterwegs oder in hellhörigen Umgebungen aber ein klarer Ausschlussgrund.
Mikrofonqualität im Test
Für Sprachchat und Streaming bringt das GX1 gleich zwei Mikrofone mit: ein dezentes, integriertes Mikrofon für gelegentliche Anrufe sowie ein abnehmbares Boom-Mikrofon mit ENC (Environmental Noise Cancellation) für intensivere Gaming-Sessions. In unseren Discord- und Teams-Testrunden hat die Rauschunterdrückung Tastaturgeklapper und leise Hintergrundgeräusche zuverlässig herausgefiltert, sodass unsere Gesprächspartner uns durchweg gut verstehen konnten.
Ganz ohne Abstriche kommt das Mikrofon aber nicht davon: Bei genauerem Hinhören klingt die Stimme über das Boom-Mikrofon in unserem Test einen Hauch bassbetonter und weniger glasklar, als man es von deutlich teureren Streaming-Mikrofonen gewohnt ist. Für Voice-Chat im Multiplayer-Spiel und gelegentliche Videocalls reicht die Qualität locker aus, für professionelles Streaming oder Podcasting würden wir dagegen eher zu einem dedizierten USB-Mikrofon raten.
Epomaker GX1 Test: Fazit
Für ein Debüt in einer neuen Produktkategorie liefert Epomaker mit dem GX1 ein bemerkenswert rundes Paket ab. Der Mut, bei einem Gaming-Headset unter 100 Euro auf ein offenes Design zu setzen, zahlt sich in unserem Test klanglich aus: luftigere Bühne, natürlicheres Hörgefühl und eine für Shooter durchaus brauchbare Ortung, gepaart mit geringem Gewicht, langer Akkulaufzeit und einer angenehm flexiblen Triple-Mode-Konnektivität.
Wer mit der fehlenden Schallisolierung leben kann und primär zu Hause spielt, bekommt mit dem GX1 ein Headset, das an mehreren Stellen mehr bietet, als der Preis vermuten lässt. Wer dagegen unterwegs, im Büro oder in hellhörigen Umgebungen spielt oder auf Xbox-Series-Wireless angewiesen ist, sollte zu einem geschlossenen Modell greifen.
VORTEILE
- Hoher Tragekomfort
- Starke Akkulaufzeit
- Flexible Triple-Mode-Konnektivität
- Breites, natürliches Klangbild
- Abnehmbares ENC-Mikrofon
- Attraktiver Preis
NACHTEILE
- Bauartbedingt kaum Isolation
- Akkulaufzeit mit RGB deutlich schwächer
- Xbox-Kompatibilität nur per Kabel
- Verarbeitung könnte besser sein
Fazit
Das Epomaker GX1 überzeugt mit ungewöhnlichem Open-Back-Design, starker Akkulaufzeit und solider Verarbeitung zum fairen Preis. Für unter 52 Euro ein empfehlenswertes Gaming-Headset.