Fans von Low-Profile-Tastaturen mit deutschem ISO-Layout hatten lange Zeit das Nachsehen. Die optischen auf dem deutschen Markt waren lange von überschaubarer Qualität. Doch das änderte sich vor gut einem halben Jahr schlagartig, als LOFREE die Flow Lite (unser Test) auch mit deutschem Layout veröffentlichte. Andere Hersteller wie NuPhy oder Keychron folgten dem Beispiel und scheinen endlich erkannt zu haben, dass man den deutschen Markt nicht vernachlässigen sollte. Mit der LOFREE Flow2 schafft es nun endlich auch die hochwertige mechanische Low-Profile-Tastatur des Herstellers zu uns, die sich in den sozialen Medien bereits seit über sechs Monaten enormer Beliebtheit erfreut. Ob sich das Warten gelohnt hat, klären wir im Test.
Technische Daten der LOFREE Flow2
| Produktbezeichnung | Flow2 |
| Schalterart | Mechanisch |
| Tastenschaltertyp | Lofree x Kailh Cloud Series Switch |
| Angebotene Schaltertypen | Linear |
| Schalter austauschbar | Ja |
| Tastenkappen austauschbar | Ja |
| Material | Aluminium |
| Material Tastenkappen | PBT- und PC-Doubleshot |
| Abmessungen (L x B x H) | 341,2 mm x 126 mm x 21,5 mm |
| Akkulaufzeit | Bis zu 120 Stunden |
| Kabelanschluss | USB-Typ-C |
| Konnektivität | USB-C; 2,4-GHz; Bluetooth 5.3 |
| Abtastarate | 1.000 Hz |
| Preis | Preis nicht verfügbar * |
LOFREE Flow2 Test: Edler Flachmann mit beeindruckender Verarbeitung
Es ist gut ein halbes Jahr her, dass ich die LOFREE Flow2 erstmals in einem Video gesehen habe. Und enttäuscht war, dass es diese hochwertige Low-Profile-Tastatur aus Aluminium (mal wieder) nicht in einem deutschen ISO-DE-Layout gab. „Ist ja wieder mal typisch,“ dachte ich. Kurz zuvor hatte LOFREE die Flow Lite auf dem deutschen Markt veröffentlicht, die sich mit ihrem Klang und exzellenten Schreibgefühl bereits in mein Herz getippt hatte.
Die Flow2 markiert das erwachsenere und hochwertigere Gegenstück zur Lite. Noch flacher, noch ansprechender und vor allem, nicht zuletzt dank Aluminium-Gehäuse, noch hochwertiger. Angeboten wird die Low-Profile-Tastatur dabei in drei Größen, wobei es für den deutschen Markt scheinbar nur die Varianten mit 84 Tasten (ohne Nummernblock) und mit 96 Tasten samt Num-Block zu geben scheint. Und das wahlweise in den Farben Spacegrey oder Silber.
Das Gehäuse der Flow2 ist aus einem einzigen Aluminiumblock gefräst, anodisiert und besitzt eine matte, leicht körnige Oberfläche, die sich hochwertig anfühlt und in der Hand absolut solide wirkt. Kein Wackeln, kein Knarzen, kein Flex, das Gehäuse ist schlichtweg ein kleines Kunstwerk aus Metall.
Die Keycaps sind doppelt gespritzt (Double-Shot) aus PBT (oben) und Polycarbonat (unten), was sowohl für langlebige Beschriftungen als auch für eine angenehme Lichtdurchlässigkeit sorgt. Im Vergleich zum Vorgänger wurden die Keycaps bewusst vergrößert und mit steileren Kanten versehen. Dadurch findet man die einzelnen Tasten auch blind deutlich schneller und präziser.
Die Tasten verfügen darüber hinaus über eine weiße Hintergrundbeleuchtung, die wahlweise dauerhaft erstrahlen oder in einem Atmungseffekt aufleuchten kann. Erste Ernüchterung: Die Beleuchtung ist zwar in dunkler Umgebung gut sichtbar, tagsüber aber nicht stark genug, um durch die größtenteils undurchsichtigen Keycaps zu strahlen. Verschiedene Beleuchtungsmodi und Intensitätsstufen gibt es hingegen nicht.
Rückseitig befinden sich zwei ausklappbare Metallfüße, die den Neigungswinkel auf 7 Grad anheben und gleichzeitig den Verbindungsmodusschalter verstecken – ein cleveres, platzsparendes Detail. Positiv fällt auch das fünfschichtige Dämpfungssystem im Inneren auf: Silikon-Pad, Sandwich-Pad, IXPE-Switch-Foam, PET-Dämpfungsfolie und PU-Foam sorgen zusammen für ein volles, sattes Tipperlebnis.
Eine Besonderheit der LOFREE Flow2 markiert die Touchleiste, die an der rechten Seite zu finden ist. Übrigens genauso wie der USB-C-Port zum Laden, was ich persönlich als sehr unpraktisch erachte. Da mein PC links vom Schreibtisch beheimatet ist, muss ich das Kabel so einmal um die gesamte Tastatur herumführen. Warum sitzt der Port nicht an der Oberseite, die komplett leer bleibt?
Die Touchleiste dient vor allem der Lautstärke- und Helligkeitsregelung, reagiert meines Erachtens sehr akkurat auf Berührungen und setzt diese zuverlässig um.
Bis zu 120 Stunden Akkulaufzeit
Der wohl größte Kritikpunkt am ursprünglichen LOFREE Flow war die schwache Akkuleistung. Der Hersteller hat sich dieses Feedback offensichtlich zu Herzen genommen: Die 75%- und 96%-Variante der LOFREE Flow2 erhalten nun einen 3.000-mAh-Akku (gegenüber 2.000 mAh beim Vorgänger). Offiziell verspricht man bis zu 120 Stunden Laufzeit bei ausgeschaltetem Backlighting – und das ist keine leere Werbeversprechen.
In meinen Test der Tastatur hat sich die Akkudauer als deutlich alltagstauglicher erwiesen: Die 100er-Version hält sehr lange durch, bis die Akkustandsanzeige oben rechts durch ein rotes Leuchten signalisiert, dass es dann doch mal Zeit wird, das Teil mit neuer Energie zu versorgen.
Mit voller Hintergrundbeleuchtung reduziert sich die Laufzeit allerdings deutlich. Die Herstellerangabe spricht hier von maximal 17 Stunden, doch überraschenderweise kam ich im Rahmen des LOFREE Flow2 Tests hier mit rund 21 Stunden deutlich weiter als versprochen. Dennoch: Wer mit Licht arbeitet, muss alle 3-4 Tage laden. Das ist dann schon etwas mager. Aufgrund des flachen Gehäuses aber auch nicht weiter verwunderlich.
LOFREE Flow2: Anpassung per VIA
Eines der größten Upgrades im Vergleich zum Vorgänger ist die Einführung von QMK-Firmware und VIA-Kompatibilität – ein Feature, das Enthusiasten bei der ersten Version schmerzlich vermisst haben. Über die kostenlose VIA Web-App lassen sich Tastenbelegungen, Makros und Beleuchtungseinstellungen bequem per Browser anpassen, ohne eine Software installieren zu müssen.
Also: Zumindest in der Theorie. Denn im Rahmen des Tests hat VIA die Tastatur zwar erkannt, das Pop-up für die Autorisierung erfolgte, aber mehr passierte dann auch nicht. Die Verbindung zwischen Browser-Tool und Tastatur konnte nicht hergestellt werden. Stellte sich heraus, dass dazu aktuell noch eine JSON-Datei benötigt wird. Das wird zum finalen Release dann hoffentlich nicht mehr der Fall sein. Mit der Datei ließ sich dann aber alles anpassen.
In der Praxis ist VIA bewusst einfach gehalten. Wer komplexe Firmware-Anpassungen erwartet, wie sie proprietäre Software von Keychron oder Razer bieten, wird hier an Grenzen stoßen. Der Touch-Streifen lässt sich über VIA beispielsweise nicht umkonfigurieren, dafür sind alle anderen Tasten frei belegbar und Makros können direkt im Browser hinterlegt werden. Linux-Nutzer freuen sich zudem über vollständige Kompatibilität. Ein Pluspunkt gegenüber vielen proprietären Lösungen.
Wer tiefer in die Anpassung einsteigen möchte, kann die Tastatur zusätzlich direkt am Gerät über Fn-Tastenkombinationen konfigurieren – etwa zum Wechseln zwischen bis zu vier gekoppelten Bluetooth-Geräten oder zum dauerhaften Deaktivieren des Touch-Strips (Fn + Leertaste für 3 Sekunden).
Unglaublich smooth: LOFREE Flow2 im Praxistest
Vom Tippgefühl der Flow Lite war ich bereits begeistert. Aktuell setze ich in meinem Setup auf die NuPhy Air75 V3 mit den exzellenten Blush Nano-Switches – entsprechend bin ich ziemlich verwöhnt, was das Auslösegeräusch und Tippgefühl angeht.
Die LOFREE Flow2 startet im Test zunächst mit einem kleinen Dämpfer, denn komplett Plug-and-Play ist das Low-Profile-Keyboard nicht. Mit eingestecktem USB-Dongle (der zudem leider keinen Platz im Gehäuse findet), wir die Tastatur zunächst nicht erkannt. Die Lösung: Per FN-Tastenkombination (FN+4) will der 2,4-GHz-Modus zunächst einmal aktiviert werden. Das ist aber erfreulicherweise nur bei der ersten Inbetriebnahme so.
Das Tippen auf der Flow2 ist zweifellos ein echter Genuss. Die Keycaps fühlen sich wunderbar an: Leicht texturiert für optimalen Grip, die vergrößerte Oberfläche und der steilere Winkel sorgen dafür, dass man Tasten schneller und sicherer findet. Bei der deutschen Version gibt es bislang offenbar zwei Switch-Varianten (Pulse und Surfer), während beim ANSI-Original drei Optionen zur Wahl stehen. Kailh Surfer (knackige Linearswitches), Void (geräuscharme Linearswitches) und Pulse (taktile Switches).
Im Testmuster verbaut sind die Pulse-Schalter, die ein angenehm taktiles aber nicht unbedingt leises Tipperlebnis bieten. Die Pulse-Switches (40g Betätigungskraft) fühlen sich geschmeidig an, mit einer leichten taktilen Rückmeldung. Im Büroumfeld sind sie durch ihren moderaten Geräuschpegel eine gute Wahl. Die Schalter sind zudem Hot-Swap-fähig und können einfach ausgetauscht werden.
Das Gasket-Mount-System sorgt für eine angenehme Dämpfung beim Anschlag. Auch wenn der Flex in der LOFREE Flow2 deutlich geringer ausfällt als beim Vorgänger und man es kaum als klassisches Gasket-Mount wahrnehmen würde.
Aber die Flow2 ist beileibe nicht perfekt und sichert sich nicht den Spitzenplatz unter meinen persönlichen Low-Profile-Favoriten und dafür gibt es mehrere Gründe. Der erste ist das Layout: Das 96-Prozent-Design, bestehend aus 100 Tasten sorgt dafür, dass der Nummernblock sehr gequetscht an die Pfeiltasten anschließt. Eben weil LOFREE rechts Platz für das eigene Logo und die Akkustands-LED lässt.
Das Ergebnis ist, dass die Tasten deutlich näher zusammenrücken als es bei dem Gehäuse eigentlich der Fall sein müsste. Einen Abstand zwischen ENTER- und Pfeiltasten sowie Num-Block sucht man vergebens, was bei mir des Öfteren zu Fehleingaben führte. Kann man sicherlich vernachlässigen, wenn man sich für das 84-Prozent-Modell entscheidet – und genau das würde ich wohl jedem empfehlen.
LOFREE Flow2 Klang:
LOFREE Flow Lite Klang:
Hinzu kommt, dass die Touchleiste an der rechten Seite für viele vermutlich etwas zu leichtgängig agieren könnte. Und die Positionierung empfinde ich jetzt auch nicht als ideal. Versehentliche Berührungen, beispielsweise wenn man die Tastatur auf dem Tisch etwas verschieben will, sorgen für eine unerwünschte Veränderung der Lautstärke.
Ansonsten gibt es im Praxisalltag aber nur wenig auszusetzen. Besonders die angenehme Form und das überzeugende Tippgefühl der LOFREE Flow2 haben mir in der Praxis ausgesprochen gut gefallen. Übrigens auch beim Zocken: Im Gaming-Einsatz überzeugt die Flow2 im 2.4-GHz-Modus mit der 1.000-Hz-Polling-Rate. Kompetitives Spielen ist damit problemlos möglich.
LOFREE Flow2 Test: Fazit
Die LOFREE Flow 2 ist das bisher beste Keyboard, das der Hersteller gebaut hat. Die lang überfällige QMK/VIA-Unterstützung sowie eine brauchbare Akkulaufzeit lösen die größten Frustrationen des originalen Flow. Dazu kommen verstellbare Standfüße, 2.4-GHz-Funk und überarbeitete Keycaps. Für Vieltippende, die ein elegantes Low-Profile-Keyboard für Büro und Alltag suchen, ist sie eine sehr gute Option.
Mein Favorit wird sie aber nicht. Dafür gibt es ein paar Punkte, die mich stören. Darunter das gequetschte Layout der Full-Size-Variante, die etwas überempfindliche Touchleiste und die dann doch sehr magere Akkulaufzeit bei aktiver Beleuchtung.
Unter dem Strich gilt: Mac-Nutzer, Minimalisten und alle, die mechanisches Feeling mit schlankem Design verbinden wollen, werden die Flow2 lieben. In Kombination ergibt sich so zwar ein stimmiges Gesamtbild, verbunden mit einem einzigartigen und stylischen Design. Rein funktional ist die Konkurrenz hier aber besser aufgestellt.
VORTEILE
- Einzigartiges Design
- Tolles Toippgefühl
- Hot-Swap-fähig
- QMK/VIA
- Dreifache Konnektivität
NACHTEILE
- Layout gequetscht
- USB-Port an der Seite
- Moduswahl unter Standfuß versteckt
- Touch-Leise übersensibel
- Magere Akkulaufzeit mit Beleuchtung
- Teuer
Fazit
Überzeugende und hochwertige Low-Profile-Tastatur mit coolem Design und tollem Tippgefühl. Einige Designentscheidungen sind aber fragwürdig und der Preis fällt ziemlich hoch aus.

