Logitech G512 X im Test: Mechanisch trifft Magnetisch

Philipp Briel
Philipp Briel · 9 Min. Lesezeit
Logitech G512 X

Die im April vorgestellte Logitech G512 X stellt eine echtes Novum dar. Verbindet die neue Gaming-Tastatur des Herstellers doch die Präzision moderner TMR-Sensortechnologie mit einer Top-Ausstattung und der Möglichkeit, ganz einfach auch analoge und mechanische Switches zu nutzen – und das sogar gleichzeitig. Der Ergebnis überrascht, liefert man hier doch ein Konzept, das ich so in dieser Form noch nicht erlebt habe. Mehr dazu in unserem Logitech G512 X Test.

Logitech G512 X: Technische Daten

Produktbezeichnung G512 X
Schalterart Mechanisch / Magnetisch
Angebotene Schaltertypen Taktil
Schalter austauschbar Ja
Tastenkappen austauschbar Ja
Material Kunststoff
Abmessungen (L x B x H) 330,2 x 155,2 x 46,6 mm (75 Prozent)
Gewicht 850 Gramm
Onboard-Speicher 1 Profile
Verbindung USB-Typ-C; 2,4-GHz
Rollover-Technologie N-Key Rollover
Tastenkappen PBT-Double Shot
Betriebsmodi Tippen; Gaming
Abtastarate 8.000 Hz
Preis € 219,97 *

Stylisches Design, kompakt oder großzügig

Manchmal sind es die kleinen Details, die den entscheidenden Unterschied ausmachen. Das gilt auch für die Logitech G512 X. Switch- und Keycap-Puller im Lieferumfang? Standardkost. Aber dass diese als ergonomische Standfüße für eine erhöhte Aufstellung der Tastatur dienen? Hab ich so noch nirgends gesehen.

Auch einen Drehregler, der beispielsweise für die Lautstärkeregelung dient, ist heute keine Besonderheit mehr. Selbst Low-Profile-Tastaturen wie die Corsair Vanguard Air 99 Wireless (unser Test) haben so etwas. Aber gleich zwei Drehregler? Bei einer 75-Prozent-Tastatur? Auch das ist ein Novum für mich und zeigt, wie viele Gedanken sich Logitech bei der G512 X gemacht hat. Chapeau!

Optisch setzt die Logitech G512 X auf ein auffälliges, aber stimmiges Design. Mein Testgerät kommt in weißer Farben mit hellblauen Akzenten, alternativ ist die Tastatur auch in Schwarz verfügbar. Erhältlich ist sie in zwei Größen: als vollformatige 98-Tasten-Version für rund 220 Euro und als 75-Tasten-Variante für etwa 190 Euro. Schon beim Auspacken fällt auf, dass Logitech Wert auf Nachhaltigkeit legt, die Verpackung besteht abgesehen von ein paar Klebestreifen komplett aus FSC-zertifiziertem Karton und Papier.

Das Gehäuse selbst besteht aus Kunststoff, fühlt sich aber überraschend hochwertig an. Beim Abtasten zeigen sich keine hohlen Geräusche, die Verarbeitung wirkt insgesamt tadellos. Mit etwa einem Kilogramm bringt die Tastatur ordentlich Gewicht auf die Waage, was für einen sicheren Stand auf dem Schreibtisch sorgt. Man kann sie bewusst verschieben, aus Versehen rutscht sie aber nicht weg.

Besonders gefallen mir die durchdachten Details: Auf der Rückseite finden sich kleine Staufächer für neun zusätzliche Analog-Switches sowie fünf SAPP-Ringe (Second Actuation Pressure Point), die optional unter die Keycaps gesetzt werden können, um einen zusätzlichen Auslösepunkt zu schaffen.

Die PBT-Keycaps fühlen sich angenehm griffig an und sollten auch nach längerer Nutzung nicht so schnell glänzen, wie es bei günstigeren ABS-Caps oft der Fall ist. Am unteren Rand der Tastatur sitzt ein RGB-Lichtbalken mit 33 einzeln ansteuerbaren LEDs, der zusammen mit der Tastenbeleuchtung für einen stimmigen Look sorgt.

Optional bietet Logitech eine Handballenauflage aus Acrylglas an, für die 98-Tasten-Version kostet sie rund 45 Euro, für die 75er-Variante etwa 40 Euro. Sie rastet nicht fest ein, sondern liegt einfach unter dem Lichtbalken, durch den sie hindurchscheint und so den RGB-Effekt verstärkt. Schade dass diese nicht im Lieferumfang enthalten ist, ich hätte sie mir gerne angeschaut.

Ein kleiner Wermutstropfen für Mac-Nutzer: Die G512 X kommt ausschließlich mit Windows- und Alt-Tasten, Command- und Option-Belegungen fehlen. Über die Software lässt sich das zwar nachrüsten, von Haus aus ist die Tastatur aber klar auf Windows-Systeme zugeschnitten.

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Logitech G512 X Test: Ausstattung und Features

Das Herzstück der Logitech G512 X ist die sogenannte „Dual-Swap“-Funktion. Bei der 75-Tasten-Version lassen sich 39 Switch-Sockel zwischen mechanischen und analogen TMR-Switches tauschen. Im Lieferumfang befinden sich neun analoge Gateron-KS-20-Switches, die auf TMR-Sensoren basieren und sich durch ihre hohe Präzision auszeichnen. In der Praxis bedeutet das: Wer auf WASD, der Leertaste oder den Pfeiltasten von Rapid Trigger und freier Aktuierungspunkt-Einstellung profitieren möchte, kann genau dort die Analog-Switches einsetzen, während der Rest der Tastatur mechanisch bleibt und sein gewohntes Tippgefühl behält. Die Aktuierungspunkte lassen sich zwischen 0,1 und 4 Millimetern frei definieren, Rapid Trigger sorgt dafür, dass eine Taste extrem schnell hintereinander ausgelöst werden kann.

Eine nette Spielerei sind die bereits erwähnten SAPP-Ringe. Sie werden unter die Keycaps gesetzt und erzeugen einen zweiten, fühlbaren Druckpunkt. Damit lassen sich zwei unterschiedliche Aktionen auf einer Taste hinterlegen, etwa Gehen bei leichtem Druck und Sprinten bei vollem Durchdrücken der W-Taste. Das ist im wahrsten Sinne ein zweischneidiges Schwert: Einerseits eine clevere Idee für Spiele wie Shooter oder Survival-Games, andererseits braucht es etwas Übung, den zweiten Druckpunkt zuverlässig zu treffen, und die Tasten fühlen sich mit eingesetztem Ring etwas weniger taktil an. Wer den Ring vergisst, tippt schnell ungewollt Großbuchstaben.

Technisch fährt die G512 X ganz vorne mit: Sowohl die mechanischen als auch die analogen Switch-Beds unterstützen eine Abtastrate von bis zu 8.000 Hz, kombiniert mit einer End-to-End-Reaktionszeit von 0,125 Millisekunden. Das ist High-End-Niveau und sorgt für ein extrem direktes Eingabegefühl, gerade in schnellen Shootern wie Counter-Strike 2 macht sich das bemerkbar.

Auf der Tastatur selbst gibt es zwei Drehregler, einen für die RGB-Helligkeit und einen für die Systemlautstärke, beide lassen sich in der Software umbelegen. Dazu kommt ein „Scan“-Knopf, mit dem die Tastatur automatisch erkennt, welche Switches gerade verbaut sind, und sie per RGB markiert, sowie eine separate Game-Mode-Taste, die unerwünschte Tastenkombinationen während intensiver Sessions deaktiviert.

Logitech G512 X
Der Lieferumfang der Logitech G512 X

Verbunden wird die G512 X ausschließlich kabelgebunden über USB-C auf USB-A. Eine Funkvariante gibt es nicht, was angesichts der 8.000-Hz-Polling-Rate aber nachvollziehbar ist, denn diese Abtastrate wäre über Funk ein erheblicher Stromfresser. Wer eine kabellose Tastatur sucht, muss sich anderweitig umschauen.

App-Anbindung per G-Hub

Konfiguriert wird die Logitech G512 X komplett über Logitechs G-Hub-Software. Bei der Ersteinrichtung wird direkt ein ausführliches Tutorial gestartet, das alle Funktionen der Tastatur erklärt, gefühlt eines der längsten Intro-Videos, das ich bei einem Logitech-Gerät bisher gesehen habe. Wer keine Lust auf die Schritt-für-Schritt-Anleitung hat, kann diese aber komplett überspringen und direkt los konfigurieren.

Logitech G512 X

In der Praxis ist G Hub übersichtlich aufgebaut. Über die Software lassen sich die Tastenbeleuchtung und der RGB-Lichtbalken individuell einstellen, inklusive verschiedener Lichteffekte und sogar ein paar augenzwinkernder Presets. Auch die Polling-Rate zwischen 1 kHz und 8 kHz, Makros sowie die komplette Tastenbelegung lassen sich hier anpassen. Für die Dual-Swap-Switches zeigt G Hub übersichtlich an, welche Tasten aktuell mechanisch und welche analog belegt sind, und erlaubt es, pro Taste individuelle Aktuierungspunkte sowie Rapid Trigger zu definieren. Auch die SAPP-Ring-Funktion mit den zwei Druckpunkten wird hier konfiguriert.

Ein kleiner Kritikpunkt betrifft den Windows-Start: G Hub braucht hier etwas Zeit, bis sämtliche Einstellungen für Maus und Tastatur vollständig geladen sind. Das ist kein Dealbreaker, aber spürbar, vor allem wenn man direkt nach dem Hochfahren losspielen möchte. Insgesamt hat sich G Hub in den letzten Jahren aber deutlich verbessert und arbeitet im Alltag zuverlässig, ohne ständig Probleme zu verursachen, wie es bei älteren Logitech-Generationen teilweise der Fall war.

Logitech G512 X Test: Praxis und Tippgefühl

Im täglichen Einsatz macht die Logitech G512 X richtig Spaß. Beim Schreiben dieses Artikels und bei stundenlangen Sessions in Singleplayer-Titeln fällt mir vor allem auf, wie angenehm sich die mechanischen Switches anfühlen, satt, leicht rollend, mit einem klaren, „thonky“ Anschlag, der beim Tippen für ein befriedigendes Feedback sorgt. Wer von einem hochwertigen mechanischen Custom-Board kommt, merkt zwar, dass die G512 X nicht ganz auf diesem Niveau spielt, für eine Tastatur dieser Preisklasse ist das Tippgefühl aber absolut überzeugend.

Logitech G512 X

Beim Wechsel auf die Analog-Switches an WASD und der Leertaste zeigt sich der eigentliche Mehrwert der Tastatur. In Counter-Strike 2 lässt sich durch den frei wählbaren Aktuierungspunkt und Rapid Trigger spürbar präziser und schneller stoppen und beschleunigen, das Gefühl, sofortige Kontrolle über die Bewegung zu haben, ist deutlich ausgeprägter als bei rein mechanischen Tastaturen. Wer sich noch nie mit Analog-Switches beschäftigt hat, bekommt mit den neun mitgelieferten Switches eine risikoarme Möglichkeit, das Konzept auszuprobieren, ohne direkt eine komplett analoge Tastatur kaufen zu müssen.

Der Wechsel der Switches selbst ist erfreulich unkompliziert. Dank Hot-Swap-Sockeln muss die Tastatur dafür nicht einmal vom Strom getrennt werden, die im Fuß verbauten Puller machen den Tausch zu einer Sache von wenigen Minuten. Wichtig ist nur, die losen Switches korrekt ausgerichtet einzusetzen, mit der RGB-LED zum Nutzer zeigend, sonst drohen verbogene Pins.

Die SAPP-Ringe haben mich gemischt zurückgelassen. Das Prinzip ist clever und kann in bestimmten Spielen, etwa Survival- oder Open-World-Titeln mit Gehen-und-Sprinten-Mechaniken, durchaus nützlich sein. Im hektischen Spielalltag ist es mir aber mehrfach passiert, dass ich einen aktiven Ring vergessen habe und plötzlich ungewollt Großbuchstaben in den Chat geschrieben habe. Hier sollte man sich bewusst entscheiden, auf welchen Tasten man die Ringe dauerhaft nutzen möchte, und nicht wahllos experimentieren.

Insgesamt bewegt sich die G512 X im Alltag souverän zwischen Gaming und Schreibarbeit. Für lange Schreibsessions ist sie ebenso geeignet wie für kompetitive Matches, ohne dass man bei einem der beiden Einsatzbereiche große Kompromisse eingehen muss.

Logitech G512 X Test: Fazit

Die Logitech G512 X ist eine der durchdachtesten Gaming-Tastaturen, die ich in letzter Zeit in den Händen hatte. Das Dual-Swap-Konzept aus mechanischen und analogen TMR-Switches funktioniert in der Praxis überraschend gut und bietet genau diese (meines Wissens) einzigartige Flexibilität, die viele Spieler sich wünschen, ohne dabei das klassische Tippgefühl zu opfern. Cleveres Zubehör-Design, eine stimmige Verarbeitung und ein überzeugendes Aussehen runden das Gesamtpaket ab.

Wer eine kabellose Tastatur sucht oder ohnehin nie Switches wechseln möchte, bekommt von der G512 X vielleicht nicht den vollen Mehrwert für den Preis. Für alle anderen, die mit Technik experimentieren und ihre Tastatur individuell an den eigenen Spielstil anpassen möchten, ist die G512 X aber eine klare Empfehlung.

Gold Award für Logitech G512 X - 06/2026LogitechG512 X06/2026

VORTEILE

  • TMR- und mechanische Switches in einer Tastatur
  • Dual-Swap-Sockel und Hot-Swap
  • Ansprechendes Design
  • Hochwertige RGB-Beleuchtung
  • Gute Verarbeitung
  • 8.000 Hz
  • Frei einstellbare Aktuierungspunkte und Rapid Trigger
  • Übersichtliche Software

NACHTEILE

  • Nicht kabellos
  • Handballenauflage nicht im Lieferumfang
  • SAPP-Ringe gewöhnungsbedürftig
  • Kunststoff-Bauweise

Detailbewertung

Verarbeitung85
Ausstattung95
Ergonomie95
Software84
Preis-Leistungs-Verhältnis90

Fazit

Die Logitech G512 X kombiniert mechanische und analoge TMR-Switches in einer Tastatur und lässt sich dank Dual-Switch individuell anpassen. Mit cleverem Zubehör-Management, starker Verarbeitung und 8.000 Hz Polling-Rate richtet sie sich an Gamer, die Präzision und klassisches Tippgefühl nicht gegeneinander ausspielen wollen. Wer auf Funk verzichten kann, bekommt hier eine der durchdachtesten Tastaturen des Jahres.

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