Razer Kiyo V2 im Test: 4K-Webcam für Streamer und Creator

Philipp Briel
Philipp Briel · 8 Min. Lesezeit
Razer Kiyo V2

Die Razer Kiyo V2 ist Razers neuester Anlauf im Webcam-Segment und der kommt mit einem klaren Statement: 4K-Auflösung, KI-gestützte Features und ein deutlich moderneres Design. Und das alles zu einem Preis, der unter dem der meisten direkten Konkurrenten liegt. Kann es die neue 4K-Webcam mit der starken Konkurrenz um OBSBOT Tiny 3 (unser Test) oder Insta360 Link 2 Pro (Test) aufnehmen? Das klären wir im ausführlichen Test.

Technische Daten der Razer Kiyo V2

Modell Kiyo V2
Abmessungen  74 x 65,3 x 116 mm
Anschluss USB Typ C
Max. Videoauflösung 4K/30 Bilder pro Sekunde
HDR Ja
Objektiv Sony STARVIS Sensor (8,3 MP)
Sichtfeld: 93 Grad
 Software Razer Synapse, Camo Studio
Kompatibilität ab Windows 10 (64-Bit), macOS 10.13 oder höher
Mikrofone Stereo-Mikrofone mit KI-Geräuschunterdrückung
Halterung Klemme; 1/4-Zoll-Gewinde
Preis € 144,58 *

Razer Kiyo V2 Test: Frisches Design für die 4K-Webcam

Das markanteste an der Kiyo V2 ist der Designbruch mit der Vergangenheit: Razer verabschiedet sich vom ikonischen runden Einzellinsen-Look der Kiyo-Reihe und setzt stattdessen auf ein längliches Querformat-Gehäuse. Ein Formfaktor, den man so ähnlich bereits von der Logitech MX Brio 4K (unser Test) kennt. Das ist Geschmackssache.

Razer Kiyo V2

Ich finde die neue Form pragmatischer, auch wenn der alte Circle-Look mehr Persönlichkeit hatte. Das Gehäuse ist aus mattem Kunststoff gefertigt und überzeugt mit exzellenter Verarbeitungsqualität. Die Abmessungen fallen mit 116 × 74 × 65,3 mm und einem Gewicht von 255 Gramm für eine Webcam recht üppig aus. Zum Vergleich: Die Logitech MX Brio bringt gerade mal 137 Gramm auf die Waage. Wer die Kamera auf einem Laptop-Display montiert, sollte das im Hinterkopf behalten – auf einem großen Desktop-Monitor fällt das Gewicht kaum auf.

Der Kameraarm ist permanent am Gehäuse befestigt und ermöglicht sowohl vertikales Neigen als auch eine vollständige 360-Grad-Drehung. Die Gummiauflagefläche am Fuß des Halters hält den Monitor sicher in Position, ohne ihn zu verkratzen. Ein echter Pluspunkt: Zusätzlich sitzt an der Unterseite ein Stativgewinde mit 1/4-Zoll-Standardgewinde, sodass die Kiyo V2 nicht zwingend auf dem Monitor thronen muss.

Der eingebaute Privacy-Shutter ist eine der durchdachtesten Funktionen des Geräts. Ein einfaches Drehen des strukturierten Rings um das Objektiv schnappt den Verschluss sicher über die Linse und schützt so vor ungewollten Kameraaufnahmen. Das Klicken gibt dabei ein deutliches haptisches Feedback. Das Kabel ist nun abnehmbar, ein klarer Fortschritt gegenüber früheren Kiyo-Modellen, die ein fest verbautes Kabel hatten.

Einziger Wermutstropfen: Das mitgelieferte Kabel ist ausschließlich USB-C auf USB-C. Wer keinen freien USB-C-Port hat, braucht einen Adapter oder ein zusätzliches Kabel. Beides liegt nicht bei.

Ausstattung der Razer Kiyo V2

Das technische Herzstück der Razer Kiyo V2 ist ein 8,3-Megapixel-Sony-STARVIS-Sensor, der 4K-Aufnahmen mit 30 FPS sowie 1080p mit 60 FPS ermöglicht. Das Sichtfeld beträgt 93 Grad, die Brennweite entspricht einem 20-mm-Vollformat-Äquivalent. HDR wird ebenfalls unterstützt.

Die Blende liegt bei f/2.0. Ein solider Wert für Webcam-Verhältnisse, der der Kamera bei schlechten Lichtverhältnissen zugutekommt. Der Autofokus arbeitet phasenbasiert und sollte theoretisch schnell reagieren, dazu mehr im Abschnitt zur Bildqualität. Das eingebaute Dual-Stereo-Mikrofon nimmt omnidirektional auf, arbeitet mit 16 Bit und 48 kHz und verfügt über automatische Geräuschunterdrückung. Der Vorteil des länglichen Gehäuses: Die beiden Mikrofone sitzen an den äußersten Enden des Gehäuses und profitieren damit von einem größeren Abstand zueinander.

Was die Konnektivität angeht: Die Verbindung läuft ausschließlich über USB-C, ein 1/4-Zoll-Stativgewinde ist integriert und die Kamera unterstützt sowohl Razer Synapse 4 als auch Camo Studio – inklusive einer lebenslangen Camo-Pro-Lizenz im Lieferumfang. Letzteres ist beim Preisvergleich mit der Konkurrenz ein wichtiger Faktor, der die Kiyo V2 auf dem Papier deutlich attraktiver macht.

Inbetriebnahme und Software

Die Kiyo V2 funktioniert als Plug-and-Play-Gerät. Einfach einstecken, fertig. Für das volle Funktionsspektrum braucht es aber die passende Software.
Erste Anlaufstelle ist natürlich Razer Synapse. In Synapse lässt sich das Sichtfeld per digitalem Zoom anpassen (bis zu 4-facher Vergrößerung), Autofokus, Belichtung und Weißabgleich können manuell oder automatisch gesteuert werden.

Praktisch für Streamer: Verschiedene Zoom-Voreinstellungen lassen sich speichern und per Shortcut abrufen, um während eines Streams schnell zwischen Bildausschnitten zu wechseln. Softwarebasierte Funktionen wie HDR, dynamische Rauschunterdrückung und Schwachlicht-Kompensation runden das Angebot ab.

Das wirklich Interessante kommt jedoch mit Camo Studio. Wer die Kiyo V2 ernsthaft nutzen will, sollte sich auf Camo Studio konzentrieren – Synapse ist dort eher Hintergrundkulisse. Camo Studio Pro, dessen lebenslange Lizenz beim Kauf enthalten ist, bietet KI-gestütztes Auto-Framing, das den Nutzer im Bild zentriert hält, Hintergrundunschärfe, Hintergrundersatz sowie Branding-Overlays für Streams.

Darüber hinaus stehen KI-Gesichtsretusche, cinematic Blur und Spotlight-Effekte zur Verfügung. ISO, Verschlusszeit und Weißabgleich können manuell für fortgeschrittene Nutzer angepasst werden. Das Zusammenspiel beider Programme ist durchdacht: Die Oberfläche von Camo Studio ist intuitiv aufgebaut – auch Einsteiger finden sich schnell zurecht. Eine Einschränkung gibt es: Die Software ist primär auf Windows ausgelegt. macOS-Nutzer sollten vorab prüfen, ob alle Funktionen vollumfänglich unterstützt werden. Und dass man wirklich zwei Softwarelösungen für das Maximum herunterladen und nutzen muss, finde ich persönlich nicht ideal gelöst.

Bild- und Tonqualität der Razer Kiyo V2

In gut beleuchteten Umgebungen liefert die Kiyo V2 eine überzeugende Leistung. Weißabgleich und automatische Belichtung funktionieren nahezu perfekt. Der Weißabgleich trifft Hauttöne von Haus aus sehr gut: natürlich, ohne übersättigt zu wirken. Wer noch mehr rausholen möchte, kann die Belichtung manuell in Synapse nachregeln und erzielt damit ein noch stimmigeres Bild.

Razer Kiyo V2

Das 93-Grad-Sichtfeld zeigt in der Praxis mehr vom Raum, als manchen lieb sein dürfte. Das lässt sich aber per digitalem Zoom in Synapse problemlos einengen. Was mir fehlt, sind Komfortfunktionen innerhalb der App, die andere aktuelle Webcams bieten. Wie die Möglichkeit, Screenshots und Videos direkt aus der App aufzuzeichnen oder eine Sprach- oder Gestensteuerung.

Die Kiyo V2 nutzt zudem in den automatischen Einstellungen nicht immer die idealen Settings. Bei perfekter Ausleuchtung beispielsweise wählt die Cam einen ISO-Wert von 800, obwohl problemlos ISO 100 möglich wäre. Hier arbeiten Konkurrenten wie OBSBOT Tiny 3 oder Insta360 Link 2 Pro deutlich intelligenter.

Bei Schwachlicht zeigt die Kiyo V2 ihre Grenzen zudem sehr klar. In dunklen Umgebungen kann das Bild deutlich körnig werden. Auch bei vollem 4K-Output bei 30 FPS. Zudem neigte die Kamera im Test dazu, Hauttöne leicht ins Rötliche zu ziehen. Die Kiyo Pro Ultra liegt in der Gesamtbildqualität nach wie vor vorne, aber die Kiyo V2 hält für ihren Preis gut mit.

Der Autofokus ist ein zwiegespaltenes Thema. Er kann zeitweise unruhig wirken und auf kleine Bewegungen übereifrig reagieren. Wer statisch sitzt und aufnimmt, wird kaum Probleme haben. Wer sich viel bewegt, sollte in Erwägung ziehen, auf manuellen Fokus umzustellen, das sorgt für ein stabileres und vorhersehbareres Bild.

Die Mikrofone auf der anderen Seite können positiv überraschen. Die Kiyo V2 filtert Hintergrundgeräusche besser als viele Konkurrenten heraus und hält die Stimme dabei klar und voll. Die Mikrofone liefern tatsächlich mehr Tiefe und Klarheit als andere Webcam-Mikrofone im Vergleich. Für professionelle Streaming-Setups bleibt ein dediziertes Mikrofon aber erste Wahl.

Razer Kiyo V2 Test: Fazit

Die Razer Kiyo V2 ist eine durchaus starke 4K-Webcam, die sich vor allem durch ihr Software-Paket und den verhältnismäßig günstigen Einstiegspreis auszeichnet. Die Bildqualität ist gut, die Verarbeitung überzeugt und das Zusammenspiel aus Razer Synapse und Camo Studio liefert einige Vorteile. Aber selbst in dieser Preisklasse muss sich die Webcam starker Konkurrenz erwehren.

Während selbst die abgespeckten Modelle der aktuellen Webcam-Generation um OBSBOT Tiny 3 Lite und Insta360 Link 2C Pro noch deutlich teurer ausfallen als die Kiyo V2, muss sie sich hinsichtlich der Bildqualität und beim Autofokus beispielsweise der Insta360 Link 2C oder Tiny 2 Lite (also der Vorgänger-Generation) geschlagen geben, die hinsichtlich der Features, Bildqualität und Autofokus-Performance die Nase vorn haben. Bei guter Ausleuchtung und insbesondere im Low-Light-Bereich.

Was am Ende bleibt ist eine gute und vergleichsweise günstige 4K-Webcam mit USB-C-Pflicht, die vor allem für diejenigen interessant ist, die im Razer-Ökoystem zu Hause sind. Mit etwas Feintuning in der Software lässt sich die Bildqualität merklich verbessern. Wirklich abheben kann sich die Razer Kiyo V2 damit aber ebenfalls nicht.

Silver Award für Razer Kiyo V2 - 04/2026RazerKiyo V204/2026

VORTEILE

  • Fairer Preis
  • Gute Bildqualität in 4K
  • Stativgewinde
  • Privacy Shutter
  • Gute Mikrofone

NACHTEILE

  • Halterung nicht abnehmbar
  • Vergleichsweise groß
  • Autofokus mit Problemen
  • USB-C-Pflicht
  • Low-Light-Performance könnte besser sein

Detailbewertung

Verarbeitung88
Ausstattung91
Software86
Bildqualität83
Audioqualität81
Preis-Leistungs-Verhältnis87

Fazit

Überzeugende 4K-Webcam zu einem erstaunlich attraktiven Preis, die mit guter Bildqualität und Performance punktet. Probleme beim Autofokus und eine Software-Anbindung mit zwei Apps stoßen aber sauer auf.

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