Razer Seiren V3 Pro im Test: Studio-Mikrofon mit USB und XLR

Philipp Briel
Philipp Briel · 10 Min. Lesezeit
Razer Seiren V3 Pro

Das kürzlich vorgestellte Razer Seiren V3 Pro muss sich in unserem Test beweisen. Razer ist im Creator-Audio-Bereich wahrlich kein Neuling, doch das letzte Streaming-Mikrofon, das Seiren V3 Chroma (unser Test), liegt schon über zwei Jahre zurück. Höchste Zeit also für einen Nachfolger. Auf dem Papier ist das V3 Pro in nahezu jedem Bereich ein Upgrade: duale USB-C- und XLR-Anbindung, 32-Bit-Float-Unterstützung und eine deutlich größere Dynamikkapsel. Günstig ist das Vergnügen allerdings nicht. Ob das Mikrofon im hart umkämpften Markt heraussticht, klärt mein ausführlicher Praxistest.

Technische Daten des Razer Seiren V3 Pro

Produkt: Razer Seiren V3 Pro
Anschluss: USB-Type-C; XLR
Mikrofon-Membran: 30-mm-Kapsel
Frequenzgang: 50 Hz – 16.000 Hz
Impedanz 300 Ohm
Abtastrate: 48 / 96 kHz; 24 Bit / 32 Bit
Richtcharakteristik: Kardioide
Empfindlichkeit: -50 dB (1 V/Pa zu 1 kHz)
Schalldruck 150 dB (XLR); 125 dB (USB)
Anschlüsse: USB-C; XLR; 3,5-mm-Klinke
Besonderheiten: RGB-Beleuchtung; Touch-Sensor
Preis: € 289,99 *

Razer Seiren V3 Pro Test: Endlich ein professioneller Look

Optisch hält sich das Razer Seiren V3 Pro betont zurück. Tatsächlich ist sie eines der unaufgeregtesten Razer-Produkte überhaupt und das gefällt mir wirklich ausgesprochen gut. Der mattschwarze Zink-Unibody trägt einen dezent eingravierten Razer-Schriftzug an der Seite, dazu kommen der obligatorische RGB-Ring und ein Touch-to-Mute-Button.

Die Designsprache erinnert stark an die Shure MV7+, das mittlerweile gefühlt jedes zweite Hersteller-Design inspiriert. Ein bisschen mehr Mut hätte dem Mikrofon gutgetan, der dezente Look passt damit aber hervorragend in professionelle Setups. Das matte Finish wirkt edel, solange man es nicht anfasst . Sobald man das tut, zeigt es sich sehr anfällig für Fingerabdrücke. Genau das kann ich nach Wochen der Nutzung bestätigen. Hier muss man regelmäßig nachpolieren. Vor allem, wenn das Mic im Stream oder Video zu sehen ist. Zum Vergleich: Das Gehäuse des Shure ist da deutlich weniger anfällig.

Razer Seiren V3 Pro

Ansonsten ist die Verarbeitungsqualität des Razer Seiren V3 Pro über jeden Zweifel erhaben. Mit knapp 670 Gramm bringt das Mikrofon spürbar Substanz mit und fühlt sich rundum wertig an. Zum Vergleich: etwa ein halbes Pfund leichter als das Rode PodMic USB und ein Viertelpfund schwerer als das HyperX FlipCast. Die Maße liegen bei 213 mm Länge und 90 mm Breite inklusive Schwenkarm.

Praktisch gelöst: Der USB-C-Port sitzt nun an der Unterseite des Mikrofons, was das Kabelmanagement deutlich erleichtert. Im Lieferumfang stecken zudem ein angenehm schwerer Tischständer, der sich unten ans Mikrofon schraubt, sowie ein drei Meter langes, geflochtenes USB-C-auf-USB-A-Kabel mitsamt Adapter. Praktisch ist der integrierte Schwenkarm mit 5/8-27-Gewinde, der sich auch an gängige 3/8-16-Mikrofonarme adaptieren lässt – ein zusätzlicher Adapter ist meist nicht nötig.

Razer Seiren V3 Pro
Der Lieferumfang des Razer Seiren V3 Pro

Der abnehmbare Poppschutz sitzt direkt auf dem Mikrofon, lässt sich nach meiner Erfahrung fast schon zu leicht abziehen. Ein kleiner Wermutstropfen ist der Tischständer: Er sitzt recht niedrig auf dem Schreibtisch. Da das Mikrofon ohnehin eher leise ist (dazu später mehr), empfehle ich klar die Montage an einem Mikrofonarm. Wer beim Setup noch unschlüssig ist, findet in unserer Übersicht der besten USB-Mikrofone hilfreiche Orientierung.

Ausstattung

Im Kern des Razer Seiren V3 Pro arbeitet eine 30-mm-Dynamikkapsel mit Nierencharakteristik (Cardioid) – nahezu doppelt so groß wie beim Vorgänger – mit integriertem Stoßdämpfer und dem erwähnten Poppschutz. Als End-Address-Mikrofon spricht man direkt in das obere Ende hinein, nicht von der Seite. Die Auflösung liegt bei 24/32 Bit und bis zu 96 kHz Abtastrate, der Frequenzgang reicht von 50 Hz bis 16 kHz. Das Aushängeschild ist die duale Konnektivität: Der größte Schritt der Seiren V3 Pro ist der Wechsel zu einem Hybrid-USB/XLR-Modell, das sie zu

Razer Seiren V3 Pro
Die duale Verbindung ist ein echter Vorteil

einer hervorragenden Allround-Option macht. Man kann es als Einsteiger-Mic per USB nutzen und später auf ein XLR-Audio-Interface umsteigen.

Bei der XLR-Verbindung gibt es allerdings einen wichtigen Haken, den man kennen sollte: Bei XLR-Betrieb wird der RGB-Ring nicht mit Strom versorgt und der Mute-Button funktioniert nicht. Auf der Unterseite beziehungsweise Rückseite des Mikrofons finden sich die Anschlüsse: USB-C, XLR und eine 3,5-mm-Klinke für latenzfreies Monitoring. Hinzu kommt ein kleines, gummiert-texturiertes Rädchen, das standardmäßig die Verstärkung (Gain) regelt, sich in Synapse aber auch auf die Kopfhörerlautstärke umstellen lässt.

Erwähnenswert ist der integrierte DSP-Chip, der in vielen Datenblättern untergeht. Das Onboard-DSP erlaubt es dem Mikrofon, die Audioverarbeitung selbst zu übernehmen statt des Computers – bei manchen Rechnern kann dieses bisschen Rechenleistung den Unterschied zwischen einem perfekten Stream und Frame-Drops ausmachen. Ergänzt wird das Ganze durch die 32-Bit-Float-Unterstützung, die Clipping bei plötzlichen Lautstärkespitzen verhindert. Erfahrene Nutzer, die ohnehin alles exakt einpegeln, brauchen das kaum. Für Einsteiger ist es dagegen ein praktischer Sicherheitsanker: einstecken, streamen, ohne Sorge zu übersteuern – ganz gleich, wie laut man wird.

Wer sich grundsätzlich fragt, ob USB oder XLR die bessere Wahl ist, umgeht die Entscheidung hier elegant. Reine XLR-Lösungen wie das AverMedia Live Streamer MIC 330 oder das Elgato Wave DX verlangen zwingend nach einem Interface. Diesen Zwang gibt es beim Seiren V3 Pro nicht.

App-Anbindung via Synapse 4

Die gesamte Konfiguration läuft über Razer Synapse und hier hat Razer tatsächlich überzeugend abgeliefert. Die Einrichtung der Seiren V3 Pro über die Synapse-App war ehrlich gesagt die beste Synapse-Erfahrung, die ich je mit einem Gerät dieses Herstellers hatte. Ein Setup-Assistent führt einen automatischen Gain-Test sowie einen Test der Hintergrundgeräusche durch und passt das Mikrofon so an die eigene Stimme und die Umgebung an. Für erfahrene Streamer und Audiophile ist das wenig hilfreich, für Einsteiger aber ein hervorragender Ausgangspunkt und genau das ist die Zielgruppe, die Razer hier anvisiert. Diesen unkomplizierten Einstieg habe ich im Alltag schätzen gelernt.

Im Funktionsumfang glänzt die Software mit einem parametrischen EQ. Es gibt vier Presets wie „Podcast“, „Arena“, „FPS – Callout“ und „Studio“, hinzu kommt ein 8-Band-EQ mit zahlreichen Szenario-Presets. Abgerundet wird das Ganze durch De-Esser gegen Zischlaute, ein Vocal-Bass- und ein Vocal-Exciter-Effekt sowie Noise Gate, Kompressor, Limiter und eine Reverb-Steuerung. Die KI-Rauschunterdrückung leistet gute Arbeit beim Absenken (nicht vollständigen Eliminieren in Extremfällen) von Störgeräuschen, ohne die Stimme zu beeinträchtigen.

Aber: Die KI-Rauschunterdrückung unterdrückte Geräusche ordentlich ohne zu viel Processing oder Stimmverlust, aber sie unterdrückte auch nicht besonders viel Lärm. Das Noise Gate funktionierte etwas besser, dämpfte aber auch die Stimme, selbst bei niedrigen Einstellungen. In meinem Test deckt sich das mit der Realität. Die KI-Filterung ist solide, aber kein Wundermittel. Wer tiefer in die Geräuschunterdrückung einsteigen möchte, dem helfen die richtigen Software-Einstellungen erheblich.

Ebenfalls an Bord ist ein Stream Mixer. Ein virtuelles Mischpult zum Kombinieren verschiedener Audioquellen wie Stream, Wiedergabe, Kopfhörer und Mikrofon. Es ist nicht die beste Mixing-Software auf dem Markt, aber brauchbar und für die meisten Broadcast-Szenarien mehr als ausreichend. Der RGB-Ring mit zwölf unabhängigen Zonen lässt sich entweder über simple Quick-Effects oder über das umfangreichere Razer Chroma Studio anpassen.

Praxistest und Soundqualität

Out of the box klingt das Razer Seiren V3 Pro bereits sehr gut und etwa so, wie man es in dieser Preisklasse erwartet, wenn auch eine Spur leiser als andere getestete Optionen. Sobald ich es aber über Synapse einrichtete und anpasste, wurde es kontinuierlich besser: Der Klang ist voll und warm, mit schöner Stimmklarheit. Anfangs fing das Mikrofon trotz Poppschutz einige Plosivlaute ein, doch ein etwas größerer Abstand löste das Problem.

Der größte Kritikpunkt im Alltag bleibt die Lautstärke. Das Mikrofon war  bei Nutzung via USB-C relativ leise, selbst mit voll aufgedrehtem Gain. Nicht zu leise, aber ich musste lauter sprechen als bei anderen Mikrofonen. Das hängt teilweise mit der gut funktionierenden Off-Axis-Rejection zusammen: Sehr wenig des Umgebungsgeräuschs in meinem Raum wurde aufgenommen, selbst bei ausgeschalteter KI-Rauschunterdrückung.

Mikrofon-Testaufnahme Razer Seiren V3 Pro (USB):

Mikrofon-Testaufnahme Razer Seiren V3 Pro (XLR):

Mikrofon-Testaufnahme HyperX SoloCast 2:

Mikrofon-Testaufnahme Maono PD300X (USB):

Die Kehrseite: Bewegt man sich aus der direkten Linie des Mikrofons, wird man schnell deutlich schlechter hörbar. Das ist typisches Verhalten für ein End-Address-Mikrofon, fällt hier aber etwas ausgeprägter aus als beim flexibleren HyperX FlipCast.

Die On-Mic-Bedienung zeigt ein gemischtes Bild. Der kapazitive Tap-to-Mute-Button arbeitet durchweg zuverlässig. Er funktionierte tadellos und mutet schon bei einer leichten Berührung mit dem Finger. Button und Lichtring werden bei Stummschaltung rot. Beim Gain-Rädchen scheiden sich allerdings die Geister. Mir selbst missfiel weniger der Mechanismus als die Anzeige: Der eingestellte Pegel wird über den RGB-Ring signalisiert, und dabei ist nicht wirklich klar erkennbar, auf welcher Stufe man sich gerade befindet.

Auch im XLR-Betrieb über ein Interface schlägt sich das Mikrofon sehr gut. Ich habe das Razer Seiren V3 Pro sowohl über Synapse als auch über ein Elgato Wave XLR getestet und erzielte in beiden Fällen überzeugende Resultate, wobei die finale Klangqualität immer von der Feinabstimmung in der jeweiligen Software abhängt. Unterm Strich ist das Seiren V3 Pro klar ein studiotaugliches Mikrofon: Wer es kauft, wird mit dem eigenen Klang nicht enttäuscht sein. Bahnbrechend besser als die Konkurrenz klingt es zwar nicht, aber durchaus beeindruckend.

Razer Seiren V3 Pro Test: Fazit

Das Razer Seiren V3 Pro ist ein starkes, zugängliches und funktionsreiches Studio-Mikrofon, das sich an Creator aller Erfahrungsstufen richtet. Die duale USB-C-/XLR-Anbindung ist sein stärkstes Argument: Sie erlaubt den Einstieg per Plug-and-play und das spätere Upgrade auf eine professionelle Signalkette, ohne das Mikrofon zu wechseln. Hinzu kommen der überraschend gelungene Synapse-Einstieg, der entlastende DSP-Chip und ein zuverlässiger Tap-to-Mute-Button.

Wer bereits im Razer-Ökosystem zu Hause ist und mit dem Streamen beginnen möchte, dem lässt sich das Mikrofon problemlos empfehlen. Erfahrenere Streamer hingegen sollten genauer abwägen: Leistung und Ausstattung reichen womöglich nicht aus, um den Aufpreis zu rechtfertigen. Zumal das Shure MV7+ preislich nah dran liegt und als Marke im Studiobereich noch etwas mehr Vertrauen genießt. Die Seiren V3 Pro ist ein großartiges Mikrofon für ein kleines Publikum. Wenn man 32-Bit-Float und XLR-Konnektivität nicht in einem Mic braucht (und das tut man wahrscheinlich nicht), gibt es viele günstigere Mikrofone, die genauso gut performen. Eine günstigere Alternative wäre etwa das Rode PodMic USB, das zwar ebenfalls USB und XLR bietet, aber auf 32-Bit-Float, RGB, KI-Rauschunterdrückung, physische Tasten und mitgelieferten Ständer verzichtet.

Mein persönliches Resümee nach Wochen der Nutzung: Wer ein Mikrofon sucht, das man einsteckt, sofort loslegt und ohne Gefrickel studiotauglich klingt, bekommt mit dem Seiren V3 Pro ein durchdachtes Komplettpaket. Die Profi-Features erledigen viel Arbeit, ohne dass man es überhaupt merkt.

Gold Award für Razer Seiren V3 Pro - 06/2026RazerSeiren V3 Pro06/2026

VORTEILE

  • Flexible duale USB-C- und XLR-Konnektivität
  • Sehr guter Klang
  • Hervorragender Setup-Prozess
  • Tap-to-Mute-Button
  • Onboard-DSP-Chip plus 32-Bit-Float-Unterstützung
  • Tadellose Verarbeitung

NACHTEILE

  • Im USB-Modus recht leise
  • Unklare Gain-Anzeige
  • Mute-Taste zu leichtgängig
  • Anfällig für Fingerabdrücke
  • Teuer

Detailbewertung

Verarbeitung92
Austattung94
Aufnahmequalität92
Preis-Leistungs-Verhältnis91

Fazit

Das Razer Seiren V3 Pro überzeugt mit dualer USB-/XLR-Konnektivität und dem besten Synapse-Erlebnis bisher, bleibt klanglich aber unauffällig und etwas leise. Ein flexibles, gut verarbeitetes Mic. Das seinen Premiumpreis vor allem dann rechtfertigt, wenn man die Doppel-Konnektivität wirklich braucht.

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