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3i P10 Ultra Test: Saugroboter mit Haarentfernungsfeature

Lange Haare sind der Feind jeden Saugroboters – nach einer Woche hängt meist ein Filzknäuel an der Hauptbürste, das mühsam entfernt werden muss. Der 3i P10 Ultra verspricht mit einer versteckten TangleCut-Klinge Abhilfe. Dazu kommen 18.000 Pa Saugleistung und ein ausfahrbarer UltraReach-Mopp für die Eckenreinigung. Die seit 2016 aktive Marke 3i, die 2024 bereits Millionen Einheiten verkaufte, greift etablierte Größen wie Roborock und Dreame für einen UVP von 799 Euro an. Nach rund 100 Testfahrten und eine Woche Dauereinsatz zeigen wir, was der 3i P10 Ultra im Test wirklich kann – und wo seine Grenzen liegen.

3i P10 Ultra: Technische Daten im Überblick

Saugleistung 18.000 Pa (max), 3 Stufen
Wischsystem Dual-Mopp, 220 RPM, UltraReach ausfahrbar
Navigation LiDAR + 3D Structured Light + AI-Kamera
Abmessungen 350 × 350 × 100 mm
Gewicht ca. 4 kg (Roboter)
Akkulaufzeit 4 Stunden
Staubbehälter 300 ml (Roboter), 3L (Station)
Wassertanks 100 ml (Roboter), 4L Frisch-/Abwasser (Station)
Besonderheiten TangleCut-Klinge, 60°C Heißwasserreinigung
Selbstständigkeit 70 Tage (Staubbeutel)
Teppicherkennung Ultraschall, Mop-Anhebung 10,5 mm
App-Steuerung 3i App, Alexa, Google Assistant
Preis 799 € (Einführung), 999 € UVP

Lieferumfang und Verarbeitung: Kompakt, aber schwer

Der Lieferumfang ist sauber organisiert: Der Roboter kommt in einem eigenen Karton, während Wischmopps, Reinigungswerkzeug, Reinigungsflüssigkeit, Einfahrrampe und Kabel in einem zweiten Karton verstaut sind. Die Basisstation steht fest im Hauptkarton und ist lediglich von einer Plastiktüte umgeben.

Lieferumfang des 3i P10 Ultra mit Saugroboter, Station, Wischmopps und Zubehör auf dem Boden
Alles drin: Der 3i P10 Ultra kommt mit Station, Reinigungsmittel, Wischmopps, Anleitung, Seitenbürste und Einfahrrampe – kompakt, aber nicht leicht.

Das graue Gehäuse hebt sich vom üblichen Einheitsschwarz ab und wirkt wertiger als erwartet. Die Verarbeitung ist sauber, besonders die Station fällt positiv auf: Während Dreame und Roborock wahre Türme aufstellen, bleibt 3i bei vernünftigen Dimensionen.

Der Roboter selbst ist mit 4 kg spürbar schwerer als die Konkurrenz, fühlt sich aber auch robuster an. Die großen Räder und die massive Hauptbürste versprechen Langlebigkeit. Das höhere Gewicht sorgt zudem für besseren Bodenkontakt und verbesserte Traktion – die Räder werden stärker auf den Untergrund gedrückt, was der Kletterleistung zugutekommt. Einzig die 10 cm Bauhöhe könnten bei niedrigen Möbeln zum Problem werden.

Setup im Test: Der 3i P10 Ultra ist in rund 15 Minuten startklar

Der Zusammenbau geht richtig flott von der Hand: Bürste und Mopps anstecken, Frischwassertank auffüllen, Reinigungsmittel einstecken bis es klackt, Stromanschluss anstöpseln und Einfahrrampe an die Basis anklicken – das dauert keine 5 Minuten. Alles passt perfekt zusammen und die Mechanik fühlt sich wertig an. Bei der Aufstellung der Station sollte man dem Roboter nach vorne etwa einen Meter Platz zum Rangieren lassen und an den Seiten jeweils 50 cm Freiraum.

Das Setup überrascht positiv: QR-Code mit dem Handy scannen, WLAN-Passwort eingeben, fertig. In unter 10 Minuten war der P10 Ultra einsatzbereit und bereit zum Kartieren – so sollte es bei jedem Smart-Home-Gerät laufen.

Die erste Kartierung dauert im 3i P10 Ultra Test etwa 10 Minuten für eine 50m² Wohnung. Das Ergebnis überzeugt: Die 2D-Karte ist weitestgehend präzise, die 45-Grad-3D-Perspektive hilft beim Verständnis der Raumaufteilung. Möbel werden korrekt erkannt, auch komplexe Raumformen stellen kein Problem dar.

Navigation und Hinderniserkennung: Clever, aber mit Macken

Die Triple-Sensor-Kombination aus LiDAR, 3D-Kamera und AI-System arbeitet beeindruckend präzise und erkennt Kabel zuverlässig, die dann in der App als Hindernisse markiert werden. Besonders praktisch: Bei Dunkelheit schaltet sich automatisch eine LED-Beleuchtung ein, sodass die Kamera auch nachts problemlos navigieren und Hindernisse erkennen kann.

Besonders unterhaltsam war die Live-Kamera-Funktion, durch die sich der eigene Hund aus Roboter-Perspektive beobachten ließ – definitiv eines der Highlights der Testwoche.

 Livekamera des 3i P10 Ultra zeigt aus Bodennähe einen Hund unter dem Tisch
Einblicke auf Bodenhöhe: Die Livekamera erkennt nicht nur Hindernisse, sondern auch tierische Mitbewohner.

Praktisch zeigt sich auch das Gedächtnis des Systems, denn erkannte Hindernisse wie Kabel, Schuhe oder Spielzeug merkt sich der P10 Ultra für zukünftige Fahrten und vermerkt sie in der Karte. Das spart Zeit und verhindert Blockaden, allerdings bringt es auch die erste spürbare Schwäche mit sich. Die Hinderniserkennung arbeitet zu vorsichtig und hält um Kabel einen Sicherheitsabstand von etwa 3-4 cm ein, wodurch Flecken oder Schmutz in diesem Umkreis ungereinigt bleiben – besonders ärgerlich, wenn genau dort die Krümel vom Frühstück landen.

 App-Ansicht mit eingezeichneten Hindernissen und Möbelerkennung in der Karte des 3i P10 Ultra
Gelb markiert sind Hindernisse – der P10 Ultra erkennt und speichert auch Möbel für kommende Fahrten.

Bei niedrigen Hindernissen zeigt sich dagegen eine Stärke, denn Türschwellen bis etwa 2,4 cm überwindet der P10 Ultra problemlos – ein überdurchschnittlicher Wert für einen Roboter ohne spezielle Kletterfunktionen. Die großen Räder helfen dabei spürbar und ermöglichen es ihm, mit der etablierten Konkurrenz mitzuhalten.

Saugleistung des 3i P10 Ultra im Test: Drei Stufen, spürbare Unterschiede

Die beworbenen 18.000 Pa sind mehr als nur Zahlen auf dem Papier – sie sind spürbar. Die drei Leistungsstufen unterscheiden sich deutlich voneinander: Stufe 1 reicht für leichte Verschmutzungen und ist angenehm leise. Stufe 2 wird zum Standard für die normale Reinigung. Stufe 3 ist beeindruckend gründlich, aber auch entsprechend laut.

Besonders auf Teppichen zeigt sich die Stärke des Systems. Die Ultraschall-Erkennung funktioniert zuverlässig und erhöht automatisch die Saugleistung. Selbst tiefsitzender Schmutz in hochflorigen Teppichen wird erfasst, während sich die Mopps um 10,5 mm anheben – ausreichend für die meisten Teppiche. Diese automatische Anpassung bildet die Brücke zur zweiten Kernfunktion des P10 Ultra.

UltraReach-Mopp: Kantenlösung mit Verbesserungspotential

Beim Wischen setzt der P10 Ultra auf seine ausfahrbaren Mopps, die technisch clever gelöst sind. Einer der beiden Wischmopps fährt automatisch aus, um Kanten und Ecken zu erreichen, während sich die Intensität über den Wasserfluss in der App anpassen lässt. Das System funktioniert spürbar besser als starre Lösungen, erreicht aber nicht die Perfektion einer Wischwalze.

In den Ecken bleibt meist ein 2-3 mm breiter Streifen ungereinigt – deutlich besser als die üblichen 1-2 cm, aber eben nicht perfekt. Für den Alltag völlig ausreichend, auch wenn Detailverliebte gelegentlich nachputzen müssen.

Die allgemeine Wischleistung bewegt sich im soliden Bereich und entfernt alltäglichen Schmutz zuverlässig, während eingetrocknete Flecken manchmal einen zweiten Durchgang brauchen. Bei über 100 Testfahrten blieben nur 1-2 mal sichtbare Streifen auf dem Laminat zurück – eine sehr gute Quote.

TangleCut-System des 3i P10 Ultra: Im Test funktioniert sie einwandfrei

Das TangleCut-System arbeitet nicht in der Bürste selbst, sondern in der Reinigungsstation. Wenn der Roboter nach getaner Arbeit zurückkehrt, befreit ein kleiner Slider in der Station die Hauptbürste automatisch von verhedderten Haaren. Nach einer Woche mit Hund im Haushalt und langen Menschenhaaren fällt das Urteil eindeutig aus: Das System funktioniert wirklich.

Nahaufnahme der Reinigungsstation des 3i P10 Ultra mit sichtbarem TangleCut™-Schlitz zum automatischen Schneiden von Haaren
Integriert in die Station: Der TangleCut™-Schlitz durchtrennt Haare in der Bürste automatisch – bei der Rückkehr zur Basis.

Was normalerweise nach einer Woche wie ein Filzknäuel aussieht, bleibt größtenteils locker. Die Bürste war deutlich sauberer als bei allen anderen getesteten Robotern. Trotzdem sollte man alle paar Wochen die Bürste auseinandernehmen und letzte Reste entfernen – auch diese Technik vollbringt keine Wunder.

 Entnommene Hauptbürste des 3i P10 Ultra neben dem geöffneten Bürstenfach und den Mopps
Die Bodenbürste lässt sich einfach entnehmen und auseinandernehmen – bei uns blieb sie nach einer Woche überraschend sauber.

App-Steuerung: Funktional mit charmanten Eigenarten

Die 3i-App bietet alle wichtigen Funktionen: Karten-Verwaltung, Reinigungsplanung, No-Go-Zonen und Zeitpläne. Die Benutzerführung ist größtenteils intuitiv, die Reaktionszeiten akzeptabel. Auch die Live-Kamera lässt sich problemlos aktivieren.

Besonders amüsant sind die Übersetzungen, die teilweise rheinisch angehaucht wirken – der Roboter ist dann „am wischen“, „am reinigen“ oder „am laden“. Andere Tester empfinden die „ungelenke Übersetzung“ als störender, wir fanden es eher charmant und mussten schmunzeln. Funktional ist alles vorhanden, auch wenn sich einzelne unübersetzte Begriffe einschleichen. Hier könnte 3i noch nachbessern, aber es beeinträchtigt die Nutzung nicht wirklich.

All-in-One-Station: 70 Tage Wartungsfreiheit?

Die Wartungsstation erledigt ihre Arbeit gründlich und zuverlässig. Nach jedem Einsatz werden die Mopps mit 60°C heißem Wasser gewaschen und anschließend mit Warmluft getrocknet. Gerüche oder Bakterienbildung bleiben damit kein Thema.

Die automatische Staubentleerung funktioniert problemlos, der 3-Liter-Beutel soll laut Hersteller bei normaler Nutzung etwa 70 Tage halten.

Auch die Reinigungsmittel-Dosierung läuft vollautomatisch ab. Die großzügig dimensionierten 4-Liter-Wassertanks machen häufiges Nachfüllen von Frischwasser und Entleeren des Abwassers überflüssig.

Ein kleiner Wermutstropfen zeigt sich beim Aussehen: Die mattschwarzen Eimerdeckel sind sehr anfällig für Wassertropfenabdrücke. Nach dem ersten Spülgang sehen sie fleckig und unschön aus. Abtrocknen wird zur Pflicht, wenn man Wert auf die Optik legt.

Praktisch: Die Wischmopps lassen sich bei Bedarf auch in die Waschmaschine werfen. Der Klettverschluss hält sehr stark und das Gegenstück sitzt am Mopp selbst, sodass sich nichts darin verfängt. Einziger Wermutstropfen sind die mattschwarzen Eimerdeckel, die sehr anfällig für Wassertropfenabdrücke sind – hier ist Abtrocknen nach der Reinigung sinnvoller als Lufttrocknen.

Unterseite des 3i P10 Ultra mit rotierenden Mopps, Seitenbürste und Bodenbürste
Die beiden Mopps lassen sich einfach abziehen und bei Bedarf separat reinigen oder austauschen.

Schwachstellen: Wo der 3i P10 Ultra im Test schwächelt

Nach intensiver Nutzung kristallisieren sich mehrere Schwächen heraus. Die gravierendste Schwäche ist wohl (wie bei vielen Saugwischrobotern mit Extramopps): größere Pfützen verschütteter Flüssigkeiten sollten vorher händisch aufgenommen werden. Die rotierenden Mopps verteilen zum Beispiel Getränke oder ähnliches eher, als sie aufzunehmen. Hier sind Wischwalzen-Systeme klar überlegen.

Der 5 cm Sicherheitsabstand um erkannte Kabel lässt zudem Schmutz in unmittelbarer Nähe zurück. In sehr engen Ecken kommt es gelegentlich zu Verklemmungen – die 10 cm Bauhöhe und das nicht vollständig 360°-erfassende Sensorsystem führen zu Navigationsproblemen in manchen Situationen.

Alltagstauglichkeit: Solider Partner mit Einschränkungen

Nach einer Woche zeigt sich: Der P10 Ultra ist ein solider Alltagshelfer für strukturierte Haushalte. Wer keine extremen Hindernisse hat und mit gelegentlichen Nacharbeiten leben kann, bekommt einen zuverlässigen Reinigungspartner.

Das TangleCut-System allein rechtfertigt für Haushalte mit langen Haaren oder Haustieren die Anschaffung – die gesparte Zeit beim Bürsten-Entfilzen ist beträchtlich. Die Saugleistung überzeugt vollständig, die Wischfunktion bewegt sich im guten Mittelfeld.

Wie sieht es mit der Konkurrenz aus?

In der 800-Euro-Klasse trifft der P10 Ultra auf etablierte Größen wie Roborock S8 Pro Ultra, Dreame L40 Ultra oder Ecovacs X2 Omni. Diese bieten ähnliche Features mit ausgereifteren Ökosystemen und besseren Apps.

Der P10 punktet dagegen mit dem funktionierenden TangleCut-System und der kompakten Station. Die Saugleistung bewegt sich auf Oberklasse-Niveau, der Preis ist fair kalkuliert. Die Schwächen bei Flüssigkeiten und dem vorsichtigen Sicherheitsabstand um Kabel teilt er teilweise mit der am deutschen Markt bereits etablierten Konkurrenz.

Fazit: Gut durchdacht, aber nicht ganz ohne Schwächen

Der 3i P10 Ultra ist mehr als nur ein weiterer Roboter mit großen Versprechen. Das TangleCut-System funktioniert wirklich und löst ein echtes Problem. Die UltraReach-Funktion verbessert die Kantenreinigung spürbar. Die 18.000 Pa Saugleistung sind nicht nur auf dem Papier beeindruckend.

Die Schwächen liegen im Handling: problematische Flüssigkeitsaufnahme, der vorsichtige Sicherheitsabstand um Kabel und vielleicht, ganz am Rande angemerkt, die verbesserungswürdigen App-Übersetzungen. Mit seinen Maßen wirkt er durchaus etwas klobig, dafür aber auch wertig verarbeitet.

Empfehlenswert für alle, die viel mit Haaren kämpfen, eine kompakte Station brauchen oder einfach mal etwas anderes als die üblichen Verdächtigen probieren wollen. Der P10 Ultra beweist: Auch am deutschen Markt noch weniger bekannte Hersteller können etablierte Marken herausfordern – wenn die Technik stimmt.

PRO

  • mit TangleCut-System eine einzigartige Haar-Schneidetechnik in der Station
  • ausfahrbarer Mopp für bessere Kantenreinigung
  • die kompakte Station ist deutlich kleiner als Konkurrenten bei voller Ausstattung
3i P10 Ultra Saug- und Wischroboter Silver Award
CONTRA

  • verschüttete Flüssigkeiten werden eher verteilt statt aufgenommen
  • 3 bis 4 cm Sicherheitsabstand um Kabel lässt Schmutz zurück
  • eher klobiges Design

3i P10 Ultra

Saugleistung
Wischleistung
Navigation
App/Bedienung
Wartung/Station
Preis-Leistung-Verhältnis

88/100

Der 3i P10 Ultra überzeugt mit innovativem TangleCut-System und sehr starker Saugleistung, schwächelt aber bei Flüssigkeiten und der zu vorsichtigen Hinderniserkennung. Für Haushalte mit Haarproblemen eine echte Alternative zu etablierten Marken.

Simon Lüthje

Ich bin der Gründer dieses Blogs und interessiere mich für alles was mit Technik zu tun hat, bin jedoch auch dem Zocken nicht abgeneigt. Geboren wurde ich in Hamburg, wohne nun jedoch in Bad Segeberg.

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