Amazfit Helio Strap im Test: Fitness-Tracking ohne Display, ohne monatliche Kosten und für unter 100 Euro: Klingt das zu gut, um wahr zu sein? Neben Smartwatches und Smart-Ringen entwickelt sich auf dem Wearable-Markt eine ganz neue Kategorie: Fitness-Armbänder ganz ohne Display. Der bekannteste Vertreter dieser Kategorie ist Whoop. Doch dessen Abo-Modell schlägt mit mehreren Hundert Euro im Jahr zu Buche. Das Amazfit Helio Strap positioniert sich als günstige, aber überzeugende Alternative: Für einmalig 99,90 Euro bekommst du umfangreiche Gesundheitsanalysen ohne versteckte Abo-Kosten. Das kompakte Wearable konzentriert sich bewusst auf die wesentlichen Funktionen und bietet präzises Monitoring von Gesundheit, Aktivität und Schlaf. Ob sich der Kauf aber wirklich lohnt, klären wir im Test.
Technische Daten des Amazfit Helio Strap
| Größe | 33,97 x 24,3 x 10,59 mm |
| Gewicht | 20 Gramm |
| Gehäuse | Faserverstärkter Kunststoff |
| Display | nicht vorhanden |
| Akkukapazität | 232 mAh |
| Ladezeit | ca. 2 Stunden |
| maximale Akkulaufzeit | 10 Tage |
| Sensoren | BioTracker 6.0 PPG biometrischer Sensor (5PD + 2LED), Beschleunigung, Gyroskop, Temperatur |
| Drahtlosverbindung | Bluetooth 5.2 BLE |
| Preis (UVP) | € 99,90 * |
Amazfit Helio Strap Test: Design und Verarbeitung
Der erste Eindruck des Amazfit Helio Strap ist schlicht und funktional. Kein Display, keine Buttons. Nur ein funktionelles Design. Das Herzstück des Helio Strap ist ein kleiner Kunststoff-Puck ohne jegliche Metallelemente, in dem die Sensoren beheimatet sind. Genau dieses Konzept ist jedoch der Hauptgrund für das außergewöhnlich geringe Gewicht von gerade einmal 20 Gramm inklusive Armband. Ein Wert, der im Alltag einen erheblichen Unterschied macht.
Das Armband selbst besteht aus Nylon mit einer einfachen Kunststoffschnalle und einem Klettverschluss. Befestigt wird es über einen standardmäßigen 22-mm-Anschluss, was theoretisch viele Drittanbieter-Bänder kompatibel macht und individuelle Anpassungen ermöglicht.
Beim täglichen Tragen ist der Helio Strap wirklich überraschend angenehm. Ich habe ihn oft vergessen, ihn am Handgelenk zu tragen, weil er einfach so leicht ist und kaum auffällt. Das ist ein echtes Kompliment für ein Wearable. Allerdings gibt es einen wichtigen Vorbehalt: Obwohl das Band so leicht ist, baut es verhältnismäßig hoch auf dem Handgelenk auf. Wenn du den Strap also weit vorne trägst, könnte das aufgrund des eckigen Designs vielleicht etwas unangenehm werden. Aber das ist ja bei Whoop und Co auch nicht anders.
Auf der Unterseite befinden sich der PPG-Biometriesensor sowie zwei Pogo-Pins für das Laden. Da es kein Display gibt, kommuniziert das Gerät ausschließlich über einen Vibrationsmotor. Und der bist beispielsweise für Wecker, Erinnerungen und Benachrichtigungen zuständig.
Der Motor ist allerdings eher schwach, wer einen tiefen Schlaf hat, sollte sich lieber nicht alleine darauf verlassen. Die Wasserdichtigkeit ist mit 5 ATM (bis zu 50 Meter Tiefe) für Duschen, Schwimmen und Schnee ausreichend. Saunagänge oder heiße Duschen sollte man jedoch meiden, da Dampf die inneren Dichtungen langfristig beschädigen kann.
Starke Features im Amazfit Helio Strap
Beim Funktionsumfang macht der Amazfit Helio Strap dem Namen „Fitness-Tracker“ alle Ehre: Das Sensor-Setup ist für diesen Preis ziemlich beachtlich und lässt eigentlich kaum Wünsche offen. Im Inneren arbeiten ein PPG-Sensor mit fünf Fotodioden und zwei LEDs, ein Beschleunigungssensor, ein Gyroskop sowie ein Temperatursensor. Das Mehr-Fotodioden-System verbessert die Messgenauigkeit und erlaubt vielseitigere Gesundheitsmessungen.
Einen integrierten GPS-Chip sucht man allerdings vergebens, für die Ortung muss das Smartphone also immer dabei sein. Im Trainingsalltag habt ihr die Möglichkeit, über die Zepp-App auf dem Smartphone eine Aktivität manuell zu starten, wobei der Helio Strap Aktivitäten aber auch automatisch erkennen und tracken kann.
Zumindest, wenn man diese Funktion vorher in der App aktiviert hat… was ich leider nach einem 90-minütigen Workout schmerzhaft feststellen musste. Der Helio Strap überträgt dann Echtzeit-Herzfrequenzdaten per Bluetooth an kompatible Geräte.
Die automatische Aktivitätserkennung ist vorhanden, aber leider nur mäßig zuverlässig: Sie erkennt zwar, dass Bewegung stattfindet, benennt die Aktivität aber oft nur als generische Aktivität statt das konkrete Training zu identifizieren. Beim Krafttraining sollen laut Amazfit 25 Übungen automatisch erkannt werden (darunter Kniebeugen, Kurzhantel-Fliegern und Klimmzüge), in meinem Gym-Test war das aber leider nicht der Fall.
Herzstück des Wearables ist natürlich die Zepp-App, die für Gesundheits- und Schlaftracking eine solide Basis bietet. Im Sleep-Tab gibt es eine übersichtliche Aufbereitung der Nachtdaten inklusive HRV, Tiefschlafanteil und Hauttemperatur
Alles mit einem klar verständlichen Ampel-System versehen, das auf einen Blick zeigt, was in Ordnung ist und wo Handlungsbedarf besteht. Mir gefällt die aufgeräumte App ausgesprochen gut. Sie ist intuitiv zu bedienen und übersichtlich. Das BioCharge-Konzept, das die tägliche Energiebalance abbildet, ist ein zentrales Feature, das ich sehr interessant findet. Es zeigt auf Basis der Erholung und Anstrengung auf, wie fit du quasi am heutigen Tag bist und ob du Vollgas geben kannst oder es besser ruhig angehen lassen solltest.
Ein optionales Aura-Abo (ca. 70 US-Dollar pro Jahr) erweitert den Funktionsumfang um KI-basierte Wellness-Beratung und Audio-Entspannungsinhalte, einen wirklichen Mehrwert konnte ich im Abo aber nicht entdecken. Positiv: Im Gegensatz zu WHOOP ist die Basisnutzung aber vollständig kostenlos.
10 Tage Akkulaufzeit
Die Akkulaufzeit ist einer der stärksten Argumente für den Helio Strap und das Versprechen von Amazfit hält in der Praxis tatsächlich stand. Der verbaute 232-mAh-Akku soll laut Hersteller bis zu 10 Tage durchhalten. Nach einer Woche Dauerbetrieb, mit täglicher Überwachung, drei intensiven Trainingseinheiten und allen aktiven Messungen war der Akku noch zu 35 Prozent geladen. Das ist eine beeindruckende Leistung für ein Gerät, das gerade einmal 20 Gramm wiegt.
Zum Vergleich: Selbst GPS-Sportuhren mit deutlich größerem Akku und Bildschirm liegen oft unter zwei Wochen. Die Ladezeit beträgt laut Amazfit unter zwei Stunden für eine vollständige Ladung. Da man das Gerät nur alle zehn Tage an die Steckdose hängt, fällt dieser Wert kaum ins Gewicht.
Ein echter Kritikpunkt ist das mitgelieferte Ladezubehör. Der Amazfit Helio Strap wird mit einem kleinen magnetischen Ladepuck aufgeladen, der sich über zwei Metallkontakte auf der Rückseite verbindet. Der Puck selbst ist winzig, proprietär und liegt kein USB-C-Kabel bei . Wer ihn verliert, muss ein Ersatzteil kaufen.
Performance und Genauigkeit des Helio Strap
In der Kernkompetenz, der zuverlässigen biometrischen Messung, schlägt sich der Amazfit Helio Strap bemerkenswert gut. Der PPG-Sensor mit fünf Fotodioden liefert im Alltag sehr stabile Herzfrequenzwerte ohne wilde Ausreißer, wie sie bei günstigeren Trackern öfter auftreten. Messwerte und Trainingsdaten liegen auf einem sehr präzisen Niveau. Gerade letzteres deckt sich fast 1:1 mit den Daten, die mir die Geräte in meinem Fitness-Studio liefern. Chapeau, Amazfit.
Unregelmäßigkeiten und Ungenauigkeiten zeigen sich hingegen bei hoch-intensiven Aktivitäten, was die Herzfrequenzmessung anbelangt. Hier überschätz der Amazfit Helio Strap die Frequenz manchmal um rund 10 bpm, was natürlich spürbare Auswirkungen auf den generierten Kalorienverbrauch hat.
Für das Bestimmen von Herzfrequenzzonen reicht das vollkommen aus, für Präzisionsathleten, die auf jeden Puls-Schlag angewiesen sind, ist es jedoch nicht die beste Wahl. Die Schrittzählung hingegen ist sehr akkurat, wenngleich der Fitness-Tracker sich etwas Zeit genehmigt, Bewegungen überhaupt erst aufzuzeichnen. Das holt er aber schnell nach und liefert dann eine genaue Messung der Schritte.
Das Schlaftracking gehört zu den überzeugendsten Disziplinen des Helio Strap. Der Gesamtschlaf-Score ist verlässlich und spiegelt subjektiv gut wider, wie ausgeruht man sich morgens fühlt. Bei detaillierten Metriken wie Schlafphasen oder Einschlaflatenz gibt es aber noch Luft nach oben. Kurze Wachphasen unter fünf Minuten werden oft nicht erkannt, doch ein Wechsel des Schlafstadiums und die veränderte Herzfrequenz werden zumindest registriert.
Amazfit Helio Strap Test: Fazit
Der Amazfit Helio Strap ist ein überzeugender und günstiger Fitness-Tracker, der in den Kernbereichen Herzfrequenz-Tracking, Schlafmonitoring und Akkulaufzeit deutlich über seiner Preisklasse von rund 100 Euro performt. Wer einen bildschirmlosen Alltagsbegleiter sucht, der leicht, wasserdicht und ohne laufende Abokosten nutzbar ist, bekommt hier ein überzeugendes Gesamtpaket .
Wer jedoch von einem echten WHOOP-Ersatz träumt, wird enttäuscht werden: Die Zepp-App fehlt es dann doch an Tiefe und die Präzision, die Sportler erwarten, kann nicht immer erreicht werden. Besonders ärgerlich ist die automatische Aktivitätserkennung, die ihren Namen nicht immer verdient und manchmal gar nicht erst erkennt, wenn du aktiv bist.
Für wen lohnt sich der Helio Strap? Für Fitness-Einsteiger, Budget-bewusste Tracker-Fans und alle, die einen zuverlässigen, leichten und abonnementfreien Begleiter für Alltag und Sport suchen, ist er seine 100 Euro wert. Wer auf Profi-Level trainiert und präzise Trainingssteuerung erwartet, wird hingegen nur bedingt glücklich.
- Kein Abo-Zwang
- Attraktiver Preis
- Viele Gesundheits-Insights
- Gutes Schlaftracking
- Akkurate Herzfrequenz
- Lange Akkulaufzeit
- Eingeschränkte App-Features
- Automatische Erkennung ungenau
- Kein GPS
Amazfit Helio Strap
Design & Verarbeitung
Ausstattung
Sensoren & Genauigkeit
Preis-Leistungs-Verhältnis
84/100
Überzeugender Fitness-Tracker mit genauen Sensoren, attraktiven Preis und langer Akkulaufzeit. Die automatische Erkennung dürfte aber besser sein.