Open-Ear-Kopfhörer im Clip-On-Format sind für mich mittlerweile fester Alltagsbegleiter geworden und mit der AeroClip 2 schickt Anker (nur ein Jahr nach der Erstauflage) die zweite Generation seiner Soundcore-Clip-On-Reihe ins Rennen. Ich habe die Ohrhörer einige Tage lang beim Pendeln, im Homeoffice und bei Telefonaten in lauter Umgebung getragen und war vor allem von einem Aspekt überrascht, mit dem Anker offensiv wirbt: der Anruf- und Sprachqualität dank eines eigens entwickelten KI-Chips. Für 179,99 Euro bekommt man ein überarbeitetes Tragekonzept, Bluetooth 6.0 mit LDAC, ein kabelloses Ladecase mit IP57-Schutz und eine ganze Reihe an Zusatzfunktionen, die man in dieser Form selten in einem Open-Ear-Modell findet. Ob sich der Aufpreis gegenüber günstigeren Clip-On-Ohrhörern wie den Soundpeats UU2 (Test) lohnt und wo die AeroClip 2 im Alltag an ihre Grenzen stößt, zeige ich dir in diesem Testbericht.
Technische Daten der Anker Soundcore AeroClip 2
| Bauform | Offene Clip-On-Ohrhörer (Open-Ear) |
| Treiber | 12 mm, Dual-Magnet Dynamic Driver, titanbeschichtete Membran |
| Bluetooth-Version | 6.0 |
| Unterstützte Codecs | SBC, AAC, LDAC (Hi-Res Audio Wireless) |
| Multipoint-Verbindung | Ja, gleichzeitige Verbindung zu zwei Geräten |
| Zertifizierungen | MFi (Made for iPhone), Google Fast Pair |
| Chipsatz | Anker Thus KI-Chip |
| Mikrofone | 4 Mikrofone + 2 Vibrations-Pickup-Einheiten (VPU) |
| Bedienung | Physische Tasten (Einzel-, Doppel-, Dreifachdruck plus Halten) |
| Wasser- und Staubschutz | IP57 |
| Akku Spielzeit pro Ladung | Bis zu 8 Stunden |
| Gesamtspielzeit mit Ladecase | Bis zu 32 Stunden |
| Schnellladefunktion | Ca. 10 Minuten Laden für mehrere Stunden Spielzeit |
| Laden | USB-C sowie kabelloses Laden (Qi) |
| Gewicht pro Ohrhörer | Ca. 6,2 g |
| App | Soundcore App |
| Farben | Burgunder, Mitternacht, Wolkenweiß |
| Preis (UVP) | € 179,99 * |
Design und Tragekomfort im Alltag
Beim Auspacken fällt zuerst das überarbeitete Tragekonzept auf: Anker nennt es GoldenFit-Design und hat dafür nach eigenen Angaben über 2.000 Ohrscans ausgewertet, um die Form des Bügels zu optimieren. Statt eines Ohrpassstücks im Gehörgang klemmen sich die Anker soundcore AeroClip 2 mit einem C-förmigen Bügel aus flexiblem Memory-Titanium-Draht ans Ohrläppchen, während der eigentliche Treiber außerhalb des Gehörgangs sitzt. Das ist ähnlich komfortabel wie beim Platzhirsch im Bereich der Open-Ear-Kopfhörer, namentlich der Huawei FreeClip 2 S (unser Test).
In der Praxis merke ich den Unterschied zur ersten Generation sofort: Der Bügel übt spürbar weniger Druck aus, und ich konnte die Ohrhörer über mehrere Stunden am Stück tragen, ohne dass sich ein Ohr unangenehm angefühlt hat. Mit rund 6,2 Gramm pro Ohrhörer sind sie angenehm leicht, und die gummierte Oberfläche der Bügel sorgt zusätzlich für Grip, ohne zu rutschen. Zumindest im Alltag, beim Gehen, Radfahren oder am Schreibtisch. Bei sehr intensiven Sporteinheiten mit schnellen Kopfbewegungen habe ich gemerkt, dass sich die Position gelegentlich minimal verschiebt, was bei einem offenen Design aber grundsätzlich nachvollziehbar ist. Auffällig: Die separaten Silikon-Aufsätze der Vorgänger-Generation fehlen bei der AeroClip 2 komplett, was ich beim Auspacken zunächst vermisst habe. Gebraucht habe ich sie im Test aber nicht, da der Bügel für sich schon für sicheren Halt sorgt.
Optisch wirkt die AeroClip 2 schlicht und hochwertig: robustes Hartplastik kombiniert mit dem flexiblen Draht, dazu ein kompaktes Ladecase, das deutlich kleiner ausfällt als bei vielen Konkurrenzmodellen. Ich habe das Case in Mitternacht getestet, erhältlich ist die AeroClip 2 zusätzlich in Burgunder und Wolkenweiß.
Anker Soundcore AeroClip 2: Ausstattung
Unter der Haube arbeitet in jedem Ohrhörer ein 12-mm-Dual-Magnet-Treiber mit einer titanbeschichteten Membran aus Material, das Anker als „Luft- und Raumfahrtqualität“ bewirbt. Die Dual-Magnet-Konstruktion soll für kräftigeren Antrieb sorgen und macht sich im Hörtest tatsächlich vor allem im Bassbereich bemerkbar. Doch dazu später mehr im Kapitel zum Klang.
Bei der Funkverbindung setzt Anker auf Bluetooth 6.0, was mir im Test eine stabile Verbindung ohne Aussetzer geboten hat, selbst in belebten Bahnhöfen oder beim Wechsel zwischen mehreren Räumen. Praktisch im Alltag ist Multipoint: Ich konnte die Ohrhörer parallel mit Laptop und Smartphone verbinden und musste beim Wechsel zwischen einem Videocall am Rechner und einem eingehenden Anruf auf dem Handy nicht manuell umschalten.
Codec-seitig unterstützt die AeroClip 2 neben SBC und AAC auch LDAC, den High-Res-Codec, mit dem sich unter Android eine höhere Übertragungsbandbreite und potenziell bessere Klangqualität erzielen lässt. Für iPhone-Nutzer ist zudem die MFi-Zertifizierung relevant, für Android-Nutzer Google Fast Pair, das den Kopplungsprozess spürbar beschleunigt.
Bedienung & Akkulaufzeit der AeroClip 2
Statt Touch-Flächen setzt Anker bei der AeroClip 2 auf physische Druckknöpfe. Aus meiner Sicht die richtige Entscheidung für ein Sport- und Alltagsgerät. Ob mit Handschuhen im Herbst oder mit leicht feuchten Fingern nach dem Sport: Die Tasten haben bei mir im Test immer zuverlässig reagiert, während Touch-Sensoren in solchen Situationen gerne mal ins Leere laufen oder ungewollt auslösen. Über einfachen, doppelten und dreifachen Tastendruck sowie langes Halten lässt sich ein großer Teil der Funktionen direkt am Ohrhörer steuern. Play/Pause, Titelwechsel, Lautstärke und Anrufannahme funktionieren so komplett ohne Blick aufs Smartphone.
Bei der Akkulaufzeit bewegt sich die AeroClip 2 im für ihre Preisklasse guten Bereich: In meinem Test kam ich bei moderater Lautstärke auf rund 7 bis 8 Stunden Musikwiedergabe pro Ladung, was sich mit Ankers Angabe von bis zu 8 Stunden deckt. Über das Ladecase kommen insgesamt bis zu 32 Stunden Spielzeit zusammen. Für eine Arbeitswoche mit täglichem Pendeln reicht das locker, ohne dass ich das Case jeden Abend ans Kabel hängen musste.
Besonders im Alltag hilfreich ist die Schnellladefunktion: Rund 10 Minuten im Case reichen für mehrere Stunden zusätzliche Wiedergabezeit. Ideal, wenn der Akku kurz vor einem spontanen Termin zur Neige geht. Geladen wird das Case wahlweise über USB-C oder kabellos, was ich in der Praxis dem Kabel oft vorgezogen habe, weil sich das Case einfach auf die ohnehin vorhandene Ladeschale legen lässt.
Die Soundcore-App im Detail
Die Soundcore-App von Anker gehört für mich zu den ausgereiftesten Companion-Apps, die ich bei Open-Ear-Kopfhörern bisher genutzt habe. Folgende Funktionen stechen im Test besonders heraus:
- HearID 5.0, ein individuelles Hörtest-System, das den Equalizer an das eigene Gehör anpasst
- Ein 8-Band-Equalizer mit mehreren vorkonfigurierten Presets für unterschiedliche Musikrichtungen
- Ein Nap-Modus mit beruhigenden Sounds
- Ein Game-Modus zur Reduzierung der Latenz
- Gerätesuche für den Fall, dass ein Ohrhörer mal verlegt wird
- Duale Geräteverbindung direkt aus der App steuerbar
- Die Echtzeit-Übersetzungsfunktion, mit der sich laut Anker bidirektional in über 100 Sprachen übersetzen lässt. Im kurzen Alltagstest mit einfachen Sätzen hat das erstaunlich gut funktioniert, auch wenn ich es nicht als Ersatz für einen professionellen Dolmetscher sehen würde
Was mir persönlich in der App fehlt, ist eine automatische Trageerkennung, die die Wiedergabe pausiert, sobald man einen Ohrhörer absetzt. Bei diesem Preis hätte ich das erwartet.
Soundqualität und Mikrofone
Klanglich überraschen mich die Anker soundcore AeroClip 2 positiv, gerade weil offene Clip-On-Kopfhörer bauartbedingt eher mit dünnem Bass zu kämpfen haben. Im direkten Hörtest bringen die AeroClip 2 Bässe erstaunlich kräftig zur Geltung. Bei Hip-Hop, Pop und elektronischer Musik geht ordentlich Druck durch, ohne dass der Bass aufdringlich oder unkontrolliert wirkt. Bei basslastigeren Rock- und Metal-Stücken kann es bei höheren Lautstärken vereinzelt etwas schärfer in den Höhen klingen, insgesamt bleibt der Klang für die Bauform aber angenehm ausgewogen.
Die Mitten empfinde ich als klar und präsent, Stimmen und Gesang stehen gut im Vordergrund, ohne von den Bässen zugedeckt zu werden. Höhen sind sauber aufgelöst, wirken bei sehr hellen Aufnahmen aber nicht ganz so filigran wie bei manch geschlossenem In-Ear. Das ist bei einem offenen Design allerdings zu erwarten. Wer mit dem werksseitigen Klangbild nicht zu 100 Prozent zufrieden ist, kann über HearID 5.0 und den Equalizer in der App noch einiges nachjustieren und sich so eine deutlich filigranere Abstimmung selbst zusammenstellen. Wie bei jedem offenen Ohrhörer gilt: Bei sehr ruhiger Umgebung und hoher Lautstärke ist die Musik für Menschen in unmittelbarer Nähe leise hörbar. Ein grundsätzliches Merkmal dieser Bauform und keine Eigenheit der AeroClip 2.
Mikrofonqualität und Anrufe: Die große Stärke
Der eigentliche Star der AeroClip 2 ist für mich die Anruf- und Sprachqualität. Möglich macht das der Anker-Thus-KI-Chip, der laut Hersteller deutlich mehr Rechenleistung mitbringt als frühere Lösungen, kombiniert mit insgesamt sechs Mikrofonen pro Kopfhörer-Paar: vier klassische Mikrofone plus zwei sogenannte Vibrations-Pickup-Einheiten, die Vibrationen der Stimme direkt am Ohr aufnehmen, statt sich rein auf Umgebungsschall zu verlassen.
Mikrofon-Testaufnahme der Anker Soundcore AeroClip 2:
Mikrofon-Testaufnahme Huawei FreeClip 2 S:
Im Test habe ich bewusst in lauten Umgebungen telefoniert und war überrascht, wie klar meine Stimme beim Gesprächspartner ankam. Selbst bei geschätzt 80 bis 90 Dezibel Umgebungslärm blieb die Sprachverständlichkeit hoch, während Hintergrundgeräusche zuverlässig weggerechnet wurden. Der beworbene „Whisper Mode“, der auch geflüsterte Sprache erfassen soll, funktioniert im Alltag zwar, wirkt auf mich aber eher wie ein nettes Extra als ein Feature, das ich täglich brauche. Für alle, die viel unterwegs oder in lauten Arbeitsumgebungen telefonieren, ist die Mikrofonqualität aber ein echtes Argument für die AeroClip 2.
Anker Soundcore AeroClip 2 Test: Fazit
Nach mehreren Tagen im Alltagstest hinterlassen die Anker soundcore AeroClip 2 bei mir einen rundum positiven Eindruck. Anker hat an den richtigen Stellen nachgebessert: Der Bügel sitzt bequemer als bei der Vorgänger-Generation, der Klang bringt für ein offenes Design überraschend viel Bass mit, und die Akkulaufzeit von bis zu 32 Stunden inklusive Case reicht locker für den Alltag. Die eigentliche Stärke liegt für mich aber klar bei den Anrufen: Dank KI-Chip und sechs Mikrofonen bleibt die eigene Stimme selbst in lauter Umgebung gut verständlich – ein Bereich, in dem viele Open-Ear-Konkurrenten schwächeln.
Für 179,99 Euro bewegen sich die AeroClip 2 im gehobenen Preissegment offener Ohrhörer, liefert dafür aber auch ein rundes Gesamtpaket aus Tragekomfort, App-Funktionen und Anrufqualität. Wer bereit ist, für diese Kombination etwas mehr zu zahlen, bekommt mit den AeroClip 2 aktuell eine der komfortabelsten und kommunikationsstärksten Optionen im Open-Ear-Segment.
VORTEILE
- Exzellenter Tragekomfort
- Überzeugender Klang
- Hervorragende Mikrofone
- IP57
- Gute Bedienung
NACHTEILE
- Keine Trageerkennung
- Hoher Preis
- Kein Bluetooth LE
Fazit
Die Anker Soundcore AeroClip 2 überzeugen mit exzellentem Tragekomfort, starker Akkulaufzeit und herausragender Sprachqualität dank KI-Chip. Für 180 Euro sind sie eine klare Empfehlung für alle, die Open-Ear-Komfort mit Premium-Features suchen.