Drohnen filmen seit Jahren nach demselben Prinzip: Du richtest die Kamera aus, fliegst und hoffst, dass du den Moment triffst. Die Ende 2025 veröffentlichte Antigravity A1 dreht dieses Konzept komplett um. Die weltweit erste 360-Grad-Consumer-Drohne, entwickelt von Insta360 unter der neuen Marke Antigravity, nimmt einfach den kompletten Raum rundherum auf. Und du entscheidest erst nach dem Flug, wohin die Kamera geblickt haben soll. Das Ergebnis ist in dieser Form einzigartig, aber auch nicht perfekt. Ob die A1 dieses Versprechen im Alltag einlöst, was der Winzling mit 249 Gramm technisch draufhat und für wen sich der stolze Preis lohnt, erfährst du in unserem ausführlichen Test.
Technische Daten der Antigravity A1
| Produkt | A1 |
| Kamerasystem | 360-Grad-Dual-Lens, zwei 1/1,28-Zoll-Sensoren (oben/unten), F2.2 |
| Videoauflösung | 8K bei 30 fps, 5,6K bei 60 fps, 4K bei 100 fps |
| Fotoauflösung | bis 120 Megapixel |
| Gewicht | 249 g (EU-Klasse C0, unter 250 g) |
| Landegestell | motorisiert einziehbar |
| Objektive | austauschbar (Crash-Schutz) |
| Flugzeit | bis 24 Min. (Standard-Akku), bis 39 Min. (High-Capacity) |
| Reichweite | ca. 300 m unter Testbedingungen |
| Hinderniserkennung | omnidirektional, mit Bypass-Modus |
| Steuerung | Grip-Motion-Controller (Einhand) |
| Sichtsystem | Vision Goggles, Dual-Micro-OLED (2560 × 2560 px je Auge), Head-Tracking |
| Software | Antigravity App + Insta360 Studio |
| Preis (UVP) | € 1.379,00 * |
Design & Verarbeitung: Leicht und clever
Mit 249 Gramm bleibt die Antigravity A1 bewusst unter der magischen 250-Gramm-Grenze. Das ist kein Zufall, sondern kalkuliert: In der EU fällt die Drohne damit in die einsteigerfreundliche C0-Klasse, für die deutlich lockerere Regeln gelten. Du brauchst keinen EU-Kompetenznachweis der höheren Stufen und darfst in vielen Alltagssituationen unkomplizierter starten. Für Reisen und spontane Aufnahmen ist das ein echter Vorteil.
In der Hand fühlt sich die A1 angenehm kompakt an, die Größe erinnert grob an DJIs Mini-Reihe oder die Neo 2 (unser Test). Immerhin eine der besten Einsteiger-Drohnen in 2026. Ein besonderes Highlight ist das motorisiert einziehbare Landegestell. Nach dem Start klappen die Beine ein und geben so den Blick nach unten frei. Erst dadurch funktioniert die nahtlose 360-Grad-Aufnahme ohne störende Streben im Bild. Clever gelöst.
Das Bundle lässt allerdings nichts vermissen. Mit Drohne, Controller, Brille sowie sämtlichen Kabeln und Ladestation samt zweier zusätzlicher Akkus ist alles enthalten, dass man für die Nutzung benötigt. Geliefert wird das Paket in einer praktischen Umhängetasche, die Platz für Drohne und sämtliches Zubehör bietet.
Weniger überzeugt hat uns die Materialwahl. Das Gehäuse besteht komplett aus Kunststoff und wirkt im direkten Vergleich mit schwereren Modellen nicht ganz so wertig und robust. Bei einer 250-Gramm-Drohne ist das physikalisch kaum anders machbar, trotzdem solltest du entsprechend vorsichtig fliegen. Immerhin denkt Antigravity mit: Die beiden Fisheye-Objektive lassen sich austauschen. Ein Kratzer auf der Linse bedeutet also nicht gleich das Aus für die ganze Kamera. Gerade bei einer Drohne, die naturgemäß mal Bodenkontakt bekommt, ein sinnvoller Schutz.
Aufgrund des Konzept der Antigravity A1 ist die Nutzung allerdings nicht ganz so komfortabel, wie man es von anderen Drohnen gewohnt ist. Drohne, Controller und Vission Goggles. Dazu zusätzliche Akkus, das nimmt schon einiges an Platz weg und man muss sich wirklich aktiv entscheiden, die Drohne (beziehungsweise eben das Gesamtpaket) mitzunehmen. Da fällt die Einstiegshürde bei manch einem Konkurrenten eben deutlich niedriger aus.
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Zumal der Einrichtungsprozess, wenn auch recht intuitiv gehalten und mit einem gelungenen Tutorial in der App geführt, einiges an Zeit in Anspruch nimmt. Das initiale Firmware-Update beispielsweise brauchte in meinem Test drei Anläufe, bis es sich fehlerfrei installieren ließ. Das frustriert dann schon ein wenig, gerade für Laien, die „mal eben eine Runde fliegen“ wollen.
Bild- und Videoqualität: 8K rundum, mit einem Haken
Kommen wir zum Herzstück. Die Antigravity A1 filmt in echten 8K bei 30 Bildern pro Sekunde, wahlweise auch in 5,6K bei flüssigen 60 fps oder in 4K mit bis zu 100 fps für Zeitlupen. Fotos schießt sie mit bis zu 120 Megapixeln. Zwei 1/1,28-Zoll-Sensoren nehmen dabei gleichzeitig auf und werden zur kompletten Kugel zusammengerechnet.
In der Praxis liefert die A1 bei gutem Licht beeindruckende, detailreiche Aufnahmen. Der große Reiz liegt in der Nachbearbeitung: Aus einem einzigen Flug kannst du im Nachhinein mehrere völlig unterschiedliche Kameraperspektiven herausschneiden, frei schwenken und sogar zwischen Formaten wie 16:9, 9:16 und 1:1 wählen. Ein Flug, viele Clips. Für Content-Creator, die für Instagram, YouTube und TikTok gleichzeitig produzieren, ist das Gold wert.

Doch hier kommt der Haken: Weil ein herkömmliches 16:9-Video immer nur ein Ausschnitt aus der 360-Grad-Kugel ist, landet nie die volle 8K-Auflösung im fertigen Clip. Je stärker du hineinzoomst oder einen engen Ausschnitt wählst, desto sichtbarer verlierst du an Schärfe. Und bei schwachem Licht zeigt die A1 spürbare Schwächen: Die kleinen Sensoren rauschen dann früher als bei Drohnen mit einer klassischen, größeren Einzelkamera. Wer die A1 vor allem zur blauen Stunde oder nachts einsetzen möchte, sollte seine Erwartungen etwas dämpfen.
Zumal die 360-Grad-Videos einiges an Nachbearbeitung voraussetzen. Denn du bekommst spezielle Antigravity-Formate für Fotos und Videos. Ohne Nachbearbeitung lassen sich diese nicht verwenden. Wahlweise mithilfe der Antigravity-App für iOS und Android oder der PC/Mac-Alternative Antigravity Studio wollen die Rundum-Videos zunächst zugeschnitten werden, bevor diese wirklich tauglich für soziale Medien sind. Das geht erfreulicherweise äußerst intuitiv vonstatten, ist aber ein gewisser Mehraufwand.
Steuerung, Grip-Controller & Vision Goggles
So neu wie das Kamerakonzept ist auch die Bedienung. Statt eines klassischen Fernsteuerungs-Knüppels steuerst du die A1 mit dem Grip-Controller. Einem Einhand-Motion-Controller mit haptischem Feedback. Du bewegst intuitiv die Hand, die Drohne folgt. In unserem Test hat sich das gerade für Einsteiger als erstaunlich zugänglich erwiesen. Zwei Flugmodi (ein einfacherer Motion-Modus und ein direkterer FPV-Modus) decken sowohl Anfänger als auch ambitioniertere Piloten ab.
Das zweite Kernstück sind die Vision Goggles. Die Videobrille, die dich wie eine Ameise aussehen lässt, bringt zwei 1-Zoll-Micro-OLED-Displays mit jeweils 2560 × 2560 Pixeln und Head-Tracking mit: Drehst du den Kopf, wanderst du live durch das 360-Grad-Bild. Ganz so, als säßest du selbst in der Luft. Das ist ein ziemlich immersives Erlebnis und macht mächtig Laune. Praktisch: Der Live-Feed lässt sich mit Umstehenden außen auf der Brille teilen, sodass auch andere die Drohnenperspektive mitverfolgen können.
In Verbindung mit Joystick und Brille fliegt die Drohne dorthin, wo du hinschaust. Guckst du nach oben und betätigst den Gas-Trigger, fliegt die A1 nach oben. Drehst du dich um, dreht sich auch die Drohne. Das ist mit Abstand die intuitivste Steuerung, die ich bislang gesehen habe und geht nach kurzer Eingewöhnung hervorragend von der Hand.
Genau hier gibt es aber einen wichtigen rechtlichen Punkt zu beachten. Wer mit Videobrille fliegt, hat keinen direkten Sichtkontakt zur Drohne mehr. In Deutschland und der EU brauchst du dafür einen Beobachter (Spotter), der die Drohne die ganze Zeit im Blick behält. Ganz alleine losziehen und nur durch die Brille fliegen ist also nicht erlaubt. Kritisch anzumerken ist außerdem, dass die Funkverbindung bei Hindernissen oder in städtischer Umgebung merklich schneller abbaut, als man es von etablierten Systemen kennt.
Ein nicht zu verachtender Punkt ist auch das Thema Motion Sickness. Ich persönlich bin normalerweise nicht allzu anfällig dafür, habe auch kein Problem mit VR-Headsets oder 3D-Brillen. Doch beim Testen der Antigravity A1 wurde mir schon nach wenigen Minuten ziemlich mulmig in der Magengegend. Wer dazu neigt, sollte sich den Kauf also vorher überlegen oder zumindest einen Testflug wagen, sofern möglich. Immerhin bietet die A1 zwei Flugmodi, während der erstere für empfindlichere Mägen gemacht ist.
App, Schnitt & intelligente Flugmodi
Nach dem Flug übernimmt die Software. Über die Antigravity App und die bekannte Insta360-Studio-Software am Desktop framst, schneidest und exportierst du dein Material. Wer schon einmal mit einer Insta360-Kamera gearbeitet hat, wird sich sofort zurechtfinden – der Reframing-Workflow gehört zum Besten, was der Markt aktuell bietet.
An intelligenten Modi mangelt es der A1 nicht. Deep Track verfolgt automatisch ein Motiv, KI-gestützte Edit-Modi bauen aus deinem Rohmaterial auf Wunsch fertige Clips, dazu kommen Sky Path für geplante Flugrouten, Timelapse und sogar Sprachsteuerung. Die omnidirektionale Hinderniserkennung samt Bypass-Modus hält die Drohne im Zweifel von Kollisionen fern.
Ganz reibungslos läuft aber nicht alles. Die Motivverfolgung arbeitet in der Nachbearbeitung zuverlässiger als in Echtzeit und tut sich mit schnellen, nahen Bewegungen noch schwer. Und weil Antigravity die A1 mit häufigen Firmware-Updates weiterentwickelt, brauchst du zum Aktualisieren zwingend eine Internetverbindung – ohne Update kann es passieren, dass einzelne Funktionen blockiert bleiben. Das ist der typische Preis eines Produkts der ersten Generation. Dabei arbeitet die Hinderniserkennung deutlich vorsichtiger als im Falle von DJI: Während ich mit einer DJI-Drohne problemlos durch ein Maisfeld oder auf einen Turm fliegen konnte, stoppt die Antigravity A1 deutlich vorher, um eine potenzielle Kollision zu vermeiden.
Akku & Flugzeit
Beim Akku gibt Antigravity bis zu 24 Minuten mit dem Standard-Akku an, mit dem optionalen High-Capacity-Akku sollen es bis zu 39 Minuten sein. Wie fast immer bei Drohnen sind das Laborwerte. In der Praxis, mit Wind, kühleren Temperaturen und aktivem Fliegen, lagen wir eher bei rund 19 Minuten pro Standard-Akku.
Für ein paar Szenen reicht das, wer aber einen ganzen Drehtag plant, sollte definitiv zum Explorer- oder Infinity-Bundle mit mehreren Akkus greifen. Ein Wermutstropfen bleibt außerdem: Die 360-Grad-Aufnahmen erzeugen große Datenmengen, entsprechend schnell füllt sich die microSD-Speicherkarte.
Hinzu kommt, dass die Reichweite ebenfalls überschaubar ausfällt. Auf freiem Feld kam es in meinem Test bereits nach rund einem Kilometer zu Verbindungsabbrüchen. Da fliegt eine DJI Neo 2 oder Lito X1 deutlich weiter, zumal Antigravity eine Reichweite von 6 km angibt. Diese konnte ich aber nicht einmal ansatzweise erreichen.
Für wen lohnt sich die Antigravity A1?
Die Antigravity A1 ist keine Drohne für jeden und will es auch gar nicht sein. Sie richtet sich klar an Content-Creator, Action-Sport-Filmer und experimentierfreudige Kreative, die einen einzigartigen, immersiven Look suchen und keine Angst vor etwas Nachbearbeitung haben. Wer bereit ist, Zeit in den Schnitt zu investieren, wird mit Perspektiven belohnt, die mit keiner klassischen Drohne möglich sind.
Weniger geeignet ist die A1 dagegen für alle, die schnelle, fertige Ergebnisse direkt aus der Kamera wollen, maximale Bildqualität bei jedem Licht erwarten oder klassische, aggressive FPV-Racing-Manöver fliegen möchten. Für sie sind spezialisierte Drohnen nach wie vor die bessere Wahl.
Antigravity A1 Test: Fazit
Die Antigravity A1 ist eine der spannendsten Drohnen-Neuheiten seit Langem. Insta360 kombiniert hier FPV-Fliegen und 360-Grad-Aufnahme zu einem völlig neuen Erlebnis und das erstaunlich durchdacht. Das „Erst fliegen, später framen“-Prinzip nimmt den Druck aus dem Flug, der unsichtbare Drohnen-Effekt sieht spektakulär aus und die Bedienung per Grip-Controller und Vision Goggles ist gerade für Einsteiger intuitiver, als man es erwarten würde.
Man merkt der A1 aber an, dass sie ein Produkt der ersten Generation ist. Das Kunststoffgehäuse wirkt weniger robust, die Funkreichweite baut bei Hindernissen zu schnell ab, bei wenig Licht rauscht das Bild und wegen der effektiven Ausschnitt-Auflösung sowie der pflichtweisen Nachbearbeitung braucht es etwas Geduld und Know-how. Dazu kommt der hohe Preis und der in der EU nötige Spotter beim Brillenflug. Auch das Thema Motion Sickness sollte nicht außer Acht gelassen werden, genauso wie die vergleichsweise umfangreiche (da zwingend nötige) Nachbearbeitung.
Aber ganz ehrlich: Dafür belohnt einen die Antigravity A1 auch mit einem einzigartigen Flugerlebnis, das in dieser Form aktuell seinesgleichen sucht. Unterm Strich ist die Antigravity A1 kein Ersatz für eine klassische (und anspruchsvolle) Foto-Drohne, sondern ein eigenständiges, kreatives Werkzeug. Wer verstanden hat, wofür sie gedacht ist, bekommt eine faszinierende Drohne, die filmisch neue Türen öffnet. Alle anderen warten vielleicht auf die zweite Generation.

