Asus ROG XREAL R1 Test: AR-Brille mit virtuellem 171-Zoll-Screen

Simon Lüthje
Simon Lüthje · 20 Min. Lesezeit
ROG XREAL R1 im Test - die Gaming-AR-Brille im geöffneten Etui auf ihrer Verpackung

Ein 171-Zoll-Bildschirm, der in eine Brillenbox passt – mit diesem Versprechen treten Asus ROG und AR-Spezialist XREAL gemeinsam an. Die ROG XREAL R1 projiziert einen riesigen virtuellen Screen vor die Augen. Gespeist wird er von zwei Micro-OLED-Panels mit bis zu 240 Hertz. Dazu gibt es elektrochrome Gläser, die sich abdunkeln lassem. Sound by Bose ist an Bord, und der Anchor-Modus verankert das Bild im Raum. Klingt nach Zukunft? Hat aber auch deren Preis: Rund 900 Euro ruft ASUS für das Paket auf. Ob sich das lohnt, klärt unser Asus ROG XREAL R1 Test. Die Brille musste bei uns durch das volle Programm: zocken an Xbox Series X und PC, Videos vom Smartphone – und zur „Recherche“ natürlich der eine oder andere Serienmarathon.

Technische Daten der Asus ROG XREAL R1

Produkt Asus ROG XREAL R1 (mit ROG Control Dock GCD01)
Displaytechnik 2× Micro-OLED (Sony, 0,55 Zoll), 1.920 × 1.080 Pixel pro Auge
Bildwiederholrate bis zu 240 Hz (geräteabhängig)
Reaktionszeit / Latenz 0,01 ms Panel-Reaktionszeit, 3 ms Motion-to-Photon
Helligkeit / Farbraum bis 700 Nits, 106 % sRGB
Sichtfeld 57 Grad, virtuelles Bild bis 171 Zoll (simuliert bei 4 m Abstand)
Raumstabilisierung natives 3DoF (X1-Chip), Anchor- und Follow-Modus
Gläser elektrochrom, drei Tönungsstufen, automatische Transparenz im Anchor-Modus
Audio integrierte Lautsprecher (Sound by Bose), Mikrofone
Anschluss USB-C mit DisplayPort Alt Mode; Dock: 2× HDMI 2.0, 1× DisplayPort 1.4, USB-C (Eingang bis 4K/60)
Gewicht 91 g
Größenvarianten Die Brille ist in zwei festen Größen erhältlich: Narrow für etwa 60–66 mm IPD und Wide für etwa 66–75 mm IPD.
Leistungsaufnahme unter 3 W, mit Dock unter 7,5 W
UVP 919 Euro

Lieferumfang & erster Eindruck

Unser Testpaket kam mit allem, was das Ökosystem hergibt. Neben der Brille selbst lag das ROG Control Dock GCD01 mit im Karton – dazu später mehr. Außerdem enthalten:

  • Transportetui
  • drei Nasenauflagen in verschiedenen Größen (eine vormontiert)
  • Einsatz für Korrekturgläser (ohne Sehstärke, Gläser setzt der Optiker ein)
  • mehrere Kabel für Brille, Dock und Zuspieler
  • Brillenputztuch
  • Anleitungen und Garantiekarte
Lieferumfang der ROG XREAL R1 mit Control Dock, Etui, Kabeln, Nasenauflagen und Korrekturglas-Einsatz
Ordentlich was im Karton: Brille, Control Dock, Etui und reichlich Zubehör.

Die Verpackung ist in mehrere Ebenen und kleine Schachteln aufgeteilt. Alle Komponenten liegen dadurch ordentlich getrennt und geschützt im Karton. Nur das Wiedereinpacken wird durch die vielen Ebenen zur kleinen Denksportaufgabe. Ein unangenehmer Geruch – bei Testgeräten ja durchaus schon vorgekommen – blieb diesmal übrigens aus.

Die Verarbeitung überzeugt auf den ersten Blick. Scharniere, Übergänge und Spaltmaße wirken sauber, nichts macht einen billigen Eindruck. Das gilt auch für das Dock, das überraschend wenig wiegt. Das pillenförmige Transportetui fällt deutlich größer aus als ein normales Brillenetui. Dafür sitzt die Brille darin gut geschützt. Auch einem vollen Rucksack würden wir das Etui bedenkenlos zutrauen.

Passform: IPD-Varianten und Nasenauflagen

Eine Besonderheit vor dem Kauf: Die R1 gibt es in zwei festen Größen. IPD (engl. Interpupillary Distance) steht für den Pupillenabstand, also die Distanz zwischen den Pupillenmitten. Die Narrow-Variante deckt etwa 60 bis 66 Millimeter ab, die Wide-Version etwa 66 bis 75 mm. Bei exakt 66 Millimetern empfiehlt ASUS die größere Ausführung. Kurios am Rande: In der offiziellen Broschüre widerspricht sich ASUS selbst. Auf einer Seite endet Narrow bei 66 Millimetern, im FAQ bei 65. Vor dem Kauf sollte man seinen Pupillenabstand also kennen, ein Optiker misst ihn in einer Minute.

Wir haben mit 65 Millimetern Pupillenabstand gezielt die Narrow-Version gewählt. Die Rechnung ging auf: Die Brille passte auf Anhieb gut. Die Feinjustage übernehmen die drei austauschbaren Nasenauflagen. Der Wechsel verändert den Druck auf der Nase spürbar – bei uns verteilte die mittlere Auflage das Gewicht am angenehmsten. Die körperliche Anpassung war damit in wenigen Minuten erledigt.

Deutlich mehr Eingewöhnung verlangten die Tasten und Menüs. Das OSD, das Schnellmenü und die Neuzentrierung sind beim ersten Kontakt nicht selbsterklärend. Dazu schließen sich Menüs teils recht schnell wieder, wenn keine Eingabe erfolgt – gerade am Anfang nervt das. Nach einiger Zeit sitzt die Logik, komfortabel wird die Bedienung aber erst über das Control Dock. Dessen Fünf-Wege-Schalter fühlte sich für uns durchweg angenehmer an als die Tasten am Bügel.

Tasten und Mikrofonöffnung am Bügel der ROG XREAL R1
3 bzw. 4 Tasten (eine der Tasten stitzt auf der anderen Seite) am Bügel steuern OSD und Schnellmenü – anfangs wirklich gewöhnungsbedürftig.

Design: Gruß an Neo

Optisch macht die R1 keinen Hehl daraus, was sie ist. Die Brille sieht futuristisch und klar nach Technik aus – als gewöhnliche Sonnenbrille geht sie nicht durch. Die Optik erinnert an Matrix, Cyborgs und frühe Zukunftsvisionen. Aus der Redaktion kam beim ersten Anblick prompt ein Gruß an Neo. Zu Hause spielt das keine Rolle. Wer die Brille in Bahn oder Café aufsetzt, wird aber definitiv auffallen.

Ein Pflegepunkt, der ein bisschen sauer aufstößt: Hautfett von Stirn und Gesicht wird auf den Flächen schnell sichtbar. Fingerabdrücke und Staub lassen sich zwar gut entfernen, das mitgelieferte Putztuch kommt aber regelmäßig zum Einsatz. Küchenpapier oder raue Tücher haben auf den empfindlichen Gläsern nichts verloren.

Der erste Bildeindruck: Wow (aber mit Fußnote)

Dann der Moment der Wahrheit im Asus ROG XREAL R1 Test: Brille auf, Zuspieler dran. Und ja, der virtuelle Bildschirm sorgte bei uns direkt für einen Wow-Moment. Das Bild kann riesig wirken und nimmt einen deutlich stärker ein als jedes Smartphone- oder Laptop-Display. Holt man den Screen sehr nah heran, entsteht fast ein VR-ähnlicher Eindruck. Ein geschlossenes VR-Erlebnis ist es aber nicht – die reale Umgebung bleibt je nach Tönung sichtbar. Die beworbenen 171 Zoll sind dabei eine simulierte Größe bei vier Metern virtuellem Abstand, keine reale Fläche.

Die Prismen-Optiken der ROG XREAL R1 von der Innenseite
Hinter den getönten Gläsern sitzen die beiden Micro-OLED-Optiken.

Schnell zeigte sich: Größer ist nicht automatisch besser. Wird der Bildschirm zu nah herangeholt, lassen sich nicht mehr alle Bereiche bequem gleichzeitig erfassen. Bei Spielen mit Menüleisten, Karten oder Lebensanzeigen am unteren Rand liegen diese Elemente dann teils außerhalb des angenehmen Sichtfelds. Für Filme kann die Nah-Einstellung trotzdem reizvoll sein – es fühlt sich an wie ein Platz in der ersten Kinoreihe. Für Spiele war eine etwas weiter entfernte Einstellung meist die bessere Wahl. Einen allgemeingültigen Sweet Spot gibt es nicht, die angenehmste Konfiguration hängt von Inhalt und Sehgewohnheiten ab.

Unser größter Kritikpunkt am Bildsystem: Das sichtbare Fenster ist uns schlicht etwas zu klein. Gerade bei großen, nah eingestellten Bildern stößt das 57-Grad-Sichtfeld an Grenzen. Man bewegt Kopf oder Blick dann stärker, um alles zu erfassen. Etwas größere Gläser hätten dem Erlebnis gutgetan.

Schärfe, Texte und Farben

Im normalen Gebrauch wirkt das Bild ordentlich scharf, auch die Ecken erschienen überwiegend brauchbar. Eine starke oder dauerhafte Randunschärfe fiel nicht auf. Leichte Unschärfen am Rand kamen je nach Spiel und Szene vor, bei Filmen deutlich seltener. Störende Farbsäume haben wir im Alltag nicht bemerkt.

Bei kleinen Schriften trennt sich die Spreu vom Weizen. Größere Texte und Videoinhalte sind gut lesbar. Kleine Symbole und Schriften wirkten dagegen teils etwas weich. Eingeblendete YouTube-Kommentare waren bei ungünstiger Einstellung zunächst schwer zu entziffern. Die Lösung war der Abstand. Eine simulierte Entfernung von rund drei Metern funktionierte bei der Smartphone-Spiegelung deutlich besser als die Nah-Darstellung. Den Feinvergleich kleiner Windows-Schriften bei 120 und 240 Hertz reichen wir noch nach. Spannend wird das allemal: ASUS selbst räumt ein, dass Text bei 240 Hertz weicher wirken kann.

Richtig stark ist die R1 bei dunklen Inhalten. Als Testszene diente das düstere The Medium auf der Xbox Series X. Zu sehen: ein Baum, ein Schatten auf einem zugefrorenen See, feine Risse im Eis. Der Schatten blieb klar sichtbar, die Risse gingen auch in dunklen Bereichen nicht verloren. Details versinken hier nicht in einer schwarzen Fläche – der Schwarzwert der Micro-OLEDs überzeugt. Farben kamen besonders bei animierten Serien toll zur Geltung: kräftig, satt und auf dem Riesenbild ein echtes Vergnügen.

Elektrochrome Gläser: Abdunkeln auf Knopfdruck

Die R1 funktioniert auch tagsüber im helleren Raum. Direktes Tageslicht am Fenster schwächt die Darstellung sichtbar ab. Der Effekt ist aber deutlich geringer, als man es etwa von einem Beamer kennt. Das Bild bleibt erkennbar und nutzbar, im gedämpften Raum sieht es trotzdem besser aus.

Hier kommen die elektrochromen Gläser ins Spiel. Die drei Tönungsstufen verändern deutlich, wie viel von der Umgebung noch durchscheint. Voll getönt taucht man spürbar tiefer in Film oder Spiel ein, bei niedriger Stufe bleibt der Raum präsent. Das ist praktisch, wenn man nicht komplett von der Außenwelt abgeschnitten sein will.

Das Sahnestück ist die automatische Transparenz im Anchor-Modus. Schaut man vom virtuellen Bild weg, hellen sich die Gläser von selbst auf – nahezu reflexartig. Eine minimale Verzögerung ist erkennbar, fiel im Gebrauch aber nie negativ auf. Die Automatik arbeitete bei unterschiedlichen Blickrichtungen zuverlässig und ohne Aussetzer. Kurz zum Controller schauen, etwas trinken, den Raum checken – das funktioniert erstaunlich natürlich.

Anchor- und Follow-Modus: Der Bildschirm bleibt stehen

Die R1 beherrscht zwei Darstellungsmodi. Im Follow-Modus wandert das Bild mit der Blickrichtung mit, es klebt also immer vor den Augen. Im Anchor-Modus wird der Bildschirm dagegen virtuell im Raum verankert. Dreht man den Kopf, bleibt die Projektionsfläche an ihrer Position – wie ein Fernseher, der an der Wand hängt. Die Berechnung läuft dabei direkt auf dem X1-Chip der Brille, ganz ohne zusätzliche Software.

Und das klappte in unserem Test mit der Asus ROG XREAL R1 richtig gut. Das verankerte Bild blieb stabil an Ort und Stelle. Auch nach zehn, zwanzig oder mehr Minuten fiel keine erkennbare Drift auf. Kleine Kopfbewegungen brachten das Bild nicht zum Zittern. Millimetergenau vermessen haben wir die Position nicht – im praktischen Gebrauch wirkte der Anchor-Modus aber felsenfest. Muss das Bild doch mal neu ausgerichtet werden, hält man die Menü-Taste gedrückt und legt den Mittelpunkt neu fest. Nach kurzer Eingewöhnung geht das schnell und intuitiv von der Hand.

Für Filme zu Hause war Anchor unser klarer Favorit – der Screen steht wie eine Leinwand im Raum. Der Follow-Modus dürfte seine Stärken unterwegs ausspielen, etwa im Zug oder auf dem Beifahrersitz. Ein echter Praxistest auf einer Fahrt steht allerdings noch aus. Erfreulich außerdem: Schwindel, Übelkeit oder Kopfschmerzen traten bei uns zu keinem Zeitpunkt auf. Nur das Absetzen nach langen Sessions fühlte sich kurz ungewohnt an.

Anschluss in der Praxis: Xbox, Smartphone und ein Kabel-Fund

Getestet haben wir hauptsächlich an der Xbox Series X, angebunden über das Control Dock. Zusätzlich hing die Brille direkt per USB-C am Smartphone. Wichtig zu wissen: Für die Direktverbindung muss der USB-C-Port des Zuspielers DisplayPort Alt Mode beherrschen. Ein normaler Ladeanschluss reicht nicht.

Die Smartphone-Verbindung war im Grundsatz Plug-and-play. Beim allerersten Versuch hakte allerdings der Wechsel zwischen Hoch- und Querformat. Nach einmal Ab- und wieder Anstecken funktionierte die automatische Ausrichtung dann sauber. Videos und fertige Inhalte lassen sich über das Smartphone angenehm wiedergeben. Schwieriger ist die Bedienung des Telefons mit aufgesetzter Brille. Ohne den direkten Blick aufs Display fehlt die Orientierung, wo die Finger gerade tippen. Kurze Eingaben klappen, längere Nachrichten machen keinen Spaß.

Beim Kabel gab es eine positive Überraschung. Anders als wir zunächst dachten, ist das USB-C-Kabel nicht fest an der Brille verbaut. Im Betrieb fiel es kaum auf, zog nicht an der Brille und wurde beim Spielen schlicht vergessen. Ob die Länge vom Sofa zum Zuspieler reicht, hängt von der eigenen Aufstellung ab. Beim Smartphone ist das egal, bei der weiter entfernten Konsole will die Sitzposition geplant sein.

USB-Anschluss der Asus ROG XREAL R1 Brille
Das USB-C-Kabel lässt sich komplett entfernen – gut für Transport und Ersatz.

Gaming in 2D: Mittendrin statt davor

Beim klassischen 2D-Gaming spielte die R1 ihre große Stärke aus: Immersion. Ruhigere Rollenspiele wirkten auf der Brille deutlich einnehmender als auf Fernseher oder Monitor. Der virtuelle Screen füllt einen Großteil des Sichtfelds, man wird regelrecht in die Spielwelt gezogen. Das geringe Gewicht hilft dabei, die Brille nach einer Weile zu vergessen. Wer beim Zocken ohnehin Kopfhörer trägt, empfindet die Brille kaum als Mehraufwand.

Auch technisch gab es wenig zu meckern. Bei schnellen Bewegungen beobachteten wir keine deutlichen Schlieren, Bewegungsunschärfe fiel nicht störend auf. Eine spürbare Eingabeverzögerung bemerkten wir ebenfalls nicht – wobei wir keinen Laborvergleich mit Hochgeschwindigkeitskamera angestellt haben. Der Unterschied zwischen 60 und 120 Hertz fiel an der Xbox im normalen Spielbetrieb nicht dramatisch auf. Die vollen 240 Hertz bleiben dem PC vorbehalten, den wir in einem Update nachtesten.

Testaufbau der ROG XREAL R1 mit Xbox Series X, Control Dock und Controller
Unser Setup: Xbox Series X am Control Dock, die Brille hängt per USB-C dran.

Ein Pflichttermin durfte natürlich nicht fehlen: eine Runde League of Legends am PC. Das MOBA ist mit seiner isometrischen Ansicht und den vielen kleinen HUD-Elementen ein Härtetest für die Schriftschwäche der Brille. Minimap, Item-Leiste, Cooldowns – überall kleine Symbole und Zahlen. Mit einem zu nah eingestellten Screen rutschen Minimap und Item-Leiste unangenehm an den Rand des Sichtfelds. Mit etwas mehr simuliertem Abstand ließ sich die Runde dann aber gut spielen. Passenderweise bietet das Dock unter GameVisual sogar einen eigenen MOBA-Modus, den wir für die Runde direkt aktiviert haben. Teamfights blieben auch im Getümmel flüssig, störende Schlieren fielen nicht auf. Für die immersive Feierabend-Runde taugt die Brille damit durchaus. Wer allerdings ernsthaft Ranked spielt, bleibt für maximale Übersicht und Präzision besser am Monitor.

Instant 3D der Asus AR-Brille im Test: Die ROG XREAL R1 liefert von beeindruckend bis unbrauchbar

Instant 3D ist eines der spannendsten Features der R1 – und zugleich das wechselhafteste. Die Funktion wandelt normale 2D-Inhalte in Echtzeit in eine räumliche Darstellung um. Die Software analysiert das Bild und staffelt es in Tiefenebenen. Das läuft technisch bedingt nur mit 30 oder 60 Hertz pro Auge, die 240 Hertz sind hier tabu. Unser Fazit nach etlichen Spielen: Der Effekt kann eindrucksvoll aussehen – oder komplett danebengehen.

Das Negativbeispiel lieferte ausgerechnet The Witcher 3. Um die Spielfigur legte sich ein nebliger, verwaschener Rand, der bei jeder Bewegung deutlich sichtbar war. Das wirkte künstlich und störte massiv. In dieser Form war Instant 3D für uns hier schlicht nicht nutzbar. Auch Halo 3 scheiterte früh: Schon das Menü ruckelte, Untertitel und Schriften zitterten, teils wirkte das ganze Bild unruhig. Diablo IV sah zunächst beeindruckend räumlich aus. In Bewegung mit vielen Gegnern und Effekten wurde es aber schnell anstrengend für die Augen. Für längere Sessions fiel der Modus dort durch.

Diablo IV durch die Linse der ROG XREAL R1 fotografiert, Lebens- und Manakugel sichtbar
Diablo IV durch die Linse fotografiert: Nur eine grobe Annäherung, im Instant-3D-Modus erst beeindruckend, dann doch eher anstrengend.

Dass es auch anders geht, zeigte Fallout: New Vegas. Die Darstellung war nicht fehlerfrei, aber ruhig und brauchbar – das beste unserer Testspiele. Das Muster dahinter: Ruhige Spiele mit klar getrennten Ebenen und wenig Tempo funktionieren tendenziell gut. Schnelle Action, viele Effekte und feine Details wie Haare, Gitter oder kleine Schrift überfordern die Umwandlung. Selbst das Kachelmenü der Xbox wirkte teils leicht fransig. Und der Startbildschirm von Diablo wurde in seinen Ebenen nicht überzeugend erkannt.

Unterm Strich ist Instant 3D ein Feature zum Ausprobieren, keine Dauerlösung. Bei passenden Titeln entsteht ein echter Aha-Moment. Verlassen sollte man sich darauf aber nicht – und die Kaufentscheidung besser nicht daran festmachen. Echte SBS-Inhalte mit nativ getrennten Bildern pro Auge konnten wir mangels passender Software noch nicht prüfen.

ROG Control Dock: Die Schaltzentrale

Das Control Dock GCD01 erweitert die Brille um klassische Anschlüsse: zwei HDMI-2.0-Eingänge, einmal DisplayPort 1.4 und USB-C. Verarbeitet werden Eingangssignale bis 4K bei 60 Hertz. Damit kommen auch PlayStation 5, Xbox und Desktop-PC an die Brille – die Switch sogar über den Umweg ihres Original-Docks. Das Dock selbst ist überraschend leicht und misst rund 22 × 9,5 × 2 cm. Trotz des geringen Gewichts steht es rutschfest auf dem Tisch.

Die Bedienung über den Fünf-Wege-Schalter braucht eine kurze Eingewöhnung, ist danach aber angenehmer als die Tasten an der Brille. Richtig gut gefiel uns der Quellenwechsel: Mit Laptop und Konsole gleichzeitig am Dock klappte das Hin- und Herschalten tadellos. Wer zwischen Feierabend-Zocken und Arbeit pendelt, wird das zu schätzen wissen.

Dazu bringt das Dock die ROG-typischen Bildfunktionen mit. Die acht GameVisual-Modi verändern die Darstellung spürbar. Der Scenery-Modus etwa fällt recht dunkel aus – was je nach Spiel passen kann oder eben nicht. Vieles bleibt Geschmackssache. Night Vision enttäuschte dagegen: Dunkle Bereiche wurden kaum sichtbar besser, der Effekt fiel im Spiel schlicht nicht auf. Bei GamePlus lässt sich unter anderem ein Fadenkreuz fest in der Bildmitte einblenden. In Halo 3 saß das Spiel-Fadenkreuz allerdings zwei bis drei Zentimeter tiefer. Beide Markierungen lagen versetzt übereinander – die Hilfe half nicht. FPS-Zähler und Spielzeit-Timer funktionierten dagegen wie erwartet. Nette Extras für Zahlenfans, mehr nicht.

Sound by Bose: Stark, aber alle hören mit

Beim Klang hat uns Asus mit der der ROG XREAL R1 im Test positiv überrascht. Die in die Bügel integrierten, von Bose abgestimmten Lautsprecher liefern klare Stimmen und kräftige Effekte. Filme, Serien und selbst actionreiche Spiele machen damit ohne Kopfhörer Spaß. Gute Kopfhörer bieten natürlich mehr Druck, Abschirmung und Räumlichkeit – schlecht ist der integrierte Sound deswegen aber nicht.

Der große Haken ist die Schallabgabe nach außen. Eine Person in etwa einem Meter Entfernung hört einen großen Teil des Inhalts mit, Dialoge sind teils nahezu vollständig verständlich. Leise nebenbei schauen, während im selben Raum jemand schläft oder arbeitet, funktioniert so also nicht. Kurios ist der umgekehrte Effekt. Die tragende Person ist akustisch so vertieft, dass Außenstehende sie nicht immer sofort erreichen. Und das, obwohl sie selbst alles mithören. Für echte Privatsphäre führt an Kopfhörern kein Weg vorbei.

Bügel der ROG XREAL R1 mit Sound-by-Bose-Schriftzug und Lautsprecheröffnung an der Oberseite
Von Bose abgestimmt: Die Lautsprecheröffnung sitzt oben im Bügel – eine zweite strahlt an der Unterseite Richtung Ohr ab.

Das Mikrofon macht seine Sache dagegen uneingeschränkt gut. In Discord, Microsoft Teams und im WhatsApp-Call klang die Stimme hell, klar und gut verständlich. Tastaturanschläge, Lüfter und Umgebungsgeräusche wurden nicht störend übertragen. Für Voice-Chat und Calls ist die Brille damit voll tauglich.

Filme, Serien und das Bett-Kino

Neben dem Gaming sind Filme und Serien das naheliegende Einsatzgebiet. Und hier liefert die R1 ihr versprochenes Kinogefühl tatsächlich ab. Besonders animierte Serien sahen mit ihren kräftigen Farben auf dem Riesenbild fantastisch aus. Bei normalen Filmen war die Darstellung angenehm, ein guter Fernseher wirkt bei feinen Details und Schriften aber schärfer. Wer den Screen sehr nah einstellt, bekommt das Gefühl der ersten Kinoreihe. Eindrucksvoll – auf Dauer aber nicht für jeden angenehm.

Ein unterschätzter Trumpf ist das Bett. Der Bildschirm lässt sich einfach an der Decke oder jeder anderen passenden Stelle verankern. Kein verrenkter Hals mehr, kein seitlicher Blick zum Fernseher. Zwei Einschränkungen bleiben: Die Bügel wirken im Liegen etwas sperriger als im Sitzen. Und wegen des nach außen hörbaren Tons braucht es neben einer schlafenden Person zwingend Kopfhörer.

Tragekomfort: Eigengewicht auf Langstrecke

Bleibt die Langstrecken-Frage in unserem Asus ROG XREAL R1 Test: Wie fühlt sich die Brille über mehrere Stunden an? Laut Hersteller wiegt sie 91 Gramm, unsere Waage zeigte 92 Gramm – das eine Gramm verbuchen wir großzügig unter Messtoleranz. Auf dem Kopf fällt das Gewicht ohnehin weniger auf, als die Zahl zunächst vermuten lässt. Kürzere Sessions sind völlig entspannt.

ROG XREAL R1 auf der Küchenwaage mit 92 Gramm
Nachgewogen: 92 Gramm zeigt unsere Waage – ein Gramm mehr als versprochen.

Nach etwa einer Stunde machen sich Nase und Ohren bemerkbar, außerdem können leichte Abdrücke der Nasenauflage entstehen. Interessant war, dass eine zweistündige Gaming-Session körperlich kaum unangenehmer ausfiel als eine Stunde.

Anfangs etwas befremdlich war die Arretierung der Bügel. Als es beim Verstellen zum ersten Mal knackte, dachten wir kurz, wir hätten die Brille beschädigt. Tatsächlich lassen sich die Bügel bewusst in mehreren Positionen einrasten. Sobald man das weiß, wirkt das Geräusch deutlich weniger bedrohlich – und die Verstellung erweist sich als ziemlich hilfreich, um die Brille besser an die eigene Kopfform anzupassen.

Der kritischere Faktor sind die Augen. Nach zwei Stunden Gaming fühlten sie sich angestrengter an als nach einer vergleichbaren Monitor-Session. Beim Film- und Serienschauen fiel die Belastung teils sogar stärker auf. Vermutlich liegt das daran, dass der Blick lange konstant auf derselben Fläche ruht. Die von ASUS empfohlenen zehn Minuten Pause nach 45 bis 60 Minuten halten wir daher für realistisch. Nicht jeder braucht sie exakt nach 45 Minuten, schaden tut sie definitiv nicht.

Dazu wird die Brille im Betrieb warm, spürbar vor allem im oberen Bereich nahe der Augenbrauen. Die Wärme hing bei uns eher von der Betriebsdauer als vom Inhalt ab. An heißen Sommertagen dürfte das schneller unangenehm werden. Den Korrekturglas-Einsatz war auch schnell installiert. Brillenträger sollten die Kosten für angepasste Gläser beim Optiker aber einplanen.

Für wen lohnt sich die Asus ROG XREAL R1?

Die R1 ist etwas für Käufer mit klarem Einsatzprofil. Wer immersiv zocken will, ohne Platz für einen Riesen-TV zu haben, bekommt hier ein cooles Werkzeug. Gleiches gilt für das Heimkino im Bett oder auf dem Sofa. Kopfhörer vorausgesetzt, falls nebenan schon jemand schläft. Auch als Zweitbildschirm-Ersatz auf Reisen ist das Konzept spannend.

Wer dagegen gestochen scharfe kleine Schriften braucht oder empfindliche Augen hat, sollte vor dem Kauf unbedingt probetragen. Gleiches gilt für alle, die vor allem wegen Instant 3D liebäugeln. Und wer einfach nur einen großen Bildschirm will, bekommt für rund 900 Euro schlicht auch einen sehr guten Fernseher oder Monitor. Die R1 kauft man für das Erlebnis, nicht für die Vernunft.

Fazit zum Asus ROG XREAL R1 Test: Coole Technik mit Kompromissen

Die Asus ROG XREAL R1 hat uns im Test oft staunen lassen. Das riesige virtuelle Bild erzeugt eine Immersion, die kein Monitor liefert. Der Schwarzwert der Micro-OLEDs überzeugt, der felsenfeste Anchor-Modus und die reflexartig reagierenden elektrochromen Gläser zeigen, wie ausgereift die Kerntechnik ist. Dazu kommen ein richtig guter Sound, ein tadelloses Mikrofon und ein Dock, das Konsole und Laptop im Handumdrehen verbindet.

Für rund 900 Euro muss man aber Kompromisse akzeptieren. Das Sichtfenster ist uns zu klein und kleine Schriften wirken weich. Nach längeren Sessions melden sich zudem die Augen deutlicher als am Monitor. Die Bedienung an der Brille braucht Geduld, der offene Sound beschallt den halben Raum mit. Und Instant 3D schwankt je nach Spiel zwischen beeindruckend und unbrauchbar. Ein Kaufgrund ist das Feature in diesem Zustand nicht.

Unterm Strich bleibt ein spannendes Stück Technik, das seine Momente hat – und seine Grenzen kennt. Wer die Kompromisse einpreist und das Einsatzszenario mitbringt, wird die R1 lieben. Alle anderen warten vielleicht noch eine Generation.

Silver Award für Asus ROG XREAL R1 - 07/2026Asus ROGXREAL R107/2026

VORTEILE

  • Micro-OLED mit bis zu 240 Hz Bildwiederholrate
  • Elektrochrome Gläser mit drei Tönungsstufen per Knopfdruck
  • Integrierter Bose-Sound und Mikrofone an Bord
  • Anchor-Modus verankert virtuelles Bild im Raum
  • Hochwertige Verarbeitung mit sauberen Spaltmaßen und Scharnieren
  • Anpassbar durch zwei IPD-Varianten und Nasenauflagen

NACHTEILE

  • Hoher Preis von rund 900 Euro
  • Feste IPD-Größen erfordern Vorab-Messung beim Optiker
  • Bedienung anfangs nicht selbsterklärend, Menüs schließen schnell
  • Auffälliges futuristisches Design für öffentliche Nutzung
  • Hautfett und Fingerabdrücke werden schnell sichtbar

Detailbewertung

Bildqualität88
Tragekomfort85
Features & Bedienung83
Audio & Mikrofon90
Ausstattung & Dock92
Preis-Leistungs-Verhältnis85

Fazit

Die ROG XREAL R1 liefert ein beeindruckend großes virtuelles Bild mit starkem Schwarzwert, einem felsenfesten Anchor-Modus und richtig gutem Sound samt Top-Mikrofon – aktuell gibt es kaum eine bessere Gaming-AR-Brille. Kompromisse bleiben trotzdem: Das Sichtfenster ist knapp, die Augen ermüden schneller als am Monitor und Instant 3D schwankt stark. Wer rund 900 Euro investiert, bekommt viel Technik - sollte aber vorher wissen, worauf er sich einlässt.

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