beyerdynamic Aventho Y im Test: ANC-Kopfhörer mit Rekord-Akku und Gaming-Trick

Philipp Briel
Philipp Briel · 10 Min. Lesezeit
beyerdynamic Aventho Y

Mit der Aventho-Reihe bedient beyerdynamic schon länger die jüngere, alltagstauglichere Seite des eigenen Portfolios. Abseits der audiophilen Studio-Kopfhörer, für die die Marke aus Heilbronn eigentlich bekannt ist. Mit dem beyerdynamic Aventho Y, vorgestellt zur IFA 2026 in Berlin, schiebt sich jetzt ein neues, deutlich günstigeres Modell unterhalb der Aventho 300 (Test) ins Portfolio: aktives Noise Cancelling, Bluetooth 6.0, ein austauschbarer Akku für bis zu 90 Stunden Spielzeit und ein optionales Umbau-Kit, das aus dem Alltagskopfhörer bei Bedarf ein waschechtes Gaming-Headset macht. Wir haben uns ein Testmuster in Blue Fusion besorgt und mehrere Wochen lang im Homeoffice, auf Zugfahrten und beim Sport getragen. Im Folgenden erfährst du, wie sich der Aventho Y im Alltag schlägt und für wen sich der Kauf zum Preis von 149 Euro lohnt.

Technische Daten des beyerdynamic Aventho Y

Bauform Geschlossener Over-Ear-Kopfhörer
Treiber 45 mm, dynamisch
Frequenzbereich 20 Hz – 20.000 Hz
Bluetooth-Version 6.0 mit Multipoint-Funktion
Unterstützte Codecs SBC, AAC (kein aptX, kein LDAC)
Reichweite Bis zu 20 Meter
Active Noise Cancelling Ja, 3 Stufen
Transparenzmodus Ja, über Taste oder App aktivierbar
Mikrofone 2 integrierte Mikrofone mit ENC-Rauschunterdrückung
Akku 650 mAh, austauschbar
Akkulaufzeit Bis zu 90 Stunden ohne ANC, ca. 60 Stunden mit ANC
Ladezeit (vollständig) Ca. 1 Stunde über USB-C
Schnellladefunktion 5 Minuten Laden = bis zu 6 Stunden Spielzeit
Kabelloses Laden Nein
Bedienung Schieberegler und ANC-Taste (links), Lautstärke- und Multifunktionstaste (rechts)
Gewicht Ca. 317 Gramm
Material Kunststoff-Ohrmuscheln, verstärkter Kopfbügel, Kunstleder-Polster
Größenverstellung 15 Rasterstufen je Seite, Ohrmuscheln um 180° drehbar, faltbar
App beyerdynamic App
App-Funktionen EQ-Presets, individueller Equalizer, Tastenbelegung, Low-Latency-Modus, Sprachansagen, Firmware-Updates
Optionales Zubehör Gaming-Upgrade-Kit (USB-C-Dongle + Boom-Mikrofon, ab Oktober 2026), Velours-Ohrpolster in Schwarz/Grau
Farben Liquid Black, Peach Blush, Blue Fusion, Soft Jade
Lieferumfang Kopfhörer, USB-C-Kabel, Stofftasche, Schnellstartanleitung, Konformitätserklärung
Preis (UVP) € 149,00 *

Design, Tragekomfort und Verarbeitung

Unser Testmuster des beyerdynamic Aventho Y kam in klassischem Schwarz und schon beim Auspacken fällt auf, dass beyerdynamic hier bewusst eine jüngere, unaufgeregte Formensprache gewählt hat: keine reine Business-Optik, sondern ein Kopfhörer, der auch im Alltag und beim Sport nicht fehl am Platz wirkt. Das Gehäuse besteht größtenteils aus Kunststoff, der Kopfbügel wird aber von Metallstreben verstärkt. In der Hand fühlt sich der Aventho Y dadurch für die Preisklasse von 149 Euro überraschend hochwertig an. Scharfe Kanten, unsaubere Übergänge oder ein Gefühl von Wackelkontakt sind uns in unserem Test nicht aufgefallen.

beyerdynamic Aventho Y

Mit rund 317 Gramm liegt der Aventho Y im für Over-Ear-Kopfhörer üblichen Bereich, und genau das haben wir auch beim Tragen so wahrgenommen: Selbst bei längeren Sessions im Homeoffice oder beim Workout im Fitnessstudio hat der Kopfhörer bei uns nicht gedrückt und ist auch nicht verrutscht. Die Kunstleder-Ohrpolster sitzen magnetisch und lassen sich dadurch bei Bedarf leicht abnehmen und reinigen. Praktisch, wenn nach einer schweißtreibenden Laufrunde mal ein feuchtes Tuch zum Einsatz kommen muss. Etwas dünner ausgefallen ist dagegen die Polsterung des Kopfbands selbst; nach besonders langen Tragesessions über vier Stunden hinweg haben wir hier ein etwas deutlicheres Aufliegegefühl bemerkt als bei dickeren Kopfbandpolstern anderer Modelle. Die Größenverstellung funktioniert über 15 spürbare Rasterstufen pro Seite und ließ sich bei uns zuverlässig und ohne Verrutschen einstellen.

beyerdynamic Aventho Y

Faltbar ist der Aventho Y ebenfalls, zumal sich die Ohrmuscheln auch um 180 Grad drehen lassen und der Kopfhörer so flach in der mitgelieferten Stofftasche verstaut werden kann. Eine feste Hardcase-Schutzhülle, wie sie die teurere Aventho 300 mitbringt, liegt dem Aventho Y nicht bei – für den täglichen Transport in der Tasche reicht der Stoffbeutel aber völlig aus.

Ausstattung: Bluetooth, Reichweite und Bedienung

Bei der Funkverbindung setzt beyerdynamic auf den aktuellen Standard Bluetooth 6.0 mit Multipoint-Unterstützung. Im Test hat das zuverlässig funktioniert: Der Wechsel zwischen Laptop und Smartphone im Homeoffice klappte ohne manuelles Neuverbinden, und auch über die angegebenen 20 Meter Reichweite hinweg – etwa wenn wir das Smartphone in einem anderen Zimmer liegen gelassen haben – blieb die Verbindung überraschend lange stabil, bevor sie schließlich abriss.

Bei den Codecs bleibt der Aventho Y dagegen bewusst schlicht: Unterstützt werden nur SBC und AAC, auf aptX oder den High-Res-Codec LDAC verzichtet beyerdynamic. Für die meisten Alltagsszenarien mit Spotify, Podcasts oder YouTube macht sich das in unserem Test kaum bemerkbar, audiophile Nutzer mit entsprechendem Streaming-Abo werden den Verzicht aber registrieren – ein nachvollziehbarer Kompromiss angesichts des Einstiegspreises.

beyerdynamic Aventho Y
Der Lieferumfang des beyerdynamic Aventho Y

Bedient wird der Aventho Y komplett über physische Tasten statt Touch-Flächen: Ein Schieberegler an der linken Hörmuschel übernimmt Ein-/Ausschalten und Bluetooth-Pairing, direkt daneben sitzt die ANC-Taste. An der rechten Seite finden sich Lautstärke-Plus/-Minus sowie eine Multifunktionstaste für Play/Pause (einmal drücken), nächsten Titel (zweimal), vorherigen Titel (dreimal) und den Sprachassistenten (rund zwei Sekunden gedrückt halten). Im Test hat uns vor allem das satte, gut spürbare haptische Feedback der Tasten gefallen – ein leises Klickgeräusch bestätigt jede Eingabe, sodass wir auch mit Handschuhen oder ohne Blickkontakt zuverlässig die richtige Funktion getroffen haben.

Vom ANC-Kopfhörer zum Gaming-Headset: Das Upgrade-Kit

Das aus unserer Sicht spannendste Detail des Aventho Y versteckt sich nicht im Grundpaket, sondern in einem optionalen Zubehör-Kit: Ab Oktober 2026 will beyerdynamic ein Upgrade anbieten, das aus dem Alltags- und Reise-Kopfhörer bei Bedarf ein waschechtes Gaming-Headset macht. Enthalten sind ein USB-C-Dongle für eine latenzarme 2,4-GHz-Funkverbindung sowie ein anstecktbares Boom-Mikrofon; praktischerweise lässt sich der Dongle direkt in der Ohrmuschel verstauen, wenn er gerade nicht gebraucht wird.

Zum Zeitpunkt unseres Tests war das Kit noch nicht verfügbar, sodass wir die Gaming-Performance mit Dongle und Boom-Mikrofon selbst noch nicht ausprobieren konnten. Auch ein Preis für das Zubehör stand zum Testzeitpunkt noch nicht fest. Die Idee dahinter überzeugt uns aber schon auf dem Papier: Statt einen separaten Gaming-Kopfhörer anzuschaffen, kann derselbe Aventho Y tagsüber als ANC-Alltagskopfhörer und abends per Umbau als Gaming-Headset dienen. Sobald das Kit erhältlich ist, werden wir den Test entsprechend ergänzen.

Akkulaufzeit und Laden

Bei der Akkulaufzeit spielt der Aventho Y klar seine größte Stärke aus. Mit deaktiviertem ANC kamen wir in unserem Test auf eine Spielzeit, die sich nah an der Herstellerangabe von bis zu 90 Stunden bewegte – ein Wert, mit dem klassische ANC-Over-Ears in dieser Preisklasse kaum mithalten können. Mit durchgehend aktiviertem Noise Cancelling reduzierte sich die Laufzeit in unserem Test auf einen Bereich um die 60 Stunden, was ebenfalls den Herstellerangaben entspricht und selbst dann noch für mehrere Arbeitswochen ohne Nachladen reicht.

beyerdynamic Aventho Y

Praktisch für den Alltag ist zudem die Schnellladefunktion: In unserem Test reichten 5 Minuten am USB-C-Anschluss tatsächlich für rund 6 Stunden Musikwiedergabe – ideal, wenn der Akku vor einer spontanen Zugfahrt kurz zur Neige geht. Eine vollständige Ladung von leer bis voll hat bei uns knapp eine Stunde gedauert. Kabelloses Laden bietet der Aventho Y nicht, dafür aber einen austauschbaren 650-mAh-Akku – ein Detail, das wir angesichts der sonst üblichen Wegwerf-Mentalität bei Bluetooth-Kopfhörern ausdrücklich begrüßen, weil es die Lebensdauer des Kopfhörers über die übliche Akku-Alterung hinaus verlängert.

App-Anbindung: beyerdynamic App

Gesteuert und angepasst haben wir den Aventho Y über die beyerdynamic App. Zur Verfügung stehen mehrere vorkonfigurierte EQ-Presets – darunter Aus, Bass, Loudness, Neutral, Sanft und Sprache, sowie ein vollwertiger, individuell einstellbarer Equalizer. Wer möchte, kann eigene Klangkurven erstellen, benennen und dauerhaft speichern; laut App-Angabe sind über 20 eigene Presets möglich, was uns im Test angenehm viel Freiraum für unterschiedliche Musikgenres und Podcasts gegeben hat.

Neben der Klanganpassung lässt sich über die App auch die Multifunktionstaste individuell belegen, der Low-Latency-Modus für Gaming und Videos aktivieren sowie die Sprache der Sprachansagen umstellen. Firmware-Updates liefen bei uns im Testzeitraum einmal automatisiert und ohne Probleme im Hintergrund durch. Insgesamt hat sich die App in unserem Test als praktisch und zuverlässig erwiesen, ohne durch unnötige Untermenüs zu verwirren.

Klangqualität, ANC und Mikrofone

Beim Klang hinterlässt der Aventho Y für seine Preisklasse einen richtig guten Eindruck. Der Bass kommt kräftig und mit ordentlichem Volumen, bleibt dabei aber angenehm präzise und geht bei elektronischer Musik oder Hip-Hop nicht unkontrolliert in die Breite. Bei Rock, Pop und Metal fühlt sich die Abstimmung in unseren Hörsessions regelrecht zuhause: Gitarren und Synthesizer bleiben auch bei höherer Lautstärke klar getrennt, ohne schrill oder harsch zu wirken.

beyerdynamic Aventho Y

Etwas zurückhaltender fällt unser Eindruck bei akustischeren, leiseren Genres wie Klassik oder Singer-Songwriter-Aufnahmen aus. Hier klingt die Musik im direkten Vergleich mit hochauflösenderen Kopfhörern etwas gedrängter und weniger luftig, was sich mit dem gegenüber der Aventho 300 formal engeren Frequenzbereich von 20 Hz bis 20 kHz statt 5 Hz bis 22 kHz deckt. Insgesamt ordnen wir den Klang aber klar über dem ein, was wir in der 150-Euro-Klasse sonst gewohnt sind – der Verzicht auf hochauflösende Codecs wie aptX oder LDAC schmälert diesen positiven Gesamteindruck im Alltag kaum.

Active Noise Cancelling und Transparenzmodus

Bei der Geräuschunterdrückung bewegt sich der Aventho Y erwartbar unterhalb der Referenzklasse von Bose oder Sony, liefert für seine Preisklasse aber eine solide Vorstellung ab. Auf der Zugfahrt hat das ANC-System das monotone Fahrgeräusch spürbar reduziert, ganz ausgeblendet hat es sich aber nicht – wer absolute Stille sucht, etwa im Flugzeug, wird hier an die Grenzen der drei verfügbaren ANC-Stufen stoßen. Ein wahrnehmbares Grundrauschen, wie es bei günstigeren ANC-Kopfhörern gerne mal auftritt, ist uns im Test aber nicht aufgefallen. Wer ohnehin die bestmögliche Geräuschunterdrückung sucht und dafür deutlich mehr ausgeben möchte, findet in unserem Test des Bose QuietComfort (2. Gen) einen direkten Vergleichspunkt.

Umso positiver hat uns der Transparenzmodus überrascht: Umgebungsgeräusche und Gespräche werden über die Mikrofone erstaunlich natürlich und klar wiedergegeben, ohne den blechernen, künstlichen Klang, den wir von manchen Konkurrenzmodellen in dieser Preisklasse kennen. Im Großraumbüro und beim kurzen Gespräch an der Kaffeemaschine, ohne den Kopfhörer extra abnehmen zu müssen, hat uns dieser Modus im Alltag mit am meisten überzeugt.

Mikrofonqualität und Telefonie im Test

Ein echtes Highlight hat sich bei unserem Praxistest bei der Mikrofonqualität gezeigt und das hatten wir angesichts des Preises so nicht erwartet. Bei mehreren Testanrufen, darunter auch einem Gespräch auf einer belebten Straße, bewertete unser Gesprächspartner die Sprachverständlichkeit durchweg als klar und ohne störendes Rauschen oder Hall. Die zwei integrierten Mikrofone mit ENC-Rauschunterdrückung filtern Umgebungsgeräusche zuverlässig heraus, ohne dabei die eigene Stimme unnatürlich klingen zu lassen. Für Videokonferenzen im Homeoffice, aber auch für spontane Anrufe unterwegs, hat uns der Aventho Y in diesem Punkt positiv überrascht.

beyerdynamic Aventho Y Test: Fazit

Der Hersteller zeigt mit dem beyerdynamic Aventho Y, dass ein ANC-Kopfhörer für 149 Euro kein reines Kompromisspaket sein muss. In unserem mehrwöchigen Alltagstest überzeugen vor allem die außergewöhnlich lange Akkulaufzeit von bis zu 90 Stunden, der austauschbare Akku, eine für die Preisklasse überraschend gute Mikrofonqualität und ein wirklich gelungener Transparenzmodus. Dazu kommt mit dem für Oktober angekündigten Gaming-Upgrade-Kit eine clevere Zusatzidee, die den Kopfhörer über den reinen Alltagsgebrauch hinaus interessant macht.

Wer dagegen maximale Geräuschunterdrückung, Unterstützung für High-Res-Codecs oder eine feste Schutzhülle erwartet, wird an mehreren Stellen an die Preisgrenze zur teureren Aventho 300 oder zu Modellen wie dem Bose QuietComfort erinnert. Für alle, die in erster Linie ein rundes Gesamtpaket mit Rekord-Akku und Zukunftsoption zum fairen Preis suchen, bleibt der Aventho Y nach unserer Erfahrung aber eine der überzeugendsten Optionen seiner Preisklasse.

Silver Award für beyerdynamic Aventho Y - 09/2026beyerdynamicAventho Y09/2026

VORTEILE

  • Außergewöhnliche Akkulaufzeit
  • Guter Klang
  • Austauschbarer Akku für eine längere Nutzungsdauer
  • Sehr gute Mikrofone
  • Natürlicher Transparenzmodus
  • Bluetooth 6.0 mit Multipoint
  • Hochwertige Verarbeitung

NACHTEILE

  • Nur SBC und AAC
  • Noise Cancelling nur auf Mittelklasse-Niveau
  • Kopfbandpolsterung etwas dünn
  • Gaming-Upgrade-Kit zum Testzeitpunkt noch nicht verfügbar,

Detailbewertung

Verarbeitung90
Tragekomfort86
Ausstattung87
Soundqualität84
ANC79
Preis-Leistungs-Verhältnis92

Fazit

Der Aventho Y überzeugt mit überragendem Akku, solidem ANC und cleverem Gaming-Umbau-Kit. Für 149 Euro eine klare Empfehlung für Allrounder, die Flexibilität suchen.

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