Bose QuietComfort Kopfhörer (2. Gen.) im Test: Gehobene Mittelklasse mit Ultra-Genen

Philipp Briel
Philipp Briel · 9 Min. Lesezeit
Bose QuietComfort Kopfhörer (2. Gen.)

Sound-Upgrade bei Bose? Nachdem die zweite Generation des Over-Ear-Top-Modells QuietComfort Ultra bereits im vergangenen Jahr in unserem Test fast vollends überzeugen konnte und nur knapp am Platinum-Award vorbeischrammte, schickt der Hersteller nun eine weitere Neuauflage ins Rennen. Die Bose QuietComfort Kopfhörer (2. Gen.) wurden Anfang August 2026 vorgestellt und ordnen sich technisch knapp unterhalb der Ultras ein. Technisch gibt es einige spannende Neuerungen wie TrueSpatial Immersive Audio mit den Modi Still, Motion und Cinema, das bisher exklusiv den QuietComfort Ultra Headphones vorbehalten war und jetzt erstmals auch in der günstigeren Standardreihe landet. Dazu kommen verlustfreies USB-C-Audio, ein überarbeitetes ANC-System, sowie ein dezent aufgefrischtes Design mit neuen Farboptionen. Das Ergebnis des Bose QuietComfort Kopfhörer (2. Gen.) Tests ist ein Bluetooth-Kopfhörer, der vieles richtig macht. Aber eben nicht alles.

Technische Daten

Bauform Geschlossener Over-Ear-Kopfhörer
Bluetooth-Version 5.4 mit Multipoint-Verbindung
Kabelgebundenes Audio USB-C, verlustfrei bis 24 Bit / 48 kHz
Analoger Anschluss USB-C-auf-3,5-mm-Klinke-Kabel im Lieferumfang
Active Noise Cancelling Ja, adaptiv mit verbesserter Dichtungskompensation
Transparenzmodus Aware Mode mit ActiveSense-Schutzfunktion
Immersive Audio TrueSpatial mit Still-, Motion- und Cinema-Modus
Akkulaufzeit Bis zu 24 Stunden (ca. 18 Stunden mit Immersive Audio)
Schnellladefunktion 15 Minuten Laden = ca. 2,5 Stunden Spielzeit
Ladezeit (vollständig) Ca. 3 Stunden über USB-C
Bedienung Physische Tasten an beiden Ohrmuscheln
Gewicht Ca. 230 Gramm
Abmessungen Ca. 23,1 x 18,5 x 4,65 cm
App Bose Music App
App-Funktionen 4 EQ-Presets, manueller 3-Band-Equalizer, Spotify Tap, Google Fast Pair, Firmware-Updates
Farben Schwarz, Smokewhite, Eucalyptus Green, Dewdrop Mint, Rosewood Mauve (limitierte Editionen)
Lieferumfang Kopfhörer, Transportetui, USB-C-Ladekabel, USB-C-auf-Klinke-Kabel
Preis (UVP) € 349,95 *

Design, Tragekomfort und Verarbeitung

Optisch bleibt Bose der bewährten QuietComfort-Formensprache treu: großzügig gepolsterte Ohrmuscheln, ein weich unterfüttertes Kopfband und ein insgesamt eher zurückhaltendes, alltagstaugliches Design. Unser Testmuster kam in klassischem Schwarz, es gibt allerdings auch andere, buntere Optionen. Insgesamt deutlich mehr Auswahl, als wir es von vielen Konkurrenzmodellen gewohnt sind, etwa dem eher zurückhaltend gefärbten Sony WH-1000XM6 (Test), der erst kürzlich mit der sechsten Farboption Olive Grau nachgezogen ist.

Bose QuietComfort Kopfhörer (2. Gen.)

Mit rund 230 Gramm zählt der Bose QuietComfort Kopfhörer (2. Gen.) zu den leichteren Vertretern seiner Klasse und genau das haben wir im Alltag auch so wahrgenommen: Selbst nach mehrstündigem Tragen im Büro oder auf längeren Zugfahrten saßen die Kopfhörer bequem. Allerdings sind die Polster deutlich dünner als bei vielen Konkurrenten, sodass sich hier (je nach Kopfform) durchaus etwas Druck auf die Wangenknochen ergeben kann. In puncto Tragekomfort spielen die Kopfhörer in meinen Augen nicht ganz vorne mit. Da gibt’s bequemere Kopfhörer.

Bose QuietComfort Kopfhörer (2. Gen.)
Das niedrige Gewicht gefällt, aber der Druck fällt hoch aus

Das Kunststoffgehäuse fühlt sich in der Hand etwas leichter und weniger wertig an, als wir es angesichts des Preises von 349,95 Euro erwartet hätten. Hier merkt man den Unterschied zur teureren Ultra-Version, die auf hochwertigere Materialien setzt. Grundsätzlich kann man der Verarbeitung hier nicht ganz so viel ankreiden, ich empfinde aber gerade die Gelenke der frei dreh- und klappbaren Ohrmuscheln als deutlich zu leichtgängig. Diese wackeln doch ziemlich stark nach, was nicht unbedingt für ein sicheres Gefühl sorgt, wenn man die Headphones unterwegs ohne das beiliegende Transportcase nutzt.

Ausstattung: Bluetooth, USB-C-Audio und Anschlüsse

Bei der Funkverbindung setzt Bose auf Bluetooth 5.4 mit Multipoint-Unterstützung, sodass sich der Kopfhörer gleichzeitig mit zwei Geräten koppeln lässt. Im Test hat das zuverlässig funktioniert: Der Wechsel zwischen Laptop und Smartphone im Homeoffice klappte ohne manuelles Neuverbinden, und auch bei einem eingehenden Anruf während einer laufenden Musikwiedergabe am Rechner hat der Kopfhörer sauber umgeschaltet.

Bose QuietComfort Kopfhörer (2. Gen.)

Neu und bemerkenswert ist die Unterstützung für verlustfreies Audio über USB-C mit bis zu 24 Bit und 48 kHz Auflösung. Wer kabelgebunden hören möchte, etwa am Laptop oder an Audiogeräten ohne Bluetooth, bekommt damit potenziell bessere Klangqualität als über die komprimierte Funkverbindung. Für klassische analoge Quellen liegt zusätzlich ein USB-C-auf-3,5-mm-Klinke-Kabel bei, das wir im Flugzeug am Bordunterhaltungssystem ausprobiert haben – hat auf Anhieb funktioniert.

TrueSpatial Immersive Audio: Still, Motion und Cinema

Das auffälligste neue Feature der zweiten Generation versteckt sich nicht im Datenblatt, sondern in der Bose Music App: TrueSpatial Immersive Audio. Die Technologie erzeugt einen räumlichen Klangeindruck und bietet drei unterschiedliche Modi. Still für konzentriertes Musikhören im Sitzen, Motion für Bewegung im Alltag und Cinema für Film- und Videoinhalte mit breiterer, kinoähnlicher Bühne. Bislang war diese Funktion den teureren QuietComfort Ultra Headphones vorbehalten; mit der zweiten Generation der Standardreihe wandert sie erstmals eine Preisklasse tiefer.

Bose QuietComfort Kopfhörer (2. Gen.)

In unserem Test konnten wir den Effekt bei Filmen im Cinema-Modus tatsächlich nachvollziehen – die Bühne wirkt spürbar breiter, Stimmen lösen sich etwas vom Kopf. Bei normaler Musikwiedergabe im Still-Modus fiel der Unterschied für uns dagegen deutlich subtiler aus, teilweise mussten wir mehrfach zwischen ein- und ausgeschaltetem Modus hin- und herschalten, um ihn überhaupt herauszuhören. Für gelegentliche Filmabende ist TrueSpatial ein nettes Extra, als Hauptkaufargument würden wir es aber nicht werten.

Akkulaufzeit und Laden im Test

Bei der Akkulaufzeit bewegt sich der Bose QuietComfort Kopfhörer (2. Gen.) im soliden Mittelfeld seiner Preisklasse. Mit durchgehend aktiviertem ANC kamen wir in unserem Test auf etwas mehr als 23 Stunden Spielzeit, was ziemlich genau der Herstellerangabe von bis zu 24 Stunden entspricht. Mit eingeschaltetem Immersive Audio ist uns der Akku spürbar schneller leer gegangen. Hier kamen wir auf rund 17 bis 18 Stunden, ebenfalls nah an der Herstellerangabe.

Bose QuietComfort Kopfhörer (2. Gen.)
Der Lieferumfang der Bose QuietComfort Kopfhörer (2. Gen.)

Praktisch für den Alltag ist die Schnellladefunktion: In unserem Test reichten 15 Minuten am USB-C-Anschluss tatsächlich für gut zwei Stunden Musikwiedergabe – genug, um vor einer spontanen Zugfahrt oder einem vergessenen Ladevorgang schnell nachzurüsten. Eine vollständige Ladung von leer bis voll hat bei uns knapp drei Stunden gedauert.

App-Anbindung: Bose Music App

Gesteuert und angepasst haben wir den Bose QuietComfort Kopfhörer (2. Gen.) über die Bose Music App. Anders als bei manchen Konkurrenzprodukten setzt Bose hier bewusst auf Einfachheit statt auf eine Flut von Einstellmöglichkeiten: Zur Verfügung stehen vier vorkonfigurierte EQ-Presets sowie ein manueller Equalizer mit drei verstellbaren Parametern (Bässe, Mitten, Höhen). Im Alltag fanden wir das angenehm übersichtlich. Wer aber einen vollwertigen, mehrbandigen Equalizer für die Feinabstimmung erwartet, wird hier zu wenig Auswahl finden.

Abgerundet wird die App durch Spotify Tap für den Schnellzugriff auf zuletzt gehörte Inhalte per Tastendruck sowie Google Fast Pair, mit dem sich die Erstkopplung an unserem Android-Testgerät binnen weniger Sekunden erledigen ließ. Firmware-Updates liefen bei uns im Testzeitraum einmal automatisiert im Hintergrund und ohne Probleme durch.

Soundqualität, ANC und Mikrofone

Beim Klang hinterlässt der QuietComfort (2. Gen) einen insgesamt positiven, aber nicht uneingeschränkt begeisterten Eindruck. Gitarre, Keyboards und Vocals lassen sich klar voneinander trennen, bei elektronischer Musik ist uns aber aufgefallen, dass der Bassbereich teils etwas zu dominant nach vorne tritt und feinere Details im unteren Frequenzbereich dadurch etwas untergehen.

Hier lässt sich glücklicherweise mithilfe des Equalizers etwas gegensteuern. Bei akustischeren Aufnahmen, etwa Singer-Songwriter-Stücken, klingt die Abstimmung dagegen angenehm ausgewogen, ohne dabei klinisch oder steril zu wirken. In meinem Lieblingsgenre, Heavy Metal, fühlen sich die Kopfhörer jedoch durchaus wohl und punkten mit stimmigem Detailgrad und angenehm hochauflösenden Höhen, die nicht zu schrill wirken – selbst auf hohen Lautstärken. Ganz feine Details wie leises Atmen oder das Ausklingen von Anschlägen haben wir im direkten Vergleich mit hochauflösenderen Aufnahmen dennoch vermisst. Das klingt ein Sennheiser Momentum 5 (Test) oder das hauseigene Ultra-Modell von Bose doch noch einmal detailreicher und lebendiger.

Bose QuietComfort Kopfhörer (2. Gen.)

Beim kabelgebundenen, verlustfreien USB-C-Audio ist uns ein hörbarer, aber kein dramatischer Unterschied zur Bluetooth-Wiedergabe aufgefallen: etwas mehr Details und eine leicht vollere Klangbühne, aber keine grundlegend andere Hörerfahrung. Für die meisten Alltagsszenarien reicht die kabellose Nutzung unserer Erfahrung nach völlig aus.

Active Noise Cancelling und Transparenzmodus

Bose gilt seit Jahren als Referenz in Sachen Geräuschunterdrückung und dieser Ruf hat sich in unserem Test bestätigt. Auf der Zugfahrt hat das ANC-System das monotone Fahrgeräusch praktisch vollständig ausgeblendet und auch im Büro sind Tastaturgeklapper, PC-Lüfter und Gespräche am Nachbartisch deutlich in den Hintergrund gerückt.

Bose QuietComfort Kopfhörer (2. Gen.)

Für den umgekehrten Fall, wenn Umgebungsgeräusche bewusst durchgelassen werden sollen, gibt es den Aware Mode als Transparenzmodus. Im Test hat uns vor allem die zusätzliche ActiveSense-Technologie überzeugt, die die Lautstärke der Umgebung überwacht und vor plötzlich auftretenden, sehr lauten Geräuschen schützt. Bei einer vorbeifahrenden Straßenbahn haben wir das direkt spüren können, ohne dass es unangenehm laut wurde.

Mikrofonqualität

Ein klarer Schwachpunkt hat sich bei unserem Praxistest bei der Mikrofonqualität in lauten Umgebungen gezeigt. Bei einem Testanruf auf einer belebten Straße bewertete unser Gesprächspartner die Sprachverständlichkeit nur als mittelmäßig. Zu viele Umgebungs- und Windgeräusche wurden mit übertragen, und die adaptive Geräuschunterdrückung im Mikrofon wirkte während des Gesprächs zeitweise instabil.

Mikrofon-Testaufnahme Bose QuietComfort Kopfhörer (2. Gen.):

Mikrofon-Testaufnahme Sennheiser Momentum 5 Wireless:

Mikrofon-Testaufnahme Sony WH1000-XM6:

In ruhigeren Umgebungen wie unserem Büro oder zu Hause fiel die Sprachqualität dagegen deutlich solider aus. Wer regelmäßig unterwegs oder im Freien häufiger telefoniert, sollte diesen Punkt bei der Kaufentscheidung im Hinterkopf behalten.

Bose QuietComfort Kopfhörer (2. Gen.) Test: Fazit

Bose gibt mit den Bose QuietComfort Kopfhörer (2. Gen.) ein klares Versprechen: erstklassige Geräuschunterdrückung und hoher Tragekomfort, ergänzt um das bislang der Ultra-Serie vorbehaltene TrueSpatial Immersive Audio und das alles zu einem Preis von unter 350 Euro. In unserem Alltagstest hält der Kopfhörer dieses Versprechen größtenteils: ANC und Tragekomfort bleiben auf einem Niveau, das viele Konkurrenten weiterhin nicht erreichen und die Bose Music App bleibt angenehm einsteigerfreundlich.

Wer jedoch höchste Verarbeitungsqualität, eine referenzverdächtige Klangabstimmung oder verlässliche Sprachqualität bei Anrufen im Freien erwartet, wird an mehreren Stellen an die Preisgrenze zur teureren Ultra-Version erinnert. Auch die Einstellungsmöglichkeiten der App bleiben hinter denen der Top-Modelle zurück. Für alle, die in erster Linie Ruhe vor der Umgebung und einen bequemen Sitz suchen, bleibt der Bose QuietComfort Kopfhörer (2. Gen.) nach unserer Erfahrung dennoch eine überzeugende Option in dieser Preisklasse. Wenn auch nicht konkurrenzlos.

Silver Award für Bose QuietComfort (2. Gen.) - 08/2026BoseQuietComfort (2. Gen.)08/2026

VORTEILE

  • Beeindruckendes ANC
  • Sehr guter Klang
  • TrueSpatial Immersive Audio
  • Niedriges Gewicht, hoher Komfort
  • Übersichtliche App
  • Schnellladefunktion

NACHTEILE

  • Kunststoffgehäuse nicht ganz so wertig
  • Akkulaufzeit nur Mittelmaß
  • Klang lässt maximale Details vermissen
  • Mikrofonqualität im Freien
  • Mögliches Druckgefühl durch dünne Polster

Detailbewertung

Verarbeitung81
Tragekomfort86
Ausstattung89
Soundqualität90
ANC92
Preis-Leistungs-Verhältnis86

Fazit

Die Bose QuietComfort Kopfhörer (2. Gen.) überzeugen mit gutem ANC, hohem Tragekomfort und solidem Klang. Das TrueSpatial-Feature ist nett, rechtfertigt aber kaum den Aufpreis zur Vorgängergeneration.

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