Überwachungskameras für den Außenbereich gibt es in allen Preisklassen und Ausführungen – doch die EufyCam S4 von Eufy, einer Tochtermarke des Anker-Konzerns, betritt mit einem völlig anderen Ansatz die Bühne. Statt einer einzigen Linse setzt das Gerät auf ein Dreifachlinsen-System, das eine fest montierte 4K-Weitwinkelkamera mit einem motorisierten PTZ-Modul (Pan-Tilt-Zoom) kombiniert. Das Ergebnis ist eine Kamera, die gleichzeitig den großen Überblick und gestochen scharfe Detailaufnahmen liefert – und dabei dank praktischem Solarpanel fast vollständig energieautark arbeitet. Wir haben die Kamera im Alltag getestet und verraten euch, ob sie ihren zugegeben recht hohen Preis wert ist.
Technische Daten der eufyCam S4
| Modell | Eufy eufyCam S4 (2er-Set) |
| Kameratyp | 3-Linsen-Hybridkamera (1× 4K-Bullet fest + 2× 2K-PTZ motorisiert) |
| Auflösung | 4K (Bullet-Modul), 2K + 8-fach Hybridzoom (PTZ-Modul) |
| Sichtfeld | Bullet: 130° diagonal (107° horizontal / 57° vertikal); PTZ-Weitwinkel: 121° diagonal; Tele: 46° diagonal; PTZ-Schwenkbereich: 360° horizontal / 70° vertikal |
| Zoom & Reichweite | Bis zu 8-fach Hybridzoom, Objekterkennung bis ca. 50 Meter |
| Bewegungserkennung | PIR-Sensor bis 10 m (Bullet), radarbasiert bis 12 m (PTZ) |
| Nachtsicht | Farbnachtsicht per LED-Spotlight, Infrarot, automatischer Mischmodus; Blende f/1,6 |
| KI-Funktionen | Bullet-to-PTZ-Tracking, Personen-/Fahrzeug-/Haustiererkennung, BionicMind-Gesichtserkennung und Multi-Kamera-Tracking (jeweils mit HomeBase S380) |
| Abschreckung | Rot-blaues Warnlicht und 105-dB-Sirene |
| Schutzklasse | IP65 (Regen, Schnee, Staub) |
| Akku | Wechselbarer 10.000-mAh-Akku, alternativ Dauerstrom per USB-C (5 V/3 A, Netzteil separat) |
| Solarpanel | 5,5 Watt, SolarPlus 2.0, laut Hersteller ab 1 Stunde Sonne/Tag ausreichend |
| Speicher | 32 GB intern (eMMC), microSD bis 256 GB, mit HomeBase S380 bis zu 16 TB per externer Festplatte |
| Konnektivität | 2,4-GHz-WLAN, optional HomeBase S380 |
| Gewicht | Kamera ca. 745 g, Solarpanel ca. 308 g, HomeBase ca. 666 g |
| Preis | € 679,00 (€ 226,33 / Stück)* |
Lieferumfang der eufyCam S4
- 2× EufyCam S4 (Kamera)
- 2× Akku (wiederaufladbar, herausnehmbar)
- 2× Kamerahalterung
- 2× Positionierungsaufkleber für die Kamerahalterung
- 2× Schraubensatz für die Kamera
- 2× USB-Ladekabel
- 2× Solarpanel (5,5 W)
- 2× Solarpanel-Halterung
- 2× Positionierungsaufkleber für die Solarpanel-Halterung
- 2× Verlängerungskabel für das Solarpanel
- 2× Schraubensatz für das Solarpanel
- 1× HomeBase S380
- 1× Ethernet-Kabel
- 1× Netzteil (für die HomeBase)
- 1× Reset-Pin inkl. Schraubensatz für die Festplatte
- 1× Schnellstartanleitung
Design und Verarbeitung der eufyCam S4
Wer eine kleine, unauffällige Kamera sucht, muss sich anderweitig umsehen: Die EufyCam S4 fällt durch ihre Größe auf. Das liegt an der Konstruktion selbst, denn das Gehäuse beherbergt zwei separate Kameramodule übereinander und bringt mit dem eingesetzten Akku rund 745 Gramm auf die Waage.
Das obere Modul mit der 4K-Bullet-Linse lässt sich manuell vertikal ausrichten, während das untere PTZ-Modul motorisiert um 360 Grad horizontal und vertikal geschwenkt werden kann.
Das weiße Kunststoffgehäuse ist solide verarbeitet und erfüllt die IP65-Schutzklassifizierung, was Schutz gegen Strahlwasser und Staubablagerungen aus allen Richtungen bedeutet.
Damit eignet sich die Kamera problemlos für den ganzjährigen Außeneinsatz. Egal, ob Regen, Schnee oder Hitze – Witterungseinflüsse stellen kein Problem dar. Vier integrierte LED-Strahler dienen sowohl der Farbnachtsicht als auch als optisches Abschreckungsmittel, ergänzt durch ein rot-blaues Warnlicht und eine 105-Dezibel-Sirene, die bei erkannten Bedrohungen auf Wunsch automatisch auslösen können.
Ein praktisches Detail: Der 10.000-mAh-Akku lässt sich mit wenigen Handgriffen entnehmen und tauschen, was das System erfreulich langlebig macht. In dieser Geräteklasse ist das leider keine Selbstverständlichkeit.
Einrichtung und Inbetriebnahme der eufyCam S4
Die Ersteinrichtung über die Eufy Security App gelingt in wenigen Minuten. Die Kamera lässt sich entweder direkt per WLAN mit dem Router verbinden oder mit einer HomeBase S380 (Test | € 137,82 *) koppeln, falls bereits eine vorhanden ist oder man zum Bundle greift. Eufy stellte uns das Bundle mit zwei Kameras und der S380 zur Verfügung. Ein integriertes Onboarding-Tutorial führt Schritt für Schritt durch die Installation, ohne Vorkenntnisse vorauszusetzen.
Auch die Sprachausgabe der Basisstation unterstützt dabei. Die Montage selbst ist unkompliziert und lässt sich mit wenigen Schrauben sowie optional den beiliegenden Dübeln erledigen, das Solarpanel rastet nach dem Ausrichten sicher ein. Hier habt ihr die Wahl zwischen einer Montage an der Kamera selbst oder der Befestigung an einer eigenständigen Halterung. Letzteres ist das ratsam, wenn der Kameraplatz eher schattig ist. Dann sollte man das Panel nämlich an einem sonnigen Ort platzieren. Ein ausreichend langes Verlängerungskabel liegt dem Lieferumfang bei.
Wichtig zu wissen: Die umfangreichen KI-Features bekommt ihr nur mit passender Homebase. Wer bereits eine ältere HomeBase S380 besitzt, sollte vorher auf Firmware-Version V3.7.2.8 oder neuer sowie die aktuelle App-Version aktualisieren. Andernfalls stehen dem Nutzer essentielle Funktionen wie die 24/7-Aufzeichnung und Snapshots nicht zur Verfügung. Ältere Basisstationen wie HomeBase 2, HomeBase Mini oder HomeBase Professional sowie Apple HomeKit werden von der EufyCam S4 wiederum nicht unterstützt.
App und Bedienung
In der App lassen sich voreingestellte Kamerapositionen hinterlegen, Aktivitätszonen definieren und Datenschutzbereiche einrichten, in denen keine Aufnahmen stattfinden; auch während der motorisierten PTZ-Bewegung bleiben solche Zonen zuverlässig maskiert. Das ist keine Selbstverständlichkeit und sorgt für Komfort, da man so die Zonen nicht jedes Mal neu definieren muss. Auch die Empfindlichkeit der Bewegungserkennung ist anpassbar. Diese Vielzahl an Optionen hat aber auch eine Kehrseite.
So kann die App mit ihrem großen Funktionsumfang insbesondere für Neulinge etwas unübersichtlich wirken. Nach etwas Eingewöhnung werden aber auch Anfänger wissen, wie man die eufyCam S4 richtig einstellt. Die App läuft insgesamt meistens stabil. Nur gelegentlich luden einzelne Menüs etwas träge. Auch beim Aufbau der Live-Verbindung kam es vereinzelt zu kurzen Verzögerungen. Ist die Verbindung hergestellt, läuft aber alles wunderbar flüssig. Auch die Anpassung der PTZ-Ausrichtung wird von App schnell auf Kamera übertragen.
Tracking und KI-Funktionen
Das intelligenteste Feature der EufyCam S4 ist das sogenannte Bullet-to-PTZ-Tracking: Erkennt die feststehende Bullet-Kamera eine Bewegung, übernimmt automatisch die PTZ-Kamera, zoomt auf das Ziel heran und verfolgt es – auch dann noch, wenn es das Sichtfeld der Bullet-Kamera verlässt.
Befinden sich mehrere Personen gleichzeitig im Bild, zoomt das System automatisch so heraus, dass alle erfasst werden. Das funktioniert im Alltag zuverlässig und liefert innerhalb weniger Sekunden eine Push-Benachrichtigung auf das Smartphone. In Kombination mit der HomeBase 3 beziehungsweise der HomeBase S380 erweitert sich der Funktionsumfang erheblich.
Die als BionicMind bezeichnete KI verarbeitet Aufnahmen aller angeschlossenen Kameras lokal und unterscheidet dabei nicht nur zwischen Personen, Fahrzeugen und Haustieren. Auch lassen sich hier bis zu 50 bekannte Gesichter speichern, um Familienmitglieder von Fremden zu unterscheiden und Fehlalarme zu reduzieren.
Das kameraübergreifende Multi-Kamera-Tracking fasst die Aufnahmen mehrerer EufyCam-S4-Einheiten zu einer einzigen zusammenhängenden Video-Sequenz zusammen. Diese erweiterten Funktionen erfordern jedoch eine HomeBase S380 mit aktueller Firmware. Wer noch einen Schritt weitergehen möchte, kann sich zudem den eufy S4 Max anschauen, die das Tracking-Konzept auf ein nochmals höheres Niveau hebt.
Bildqualität und Nachtsicht
Im Praxisbetrieb überzeugt die EufyCam S4 größtenteils. Die 4K-Aufnahmen der Bullet-Kamera liefern tagsüber scharfe Bilder mit natürlichen Farben und vielen Details – selbst unter schwierigem Gegenlicht bleibt das Bild ausgewogen. Auch der starke Zoom des PTZ-Moduls bringt noch brauchbare Ergebnisse und macht auch aus größerer Entfernung verwertbare Detailaufnahmen möglich.
Allerdings können die Aufnahmen in der Live-Vorschau mitunter besser aussehen als in den aufgezeichneten Videos. Das liegt offenbar daran, dass die Videos beim Speichervorgang intern leicht komprimiert werden. Da das aber nur beim ganz genauen Hinsehen auffällt, soll das nicht allzu schwer ins Gewicht fallen.
Wer aber die volle 4K-Pracht genießen will, bekommt davon in der Live-Ansicht mehr geboten. Bei der Nachtleistung bietet die EufyCam S4 drei Modi.
Per Farbnachtsicht über die integrierten LED-Strahler entstehen auch bei Dunkelheit farbige Aufnahmen, ergänzend steht klassische Infrarot-Nachtsicht in Schwarzweiß zur Verfügung sowie ein automatischer Mischmodus. Die Blende von f/1,6 sorgt dafür, dass die Kamera auch ohne aktive Beleuchtung vergleichsweise lichtstark bleibt.
Eine externe Farbnachtsicht ganz ohne aktives Aufleuchten der LEDs, wie sie das Vorgängermodell EufyCam S3 Pro bot, gibt es bei der S4 nicht mehr; die Strahler machen den Standort der Kamera im Gegenzug aber auch sichtbar, was zusätzlich abschreckend wirkt.
Speicheroptionen
Beim Thema Speicher bietet die EufyCam S4 außergewöhnliche Flexibilität: Aufnahmen lassen sich direkt im 32-GB-Flashspeicher der Kamera ablegen, auf einer microSD-Karte mit bis zu 256 GB, lokal auf der HomeBase S380 mit ihren integrierten 16 GB, per RTSP-Stream auf einem eigenen NAS-Server im Heimnetzwerk oder – wer möchte – optional in der eufy-Cloud per Abo.
Wer die HomeBase S380 um eine externe Festplatte erweitert, kommt sogar auf bis zu 16 TB nutzbaren Speicher, was laut Hersteller Aufnahmen von zahlreichen Kameras über mehrere Jahre hinweg ermöglicht. Eine echte 24/7-Dauervideoaufzeichnung ist im reinen Akku- oder Solarbetrieb allerdings nicht vorgesehen.
Dafür braucht die Kamera zusätzlich eine feste Stromversorgung per USB-C, was allerdings nur Power-User interessieren dürfte. Die vielfältigen Speichermöglichkeiten machen die Kamera besonders für datenschutzbewusste Nutzer attraktiv, die Cloud-Dienste grundsätzlich meiden möchten.
Akkulaufzeit und Solarpanel
Zur Akkulaufzeit lassen sich nur schwer pauschale Aussagen treffen, da sie stark von der Aktivität und den erkannten Ereignissen abhängt. Mit angeschlossenem Solarpanel dürfte die Kamera problemlos über mehrere Monate ohne Nachladen durchhalten – Vorausgesetzt die Sonne lässt sich ab und zu mal blicken.
Das mitgelieferte 5,5-Watt-Panel mit SolarPlus-2.0-Technologie soll laut Hersteller nämlich bereits ab einer Stunde direkter Sonneneinstrahlung pro Tag für einen ausgeglichenen Energiehaushalt sorgen; für optimale Ladeleistung empfiehlt sich eine Ausrichtung zur Sonnenseite mit einem Neigungswinkel von etwa 30 bis 45 Grad.
Audio
Auch in Sachen Audio hinterlässt die EufyCam S4 einen positiven Eindruck. Der eingebaute Lautsprecher gibt Sprachnachrichten klar und laut verständlich wieder und das Mikrofon gibt die eigene Stimme ebenso deutlich in die entgegengesetzte Richtung. Möglich wird dies nicht nur durch gute Hardware, sondern die Unterstützung durch eine KI-Rauschunterdrückung. Diese filtert Hintergrundgeräusche auch bei Wind spürbar. Egal, ob Gegensprechfunktion oder Sirene zur Abschreckung – beides funktionierte im Test wirklich gut.
Fazit
Die EufyCam S4 ist eine der vielseitigsten und technisch ausgereiftesten Outdoor-Überwachungskameras auf dem Markt. Das Dreifachlinsen-System mit intelligentem PTZ-Tracking, die tolle Bildqualität bei Tag und Nacht, die weitgehende Energieautarkie über Solarpanel sowie der kompromisslose Datenschutzansatz mit lokalem Speicher bis 16 TB machen sie zu einer zukunftssicheren Investition.
Kleinere Schwächen wie die gelegentlich überladen wirkende App und die leicht komprimierten Aufnahmen relativieren den insgesamt starken Eindruck nur geringfügig. Wer aber bereit ist, den gehobenen Preis für die EufyCam S4 zu akzeptieren und die maximale Abdeckung mit einem einzigen Gerät anstrebt, findet hier eine kaum zu übertreffende Lösung.
VORTEILE
- Dreifachlinsen-System mit 4K-Weitwinkel und motorisiertem PTZ
- Energieautark dank 5,5-Watt-Solarpanel ab 1h Sonne
- Wechselbarer 10.000-mAh-Akku für längere Lebensdauer
- IP65-zertifiziert gegen Regen, Schnee und Staub
- KI-gestütztes Tracking mit Gesichtserkennung über HomeBase S380
- Datenschutzzonen bleiben auch bei PTZ-Bewegung zuverlässig maskiert
NACHTEILE
- Hoher Preis für das Gesamtsystem
- HomeBase S380 für KI-Features zwingend erforderlich
Fazit
Die EufyCam S4 überzeugt mit innovativem Triple-Linsen-System und exzellenter KI-gestützter Überwachung. Preis ist hoch, aber durch Energieautarkie und Flexibilität gerechtfertigt.



