Huawei weiß mit den FreeClip 2 einen der aktuell besten Open-Ear-Kopfhörer im eigenen Portfolio. Bereits zu Beginn des Jahres 2026 konnte die zweite Generation der stylischen Ohrhörer in unserem Test überzeugen. Jetzt, rund ein halbes Jahr später, legt der Hersteller nach und präsentiert mit den Huawei FreeClip 2 S einen Nachfolger, der nicht nur am Design schraubt, sondern auch klanglich nochmal eine Schippe drauflegt. Mehr dazu verrät unser Huawei FreeClip 2 S Test.
Technische Daten der Huawei FreeClip 2 S
| Produkt | FreeClip 2 S |
| Bluetooth-Version | 5.3 |
| Bluetooth-Codecs | SBC, AAC, L2HC und LC3 |
| Maximaler Betriebsbereich | 12m (ohne Hindernis) |
| Akkulaufzeit | Bis zu 9 Std., insgesamt 38 Std. mit Ladeetui; (variiert je nach Lautstärkepegel und Audioinhalt) |
| Ladezeit | 1,5 Std. (für Ladeetui via USB-C) |
| Größe Ladeetui (H x B x T) | 37,4 mm x 48,6 mm x 48,9 mm |
| Gewicht | 5,1 g pro Earbud; 39,4 g Ladeetui & Ohrhörer |
| Wichtigste Funktionen | Trageerkennung; Multipoint; IP57; Smart Wear Detection; Adaptive Audio |
| Preis | UVP: 229,00 Euro |
FreeClip 2 S Test: Design und Verarbeitung
Schon beim Auspacken merkt man, dass die FreeClip 2 S die optisch ambitionierteste Auflage der Reihe ist. Während die reguläre FreeClip 2 auf ein eckiges, sehr cleanes Ladeetui setzt, kommt die S-Variante mit einem auffallend runden, fast kugelförmigen Case daher, das Huawei als „Luminous Charging Case“ bewirbt. Die NCVM-Beschichtung sorgt für einen schimmernden Look in Form eines kleinen Schmuckkästchens und tatsächlich fühlt sich das Öffnen jedes Mal ein wenig wie das Aufklappen einer Schmuckdose an. In den Farben Metallic Blue und Silver wirkt das Ganze edel und schließt sich satt und präzise, hier merkt man die über 100 Fertigungsschritte, die Huawei ins Finish gesteckt hat.
Die eigentlichen Ohrhörer setzen weiterhin auf das bewährte Dreigespann aus Acoustic Ball (vorne im Ohr) und Comfort Bean (hinter dem Ohr), verbunden über die „Airy C-bridge“. Diese Brücke besteht aus hautfreundlichem flüssigem Silikon und soll laut Hersteller rund 25 Prozent weicher als bei der ersten FreeClip-Generation sein. Im Tragetest macht sich das bemerkbar: Mit etwa 5,1 Gramm pro Earbud zählen die FreeClip 2 S zu den leichtesten Open-Ears am Markt und nach mehreren Stunden vergisst man schlicht, dass man sie überhaupt trägt.
Der Sitz ist trotzdem fest genug, dass beim Joggen oder schnellem Kopfnicken nichts verrutscht, ein Spagat, den nicht viele Open-Ear-Modelle so gut hinbekommen. Die Verarbeitung ist tadellos, und da es kein dediziertes linkes oder rechtes Ohrstück gibt, ist es egal, welcher Bud in welches Ohr wandert. Wie Clip-on-Konzepte gegenüber Bügelmodellen abschneiden, zeigt etwa der Vergleich mit den soundcore AeroFit 2 Pro (unser Test).
Ausstattung der Huawei FreeClip 2 S
Bei der Ausstattung lassen die FreeClip 2 S kaum Wünsche offen. Mit an Bord ist Multipoint zur gleichzeitigen Verbindung mit zwei Geräten, ergänzt um eine Cross-OS-Connection, die auch zwischen iOS, Android und Windows funktioniert. Wer im Huawei-Ökosystem unterwegs ist, kann sogar zwischen mehr als zwei Geräten wechseln. Für die Wiedergabe steht der hochauflösende L2HC-Codec bereit, der sich klanglich positiv bemerkbar macht.
Das Herzstück bildet erneut der 10,8 mm große Dual-Diaphragm-Treiber, der zwei Membranen separat ansteuert und so für mehr Pegel und kräftigere Bässe sorgt. Dazu gesellt sich Unlimited Spatial Audio mit Head-Tracking über einen Sechs-Achsen-Bewegungssensor, das per OTA-Update aktiviert wird und plattformübergreifend auf iOS wie Android läuft. Neu ist außerdem das Adaptive-Audio-Feature, das die Lautstärke automatisch an die Umgebung anpasst und sich in drei Empfindlichkeitsstufen feinjustieren lässt.
Die IP57-Zertifizierung schützt zuverlässig vor Schweiß und Wasserspritzern, sodass man die Ohrhörer problemlos feucht abwischen kann. Eine aktive Geräuschunterdrückung (ANC) gibt es bauartbedingt nicht, was bei einem Open-Ear-Konzept aber zu erwarten ist. Wer dagegen klassische Kraftpakete sucht, wird eher bei TWS-In-Ear-Kopfhörern fündig.
Zuverlässige Touch-Bedienung
Die Steuerung erfolgt über Berührungs- und Bewegungsgesten und arbeitet im Test absolut zuverlässig. Doppel- und Dreifach-Tipper lassen sich überall am Ohrhörer auslösen, egal ob am Acoustic Ball, an der C-bridge oder an der Comfort Bean. Standardmäßig steuern Doppeltipper Wiedergabe und Anrufe, Dreifachtipper springen zum nächsten Titel und alles lässt sich in der App umbelegen.
Besonders praktisch ist die Swipe-Geste an der Comfort Bean, mit der sich per Wischen die Lautstärke regeln lässt, etwas, das bei der allerersten FreeClip noch komplett fehlte. Dazu kommen Kopfgesten: Nicken nimmt Anrufe an, Kopfschütteln lehnt sie ab. Das funktioniert flott und treffsicher. Ein echtes Novum gegenüber der regulären FreeClip 2 ist außerdem die physische Taste im Inneren des Ladecases: Zwei Sekunden halten startet das Pairing, zehn Sekunden setzen die Kopfhörer auf Werkseinstellungen zurück. Ein kleines, aber durchdachtes Detail, das das Koppeln spürbar erleichtert.
Akkulaufzeit: Unverändert stark
In Sachen Ausdauer gehören die FreeClip 2 S zu den Dauerläufern ihrer Klasse. Huawei gibt bis zu 9 Stunden reine Wiedergabezeit an, und im Zusammenspiel mit dem Ladecase summiert sich das auf rund 38 Stunden, ein starker Wert, der im Alltag locker durch eine ganze Woche moderater Nutzung trägt. Damit liegt die S-Variante exakt auf Augenhöhe mit der regulären FreeClip 2 und ein gutes Stück vor der ersten Generation, die noch bei 8 bzw. 36 Stunden lag.
Die Schnellladefunktion macht die Earbuds in nur 10 Minuten im Case für etwa drei Stunden Wiedergabe fit, ideal, wenn man kurz vor dem Losgehen merkt, dass die Buds leer sind. Mit 60 mAh pro Earbud und 537 mAh im Case bietet das Case zudem genügend Reserven für mehrere komplette Ladezyklen.
App-Anbindung per Audio Connect
Als Begleit-App dient Huawei Audio Connect, verfügbar für iOS ab 13.0 und Android ab 8.0. Die App erkennt die FreeClip 2 S sofort und präsentiert sich aufgeräumt und übersichtlich. Hier lassen sich Gesten umbelegen, der Klang über Equalizer-Presets oder eigene Einstellungen anpassen und Funktionen wie Adaptive Audio mitsamt der drei Empfindlichkeitsstufen aktivieren.
Praktisch ist auch der „Find earbuds“-Modus, der die Ohrhörer per Klingelton orten lässt, sowie Schalter für Komfortfunktionen rund um die Wiedergabe. Adaptive Audio entfaltet hier seinen Reiz: Wer von einer ruhigen Wohnung in eine volle U-Bahn wechselt, profitiert davon, dass die Lautstärke automatisch nachzieht, ohne dass man zum Smartphone greifen muss. Das normalisiert nebenbei auch die teils stark schwankenden Pegel verschiedener Apps und Videos.
Audio- und Mikrofonqualität
Klanglich knüpfen die FreeClip 2 S nahtlos an die sehr guten Eindrücke der regulären FreeClip 2 an, was wenig überrascht, denn im Inneren arbeitet derselbe 10,8 mm große Dual-Diaphragm-Treiber. Dieser steuert zwei Membranen über einen integrierten Doppel-Magnetkreis an, was die klassische Schwachstelle vieler Open-Ear-Kopfhörer, nämlich „zu leise, zu wenig Bass“, gezielt angeht.
In der Praxis macht sich das deutlich bemerkbar: Die FreeClip 2 S liefern einen vollen, lebendigen Sound, der für ein offenes Konzept beeindruckend laut wird. Huawei spricht von einer gegenüber der ersten Generation verdoppelten Lautstärke und Tieftonleistung und tatsächlich erreicht die Wiedergabe eine Qualiät, die die der FreeClip 2 noch einmal überragt. Und schon ziemlich laut wird – zu laut für manche, würde ich mal meinen. Wer die Lautstärke etwas zügelt, genießt dafür einen Klang, der sich angenehm entfalten kann.
Besonders erfreulich ist die Bassdarstellung. Für ein Open-Ear-Modell, das den Gehörgang bewusst freilässt, fällt das Fundament erstaunlich kräftig, dynamisch und konturiert aus. Beats und Drumkicks bekommen spürbar Druck, sodass auch Hörer von Hip-Hop, elektronischer Musik oder basslastigen Pop-Produktionen auf ihre Kosten kommen. Naturgemäß erreicht der Tiefton dabei nicht das Niveau geschlossener In-Ear-Kopfhörer, die den Gehörgang abdichten und so deutlich mehr Energie im Ohr halten, aber innerhalb der Open-Ear-Klasse spielen die FreeClip 2 S klar in der oberen Liga. Der Übergang zwischen tiefen und hohen Frequenzen wirkt dabei flüssig und natürlich, und das Klangbild gewinnt insgesamt an Räumlichkeit und Tiefe.
Den größten Vorteil der offenen Bauweise spürt man bei der Luftigkeit: Der Sound steht angenehm weit und frei im Raum, ohne dass sich etwas eingeengt anfühlt, ein Charakter, den geschlossene Hörer so kaum bieten können. Im Gegenzug zeigen sich aber auch die typischen Grenzen des Konzepts. Positiv fällt auf, dass Huawei die von mir bei den FreeClip 2 noch bemängelten Schärfen in Stimmen und S-Lauten mit den Huawei Free Clip 2 S deutlich abgemildert hat. Der Klang ist nun runder, angenehmer und weniger ermüdend.
Was man bauartbedingt bei Open-Ear-Kopfhörern natürlich wissen muss: Der absolute Detailgrad bleibt hörbar hinter sehr guten In-Ears zurück, feine Nuancen und Mikrodynamik gehen in der offenen Wiedergabe etwas unter. Angenehm überrascht das neue Adaptive-Audio-Feature, das im Klanggeschehen eine spürbare Rolle spielt. Statt manuell nachregeln zu müssen, passen die Ohrhörer ihre Lautstärke intelligent an den Umgebungslärm an und normalisieren zugleich die oft stark schwankenden Pegel verschiedener Apps und Videos.
Wer von ruhiger Umgebung in eine volle U-Bahn wechselt, profitiert davon, dass die Musik klar bleibt, ohne dass man später beim Verlassen der lauten Zone von der eigenen Lautstärke überrascht wird. Optional sorgt Unlimited Spatial Audio mit Head-Tracking für eine zusätzliche räumliche Dimension, die sich vor allem bei Filmen und Mehrkanal-Inhalten lohnt, bei denen der Ton der Kopfbewegung folgt.
Huawei FreeClip 2 S mit sehr guten Mikrofonen
Bei den Mikrofonen setzen die FreeClip 2 S auf ein 3-Mic-System aus zwei Mikrofonen und einem VPU-Knochenschallmikrofon, das die Stimme direkt über die Schwingungen am Ohr erfasst und so weniger anfällig für Umgebungsgeräusche ist. Unterstützt wird das Ganze von einem mehrkanaligen DNN-Algorithmus und der leistungsstarken NPU, die Sprachanteile in Echtzeit von Störgeräuschen trennen. In der Praxis überzeugt das mit klarer, gut verständlicher Sprachwiedergabe, und zwar in beide Richtungen: Sowohl die eigene Stimme als auch die des Gegenübers werden sauber und detailliert übertragen. Selbst in lauteren Umgebungen wie an der Straße, im Café oder in der Bahn bleibt man gut verständlich, da der Algorithmus Umgebungslärm zuverlässig herausfiltert.
Mikrofon-Testaufnahme Huawei FreeClip 2 S:
Mikrofon-Testaufnahme Huawei FreeClip 2:
Mikrofon-Testaufnahme Huawei FreeClip (1):
Bei sehr maximaler Lautstärke greift zudem eine adaptive Sprachverstärkung, die Gespräche auch dann intelligibel hält, wenn es ringsum besonders laut wird. An die Aufnahmequalität der teuersten Premium-In-Ears reicht das System nicht ganz heran, feinste Sprachdetails wirken eine Spur weniger natürlich, doch für Telefonate und Videocalls unterwegs ist die Leistung mehr als solide und gehört zum Besten, was man in dieser Geräteklasse erwarten kann.
Huawei FreeClip 2 S Test: Fazit
Die Huawei FreeClip 2 S sind im Kern die FreeClip 2 in einem edleren Gewand: gleicher Treiber, gleiche Akkuwerte, gleiche starke Mikrofone, aber mit dem auffälligen Luminous-Ladecase und den Farben Metallic Blue und Silver. Wer Wert auf maximale Optik legt und die Kopfhörer fast wie ein Schmuckstück versteht, bekommt hier die stilvollste Variante der Reihe.
Funktional hebt Huawei bei der Neuauflage aber den ohnehin schon überzeugenden Klang nochmal auf ein ganz neues Niveau und merzt einen der für mich größten Kritikpunkte des Quasi-Vorgängers aus. Namentlich die etwas scharfen Stimmen und S-Laute bei hohen Lautstärken. Das allein macht die FreeClip 2 S schon zur besseren und interessanteren Wahl. Insgesamt bleiben es hervorragende Open-Ear-Kopfhörer mit exzellentem Tragekomfort, starker Ausdauer und sattem Klang, der sich kaum nennenswerte Kritikpunkte leistet.
VORTEILE
- Edles Luminous-Design
- Hochwertiges Ladecase
- Exzellente Verarbeitung
- Überzeugender Tragekomfort
- Sehr starke Akkulaufzeit
- Kräftiger, lebendiger Klang
- Tadellose, zuverlässige Bedienung
NACHTEILE
- Klang nicht ganz so detailliert wie bei In-Ears
- Kein ANC (bauartbedingt)
Fazit
Die Huawei FreeClip 2 S sind eine genlungene Neuauflage der FreeClip 2, setzen sich aber mit edlem Luminous-Design und verbessertem Klang. Das macht sie zu einem der besten und schönsten Open-Ear-Kopfhörer 2026.