Insta360 Luna Ultra im Test: Dual-Kamera-Gimbal fordert DJI heraus

Philipp Briel
Philipp Briel · 11 Min. Lesezeit
Insta360 Luna Ultra

Jahrelang war die Sache klar: Wer eine kompakte Gimbal-Kamera fürs Vlogging suchte, kam an DJIs Osmo-Pocket-Serie nicht vorbei. Mit der Ende Juni vorgestellten Insta360 Luna Ultra betritt nun erstmals ein ernstzunehmender Herausforderer die Bühne – und zwar mit Ansagen. Zwei Leica-Objektive mit eigenen Sensoren, 8K-Video, ein abnehmbarer Touchscreen als Fernbedienung und ein Log-Farbprofil, das erste seiner Art bei Insta360. Auf dem Papier liest sich das wie die Wunschliste jedes Solo-Creators. Ich habe mir angeschaut, wie sich die Luna Ultra im Alltag schlägt, wo sie die Osmo Pocket 4 (Test) hinter sich lässt und wo Insta360 dem Neuling noch die eine oder andere Kinderkrankheit mitgegeben hat. Eines vorweg: Die Luna Ultra ist Insta360s erster Anlauf in dieser Geräteklasse. Und für ein Erstlingswerk ist sie erstaunlich reif. Perfekt ist sie aber nicht – und günstig schon gar nicht.

Technische Daten der Insta360 Luna Ultra

Produkt: Luna Ultra
Abmessungen: 169,9 mm x 52,4 mm x 38,5 mm
Gewicht: 233 g (Schwarz) / 235 g (Weiß)
Objektive: 20 mm f/1.8 (Weitwinkel) & 60 mm f/2.0 (Tele), Leica Summicron
Sensoren: 1 Zoll (Weitwinkel) & 1/1.3 Zoll (Tele)
Video-Modi: 8K (16:9): 7680×4320@24/25/30fps · 4K (16:9): bis 120fps · 1080p: bis 240fps
Zeitlupe: 4K@100/120fps · 1080p@200/240fps
PureVideo (Lowlight): 4K bis 60fps (ohne I-Log)
Farbprofil: I-Log (10 Bit, Rec.2020), Dolby Vision, bis zu 14 Blendenstufen
Videoformat: MP4 (H.265), bis 120 Mbit/s
Fotoauflösung: 9 MP (JPG + RAW/DNG) · 37 MP im UltraPhoto-Modus · Panorama
Display: 2 Zoll OLED, abnehmbar; 564 × 318 Pixel; 1.000 Nits
Speicher: 47 GB intern
Speichererweiterung: microSD (bis 1 TB)
Akku: 1.550 mAh (Kamera) + 210 mAh (Display-Modul); bis zu 240 Min. (1080p)
Laden: 0 auf 80 % in ca. 23 Min. (15 V / 3 A USB-C PD)
Konnektivität: USB-C, Wi-Fi, Bluetooth
Audio: 4-Mikrofon-Array, Windschutz, 32-Bit-Float & 24 Bit
Wasserdicht: Nein
Preis: € 929,00 *

Insta360 Luna Ultra im Test: Design und Verarbeitung

Der erste Eindruck ist vertraut. Die Insta360 Luna Ultra folgt der stiftförmigen Bauweise, die DJI mit der Osmo-Pocket-Serie etabliert hat: oben der Kamerakopf auf einem Drei-Achsen-Gimbal, darunter der griffige Handteil mit Touchscreen. Wer schon einmal eine Pocket in der Hand hatte, findet sich sofort zurecht.

Insta360 Luna Ultra

Ganz identisch ist das Ganze aber nicht, und das liegt vor allem an der Größe. Mit 169,9 x 52,4 x 38,5 Millimetern und 233 Gramm fällt die Luna Ultra spürbar wuchtiger aus als eine Osmo Pocket 4 (144,2 x 44,4 x 33,5 mm, 190,5 g). In der Hand stört dieser Unterschied im Alltag kaum. Die Kamera liegt gut und ist schnell einsatzbereit. Wer aber die absolut kleinste Lösung für die Jackentasche sucht, ist bei DJI nach wie vor besser aufgehoben. „Pocket“ im Wortsinn ist die Luna nur bedingt.

Die Verarbeitung ist über jeden Zweifel erhaben. Das Gehäuse wirkt hochwertig, das zusätzliche Gewicht gibt der Kamera sogar eine gewisse Wertigkeit. Im Lieferumfang steckt eine Hartschalen-Hülle, die den Gimbal komplett umschließt und auch die Bedienseite abdeckt – deutlich sicherer als die halbe Schutzhülle, die man von der Osmo Pocket 3 kannte. Der mitgelieferte Griff mit 1/4-Zoll-Gewinde bringt einen eingebauten Kickstand mit, sodass die Kamera auf ebenen Flächen frei stehen kann.

Kleine Schwächen zeigen sich im Detail: Die Abdeckung des microSD-Slots an der rechten Seite sitzt tief und lässt sich mit größeren Fingern nur fummelig öffnen. Und wie bei der gesamten Gattung gilt auch hier: Ein echter Wetterschutz fehlt. Leichten Nieselregen übersteht die Luna Ultra, wirklich wasserdicht ist sie nicht.

Zwei Kameras in einem Gehäuse: die Dual-Objektive

Das erste große Alleinstellungsmerkmal ist das Doppel-Objektiv. Die Luna Ultra kombiniert ein 20-mm-Weitwinkel mit lichtstarker f/1.8-Blende (an einem 1-Zoll-Sensor) mit einem 60-mm-Tele mit f/2.0 (an einem kleineren 1/1.3-Zoll-Sensor). Beide sind als Leica-Summicron-Optiken ausgewiesen und gemeinsam mit Leica entwickelt worden.

In der Praxis bedeutet das: Ihr habt tatsächlich zwei Kameras in einem Gerät. Das 20-mm-Weitwinkel ist die klassische Vlogging-Brennweite für Selfies und Tracking-Shots. Das 60-mm-Tele dagegen eröffnet eine Perspektive, die man von dieser Geräteklasse bislang nicht kannte: engere Porträts, verdichtete B-Roll und – dank des vergleichsweise großen Sensors – eine angenehme Tiefenschärfe, die das Motiv freistellt. Beide Objektive nehmen erfreulicherweise sogar in 8K auf.

Insta360 Luna Ultra

Clever gelöst ist das Zoom-System, das zwischen den Objektiven wechselt. Bis 2x zoomt die Kamera digital in das Weitwinkel hinein. Bei 3x springt sie auf den Tele-Sensor um. Hier gibt es also einen echten optischen Sprung. Bis 6x wird verlustfrei in den 8K-Sensor hineingecroppt und die Qualität bleibt dabei durchweg sehr gut. Erst jenseits von 6x setzt der rein digitale Zoom bis 12x ein, und der sieht bei genauem Hinsehen dann sichtbar matschig aus. Für den Notfall ist er da, für ernsthafte Aufnahmen nicht.

Nach einigen Wochen Nutzung wird klar: Die Flexibilität, mitten in einer Szene von der weiten Establishing-Einstellung auf ein Tele-Porträt zu wechseln, gewöhnt man sich schnell an. Genau hier spielt die Luna Ultra einen Vorteil aus, den einäugige Konkurrenten wie die Osmo Pocket 4 schlicht nicht bieten.

Der abnehmbare Touchscreen als Fernbedienung

Das zweite Highlight (und für viele das eigentliche Verkaufsargument) ist der abnehmbare Bedienmodul. Auf zwei rote Tasten an den Seiten drücken, und das Frontmodul mit dem 2-Zoll-OLED-Touchscreen, den wichtigsten Kamera-Tasten und einem eingebauten Mikrofon löst sich vom Korpus.

Der Clou: Das Modul funktioniert abgenommen exakt so wie am Gerät. Ihr seht das Livebild, könnt Gimbal, Zoom und Aufnahme steuern und dank des integrierten Mikrofons sogar direkt in die Fernbedienung sprechen. Insta360 gibt die Reichweite mit 20 Metern an – genug, um sich selbst per Tele-Objektiv in voller Körpergröße einzufangen. In Kombination mit dem Motiv-Tracking fühlt es sich an, als hätte man einen eigenen Kameramann dabei, der einen im Bild hält, während man vor der Kamera agiert. Für Solo-Vlogger ist das eine echte Erleichterung.

Ganz ohne Einschränkungen ist die Sache aber nicht. Die Übertragung reagiert empfindlich auf Hindernisse: In belebten Umgebungen kann das Bild einfrieren, wenn Passanten zwischen Modul und Kamera treten – meist schon deutlich unter den versprochenen 20 Metern. Der 2-Zoll-Screen ist mit 564 x 318 Pixeln zudem klein; die Schärfe zuverlässig zu kontrollieren, fällt darauf schwer. Immerhin wird er mit 1.000 Nits ordentlich hell und ist auch draußen ablesbar.

Und noch ein Wermutstropfen: Das Modul hat einen eigenen 210-mAh-Akku, der mitgeladen werden will. Wer das Display häufig abnimmt und wieder ansetzt, sollte zudem vorsichtig sein – der wiederholte mechanische Kontakt könnte auf Dauer Verschleiß bedeuten. Kaputt ist das Modul teuer, funktionslos wäre die Kamera damit nicht, aber ein zentrales Feature ginge verloren.

Akkulaufzeit und Wärmeentwicklung

Insta360 gibt bis zu vier Stunden Laufzeit an. Gemessen unter Laborbedingungen in 1080p/24fps. Diese Zahl ist, wie so oft, ein Idealwert. In der Praxis mit viel 8K und Zeitlupe landet man eher bei rund zwei Stunden. In kontrollierten Tests hielt die Kamera in 4K/24fps immerhin knapp 2 Stunden und 51 Minuten durch, bevor der Akku leer war. Ein guter Wert für sitzende Interviews oder Events.

Positiv: Der Akku lädt schnell. Von 0 auf 80 Prozent geht es in rund 23 Minuten, sofern ein 15-V/3-A-USB-C-PD-Netzteil zum Einsatz kommt. Wer unterwegs eine Powerbank dabei hat, überbrückt Pausen also problemlos. Für längere Drehtage gibt es zudem einen optionalen Zusatzakku-Griff.

Insta360 Luna Ultra
Der Lieferumfang des Creator Bundles

Beim Thema Wärme sollte man die Erwartungen justieren. Bei rechenintensiven Modi werden sowohl der Griff als auch das Display-Modul spürbar warm. Im Feld kam es zu keiner Überhitzungswarnung, in kontrollierten Tests aber schon: 4K/120fps lief rund 44 Minuten, 8K/24fps etwa 49 Minuten, bevor die Kamera wegen Überhitzung abschaltete. Für kurze Zeitlupen-Sequenzen ist das unkritisch – wer aber lange 8K-Takes am Stück plant, sollte das im Hinterkopf behalten. Ein fest verbauter Akku bleibt zudem, wie bei der ganzen Gattung, gesetzt.

App-Anbindung und Pro-Workflow

Die Insta360-App verbindet sich schnell mit der Luna Ultra und liefert das, was der kleine On-Camera-Screen nicht kann: eine große, reaktionsschnelle Vorschau, manuelle Kontrolle und (wichtig für Log-Aufnahmen) ein Histogramm. Denn richtig belichten lässt sich das flache I-Log-Material ohne diese Anzeige nur schwer.

Genau hier steckt allerdings auch die größte Schwäche im Detail: Sobald die App verbunden ist, wird der Bildschirm an der Kamera schwarz und die Bedienelemente sind gesperrt. Man kann also entweder per App fernsteuern oder direkt an der Kamera arbeiten – aber nicht beides gleichzeitig. Für ein klassisches Zwei-Personen-Setup, bei dem eine Person per App „Regie führt“ und eine zweite die Kamera bedient, ist das ein echtes Ärgernis.

Auch sonst offenbaren sich im professionellen Einsatz einige Grenzen, die eher Firmware- als Hardware-Fragen sind: Die „Timecode“-Funktion ist letztlich nur eine mitlaufende Uhrzeit ohne Möglichkeit, per Jam-Sync auf eine externe Quelle zu synchronisieren. In der Bluetooth-Kupplung werden Fremdmikrofone (etwa ein DJI Mic 2) nicht erkannt. Nur Insta360s eigene Mikrofone wie das Mic Pro und Mic Air koppeln direkt. Über USB lässt sich ein externer Mikrofon-Empfänger dagegen einbinden. Das sind allesamt keine Deal-Breaker für den typischen Creator, aber Punkte, an denen man merkt, dass Insta360 in dieser Kategorie noch am Anfang steht. Vieles davon ließe sich per Software-Update nachbessern.

Bild- und Audioqualität der Insta360 Luna Ultra

Kommen wir zum Kern: Wie sieht das Material aus? Kurz gesagt: richtig gut. Die Luna Ultra hebt sich in dieser Kategorie mit ihrer 8K-Auflösung ab. Doppelt so viel wie die 4K der Osmo Pocket 4. Beide Objektive nehmen in 8K bis 30fps auf, inklusive Dolby Vision (HDR) und dem neuen I-Log-Profil. Insta360 Luna Ultra

Dieses I-Log ist das erste Log-Profil überhaupt in einer Insta360-Kamera und richtet sich an alle, die ihr Material im Grading formen wollen. Es liefert bis zu 14 Blendenstufen Dynamikumfang, ist 10 Bit und basiert laut Hersteller auf Rec.2020, was es sogar für ambitionierte Farbworkflows tauglich macht. Ein interessantes Detail aus der Praxis: In sehr kontrastreichen Szenen ist das 4K-Material im I-Log spürbar rauschärmer als die 8K-Aufnahme. 8K lohnt sich also vor allem in kontrastarmen Situationen, in denen es auf maximale Auflösung ankommt – ansonsten fährt man mit 4K oft besser.

 

Wer sich nicht mit Grading aufhalten will, findet eine ganze Palette fertiger Looks: Leica Natural, Leica Vivid und Leica Chrome emulieren klassische Leica-Anmutungen, dazu kommen Filter wie Fresh, Cinematic oder Pos Film. Für schnelle Ergebnisse ohne Nachbearbeitung ist das eine feine Sache.

Für schwaches Licht gibt es den PureVideo-Modus, der sich manuell oder automatisch aktiviert. Er ist auf 4K bis 60fps beschränkt und unterstützt kein I-Log, liefert dafür aber erstaunlich saubere Aufnahmen. Gegen ein aktuelles Smartphone gewinnt die Luna Ultra hier klar. Ein kleiner Kritikpunkt für Profis: In PureVideo tauchen gelegentlich krumme Bildraten auf (etwa 60,2 statt 60fps), was in der Postproduktion nerven kann. Im I-Log-Modus trat dieses Verhalten nicht auf.

Beim Ton hat Insta360 ordentlich vorgelegt. Ein 4-Mikrofon-Array, ein mitgelieferter Windschutz und 32-Bit-Float-Aufnahme, die Übersteuern faktisch ausschließt. Für einfachere Schnitte ist die 24-Bit-Einstellung meist die praktischere Wahl. Das Mikrofon im abnehmbaren Modul überzeugt ebenfalls, ist aber wählerisch, was Abstand und Ausrichtung angeht. Wer maximale Sprachqualität will, greift zum drahtlosen Insta360 Mic Pro (unser Test).

Auf der Fotoseite bleibt die Luna Ultra Vlogging-Kamera: 9-Megapixel-Bilder in JPG und RAW (nur 8 Bit), die im UltraPhoto-Modus auf 37 Megapixel hochgerechnet werden. Die Bildqualität ist durch die Bank gut, kann ein klassisches Smartphone oder gar eine Kamera aber nicht ersetzen, dessen sollte man sich bewusst sein.

Insta360 Luna Ultra Test: Fazit

Die Insta360 Luna Ultra ist ein bemerkenswertes Debüt und zeigt, dass man es mit DJI problemlos aufnehmen kann. Für den ersten Versuch des Herstellers in dieser Kategorie ist sie erstaunlich ausgereift und bringt zwei Ideen mit, die man nach kurzer Eingewöhnung nicht mehr missen möchte: die Dual-Objektive mit echtem Tele und den abnehmbaren Touchscreen, der Solo-Vlogging spürbar vereinfacht. Dazu kommen sehr gute Bildqualität, das erste I-Log-Profil bei Insta360 und starke Audio-Optionen.

Gleichzeitig merkt man, dass hier ein Neuling am Werk ist. Das Tracking ist noch nicht ganz auf DJI-Niveau, einige Firmware-Entscheidungen (App sperrt die Kamera, eingeschränkter Timecode, keine Fremd-Mics via Bluetooth) wirken unfertig, die Kamera wird bei 8K warm und mit ab 729 Euro ist sie deutlich teurer als eine einäugige Osmo Pocket 4 ab 479 Euro.

Für wen lohnt sich die Luna Ultra also? Wer Wert auf die zweite Brennweite legt, viel allein vor der Kamera steht und das flexible Fernbedien-Konzept zu schätzen weiß, bekommt hier ein Werkzeug, das in dieser Form aktuell konkurrenzlos ist. Wer dagegen die kompakteste, günstigste Lösung sucht, exzellente Zeitlupen priorisiert oder auf ausgereifte Firmware angewiesen ist, fährt mit DJIs Osmo Pocket 4 nach wie vor sehr gut. Ein klarer Sieger ist die Luna Ultra nicht. Aber ein ernstzunehmender Herausforderer, der den Markt gehörig aufmischt. Und genau das war längt überfällig.

Gold Award für Insta360 Luna Ultra - 08/2026Insta360Luna Ultra08/2026

VORTEILE

  • Zwei Leica-Objektive
  • Sehr gute Bildqualität
  • 8K und I-Log
  • 6x verlustfreier Zoom
  • Starke Audio-Optionen
  • Schnelles Laden, solide Akkulaufzeit
  • Interner Speicher & Dolby Vision

NACHTEILE

  • Größer und schwerer als die DJI-Konkurrenz
  • Sehr teuer
  • Tracking wechselt Motive zu bereitwillig
  • Deutliche Erwärmung bei langen 8K-Aufnahmen
  • Vertikalvideo auf 3K begrenzt
  • Ein paar Firmware-Probleme

Detailbewertung

Verarbeitung90
Software & Funktionen92
Bildqualität95
Audioqualität92
Preis-Leistungs-Verhältnis90

Fazit

Innovativer Dual-Kamera-Gimbal mit cleverem Fernbedien-Konzept und toller Bildqualität – als Erstlingswerk stark, aber mit Firmware-Kinderkrankheiten und hohem Preis.

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