isinwheel M60 Test: Fat-Tire-Pedelec mit 105 km Reichweite für 878 €?

Simon Lüthje
Simon Lüthje · 9 Min. Lesezeit

Wer ein Elektrofahrrad für unebenen Untergrund sucht, landet schnell beim isinwheel M60. Das Fat-Tire-Pedelec verspricht mit 26×4,0-Zoll-Reifen, herausnehmbarem 48V-Akku und einer vom Hersteller angegebenen Reichweite von 70 bis 105 km viel Ausstattung für unter 900 Euro. Im isinwheel M60 Test zeigen wir, wie sich das All-Terrain-Bike in der Praxis schlägt – wer einen Überblick über weitere Kandidaten sucht, findet ihn in unserer Übersicht der besten E-Bikes oder im isinwheel-Shop.

Das isinwheel M60 ist ein Fat-Tire-Pedelec mit Tiefeinstieg-Rahmen, Hinterradmotor (250 W Nenndauerleistung, bis 750 W Spitzenleistung, 86 Nm Drehmoment) und 48V-13Ah-Akku. In Deutschland ist die motorische Unterstützung auf 25 km/h begrenzt, entdrosselt sind bis zu 45 km/h möglich – zulassungspflichtig ist das hierzulande allerdings nicht.

isinwheel M60 – Technische Daten & Lieferumfang

Spezifikation Wert
Motor 250 W Nenndauerleistung, bis 750 W Spitzenleistung, 86 Nm Drehmoment (Hinterradnabe, softwareseitig limitiert)
Unterstützung bis 25 km/h (gedrosselt) / bis 45 km/h (entdrosselt, in DE nicht straßenzulässig)
Akku 48 V, 13 Ah, 624 Wh nominal / 612 Wh nutzbar, ca. 4,5 kg, herausnehmbar, UL2849-zertifiziert, mit Ladestandsanzeige und Schloss gegen Diebstahl
Reichweite (Hersteller) 70 bis 105 km, je nach Unterstützungsstufe
Reichweite (Praxis) ca. 40–70 km bei gemischter Alltagsnutzung, deutlich weniger bei viel Gasgriff-Nutzung und im Gelände
Ladezeit 7–8 Stunden, kein Schnellladen (2-A-Ladegerät)
Reifen 26 × 4,0 Zoll Fat Tires
Rahmen Tiefeinstieg (Step-thru), Stahl
Federung Federgabel vorne (ca. 100 mm Federweg, mit Lockout), kein Heckfederelement – nur gefederter Sattel
Bremsen Mechanische 160-mm-Scheibenbremsen vorne/hinten mit Motorabschaltung (keine hydraulischen Bremsen)
Zulässiges Gesamtgewicht bis 150 kg
Gewicht (Bike) ca. 34,4–34,5 kg
Wasserschutz IPX4 (Spritzwasserschutz, nicht für Starkregen, dauerhafte Außenlagerung oder Hochdruckreiniger geeignet)
Anschlüsse USB-Ladeanschluss am Display (US-Version: USB-C)
Beleuchtung 220-Lumen-Projektor-Scheinwerfer; Rücklicht mit eigenen AAA-Batterien (nicht über den Fahrrad-Akku versorgt)
Garantie Angaben variieren je nach Verkaufskanal – vor dem Kauf unbedingt dokumentieren
Rückgaberecht 30 Tage (laut Hersteller-Shop)
Preis (zum Testzeitpunkt) ab ca. 878 € (UVP 1.099,99 €), mit dem Gutschein BT55 spart ihr 55€

Im Karton kommt das isinwheel M60 zu rund 80 Prozent vormontiert an, gut gepolstert mit Styropor-Elementen und Kabelbindern gesichert. Enthalten sind Bedienungsanleitung, Maulschlüssel, Inbusschlüssel, ein Wechselschraubendreher, eine Luftpumpe, zwei Akkuschlüssel sowie ein Ladegerät mit LED-Statusanzeige. Gepäckträger und hinteres Schutzblech sind bereits vormontiert, für die Fertigmontage bleiben nur noch Lenker, Vorderrad mit Schutzblech, Pedale sowie die Beleuchtung vorne und hinten – wer sich unsicher ist, lässt die Endmontage sicherheitshalber beim Fachbetrieb prüfen.

Design & Verarbeitung

Optisch setzt das isinwheel M60 auf das klassische Fatbike-Layout, kombiniert mit einem tiefen Einstieg – praktisch für alle, die ohne großen Schwung aufsteigen wollen, etwa mit Rucksack oder Einkäufen. Der Stahlrahmen wirkt hochwertiger, als der Preis vermuten lässt, die Kabelführung ist aufgeräumt, der Akku unauffällig in den Rahmen integriert. Etwas einfacher gehalten sind die Kunststoff-Pedale und die Schaltgruppe (unbekannte Kassette, Shimano-Tourney-Schaltwerk) – für den Alltag ausreichend, aber erkennbar an der unteren Preisgrenze montiert.

Ein klarer Nachteil ist das Gewicht: Mit rund 34,5 kg gehört das M60 zu den schwereren Pedelecs seiner Klasse. Im Treppenhaus, beim Rangieren im Fahrradkeller oder auf dem Heck-Fahrradträger macht sich das deutlich bemerkbar – wer das Bike regelmäßig tragen oder verladen muss, sollte das vorher einplanen.

Die 26×4,0-Zoll-Reifen sind sogar breiter als bei den meisten anderen Fatbikes, die üblicherweise mit 3-Zoll-Reifen auskommen. Sie sorgen für Grip auf Sand, Schotter, Feldwegen und leichtem Schnee – deutlich stabiler als schmal bereifte City-Pedelecs. Der Preis dafür: höherer Rollwiderstand und mehr Reifengeräusch auf Asphalt, dazu ein etwas träges Einlenkverhalten in engen Kurven.

Praxis-Test: Fahrverhalten und Reichweite

Das Ansprechverhalten des Motors ist kräftig: Selbst in der gedrosselten 250-W-Version bleibt das volle Drehmoment von 86 Nm erhalten, da nur die Software limitiert ist – die Hardware ist identisch zur 750-W-Version. Steigungen werden souverän gemeistert, auch mit höherem Fahrergewicht und auf steilerem Gelände. Ein Drehmomentsensor oder Mittelmotor ist allerdings nicht verbaut – die Auslegung ist eher komfort- als performanceorientiert und richtet sich nicht an sportliche Puristen oder echtes Trail-MTB.

Eine Eigenheit fällt auf: Der Motor reagiert mit spürbarer Verzögerung von rund 8 bis 10 Sekunden, wenn nach reiner Gasgriff-Nutzung (in Deutschland sowieso nicht erlaubt und sollte daher nicht montiert werden) erstmals wieder pedaliert wird. Bei hoher Geschwindigkeit (ab ca. 42 km/h) tritt zudem ein „Leertreten“ der Pedale ohne spürbaren Widerstand auf – ein Hinweis darauf, dass die Trittfrequenz-Sensorik hier nicht optimal mit dem Antrieb harmoniert. Auch das ist aber in Deutschland nicht relevant, da man das Fahrrad nicht entdrosseln sollte, um im rechtlichen Rahmen zu bleiben.

Bei der Reichweite ist die Herstellerangabe von 70 bis 105 km ziemlich gut angegeben. Während man bei überwiegend Gelände- und Bergstrecken eher bei 60-70 km landet, sind es bei gemischter Nutzung durchaus über 100 km. Natürlich ist das auch ein wenig abhängig vom Gewicht des Fahrers, aber wir sind mit der Reichweite sehr zufrieden gewesen.

Bremsen

Die mechanischen 160-mm-Scheibenbremsen sind für Gewicht und Topspeed des Bikes eher unterdimensioniert. Anders als hydraulische Systeme lassen sie sich nur bedingt feiner dosieren – gerade bei Nässe oder hoher Zuladung wird das spürbar.

Komfort und Federung

Trotz fehlendem Heckfederelement ist der Fahrkomfort auf normalem Untergrund überraschend gut – die Kombination aus dicken Reifen, gefederter Sattelstütze und Federgabel vorne gleicht viel aus und sorgt für ein ruhiges, „sattes“ Fahrgefühl auf Kopfsteinpflaster, Schotter und schlechtem Asphalt. Im echten Gelände, bei groben Wurzeln oder tiefen Furchen, stößt das System an seine Grenzen: Ohne Heckfederung wird das Fehlen dort deutlich spürbar.

Weitere Leistungsbereiche

Display & Bedienung

Eine Begleit-App gibt es beim isinwheel M60 nicht – die Bedienung läuft über Display und Tasten am Lenker (Unterstützungsstufen, Licht, Hupe). Das LC-Display ist auch bei direkter Sonneneinstrahlung gut ablesbar, ohne Flackern der Hintergrundbeleuchtung. Angezeigt werden Geschwindigkeit, Akkustand, Spannung, Trip- und Gesamtkilometer, Fahrzeit und Fehlercodes. Praktisch für den Alltag: ein Gehhilfemodus mit rund 6 km/h zum Schieben des Bikes an Steigungen oder in engen Gassen. Ein USB-Ladeanschluss sitzt ebenfalls am Display.

Beleuchtung

Der 220-Lumen-Projektor-Scheinwerfer leuchtet die Strecke ordentlich aus. Das Rücklicht läuft dagegen über separate AAA-Batterien statt über den Fahrrad-Akku – das wirkt weniger aus einem Guss und bedeutet zusätzlichen Batteriewechsel-Aufwand.

Zubehör und Wartung

Optional bietet isinwheel vordere und hintere Gepäckkörbe sowie Satteltaschen an, mit denen sich das M60 zu einem echten Lastenrad für Einkäufe, Arbeitsgepäck oder Wochenendtouren umbauen lässt. Im Alltag ist Fat-Tire-Bikes zudem mit etwas Grundpflege gut beizukommen: Der Reifendruck macht dabei den größten Unterschied für den Fahrkomfort, ein guter Ausgangswert für gemischtes Fahren liegt bei rund 1,2 bis 1,5 bar. Die Kette sollte je nach Wetter alle 150 bis 250 km, bei Nässe entsprechend häufiger, geölt werden. Nach den ersten 80 Kilometern lohnt sich außerdem ein Nachziehen aller Schrauben sowie eine Kontrolle der Speichenspannung, da sich Bauteile bei einem neuen Bike zu Beginn noch leicht setzen. Da isinwheel als reine Direktvertriebsmarke auftritt, sollten Käufer Garantie- und Serviceleistungen vor dem Kauf schriftlich dokumentieren – hier gibt es je nach Verkaufskanal unterschiedliche Angaben, und teils wird von zäher Garantieabwicklung berichtet.

Preis-Leistungs-Verhältnis

Zum Testzeitpunkt kostet das isinwheel M60 rund 878 € (UVP 1.099,99 €). Trotz der Brems- und Federungsschwächen bleibt das Gesamturteil positiv, gerade wegen des niedrigen Preises: Für unter 900 Euro bietet das M60 mehr Ausstattung, als in dieser Klasse üblich ist, inklusive 30 Tagen Rückgaberecht im Hersteller-Shop. Zu beachten: Die Verfügbarkeit ist phasenweise eingeschränkt, im offiziellen Shop ist das Modell gelegentlich ausverkauft. Im direkten Vergleich zum ebenfalls getesteten Touroll S3 Pro punktet das M60 vor allem mit der Geländetauglichkeit der dickeren Reifen und der höheren Zuladung, muss bei Bremsleistung, Gewicht und Federungskomfort aber Abstriche hinnehmen. Wer stattdessen einen Drehmomentsensor und hydraulische Bremsen erwartet, landet schnell in einer höheren Preisklasse, etwa beim Fiido Titan – das ist dann allerdings eine andere Liga.

Häufige Fragen zum isinwheel M60

Wie schnell fährt das isinwheel M60 in Deutschland? Die motorische Unterstützung ist gesetzlich auf 25 km/h begrenzt. Eine Entdrosselung auf bis zu 45 km/h ist technisch möglich, aber in Deutschland ohne entsprechende Zulassung nicht straßenzulässig.

Wie weit kommt man mit einer Akkuladung? Der Hersteller gibt 70 bis 105 km an. In der Praxis ist das je nach Fahrstil und Gelände realistisch.

Sind die Bremsen ausreichend? Die verbauten mechanischen Scheibenbremsen wirken für Gewicht und Geschwindigkeit des Bikes unterdimensioniert und lassen sich weniger fein dosieren als hydraulische Systeme – ein Nachrüsten besserer Bremsbeläge ist empfehlenswert.

Ist das isinwheel M60 wasserdicht? Nein, nur spritzwassergeschützt (IPX4). Dauerregen, ungeschützte Außenlagerung über längere Zeit und Hochdruckreiniger sollten vermieden werden.

Fazit: isinwheel M60 Test

Das isinwheel M60 ist ein Fat-Tire-Pedelec, das für seinen Preis viel Ausstattung, hohe Zuladung und ordentliche Motorleistung bietet, bei Gewicht, Bremsen und Heckfederung aber klare Kompromisse eingeht. Wer überwiegend auf Asphalt und leichtem Gelände unterwegs ist und Wert auf einen bequemen Tiefeinstieg legt, bekommt für unter 900 Euro ein solides Alltagsrad. Wer regelmäßig anspruchsvolles Gelände fährt, sportlich unterwegs ist oder das Bike häufig tragen oder verladen muss, sollte Gewicht und Bremsen von Anfang an einplanen.

Kaufempfehlung für preisbewusste Alltagsfahrer und Gelegenheits-Geländefahrer, die ein bequemes, gut ausgestattetes Fat-Tire-Pedelec suchen und mit dem hohen Gewicht leben können. Wer viel im anspruchsvollen Gelände unterwegs ist, maximale Bremsleistung erwartet oder das Bike oft tragen muss, sollte nachrüsten oder in eine höhere bzw. leichtere Preisklasse investieren.

Silver Award für isinwheel M60 - 07/2026isinwheelM6007/2026

VORTEILE

  • Hoher Fahrkomfort durch 26×4,0-Zoll-Fat-Reifen, Frontfederung und gefederten Sattel
  • Vielseitig einsetzbar: guter Grip auf Sand, Schotter, Feldwegen und leichtem Schnee
  • Herausnehmbarer 48V/13Ah-Akku (624 Wh) mit eigener Ladestandsanzeige und Diebstahlsicherung
  • Sehr gute Reichweite von bis zu über 100 km bei gemischter Nutzung
  • Hohe Zuladung von 150 kg – auch für schwerere Fahrer und Gepäck geeignet
  • Umfangreiche Serienausstattung: Gepäckträger, Schutzbleche, Licht, Hupe, Kickstand, Shimano-7-Gang-Schaltung
  • Tiefeinsteiger-Rahmen für bequemes, sicheres Auf- und Absteigen im Stadtverkehr
  • Informatives LCD-Display mit Fehlercodes und Schiebehilfe (ca. 6 km/h)
  • Robuster Stahlrahmen und solider Ersteindruck für rund 880 €
  • Umfangreicher Lieferumfang (Werkzeug, Pumpe, Ladegerät, Ersatzteile) plus 30 Tage Rückgaberecht

NACHTEILE

  • Sehr hohes Gewicht (ca. 34,5 kg) – unhandlich beim Tragen, auf Treppen oder dem Fahrradträger
  • Mechanische statt hydraulische Scheibenbremsen – für Gewicht und Topspeed eher unterdimensioniert
  • Lange Ladezeit von 7 bis 8 Stunden ohne Schnelllademöglichkeit
  • Weniger agil auf Asphalt: höherer Rollwiderstand und mehr Reifengeräusch durch die Fat-Reifen
  • Teilvormontiert geliefert – Endmontage kostet Zeit
  • Rücklicht läuft über separate AAA-Batterien statt über den Fahrradakku
  • Nur IPX4-Spritzwasserschutz
  • Kein Drehmomentsensor oder Mittelmotor
  • Uneinheitliche Garantieangaben als Direktvertriebsmarke
  • Verfügbarkeit zeitweise eingeschränkt

Detailbewertung

Leistung/Antrieb90
Verarbeitung & Design85
Bedienung/Display90
Ausstattung85
Preis-Leistung95

Fazit

Komfortables Fat-Tire-Pedelec mit starker Reichweite, viel Serienausstattung und fairem Preis. Hohes Gewicht, mechanische Bremsen und uneinheitliche Garantieangaben sollte man vorher einplanen.

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