Der JBL Tour One M3 ist JBLs neuester Angriff auf das Premium-Segment der Over-Ear-Kopfhörer. Bereits vor rund anderthalb Jahren veröffentlicht, bläst JBL mit einem kürzlich gestarteten Sound-Upgrade zum Angriff auf Sony, Bose und Apple. Und das zu einem mittlerweile deutlich gesunkenen Preis und einem beeindruckenden Funktionspaket, das so manchen Konkurrenten alt aussehen lässt. Ob der Kopfhörer den Preisanspruch auch klanglich rechtfertigt, zeigt unser ausführlicher Test.
Technische Daten der JBL Tour One M3
| Produkt | Tour One M3 |
| Kopfhörertyp | Over-Ear-Kopfhörer |
| Bluetooth-Version | 5.3 |
| Bluetooth-Codecs | LDAC, SBC, LC3 |
| Treiber | 40 mm, dynamische Treiber |
| Frequenzbereich | 10 – 40.000 Hz |
| Besonderheiten | True Adaptive Noise Cancelling 2.0, LDAC (Hi-Res Audio Wireless), Personi-Fi 3.0, Smart Talk, Auracast |
| Akkulaufzeit | ohne ANC: 70 Stunden, mit ANC: 40 Stunden |
| Ladedauer | 2 Stunden |
| Anschlüsse | 3,5-mm-Klinke, USB-C |
| Gewicht | 278 g |
| Farben | Black, Blue, Mocha, Green |
| Lieferumfang | Over-Ear-Kopfhörer, USB-C-auf-USC-A-Kabel, USB-C- auf USB-A-Adapter, Klinkenkabel, Transport-Case, Bedienungsanleitung |
| Preis |
€ 269,99 * |
JBL Tour One M3 Test: Design und Verarbeitung
Optisch bewegt sich der JBL Tour One M3 auf vertrautem Terrain: Die kugeligen Ohrmuscheln und die kompakte Silhouette kennt man bereits vom Vorgänger, dem Tour One M2. JBL bleibt der Form treu und liefert den Kopfhörer in drei Farboptionen Schwarz, Dunkelblau und einem warmen Mocha-Ton. Neuerings gibt es auch eine dunkelgrüne Farbvariante. Wer Wert auf ein unauffälliges Auftreten legt, liegt mit dem schlichten Schwarz richtig; wer etwas Farbe ins Büro bringen möchte, greift zum Blau. Unser Testmodell kommt in Mocha.
Was die Materialwahl angeht, muss man ehrlich sein: Der Tour One M3 besteht nahezu vollständig aus Kunststoff. Das Gehäuse wirkt solide verarbeitet und gibt bei Druck nicht nach, fühlt sich in der Hand aber nicht so premium an, wie es der Preis suggeriert. Gerade im direkten Vergleich mit ähnlich teuren Modellen von Bose oder Bowers & Wilkins fällt auf, dass die verwendeten Kunststoffe hart und ein wenig nüchtern und nicht ganz so wertig wirken. Sie vermitteln schlicht nicht das gleiche Luxusgefühl. Das ist kein Qualitätsmangel, aber ein Punkt, bei dem ich angesichts des Preises einfach mehr erwartet hätte.
Beim Tragekomfort macht der Kopfhörer vieles gut: Das Kopfband lässt sich präzise verstellen, der Anpressdruck ist gut austariert und nicht zu eng. Die mit Memory-Schaum und Kunstleder gepolsterten Ohrmuscheln liegen weich am Kopf an. Allerdings kann es nach längerer Tragedauer darunter warm werden. Mit 278 Gramm ist der Tour One M3 angenehm leicht und lässt sich auch über mehrere Stunden ohne Ermüdungserscheinungen tragen.
Für Pendler und Reisende ist das beiliegende Hardcase ein praktischer Bonus: Der Kopfhörer lässt sich flach zusammenfalten und passt kompakt in das Case, das ihn unterwegs zuverlässig schützt. Einen IP-Schutz gegen Schweiß oder Regen nennt JBL leider nicht, weshalb man im Zweifel vorsichtig sein sollte.
Ausstattung der JBL One M3
Beim Funktionsumfang zeigt der JBL Tour One M3, was er wirklich kann und hier ist das Angebot beeindruckend. Bluetooth 5.3 bildet die Grundlage für eine stabile und moderne Drahtlosverbindung. Unterstützt werden die Codecs SBC, AAC, LC3 und LDAC. Letzterer ermöglicht hochauflösende Audiowiedergabe mit deutlich weniger Komprimierung als Standard-Codecs, LC3 wiederum ist Teil des neuen Bluetooth-LE-Audio-Standards und soll langfristig SBC ablösen. Wer den Kopfhörer per USB-C-Kabel direkt mit einer Quelle verbindet, profitiert sogar von verlustfreier, kabelgebundener Wiedergabe in High-Resolution-Qualität. Ein Feature, das selbst das deutlich teurere Sony WH-1000XM6 (unser Test) nicht bietet.
Acht Mikrofone verteilen sich auf beide Ohrmuscheln und übernehmen Sprachassistenz, Telefonie und Geräuschunterdrückung. Multipoint-Verbindung mit zwei Geräten gleichzeitig ist ebenfalls mit an Bord, ebenso wie NFC für schnelles Pairing. Wer keine IP-Schutzklasse benötigt, bekommt hier einen der am besten ausgestatteten Kopfhörer seiner Preisklasse.
Ebenfalls an Bord, aber nur wenn du etwas mehr Geld ausgibst: Auracast, die neue Bluetooth-Broadcast-Technologie, mit der ein Audiosignal gleichzeitig an mehrere kompatible Kopfhörer gesendet werden kann. Das klingt zunächst nach Spielerei, bekommt aber durch das optionale Zubehör (den sogenannten Smart-Tx-Transmitter) echten Alltagswert. Dieser kleine Kasten mit farbigem Touchscreen lässt sich per Klinke oder USB-C an jede beliebige Audioquelle anschließen, auch an ältere Geräte ohne Bluetooth, und streamt das Signal dann kabellos an den Kopfhörer weiter. Das Flugzeug-Entertainment-System, die Spielekonsole ohne Bluetooth, der alte Plattenspieler: all das lässt sich so kabellos erschließen.
Schade, dass das rund 130 Euro teure Zubehörteil nicht im Lieferumfang enthalten ist. Auch wenn es ein Bundle mit Receiver gibt. Haben wir aber nicht zum Testen bekommen, gehe ich also nicht weiter darauf ein.
Akkulaufzeit und Bedienung
Bei der Akkulaufzeit liefert der JBL Tour One M3 sehr starke Werte. Mit aktiviertem ANC hält er 40 Stunden durch, ohne ANC sogar bis zu 70 Stunden. Damit übertrifft er viele direkte Konkurrenten wie den Sonos Ace oder den Bowers & Wilkins Px7 S2e spürbar. Ein Wert, der die Bose QuietComfort Ultra 2. Gen (rund 30 Stunden) und die Apple AirPods Max (rund 20 Stunden) klar hinter sich lässt. Das Schnellladen ist ebenfalls mit von der Partie: 5 Minuten an der Steckdose reichen für rund 5 weitere Stunden Musikgenuss. Dennoch ist die Laufzeit nicht rekordverdächtig. Ein Edifier WH950NB (2026) liefert mit 80h/45h beispielsweise deutlich mehr und das für weniger als die Hälfte des Preises, den JBL aufruft.
Die Bedienung verteilt sich auf beide Ohrmuscheln. Links sitzt ein Lautstärkewipp-Schalter, rechts finden sich ein Schieberegler für Ein/Aus und Bluetooth-Pairing sowie ein dedizierter ANC-Knopf, der zwischen Noise Cancelling, Transparenzmodus und deaktiviertem ANC wechselt. Zusätzlich gibt es auf der rechten Ohrmuschel ein Touchfeld für Wiedergabesteuerung und Anruffunktionen. Es reagiert schnell und zuverlässig, sitzt jedoch mittig auf der Ohrmuschel und ist kleiner als die gesamte Fläche, weshalb man es gezielt treffen muss. Wischgesten werden leider nicht unterstützt; das System arbeitet ausschließlich mit Tipp-Gesten (einmal tippen = Pause, zweimal = nächster Titel, dreimal = vorheriger Titel). Die Eingewöhnung dauert ein paar Tage, danach sitzt die Bedienung aber sicher.
Für Telefonate gilt das, was für viele Bluetooth-Kopfhörer gilt: Die Sprachqualität ist akzeptabel und für kurze Gespräche oder Zoom-Calls geeignet, klingt aber durch die Bluetooth-Übertragung leicht künstlich. In sehr lauten Umgebungen nimmt die Verständlichkeit für das Gegenüber ab.
App-Anbindung
Die kostenlose „JBL Headphones“-App ist für iOS und Android verfügbar und gehört zu den umfangreichsten Steuer-Apps im Kopfhörer-Segment. Die Oberfläche ist klar strukturiert und optisch ansprechend gestaltet. Der integrierte 10-Band-Equalizer erlaubt sowohl die Nutzung von Presets (sechs stehen zur Auswahl) als auch vollständig benutzerdefinierte Anpassungen. Wer es bassiger oder klarer mag, ist damit gut bedient. Darüber hinaus bietet die App den sogenannten „Personi-Fi“-Hörtest: Er analysiert individuelle Frequenzempfindlichkeiten und passt den Klang entsprechend an, was vor allem für ältere Nutzer oder Menschen mit leichten Hörschwächen sinnvoll ist.
Spatial Audio lässt sich ebenfalls in der App aktivieren, wahlweise mit oder ohne Headtracking. Der Algorithmus verwandelt Stereomusik in ein breiteres 3D-Klangbild, das erstaunlich natürlich wirkt. Weniger synthetisch als bei vielen Konkurrenzprodukten, wenn auch auf Kosten etwas Intimität. Wer häufig Filme schaut, findet in der App außerdem einen dedizierten Movie-Modus, der die Latenz auf Kosten der Audioqualität reduziert. Adaptives ANC, eine einstellbare Auto-Off-Funktion und Firmware-Updates runden das Angebot ab.
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Besonders löblich: JBL hat nach dem Launch ein Firmware-Update ausgerollt, das die Standard-Abstimmung spürbar verbessert. Mit einem 3–5 dB-Boost im 4–8-kHz-Bereich für mehr Klarheit. Das Produkt klingt heute nachweislich besser als zum Verkaufsstart.
Soundqualität, ANC und Mikrofone
Klanglich positioniert sich der JBL Tour One M3 als entspannter, ausgewogener Kopfhörer ohne extreme Betonung einzelner Frequenzbereiche. Weder der Bass noch die Höhen drängen sich bei Standardeinstellungen in den Vordergrund, was für ermüdungsfreies Langzeithören ideal ist. Die Mitten sind detailreich, Vocals kommen klar und verständlich, und die 40-mm-Mica-Dome-Treiber sorgen für einen runden, angenehmen Gesamtsound. Im Bass zeigt sich JBLs typische Handschrift: punchy, gewichtig und mit guter Dynamik bei großen Lautstärkesprüngen.
Wer allerdings sehr laut hört, stößt an eine Grenze: Bei hohen Pegeln verliert der Kopfhörer etwas an Kontrolle. Der Hochtonbereich, der schon bei normaler Lautstärke präsent und leicht bissig ist, kann bei aufgedrehtem Pegel anstrengend und scharf wirken. Das Klangbild wirkt dann zweidimensionaler, einzelne Elemente einer Aufnahme drängen nach vorne, die Tiefenstaffelung leidet. Bei moderat eingestellter Lautstärke hingegen macht der Tour One M3 vieles richtig: Die Detailtreue ist gut, die Auflösung im Mittenbereich solide. Der Klang ist weniger analytisch als Sony- oder Bose-Konkurrenten, dafür eher warm und gefällig. Wer tiefer in den Frequenzkeller will, greift zum Equalizer. Mit dem Jazz-Preset etwa öffnen sich Bass und Höhen merklich, die Räumlichkeit gewinnt.
Positiv hervorzuheben ist, dass JBL den Klang der Tour One M3 mit dem im April 2026 veröffentlichten Update merklich verbessert hat. Das Klangbild wirkt nun deutlich voller und natürlicher mit einem kontrollierten und texturierten Bassfundament. „Besonders bei hochauflösenden Streaming-Diensten und moderner Audiotechnik macht sich diese präzisere Abstimmung bemerkbar,“ verspricht der Hersteller. Und er behält recht.
Das Active Noise Cancelling arbeitet alltagstauglich und überzeugend. Motorengeräusche, Büroambiente und das Rauschen in Bus und Bahn werden deutlich gedämpft. Gerade bei alltäglichen Geräuschen arbeiten die JBL Tour One M3 nahezu auf Augenhöhe mit den Apple AirPods Max und dem Sony WH-1000XM6. Bis zu 30 dB aktive Reduzierung unterhalb von 1 kHz sorgen für echte Ruhe im Alltag. Wer hingegen das allerbeste ANC auf dem Markt sucht, muss weiterhin zu Bose greifen, das in dieser Disziplin noch einen Tick besser isoliert. Der Transparenzmodus des Tour One M3 ist angenehm natürlich: Stimmen klingen verständlich, die Wiedergabe wirkt nicht übermäßig künstlich.
Bei den Mikrofonen gilt: Für gelegentliche Gespräche und Remote-Calls reicht die Qualität absolut aus. In sehr lauten Umgebungen klingt die eigene Stimme für das Gegenüber etwas blechern, was eine systembedingte Schwäche vieler Bluetooth-Kopfhörer ist und nicht JBL-spezifisch. Positiv hervorzuheben ist der PSAP-Modus (Personal Sound Amplification), der den Transparenzmodus deutlich verstärkt und als eine Art Hörhilfe funktioniert. Ein Feature, das die meisten Konkurrenten in dieser Preisklasse nicht anbieten.
JBL One M3 Test: Fazit
Der JBL Tour One M3 ist ein vielseitiger Over-Ear-Kopfhörer, der mit einem starken Funktionspaket, exzellenter Akkulaufzeit und moderner Bluetooth-Ausstattung punktet. Wer viel unterwegs ist, schätzt den langen Atem und den optionalen Smart-Tx-Transmitter als echtes Alleinstellungsmerkmal. Klanglich überzeugt er im mittleren Lautstärkebereich mit einem ausgewogenen, angenehmen Sound, der durch den Equalizer gut individualisierbar ist. Das kürzlich nachgelieferte Firmware-Update hat die Abstimmung zusätzlich verbessert und zwar deutlich, womit die JBL One M3 ganz weit vorne mitspielen.
Schwächen zeigen sich beim Lautstärke-Verhalten (Hochton kann aggressiv wirken) und bei der Materialqualität, die teils nicht ganz das Premium-Feeling mitbringt, das Bose oder Bowers & Wilkins vermitteln. Hinzu kommt die Bedienung, die etwas Eingewöhnung erfordert. Wer ausschließlich das klanglich beste oder das ANC-stärkste Modell seiner Klasse sucht, greift zu Sony oder Bose. Wer hingegen maximale Ausdauer, Konnektivität und smarte Extras zu einem (im Marktvergleich) attraktiveren Preis möchte, ist mit dem Tour One M3 sehr gut bedient.
VORTEILE
- Starke Akkulaufzeit
- LDAC
- Angenehmer, ausgewogener Sound
- Ansprechendes Design
- Umfangreiche App
- Firmware-Update hat Klangabstimmung nachträglich verbessert
- Guter Tragekomfort
NACHTEILE
- Hochtonbereich etwas aggressiv
- Bedienung gewöhnungsbedürftig
- ANC nicht ganz auf Top-Niveau
- Smart TX-Receiver kostet Aufpreis
- Verarbeitung könnte wertiger sein
Fazit
Der JBL Tour One M3 ist ein unterschätzter Allrounder, der bei Akkulaufzeit und Konnektivität die Konkurrenz von Sony, Bose und Apple in den Schatten stellt. Klanglich und beim Material bleibt er hinter dem Preisversprechen leicht zurück. Wer aber maximale Vielseitigkeit im Alltag sucht, trifft mit ihm eine sehr gute Wahl.

