Mähroboter gibt es inzwischen wie Sand am Meer – von kleinen kabelgebundenen Einsteigermodellen bis hin zu smarten Modellen ohne Begrenzungsdraht. Der Lymow One Plus kommt ebenfalls kabellos daher, fällt aber in vielen anderen Disziplinen aus dem Rahmen. Statt Räder setzt er auf Gummiketten, statt kleiner Rasierklingen arbeitet er mit zwei echten SK5-Stahlklingen, und sein Gewicht von rund 25 kg sucht in der Kategorie seinesgleichen. Wir haben den ungewöhnlichen Mähroboter aus China im Alltagsbetrieb getestet und dabei sowohl seine Stärken als auch seine Schwächen kennengelernt.
Technische Daten im Überblick
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Modell | Lymow One Plus |
| Navigation | RTK-GPS + VSLAM (visuelle Odometrie) |
| Mähbreite | 40 cm (15,7 Zoll) |
| Schnitthöhe | 30–100 mm (elektrisch verstellbar) |
| Schnittgeschwindigkeit Klingen | bis 6.000 U/min |
| Klingentyp | Zwei SK5-Stahlklingen, 50 HRC Härte |
| Mähmotor-Spitzenleistung | 1.785 W |
| Mähmotor-Nennleistung | 680 W |
| Antrieb | Gummiketten mit Tiefenprofil |
| Max. Steigung | 45° |
| Hindernishöhe | bis 7 cm |
| Max. Fahrgeschwindigkeit | 1 m/s |
| Akku | LiFePO4, 15 Ah / 35,2 V (528 Wh) |
| Ladezeit | ca. 90 Minuten |
| Ladeleistung | 405 W (Schnellladung) |
| Akku-Reichweite pro Ladung | bis 2.300 m² |
| Tagesleistung | bis 7.000 m² (10A-Variante) |
| Konnektivität | Bluetooth, WLAN 2,4/5 GHz, 4G/LTE |
| SIM-Karte | inklusive, 1 Jahr kostenlos |
| Hinderniserkennung | KI-Kamera, 5 Ultraschallsensoren, 2 Hall-Sensoren |
| Schutzklasse | IPX6 |
| Betriebstemperatur | –10 bis +45 °C |
| Max. Kartierungsfläche | 60.000 m² (bis zu 80 Zonen) |
| Preis | € 2.599,00 * |
Lieferumfang und erster Eindruck
- Lymow One Plus Mähroboter
- Ladestation
- RTK-Antenne
- Erdnägel
- Betonschrauben
- Netzteil + Verlängerungskabel
- Bedienungsanleitung
- Quick-Start-Guide
Design und Verarbeitung
Das Paket kommt mit rund 47 kg Gesamtgewicht an – ein erster Hinweis darauf, was einen erwartet. Den Mähroboter selbst aus dem Karton zu wuchten ist mit zwei Personen empfehlenswert. Das Gerät bringt allein rund 25 kg auf die Waage und ist dabei eher hecklastig, was das einhändige Tragen erschwert.
Wer den Lymow One Plus regelmäßig transportieren muss – etwa für den Wechsel zwischen verschiedenen Rasenbereichen –, sollte das im Hinterkopf behalten. Lymow hat zwar seitliche Griffmulden integriert, aber die schiere Masse bleibt eine alltägliche Herausforderung. Optisch erinnert das Gerät eher an ein Baustellenfahrzeug als an einen klassischen Mähroboter. Breite Gummiketten, ein markanter Kameraturm mit integrierter Beleuchtung und der vorne montierte Mähdeck prägen das Erscheinungsbild.
Auf der Oberseite befinden sich ein kleines Display nebst Bedieneinheit sowie der obligatorische rote Knopf für den Notstopp. Das Chassis besteht aus hochfestem Stahl, die Aufhängung des Mähdecks aus A380-Druckguss-Aluminium. Die Verarbeitung macht einen robusten, hochwertigen Eindruck – hier wurde nicht am Material gespart.
Aufbau und Einrichtung
Die grundlegende Inbetriebnahme geht überraschend schnell von der Hand. Ladestation aufstellen, RTK-Antenne mit freier Sicht zum Himmel positionieren, Gerät einschalten, App öffnen – das war es im Wesentlichen. Die Verbindung zwischen Mähroboter und der Lymow-App ließ sich ohne Probleme herstellen, der Kopplungsvorgang per Bluetooth funktionierte zügig. Bis zu diesem Punkt hat mich das Gerät positiv überrascht.
Weniger erfreulich war das, was danach kam: ein zwingend erforderliches Firmware-Update direkt nach der ersten Kopplung. Das Update ließ sich nicht überspringen und beanspruchte eine erhebliche Menge Zeit – so viel, dass man zwischenzeitlich nicht sicher sein konnte, ob das Gerät überhaupt noch reagiert. Bis das Update abgeschlossen war und der Roboter einsatzbereit stand, verging deutlich mehr Zeit, als man für diesen Schritt erwarten würde. Schlussendlich half der Wechsel aus dem 2,4/5 GHz WiFi ins reine 2,4 GHz WiFi und das Tragen des Roboters ins Wohnzimmer.
So trennten Router und Lymow nur noch wenige Meter. Auch im laufenden Betrieb erwies sich die WLAN-Verbindung als wunder Punkt. Verbindungsabbrüche traten regelmäßig auf, selbst bei moderaten Entfernungen zur Ladestation. Die integrierte 4G-Anbindung (SIM-Karte liegt bei, erstes Jahr kostenlos) kann diese Schwäche teilweise auffangen, ist aber kein vollständiger Ersatz für eine stabile WLAN-Verbindung.
Navigation und Kartierung
Für die Ortsbestimmung kombiniert der Lymow One Plus RTK-Satellitennavigation mit VSLAM – also visueller Simultaner Lokalisierung und Kartierung über die beiden Frontkameras. Dieses Zusammenspiel ermöglicht grundsätzlich eine zentimetergenaue Positionierung – ein Ansatz, den auch Geräte wie der Segway Navimow H206E oder der Dreame A3 AWD Pro nutzen, dort allerdings ohne externe Antenne. Sollte das RTK-Signal zeitweise wegbrechen, kann der Roboter laut Hersteller auf einer Fläche von bis zu 150 m² oder für rund zehn Minuten autonom weiterarbeiten.
Im Test zeigte sich die RTK-gestützte Positionierung unter freiem Himmel als größtenteils zuverlässig. Unter Baumkronen oder in der Nähe von Gebäuden gab es allerdings Momente, in denen der Roboter spürbar zögerte oder Korrekturen vornahm. Diese Navigationsunschärfen führten nicht immer zu einem sauberen Mähbild und waren im Test die häufigste Ursache für kleine Lücken im Rasenmuster. Gelegentlich traten auch Situationen auf, in denen der Roboter einen Bereich mehrfach abfuhr oder eine Route unerwartet abbrach.
Auch fand er bei einer Mähtour nicht zurück in seine Basisstation und blieb einfach auf dem Rasen stehen. Für professionelle Ansprüche auf großen, heterogenen Flächen bleibt das Navigationssystem noch ausbaufähig. Bis zu 80 Mähzonen lassen sich in der App definieren, die Gesamtkartierungsfläche kann bis zu 60.000 m² betragen. Das ist ein Wert, der selbst professionelle Anwendungsfälle abdeckt. Die App selbst ist übersichtlich strukturiert und bietet unter anderem Zeitplanung, Zonenpriorisierung und Geschwindigkeitsanpassung.
Hinderniserkennung und Sicherheit
Hier liefert der Lymow One Plus einen der stärksten Eindrücke des gesamten Tests. Das Zusammenspiel aus KI-Kamera, fünf Ultraschallsensoren und zwei Hall-Sensoren für die Kantenerkennung reagiert sehr zuverlässig auf Hindernisse aller Art. Ob Gartenstuhl, Blumentopf oder herumlliegendes Spielzeug – der Roboter stoppte in nahezu allen Testsituationen rechtzeitig und wich aus.
Besonders bei niedrigen Objekten, die für kamerabasierte Systeme schwierig sind, überzeugte die Ultraschallsensorik. Positiv fiel außerdem auf, dass der Lymow One Plus auch nachts einsatzfähig ist: Die beiden LEDs am Kameraturm beleuchten den Bereich vor dem Roboter ausreichend für den autonomen Betrieb nach Sonnenuntergang.
Mähleistung
Das LYCUT 2.0 Mähwerk mit zwei gegenläufig rotierenden SK5-Stahlklingen hinterlässt ein sehr ordentliches Schnittbild. Die 40 cm Mähbreite, die bis zu 6.000 U/min drehenden Klingen und der vorne montierte Mähteller sorgen dafür, dass auch dichtes oder hohes Gras sauber abgetrennt wird. Wer bisher nur klassische Mähroboter mit kleinen Rasiermessern kannte – wie etwa beim ANTHBOT M9 oder dem ECOVACS GOAT O1200, wird den Unterschied im Schnittergebnis bemerken.
Die Schnitthöhe lässt sich elektrisch zwischen 30 und 100 mm einstellen – ein breites Spektrum, das sowohl Zierrasen als auch Wiesen abdeckt. Die Motorspitzenleistung von 1.785 Watt ermöglicht auch das problemlose Mähen von dichtem und hohem Gras, das andere Roboter schlicht überfordert.
Was beim Mähbetrieb auffällt: Der Roboter ist laut. Im Normalbetrieb bewegt sich der Schallpegel noch im Rahmen des Erwartbaren, im Turbomodus werden Werte von rund 74 dB(A) erreicht. Das entspricht in etwa dem Geräuschpegel eines konventionellen Rasenmähers – wer Rücksicht auf Nachbarn nehmen möchte, sollte Turbo-Einsätze auf tagsüber beschränken und Zeitpläne entsprechend einrichten. Kanten werden übrigens nicht mitgemäht – ein bis zwei Zentimeter Abstand zur Mähkante bleiben stets unbearbeitet, was je nach Gartengestaltung manuelles Nacharbeiten erfordern kann.
Geländegängigkeit und Antrieb
Die Gummiketten mit ihrem tiefen Profil sind das auffälligste Merkmal des Lymow One Plus – und gleichzeitig eines seiner überzeugendsten. Auf nassem Boden, sandigem Untergrund oder losem Substrat verliert das Gerät kaum Traktion. Obendrein gibt der Hersteller Kletterfähigkeiten von bis zu 45 Grad an. Hindernisse bis 7 cm Höhe werden ebenfalls problemlos überfahren.
Trotz der wuchtigen Ketten hinterlässt der Lymow auf dem Rasen keine Spuren. Das liegt daran, dass die Ketten beim Drehen gegenläufig arbeiten und den Druck gleichmäßig auf die Fläche verteilen. Die Höchstgeschwindigkeit von 1 m/s ist für einen Mähroboter ungewöhnlich hoch. Das mag beeindruckend aussehen, in der Praxis empfiehlt sich aber eine niedrigere Geschwindigkeit. Das nimmt zwar etwas mehr Zeit in Anspruch, doch das Schnittbild ist spürbar gleichmäßiger.
Akku und Ladestation
Der eingebaute LiFePO4-Akku mit 528 Wh ist einer der Kernvorteile des Lymow One Plus. LiFePO4-Technologie gilt als deutlich langlebiger und thermisch stabiler als konventionelle Lithium-Ionen-Zellen. Lymow gibt 2.000 Ladezyklen bei 80 Prozent Restkapazität an – das bedeutet in der Praxis viele Jahre Betrieb ohne Akkuverschleiß als relevantes Problem.
Das 405-Watt-Schnellladegerät bringt den Akku in rund 90 Minuten auf volle Kapazität. Pro Akkuladung schafft der Roboter bis zu 2.300 m² Fläche. An seiner Ladestation dockt der Roboter auch bei leicht schräger Anfahrt zuverlässig an – die federbelasteten Ladeschienen verzeihen dabei auch kleine Ungenauigkeiten.
Konnektivität und App
Mit Bluetooth, WLAN (2,4 und 5 GHz) sowie integriertem 4G/LTE-Modul ist der Lymow One Plus gut vernetzt. Die im Lieferumfang enthaltene SIM-Karte ist im ersten Jahr kostenlos nutzbar. In der Praxis zeigte sich WLAN als problematisches Element: Verbindungsabbrüche in der App traten zu häufig auf, als dass man sie als Ausnahme abtun könnte. Die 4G-Verbindung arbeitete stabiler, setzt aber eben voraus, dass das Netz am Einsatzort verfügbar ist.
Die Lymow-App ist für iOS und Android verfügbar. Die Bedienung ist übersichtlich, grundlegende Funktionen wie Zeitplanung, Zonenaufteilung und Schnitthöheneinstellung sind schnell zugänglich. Für Nutzer, die tiefer in die Konfiguration einsteigen wollen, bietet die App Einstellungen für Fahrgeschwindigkeit, Mähmuster und Zonenpriorisierung. Benachrichtigungen funktionieren zuverlässig. Für Firmware-Updates ist allerdings eine stabile Verbindung Voraussetzung – und wie oben beschrieben, kann dieser Schritt erheblich Zeit beanspruchen.
Fazit
Der Lymow One Plus ist zweifelsohne ein Exot unter den Mährobotern und eignet sich längst nicht für jeden Garten. Für ebene Kleingärten gibt es günstigere, leisere und einfacher zu handhabende Alternativen. Wer aber eine große, hügelige oder schwierig strukturierte Fläche bewirtschaften möchte und auf kabellose Navigation Wert legt, findet hier ein technisch ernstzunehmendes Gerät. Das LYCUT-2.0-Mähwerk mit seinen SK5-Stahlklingen hinterlässt ein ordentliches Schnittbild, die Ketten geben auf anspruchsvollem Gelände Sicherheit – ähnlich wie der Allradantrieb beim Dreame A3 AWD Pro oder dem MOVA LIDAX Ultra 1000 AWD, allerdings mit deutlich mehr Grip auf wirklich unebenem Untergrund – und der LiFePO4-Akku mit Schnellladefunktion ist einer der besten in seiner Klasse.
Auf der anderen Seite sind die WLAN-Verbindungsprobleme, das langwierige Pflicht-Firmwareupdate bei der Ersteinrichtung und die gelegentlichen Navigationsunsicherheiten echte Mankos, die gerade im Premiumsegment schmerzen. Zudem ist der Betriebslärmpegel im Turbomodus klar spürbar. Ein echtes Problem ist aus meiner Sicht auch das hohe Gewicht. Für viele Nutzer dürfte es ein echtes Problem sein, das Ungetüm überhaupt anzuheben. Für knapp 2.500 Euro sollte man von einem Gerät dieser Preisklasse eine ausgereiftere Software-Erfahrung erwarten dürfen – zumal Konkurrenten wie der Anthbot Genie 800 in niedrigeren Preisregionen teils deutlich flüssiger laufende Apps bieten. Wer die Hardware-Qualität und Geländegängigkeit schätzt und mit dem Gedanken leben kann, dass die Software noch Luft nach oben hat, bekommt mit dem Lymow One Plus ein ungewöhnliches und robustes Werkzeug für den Garten.
VORTEILE
- Gummiketten ermöglichen bis zu 45° Steigung
- Robuste SK5-Stahlklingen mit 6.000 U/min
- Schnellladung in nur 90 Minuten
- Tagesleistung bis 7.000 m² möglich
- 4G/LTE mit kostenlosem erstem Jahr inklusive
- Hochwertige Verarbeitung aus Stahl und Aluminium
- Starke Mähleistung
NACHTEILE
- 25 kg Gewicht erschwert Transport erheblich
- WLAN-Verbindung häufig instabil und abbrechend
- Zeitaufwändiges, nicht überspringbares Firmware-Update
- Gelegentliche Navigationsprobleme
- Präzisionsprobleme führen zu unvollständigem Mähbild
Fazit
Der Lymow One Plus meistert Steigungen und dichtes Gras souverän, kämpft aber mit Verbindungsproblemen und Navigationsunschärfen. Für extreme Geländebedingungen eine Option, im Alltag noch verbesserungswürdig.














