Breites SUV-Design, wuchtige 10,5-Zoll-Reifen, 1.350-Watt-Motor und 70 km Reichweite für 500 Euro? Der NAVEE N65i II ist zweifellos eine selbstbewusste Kampfansage an das E-Scooter-Segment. Aber ob sich der Kauf wirklich lohnt, wo die Stärken und wo die Schwächen liegen, klären wir im ausführlichen Test.
Technische Daten des NAVEE N65i II
| Produkt | N65i II |
| Maße | 1.210 mm x 600 mm x 1.300 mm (ausgeklappt); 1.210 mm x 600 mm x 610 mm (zusammengeklappt) |
| Gewicht | 23,6 kg |
| Maximale Zuladung | 150 kg |
| Leistung | 500W/1350W |
| Höchstgeschwindigkeit | 22 km/h |
| Reifen | 10,5 Zoll; Tubeless |
| Federung | Doppelfederung (Front) |
| Bremsen | Trommel (Front); Scheiben (Heck) |
| Sicherheit | EABS; TCS |
| Beleuchtung | Ja + Blinker |
| Reichweite | Bis zu 70 km (15 km/h); Bis zu 50 km (25 km/h) |
| Display | Ja (4 Zoll LED) |
| Preis | € 569,00 * |
NAVEE N65i II Test: Design und Verarbeitung
Gut anderthalb Jahre nach dem Erfolg des N65i legt NAVEE nach und bringt die zweite Version des SUV-E-Scooters an den Start. Schon beim ersten Blick auf den NAVEE N65i II wird klar: Das ist kein typischer City-E-Scooter, sondern ein selbstbewusstes, offroad-taugliches Modell.
NAVEE setzt hier auf QStE 420 hochfesten Stahl, was man direkt beim Anheben merkt. Mit 23,6 kg ist er wahrlich kein Leichtgewicht, aber genau das vermittelt Stabilität. Der Rahmen wirkt massiv, verwindungssteif und durchdacht konstruiert.
Mit 1.350 W Spitzenleistung und einem SUV-inspirierten, verstärkten Rahmen meistert der N65i II selbst Steigungen bis zu 24 % mühelos. Das 187 mm breite Trittbrett, 86 mm Bodenfreiheit und die doppelte Frontgabel-Federung sorgen für Stabilität und Komfort auf SUV-Niveau. Egal ob auf glatten Straßen, Kopfsteinpflaster oder rauem Gelände: Der N65i II scheut kein Terrain. Der stabile Stahlrahmen trägt bis zu 150 kg. Das ist eine der größten Traglasten in dieser Preisklasse und richtet sich explizit auch an schwerere Fahrer, die bei vielen Wettbewerbern schlicht aus dem Raster fallen.
Besonders spannend ist auch die Möglichkeit zum sicheren Anschließen. Kein Gefummel um dünne Streben, sondern eine stabile Struktur, an der du ein Schloss wirklich sicher befestigen kannst. Im Alltag ist das ein riesiger Vorteil.
Was die Verarbeitungsqualität angeht, bewegt sich der NAVEE N65i II auf solidem Niveau. Die Schweißnähte fallen im direkten Vergleich zu Premium-Modellen etwas grob aus, alles wirkt aber massiv und robust. Allerdings zeigen sich bereits beim Auspacken ein paar unschöne Lackabplatzer und Ungereimtheiten.
Ein kritischer Punkt ergib sich beim Zusammenkappen: Der einarmige Klappmechanismus am Schaft ist praktisch und schnell zu bedienen, erfordert jedoch etwas Übung, bis der Lenker sauber einrastet. Wer den Scooter täglich zusammen- und aufklappt, wird sich daran schnell gewöhnen, das dürfte aber gerne etwas komfortabler sein.
Ausstattung des NAVEE N65i II
Beim N65i II hat NAVEE gegenüber dem Vorgänger hinsichtlich der Ausstattung deutlich nachgelegt und das merkt man in der Praxis. Ausgestattet mit 1350W Peak-Leistung liefert der Motor eine starke Beschleunigung und stabile Performance, mit 24% Steigfähigkeit für urbane Strecken und Bergpfade. In Deutschland ist der E-Scooter auf 15 km/h gedrosselt, wobei die in der EU erlaubte Toleranz genutzt wird. Die Nennleistung für Deutschland beträgt 500 W, die Spitzenleistung liegt bei 1350 W.
Das Bremssystem ist eines der Highlights. Der N65i II setzt hier auf maximale Kontrolle: Scheibenbremse hinten, Trommelbremse vorne. EABS sowie Traktionskontrolle und ein verstärkter Stahlrahmen sorgen für höchste Stabilität und Sicherheit auf jeder Strecke. Das TCS (Traction Control System) ist dabei kein bloßes Marketinglabel – es greift tatsächlich spürbar ein, wenn die Haftung auf nassen oder losen Untergründen nachlässt. Ein Feature, das man in diesem Preissegment schlicht nicht erwartet.
Die 10,5″x80mm schlauchlosen Tubeless-Reifen mit tiefen Profilen sind gemacht für Schlamm, Kies, Sand und felsige Trails. Das schlauchlose Design hält dabei die Wartung angenehm niedrig und reduziert die Gefahr, einen platten Reifen zu bekommen.
Für zusätzlichen Komfort verfügt der NAVEE N65i II über eine doppelte Frontgabel-Federung, die Stöße und Vibrationen absorbiert und für sanftere Fahrten und mehr Komfort auf rauen oder unebenen Straßen sorgt. Das ist der entscheidende Unterschied zum Vorgänger N65i, der ohne Federung auskommen musste. In Kombination mit den breiten Reifen entsteht ein Setup, das auf Kopfsteinpflaster oder Schotterwegen tatsächlich komfortabler ist als viele Konkurrenten.
Das 6W Auto-Sensing-Frontlicht schaltet sich bei Dunkelheit automatisch ein und dimmt die Helligkeit, um Energie zu sparen. Blinker sind ebenfalls an Bord und entsprechen dem E-Mark-Standard. In Deutschland eine Pflicht, die hier serienmäßig erfüllt wird.
Beim Display setzt NAVEE auf ein 4-Zoll-Farbdisplay, das Geschwindigkeit, Gang, Akku und Fahrzeugstatus klar anzeigt. Bei Tageslicht kann die Ablesbarkeit je nach Sonneneinfall aber etwas leiden. Die Smart-Features sind für 599 Euro zudem bemerkenswert üppig. Der N65i II bringt echte Alltagserleichterung: Bluetooth-Entriegelung, Apple Find My zur Ortung und ein 4-Zoll-Farbdisplay.
Apple Find My ist für alle im iPhone-Ökosystem dabei ein echter Mehrwert, denn damit lässt sich der Scooter so zuverlässig tracken wie die eigenen AirPods. Die NavAirLock-Technologie entsperrt den Scooter automatisch, wenn du dich näherst und sperrt ihn automatisch wieder, wenn du dich entfernst. Sehr durchdacht und zuverlässig.
Die Navee-App für Android und iOS bietet darüber hinaus Funktionen wie Rekuperationsanpassung, elektronische Verriegelung, automatische Scheinwerfereinstellungen, Tempomat und Fahrtenbuch. Die Rekuperation lässt sich in drei Stufen (schwach, mittel, stark) einstellen. Praktisch, um sowohl Reichweite zu optimieren als auch das Bremsverhalten anzupassen.
Der NAVEE N65i II im Alltagstest
Nach mehreren Wochen im täglichen Einsatz lässt sich ein klares Bild zeichnen: Der N65i II ist ein E-Scooter, der seinen SUV-Anspruch im Großen und Ganzen einlöst. Wenn auch mit ein paar Einschränkungen, die man kennen sollte. Im Stadt-Alltag auf asphaltierten Straßen ist der Scooter eine Freude.
Die Beschleunigung ist kräftig und direkt, ohne nervös oder unkontrollierbar zu wirken. Das TCS verhindert dabei das bekannte Durchdrehen des Hinterrads beim Anfahren auf feuchtem Untergrund – wer auf nassen Herbststraßen schon einmal einen Schrecken bekommen hat, weiß das zu schätzen.
Die Bremsen sprechen extrem stark an und lassen sich sauber dosieren: vorne die Trommelbremse für sanftes Verzögern, hinten die Scheibe für schärfere Stopps, dazu das EABS, das bei stärkerem Bremsen automatisch hinzukommt und ein Blockieren der Räder verhindert. Die Bremsen greifen kräftig, hier empfiehlt es sich also, die Bremshebel eher sanft zu dosieren. Das geht nach kurzer Eingewöhnung aber gut von der Hand. Und hey: Besser als wenn die Bremsen nicht greifen würden, oder?
Die doppelte Frontgabel-Federung in Kombination mit den 10,5″×80mm Tubeless-Reifen erzeugt ein Fahrgefühl, das tatsächlich deutlich komfortabler wirkt als typische City-Modelle. Bordsteinkanten, Kopfsteinpflaster, Feldwege und Schlaglöcher: Der N65i II schluckt all das mit deutlich weniger Vibration im Lenker als ungefederte Konkurrenzmodelle. Das ist kein vollgefederter Off-Road-Scooter, aber für den urbanen Alltag reicht die Dämpfung vollkommen aus.
Leichte Schotterpassagen oder ausgetretene Feldwege am Stadtrand macht der N65i II problemlos mit. Wer allerdings ernsthaftes Offroad-Abenteuer plant, stößt hier an Grenzen. Und dennoch: Selbst auf rauem Untergrund fühlt sich der NAVEE N65i II durchaus wohl.
Ich habe den E-Scooter auf Feldwegen und Buckelpisten ausprobiert und war positiv überrascht von den gelungenen Fahreigenschaften. Die meisten Bodenwellen, Steine und Übergänge steckt der Roller mühelos weg. Beim Wechsel vom Matsch auf den Bürgersteig oder anderen starken Unebenheiten wird es dann durchaus ruppig, aber auch diese Hindernisse meistert das Gefährt problemlos. Einschränkungen gibt es beim Gewicht: Mit 23,6 kg ist der N65i II einer der schwereren Vertreter seiner Klasse.
Drei Fahrmodi im N65i II – Aber versteckt
Mit drei Fahrmodi – Fußgängermodus, Standardmodus und Sportmodus – lässt sich die Geschwindigkeit flexibel anpassen. Der Fußgängermodus ist dabei praktisch für enge Bereiche oder Schieben auf dem Gehweg. Blöd nur: NAVEE versteckt den Hinweis darauf, wie man zwischen den Modi wechselt, als kleines Detail in der Anleitung, das nur in einem Satz erwähnt wird.
Die Kurzanleitung verrät es gar nicht, lediglich die lange Anleitung erläutert, dass ein doppeltes Betätigen der Power-Taste zwischen den Modi wechseln lässt. Das hätte man besser lösen müssen, zumal auch die App keinerlei Hinweise darauf bietet.
Der Fußgängermodus beschränkt die Geschwindigkeit auf 6 km/h. Ideal zum Schieben. Im normalen Modus (D) erreicht der E-Scooter maximal 15 km/h, während nur im Sportmodus die Höchstgeschwindigkeit von offiziell 20 km/h realisiert wird. In der Praxis erreicht der Navee N65i II hier sogar 22 km/h.
Reichweite des N65i II
Bei der Reichweite gibt es für gewöhnlich die höchste Varianz zwischen Herstellerangabe und Realität. Der Hersteller wirbt mit bis zu 70 Kilometern Nutzung bei 15 km/h Geschwindigkeit beziehungsweise 50 km bei 15 km/h. Dieser Wert ist aber unter Idealbedingungen ermittelt: 75 kg Fahrergewicht, ebene Strecke, 25°C, kein Wind. In der Praxis sieht es erwartungsgemäß anders aus.
Je nach Gewicht, Fahrweise, Temperatur und Gelände liegt die realistische Reichweite des E-Scooters bei ungefähr 45 bis 60 km. Und das ist für einen Roller in dieser Preisklasse schon ziemlich eindrucksvoll. Die 477,36 Wh Batterie (46,8 V) ist eine der größten in dieser Preisklasse und gibt dem N65i II einen echten Vorteil gegenüber vielen Konkurrenten.
Wer täglich 10–15 km fährt, kommt also locker mehrere Tage ohne Laden aus. Das ist zweifellos die relevanteste Kennzahl für Pendler und hier liefert der N65i II überzeugend. Das Laden dauert bei einem entsprechend großen Akku natürlich lange. Rund 8 Stunden Zeit genehmigt sich der E-Scooter, bis die Batterie vollgeladen ist.
NAVEE N65i II Test: Fazit
Tolle Fahreigenschaften, eine moderne Ausstattung und ordentliche Motorleistung zeichnen den NAVEE N65i II aus. Die Verarbeitung zeugt klar davon, dass wir uns hier im mittleren Preissegment bewegen. Manchen Schweißnähte sind unsauber, hier und da gibt es Lackabplatzter, aber: Im Kern gibt’s hier nicht viel auszusetzen.
Vor allem die Offroad-Talente des NAVEE N65i II machen den E-Scooter für all diejenigen interessant, die nicht nur auf asphaltierten Straßen unterwegs sein wollen. Hier meistert der Roller dank SUV-Design, großer Reifen und stabiler Performance selbst unwegsames Gelände samt hoher Steigungen – einen vollgefederten Offroad-Scooter sollte man allerdings besser nicht erwarten.
Apples Find My-Integration ist für iOS-User durchaus nice-to-have, die App-Anbindung zweckmäßig. So ergibt sich für den NAVEE N65i II ein rundes Gesamtpaket ohne grobe Patzer, dafür aber mit sinnvollen Verbesserungen gegenüber der ersten Version. Nicht perfekt, aber spaßig und zuverlässig.
VORTEILE
- Tolle Fahreigenschaften
- Starke Bremsen & EABS
- Ordentliche Motorleistung
- Bis zu 70 km Reichweite
- Apple Find My
- Wartungsarme Reifen
- Zusammenfaltbar
- Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
- Helle Scheinwerfer
NACHTEILE
- Verarbeitung nicht tadellos
- Sehr schwer
- Faltmechanismus könnte besser sein
- App eher rudimentär
Fazit
Gute Leistung, moderne Ausstattung und tolle Fahreigenschaften machten den N65i II zu einem interessanten E-Scooter im mittleren Preissegment.



