Der Markt für Saugroboter der oberen Mittelklasse wird umkämpfter. Wer rund 900 Euro ausgeben möchte, hat heute mehr gute Optionen denn je. Roborock schickt in diesem Segment den Qrevo Edge 2 ins Rennen, der auf den ersten Blick einiges verspricht. Hier gibts satte 25.000 Pa Saugleistung, einen einfahrbaren LiDAR-Turm für besonders flache Bauweise und eine vollautomatische Basisstation mit Heißwasser-Moppwäsche bei bis zu 80 Grad. Der Name ist dabei Programm. Edge (engl. Kante) soll nicht nur ein Marketingversprechen sein, sondern der eigentliche konstruktive Schwerpunkt des Gerätes – die Kantenreinigung. Was der Qrevo Edge 2 im Alltag wirklich kann und wo er Kompromisse eingeht, haben wir uns genauer angeschaut.
Technische Daten
| Modell | Roborock Qrevo Edge 2 |
| Saugleistung | 25.000 Pa (HyperForce®) |
| Abmessungen Roboter | 352 × 352 × 79,8 mm |
| Navigationssystem | LiDAR + dToF-Sensor (100° Sichtwinkel bei eingefahrenem Turm) + RGB-Kamera mit strukturiertem Licht |
| Staubbehälter Roboter | 240 ml |
| Staubbehälter Basisstation | 2.700 ml |
| Frischwassertank Basisstation | 4.000 ml |
| Schmutzwassertank Basisstation | 3.500 ml |
| Wischdruck | 8 N |
| Moppwäsche | Heißwasser bis 80 °C |
| Mopptrocknung | Warmluft (45 °C) |
| Maximale Schwellenhöhe | 20 mm |
| Betriebsgeräusch (Wischmodus) | 55 dB |
| Hinderniserkennung | Reactive AI, 62 Objekttypen in 20 Kategorien |
| Automatische Entleerung | bis zu 65 Tage ohne manuelle Leerung |
| Smarthome-Integration | Amazon Alexa, Google Home, Apple Siri, Matter |
| Sprachassistent | „Hello Rocky“ (offline nutzbar) |
| Reinigungssystem | DuoDivide-Hauptbürste, FlexiArm-Arc-Seitenbürste (ausfahrbar), rotierender Wischmopp rechts (ausfahrbar) |
| Preis | Preis nicht verfügbar * |
Lieferumfang
- Roborock Qrevo Edge 2 Saugroboter
- Multifunktionsbasisstation mit Schmutz- und Frischwassertank sowie Staubbeutel
- 2 × rotierende Wischmopps (vorinstalliert)
- Netzkabel für die Basisstation
- Befestigungsmaterial (Rampe/Andockzubehör)
- Dokumentation (Schnellstartanleitung, Sicherheitshinweise)
Design und Verarbeitung
Der Qrevo Edge 2 gliedert sich optisch bestens in die aktuelle Roborock-Designsprache ein: runde Silhouette, saubere Flächen, minimalistische Oberseite. Erhältlich ist er in Weiß und Schwarz – die schwarze Variante hat dabei einen angenehmen Nebeneffekt: Fingerabdrücke fallen deutlich weniger auf als bei vielen anderen dunkel lackierten Robotern. Das Gehäuse macht insgesamt einen robusten Eindruck, die Spaltmaße sind gleichmäßig.
Das auffälligste Designmerkmal ist der LiDAR-Turm, der nicht wie bei der großen Mehrzahl der Konkurrenten mittig sitzt, sondern bewusst nach hinten versetzt wurde. Dieser Clou hat einen konkreten Zweck: Vor niedrigen Möbeln fährt der Turm automatisch ins Gehäuse ein, womit der Roboter auf gerade einmal 7,98 cm Höhe schrumpft und Stellen erreicht, an denen andere Modelle schlicht aufgeben. Und er reinigt im eingezogenen Zustand nicht blind weiter.
Ein dToF-Sensor übernimmt die Orientierung mit einem Sichtwinkel von 100 Grad, eine LED unterstützt bei schlechten Lichtverhältnissen. An der Unterseite sitzt die DuoDivide-Hauptbürste, ein zweigeteiltes System aus zwei parallel angeordneten Walzen mit kurzen Borsten und spiralförmigen Lamellen. Sie soll Haare aktiv zu den Bürstenenden ableiten und Verhedderungen so von vornherein verhindern. Das System hat sich Roborock von SGS und TÜV entsprechend zertifizieren lassen.
Die ausfahrbare FlexiArm-Arc-Seitenbürste ist ebenfalls nennenswert. Sie ist bogenförmig gestaltet und kann bei Bedarf seitlich ausgeschwenkt werden, um Ecken und Wandkanten gezielt anzufahren. Ergänzt wird das Ganze durch einen ausfahrbaren Wischmopp auf der rechten Seite, der für die Kantenreinigung nach außen gleitet. Die Basisstation ist ein kompaktes, hochformatiges Gerät mit integriertem Staubbeutel, Frisch- und Schmutzwassertank.
Frischwasser- und Schmutzwassertank sind separat zugänglich und lassen sich ohne großen Aufwand entnehmen. Das liegt an den praktischen Tragegriffen, die Roborock hier verbaut. Der abnehmbare Wascheinsatz der Station erleichtert die gelegentliche Reinigung der Waschschale zusätzlich. Verarbeitungsmäßig gibt es an der Station keine größeren Einwände, wenngleich das Kunststoffmaterial im direkten Vergleich zum Roboter etwas weniger wertig wirkt.
Einrichtung
Die Einrichtung folgt dem bekannten Roborock-Schema und läuft entsprechend reibungslos ab. Basisstation aufstellen, Rampe befestigen, Netzkabel anschließen, Roboter einsetzen – fertig mit der Hardware. Anschließend öffnet man die Roborock-App, scannt den QR-Code unter dem Deckel des Roboters und wird durch die Ersteinrichtung geführt. WLAN-Einbindung, Aktualisierung der Firmware und ein paar grundlegende Hinweise zu Einstellungen und Sperrzonen. Das alles ist in wenigen Minuten erledigt.
Danach schickt man den Roboter auf eine erste Kartierungsfahrt. Dieser Durchgang erfordert ein paar Minuten Wartezeit und ein möglichst aufgeräumtes Zuhause, da der Qrevo Edge 2 für eine saubere Karte idealerweise alle Bereiche ohne Hindernisse abfahren sollte. Die erste Karte wird in der Regel präzise erstellt – Räume werden korrekt voneinander getrennt, Möbel sauber als solche erkannt. Sollten kleinere Korrekturen nötig sein, ist das kein Problem.
Für Anpassungen wie Änderungen der Raumaufteilung oder Einrichtung von Sperrzonen stehen in der App entsprechende Werkzeuge zur Karteneditierung bereit. Matter-Integration und Anbindung an Alexa, Google Home oder Siri sind ebenfalls über die App einrichtbar. Der Offline-Sprachassistent „Hello Rocky“ lässt sich ohne WLAN-Verbindung per Sprache steuern und ist direkt nach der Grundeinrichtung aktiv.
Roborock App
Die Roborock App ist funktional, umfangreich und bietet nahezu alles, was man sich wünscht. Grundlage ist die automatisch erstellte Karte, auf der sich Räume benennen, Sperrzonen einzeichnen und individuelle Reinigungsreihenfolgen festlegen lassen. Für jede Zone können Saugstärke und Wasserdurchfluss getrennt eingestellt werden. Beispiel: Wohnzimmer auf mittlerer Leistung, Küche auf Maximum, Schlafzimmer mit wenig Wasser. Das gibt echte Kontrolle über das Reinigungsergebnis.
Das KI-gestützte Planungssystem SmartPlan 3.0 übernimmt diese Arbeit auf Wunsch selbständig. Es erkennt Raumtypen, wertet Reinigungsgewohnheiten aus und wählt in Eigenregie die jeweils passende Strategie. Im Test funktioniert das überzeugend – der Roboter erhöhte auf Teppichen automatisch die Saugkraft und reduzierte die Wassermenge, ohne dass man selbst eingreifen musste. Zeitpläne, Reinigungsberichte und eine detaillierte Reinigungshistorie runden den App-Funktionsumfang ab.
Die Teppichoptionen verdienen besondere Erwähnung: In der App lässt sich festlegen, ob der Roboter seine Wischmopps beim Überqueren von Teppichen um 10 mm anheben oder vollständig in der Basisstation ablegen soll, bevor er Teppichflächen befährt. Letzteres funktioniert äußerst zuverlässig und schützt Teppiche konsequent vor ungewollter Feuchte.
Navigation und Hinderniserkennung
In Sachen Hinderniserkennung macht der Qrevo Edge 2 größtenteils eine gute Figur. Das Zusammenspiel aus LiDAR, dToF-Sensor und RGB-Kamera mit strukturiertem Licht ergibt eine Hinderniserkennung, die zwischen 62 Objekttypen unterscheiden kann und im Test durchaus überzeugte. Kabel, Kleinteile, flache Gegenstände – der Roboter erkannte und umfuhr nahezu alles größtenteils zuverlässig.
Dank LED an der Front auch zu später Stunde und in dunklen Ecken. Es kam dennoch gelegentlich zu kleinen Schnitzern. So saugte der Robo in zwei von zehn Fällen beispielsweise einen Schnürsenkel ein. Die Kabelerkennung funktioniert also meist zuverlässig, aber eben nicht hundertprozentig genau. Der einfahrbare LiDAR-Turm ist konzeptionell das interessanteste Element des Gerätes.
Wer Möbel mit weniger als 10–11 cm Bodenfreiheit besitzt, wird schnell merken, welchen Unterschied dieser Ansatz macht – der Roboter reinigt sauber darunter, wo andere Modelle einfach umdrehen würden. Im eingezogenen Zustand navigiert er über den dToF-Sensor weiter und findet zuverlässig wieder zurück zur Basisstation. Die Einschätzung enger Durchfahrten ist gut.
Der Qrevo Edge 2 prüft Engpässe sorgfältig, bevor er sie befährt, und schätzt seine eigenen Abmessungen verlässlich ein. Nur in einem Szenario – Bürostühle mit mehreren Beinen – kann es vereinzelt zu kurzzeitigem Feststecken kommen, aus dem sich der Roboter aber in den meisten Fällen selbstständig befreit.
Saugleistung
25.000 Pa HyperForce – das ist eine Ansage, und der Qrevo Edge 2 hält, was die Zahl verspricht. Auf Hartböden arbeitet er souverän und nahezu rückstandsfrei: Haferflocken, Reiskörner, Kaffeebohnen – nach einem Saugvorgang konnte ich auf meinem Hartboden kaum Rückstände finden. Auch die Kantenreinigung überzeugt dank ausfahrbarer Seitenbürste. Auf Teppichen schlägt sich der Qrevo Edge 2 ebenfalls besser als man von einem Modell dieser Preisklasse vielleicht erwarten würde.
Kurzflorteppiche und niedrige Textilbeläge werden fast vollständig gesäubert, die Saugkraft steigt beim Wechsel auf Teppich automatisch an. Mittelklasse mithalten? Ein Hochflorteppich mit sehr flauschiger Konsistenz ist allerdings eine echte Challenge für das Gerät. Hier hapert es nicht nur am Absaugen des Schmutzes in tieferliegenden Fasern. Obendrein fiel es dem Robo schwer, den Teppich zu befahren. Allerdings soll das nicht allzu schwer ins Gewicht fallen, da selbst Flaggschiffe hier so ihre Probleme haben.
Die DuoDivide-Hauptbürste macht im Alltag wieder einen hervorragenden Job. Als Besitzer von zwei Langhaarskatzen bewährte diese sich nämlich und ich konnte keinerlei verheddere Haare finden. Das verspricht Wartungsarmut. Sollte sich hier dennoch mal was verheddern, kann man die Bürsten kinderleicht herausnehmen und säubern.
Wischleistung
Beim Wischen liefert der Qrevo Edge 2 ein solides, aber differenziertes Bild. Frische Flecken, Fußabdrücke und leichte Verschmutzungen auf Laminat oder Fliesen wischt er mit den rotierenden Mopps und einem Wischdruck von 8 N problemlos weg. Auch leicht eingetrocknete Rückstände von Ketchup oder Marmelade verschwinden nach zwei Reinigungstouren restlos. Vorausgesetzt man erhöht die Wasserdurchflussrate entsprechend.
Bei hartnäckigeren, stärker eingetrockneten Flecken stößt das System jedoch an seine Grenzen. Hier mangelt es womöglich an Anpressdruck. Wer regelmäßig mit hartnäckigem Schmutz zu kämpfen hat, wird bei solchen Situationen auf manuelles Nacharbeiten zurückgreifen müssen oder den maximalen Wasserdurchfluss aktivieren und mehrere Reinigungsdurchgänge einplanen. Auch bei größeren Flüssigkeitsmengen auf dem Boden stößt das Mopp-System erwartungsgemäß an seine Grenzen.
Das ist aber ein gängiges Problem von Modellen mit Wischpads, da hier erfahrungsgemäß ein integrierter Schmutzwassertank fehlt. Modelle mit Wischwalze sind hier klar im Vorteil. Ein klares Plus hingegen: Die Kantenreinigung per ausfahrendem Wischmopp auf der rechten Seite ist ein echter Vorteil. Der Mopp gleitet gezielt an Wänden entlang und erreicht Stellen, die bei Robotern mit fester Wischkonfiguration schlicht unerreicht bleiben.
Auch die Teppicherkennung beim Wischen greift zuverlässig: Der Roboter stoppt rechtzeitig, hebt die Mopps an und wechselt nahtlos auf die reine Saugfunktion. Auf eine automatische Reinigungsmitteldosierung muss man beim Qrevo Edge 2 verzichten. Das ist kein K.O.-Kriterium, aber an hartnäckigen Stellen wäre eine Dosierstation ein nettes Extra. Wer dennoch nicht verzichten will, muss die Reinigungslösung manuell dem Frischwassertank beigeben.
Basisstation im Alltag
Die Multifunktionsbasisstation ist das Rückgrat des Qrevo Edge 2 im täglichen Betrieb und funktioniert weitgehend autonom. Nach jeder Reinigungsfahrt dockt der Roboter eigenständig an, der integrierte Beutel nimmt den Staub aus dem 240-ml-Behälter des Roboters auf. Dank des großzügig bemessenen Staubbehälters in der Station (2700 ml) hält dieser laut Hersteller bis zu 65 Tage, bevor er manuell gewechselt werden muss.
In einem normalen Haushalt ohne intensive tägliche Nutzung ist das realistisch. Die Moppreinigung läuft mit Heißwasser von bis zu 80 Grad, was im Vergleich zu Modellen mit 60-Grad-Systemen deutlich effektiver gegen Fettablagerungen und potenzielle Keimbelastung wirkt. Im Anschluss werden die Wischpads mit 45 Grad warmer Luft getrocknet.
Dieser Schritt ist wichtig, um Schimmelbildung und unangenehme Gerüche zu verhindern. Der Frischwassertank fasst 4 Liter, der Schmutzwassertank 3,5 Liter. Je nach Reinigungsintensität und Wohnungsgröße reicht das für mehrere Reinigungsläufe, bevor man einmal kurz Hand anlegen muss.
Der abnehmbare Wascheinsatz der Station ist ein praktisches Detail: Statt die gesamte Station zu reinigen, lässt sich der Boden des Andockbereichs einfach herausnehmen und unter fließendem Wasser abspülen. Warmwasser wird automatisch nachgefüllt, was die Reinigungseffizienz der Mopps bei jedem Folgegang verbessert.
Fazit
Der Roborock Qrevo Edge 2 ist ein überzeugender Saug-Wisch-Roboter mit einigen echten Alleinstellungsmerkmalen. Der nach hinten versetzte, einfahrbare LiDAR-Turm ist kein Marketingtrick, sondern eine durchdachte Konstruktionsentscheidung, die im Alltag spürbar Vorteile bringt. Zusammen mit der starken Saugleistung von 25.000 Pa, der zuverlässigen Teppicherkennung und dem intelligenten System aus ausfahrbarer Seitenbürste und ausfahrendem Wischmopp hinterlässt er auf Hartböden und Teppichen einen ausgezeichneten Eindruck.
Die Wischleistung ist solide, kommt aber bei hartnäckigen Flecken ohne zusätzliche manuelle Eingriffe an ihre Grenzen. Mitunter gibt es bei sehr kleinen Hindernissen außerdem Probleme mit der Hinderniserkennung. Für rund 900 Euro bekommt man dennoch ein Gerät, das in der oberen Mittelklasse klar zu den besseren Optionen zählt. Tierbesitzer und alle, die Wert auf gründliche Reinigung auch unter niedrigen Möbeln legen, werden mit dem Qrevo Edge 2 eine gute Wahl treffen.
VORTEILE
- Sehr flache Bauweise mit einfahrbarem LiDAR-Turm
- Hohe Saugleistung von 25.000 Pa
- Ausfahrbare Seitenbürste und Wischmopp
- Heißwasser-Moppwäsche (80 °C)
- DuoDivide-Hauptbürste
- Umfangreiche App
NACHTEILE
- Leichte Probleme bei kleinen Hindernissen
- Schwächen bei hartnäckigen Flecken
Fazit
Der Qrevo Edge 2 überzeugt mit starker Saugleistung, cleverer Kantenreinigung und durchdachter Ausstattung. Für eine UVP von rund 900 Euro bekommt man einen der derzeit besten Saugroboter seiner Klasse.
