Sennheiser Momentum 5 Wireless im Test: Der Kopfhörer fürs Leben?

Philipp Briel
Philipp Briel · 11 Min. Lesezeit
Sennheiser Momentum 5 Wireless

Nach beinahe vier Jahren Wartezeit, der Vorgänger (unser Test) erschien immerhin bereits 2022, hat Sennheiser endlich nachgelegt. Die Sennheiser Momentum 5 Wireless erscheinen in einer Phase, in der fast die gesamte Premium-Konkurrenz bereits zwei Produktzyklen weiter ist. Ich habe die Kopfhörer über mehrere Wochen im Alltag begleitet und vorweg: Das auffälligste Merkmal versteckt sich nicht im Klang, sondern unter der Ohrmuschel. Und: Das Ding ist extrem gut!

Technische Daten der Sennheiser Momentum 5 Wireless

Produkt Momentum 5 Wireless
Kopfhörertyp Over-Ear (geschlossen)
Bluetooth-Version 5.4 (6.0 per Firmware-Update geplant)
Bluetooth-Codecs SBC, AAC, aptX, aptX Adaptive, aptX HD, aptX Lossless
Noise-Cancelling Ja, adaptives ANC mit 8 Mikrofonen
Akkulaufzeit Bis zu 57 Std. (mit ANC)
Besonderheit Vom Nutzer austauschbarer Akku & Ohrpolster
Treiber 42 mm (dynamisch, HD-600-inspiriert)
Raumklang Dolby Atmos inkl. Headtracking
Equalizer (App) 8-Band, Klangeinmessung, Soundzonen (GPS)
Begleit-App Smart Control+ (iOS & Android)
Gewicht 291 g
Anschlüsse USB-Type-C (Audio bis 24 Bit/96 kHz); 2,5-mm-Klinke
Lieferumfang Tragetasche, 3,5-mm-Klinkenkabel, USB-C-Kabel
Farbvarianten Schwarz, Weiß, Denim
Marktstart 30. Juni 2026
Preis (UVP) 399,90 Euro

Design und Verarbeitung: Ein klarer Schritt nach vorne

Optisch knüpft der Sennheiser Momentum 5 Wireless nahtlos an seinen Vorgänger an, wirkt in meinen Augen aber etwas wertiger. Der Kopfbügel ist an der Außenseite mit Stoff und an der Innenseite mit Kunstleder bespannt, die ovalen Ohrmuscheln sehen schick aus und wirken mehr wie aus einem Guss. Gerade der Stoffbügel lässt den Kopfhörer hochwertiger wirken, als er sich in der Hand anfühlt. Das Stoffäußere des Kopfbandes sieht und fühlt sich wertig an, doch die Ohrmuscheln wirken beim Anfassen etwas billig und plastikartig. Wer von der Konkurrenz das kühle Aluminium von Apple oder Sony gewohnt ist, merkt den Unterschied – mich hat es im Testalltag aber nie gestört.

Das Herzstück liegt im Inneren. Nimmt man die Ohrpolster ab, lassen sich vier Kreuzschlitzschrauben an der linken Ohrmuschel lösen; danach kann man die gesamte Lautsprechereinheit in einem Stück herausziehen und an den Akku gelangen. Das ist mehr als eine Spielerei: Der Akku lässt sich mit nichts weiter als einem normalen Schraubendreher und ein paar Minuten Zeit austauschen, und auch die verschleißanfälligen Ohrpolster sind wie schon beim Vorgänger ersetzbar. Sennheiser kommt damit einer regulatorischen Entwicklung zuvor – eine EU-Richtlinie verpflichtet Hersteller ab Mitte Februar 2027, Verbrauchern den eigenständigen Akkutausch in Kopfhörern zu ermöglichen.

Bei der Mobilität gibt es allerdings einen Wermutstropfen. Anders als die Sony WH-1000XM6 (Test) oder die Bose QC Ultra 2 (Test) lassen sich die Momentum 5 Wireless nicht vollständig zusammenklappen. Weil die Hörer lediglich flach gelegt werden, statt einzuklappen, ist das stoffbezogene Case recht breit, wenn auch nicht besonders tief.

Sennheiser Momentum 5 Wireless
Der Tragekomfort ist schlicht exzellent

Beim Tragekomfort punktet der Sennheiser dafür wieder. Geboten werden eine großzügige Polsterung und geräumige Ohrmuscheln mit nur leichtem Druck auf den Kopf. Im Test konnten Stunden vergehen, ohne dass auffiel, dass man die Kopfhörer überhaupt noch trug. Ganz spurlos geht das Tragen aber nicht vorbei: Mit 291 Gramm merkt man den Over-Ear beim Tragen dennoch, und mit der Zeit heizt das Kunstleder die Ohren etwas auf. Zum Vergleich: Die Sony WH-1000XM6 wiegen mit 254 Gramm spürbar weniger.

Sennheiser Momentum 5 Wireless Test: Top-Ausstattung

Bei Sennheiser steht die Soundqualität seit jeher an erster Stelle. Dennoch hat man mit den Momentum 5 Wireless die Ausstattungsliste aber nicht vernachlässigt. Die Verbindung läuft über Bluetooth 5.4, wobei das Material den Hörer als „Bluetooth 6.0 ready“ ausweist. Ein späteres Firmware-Update soll den Standard im Laufe des Jahres auf 6.0 anheben und LE Audio mitbringen – für geringere Latenz, bessere Akkulaufzeit und potenziell besseren Klang.

Sennheiser Momentum 5 Wireless
Der Lieferumfang der Sennheiser Momentum 5 Wireless

Bei den Codecs ist man üppig ausgestattet: Neben AAC und SBC bietet der Sennheiser auch aptX, aptX Adaptive, aptX HD sowie aptX Lossless. Insgesamt sechs Audiocodecs also, die auch audiophile Ansprüche bedienen. Praktisch im Alltag ist die Mehrgeräteverbindung. Multipoint erlaubt die gleichzeitige Verbindung mit zwei Geräten. Im Test habe ich beispielsweise die Sennheiser Momentum 5 Wireless mit meinem Smartphone und Notebook verbunden, was probemlos funktioniert hat.

Für Freunde des Raumklangs gibt es Dolby Atmos samt Headtracking. Beim Headtracking bleibt das Audiosignal fest auf den Abspieler fixiert. Dreht man den Kopf nach links, hört man die Musik zum Großteil nur aus einer Ohrmuschel. Und das hat Sennheiser in meinen Augen wirklich exzellent integriert. Die räumliche Darstellung sowie das Headtracking arbeiten deutlich akkurater als bei vielen Konkurrenten und verbessern vor allem von Live-Aufnahmen die Räumlichkeit deutlich.

Sennheiser Momentum 5 Wireless

Wer kabelgebunden hören möchte, kann das ebenfalls: Im Lieferumfang befinden sich neben einer Tragetasche ein 3,5-Millimeter-Klinkenkabel sowie ein USB-C-Ladekabel, über das sich der Sennheiser etwa mit dem PC verbinden und Musik kabelgebunden abspielen lässt. Einen kleinen Haken gibt es: Die Kopfhörer müssen eingeschaltet sein, damit der Kabelbetrieb funktioniert, was etwa bei Sony anders gelöst ist.

Akkulaufzeit des Sennheiser Momentum 5

Das ist die Paradedisziplin der Sennheiser Momentum 5 Wireless. Im Test spielte der ANC-Over-Ear-Kopfhörer mit einer vollen Ladung, hoher Lautstärke, aktiviertem Noise-Cancelling auf höchster Stufe sowie aptX-HD-Konfiguration satte 53 Stunden und 42 Minuten. Sennheiser selbst nennt sogar bis zu 57 Stunden mit aktiviertem ANC bei moderater Lautstärke. Beide Werte decken sich mit meiner Praxiserfahrung: Selbst mehrere Tage reichten nicht aus, um den Akku des Momentum 5 leer zu bekommen. Eine komplette Arbeitswoche ohne Ladekabel ist problemlos drin.

Im Wettbewerbsvergleich ist der Abstand drastisch. Die AirPods Max 2 schaffen laut Apple bis zu 20 Stunden, die Bose QuietComfort Ultra bis zu 24 Stunden und die Sony XM6 bis zu 30 Stunden. Sennheiser hängt die Konkurrenz also nahezu um den Faktor zwei ab.

Besonders wertvoll für die Langlebigkeit ist eine App-Funktion, die ich jedem ans Herz lege: Über die Smart-Control-Plus-App lässt sich ein Akkuschutz aktivieren, der (zulasten der vollen Ladung auf 100 %) die Lebensdauer der verbauten Zelle deutlich verlängert. In Kombination mit dem austauschbaren Akku ergibt das ein Gesamtpaket, das auf jahrelange Nutzung ausgelegt ist.

App-Anbindung und Bedienung

Die Steuerung erfolgt teils direkt am Hörer, teils über die App. Die Touch-Bedienung steht im Mittelpunkt: Mit Tipp- und Streichgesten erhöhen Nutzer die Lautstärke oder springen zum nächsten Titel, und die Touch-Flächen erfassen die Finger sehr gut. Im Alltag fand ich die Bedienung angenehm direkt – anders als bei vielen Konkurrenten lässt sich die Lautstärke mit einem langsamen Wisch gleich um mehrere Stufen verändern, während man bei Sonys XM6 mehrfach wischen muss. Praktisch ist, dass sich ANC und Transparenzmodus mit zwei Fingern direkt an der Ohrmuschel justieren lassen, wofür man bei vielen anderen Modellen erst die App öffnen muss.

Die Smart Control+ App selbst ist aufgeräumt und funktionsreich. Bekannt vom Vorgänger, punktet die App (für iOS und Android) mit übersichtlicher Menüführung sowie großem Funktionsumfang, zeigt den Ladestand an und bietet eine Kopfhörersuche. Besonders clever ist die standortbasierte Steuerung: Über sogenannte Soundzonen stecken Nutzer einen kreisförmigen Bereich ab und legen fest, welchen Modus der Kopfhörer dort aktivieren soll – erreicht man etwa die Arbeitsstelle, schaltet der Over-Ear das Noise-Cancelling ein. Im Test klappte das gut. Hinzu kommt die individuelle Klanganpassung: Über die Klangeinmessung in der App lässt sich der Sound an das eigene Gehör anpassen.

Für Läufer dürfte zudem der in der App aktivierbare Windschutzmodus die nützlichste Funktion sein. Eine Einschränkung muss ich nennen: In der App steht lediglich ein 8-Band-Equalizer bereit. Einen parametrischen EQ, den Sennheiser durchaus beherrscht, behält der Hersteller den teureren Modellen vor.

Sennheiser Momentum 5 Wireless Test: Soundqualität, ANC und Mikrofone

Klanglich hat sich gegenüber dem Vorgänger spürbar etwas getan. Der Sennheiser Momentum 5 Wireless liefert eine etwas weitere Klangbühne und etwas knackigere Bässe, die schön tief reichen, sich aber bewusst im Hintergrund halten. Die Abstimmung ist sehr ausgewogen, fast schon zurückhaltend. Allerdings ist alles genau richtig dosiert und an seinem Ort.

Das eigentliche Highlight liegt aber in der Mitte. Die Mitten bieten eine Natürlichkeit und Einsicht, die selbst teureren Alternativen Konkurrenz machen. Stimmen wirken warm, präsent und detailliert. Es sind reiche, geschmeidige und zugleich präzise und detailreiche Kopfhörer mit einer Signatur, die das Hören erfrischend unangestrengt macht. Was ihm fehlt, ist der letzte Antrieb: Songs mit treibendem Rhythmus klingen über den Sennheiser entspannter als über die Sony WH-1000XM6, die eine nach vorn gerichtete Dringlichkeit besitzen.

Wie einem das schmeckt, ist aber sicherlich Geschmackssache. Ich persönlich würde es folgendermaßen beschreiben: Die Momentum 5 Wireless sind die Mercedes-Benz S-Klasse. Komfortabel, hochwertig und ideal zum dauerhaften Cruisen. Die WH-1000XM6 hingegen sind der BMW M5. Schärfer, straffer, mehr nach vorne. Aber nicht ganz so komfortabel. Macht das Sinn?

Sennheiser Momentum 5 Wireless

Dennoch gilt: An die hauseigene Speerspitze reicht er nicht ganz heran. So klar wie der hervorragende Sennheiser HDB 630 ist er nicht und die Stereoabbildung fällt etwas enger aus. Diese Enge versucht der Sennheiser Momentum 5 Wireless mit Dolby Atmos auszugleichen, was allerdings nur nur bedingt gelingt. Spürbar nach oben geht es dagegen per Kabel. Eine USB-C-Verbindung verarbeitet Dateien bis 24 Bit/96 kHz und verleiht Instrumentaltexturen mehr Fülle und Tiefe. Wer mag, justiert den Klang zudem über die Klangeinmessung in der App individuell an das eigene Gehör nach.

Active Noise Cancelling (ANC)

Auch beim ANC hat Sennheiser hörbar nachgerüstet. Die neuen Hörer nutzen doppelt so viele Mikrofone für laut Hersteller „dreimal“ bessere Mitten-Geräuschunterdrückung. Das funktionale Prinzip zeigt sich im Alltag deutlich: Insbesondere tiefe, gleichbleibende Geräusche wie Verkehr oder das Brummen einer Klimaanlage sind kräftig abgedämpft, während gegen plötzliche, hohe Laute der Momentum 5 nicht vollständig ankommt – diese sind nun aber leiser als beim Vorgänger.

Sennheiser Momentum 5 Wireless

Bei der spürbaren Wirkung helfen zudem zwei Faktoren zusammen: Ein Teil der Verbesserung kommt von tieferen Ohrmuscheln mit besserer Isolation, der andere von der stärkeren ANC-Einheit selbst. Dennoch bleibt ein Abstand zur Spitze: Der Effekt fühlt sich eher wie ein Abmildern der Geräusche an als wie ein vollständiger Ausschluss, was Sony und Bose effektiver gelingt.

An einen Bose QC Ultra (2. Gen.) reicht der Sennheiser also nicht heran. Praktisch fand ich, dass sich die ANC-Stärke stufenlos regeln lässt – sowohl in der App als auch direkt mit zwei Fingern an der Ohrmuschel. Der Transparenzmodus rundet das Bild solide ab: Er funktioniert gut für die Situationswahrnehmung, klingt jedoch etwas künstlich.

Mikrofone und Telefonie

Beim Telefonieren hat mich der Sennheiser am stärksten überrascht. Die Anrufqualität gehört zum Besten am Markt. Wind- und Verkehrsgeräusche werden wirksam reduziert, Stimmen klingen klar und natürlich und lassen sogar die WH-1000XM6 vergleichsweise mechanisch und überbetont wirken. Auch im windigen Außeneinsatz blieb meine Stimme für die Gegenseite verständlich. Ein Verdienst der acht verbauten Mikrofone, die laut WiWo selbst für ein Gerät dieser Bauart eine hervorragende Gesprächsqualität liefern, auch wenn dedizierte Headsets mit mundnahem Mikrofon naturgemäß noch klarer übertragen.

Mikrofon-Testaufnahme Sennheiser Momentum 5 Wireless:

Mikrofon-Testaufnahme Sony WH1000-XM6:

Trotz guter Unterdrückung von Wind und Hall kommt das Mikrofon mit beiläufigem Bürolärm nicht ganz so gut zurecht. Für Telefonate auf der Straße oder im Freien ist der Momentum 5 also bestens gerüstet, im Großraumbüro kann es bei viel Hintergrundgeräusch dagegen etwas durchwachsener werden. Für Läufer praktisch ist außerdem der in der App aktivierbare Windschutzmodus, der Windgeräusche an den Kopfhörern ausblendet.

Sennheiser Momentum 5 Wireless Test: Fazit

Der Sennheiser Momentum 5 Wireless ist kein Kopfhörer, der die Krone in jeder Einzeldisziplin holen will und dennoch liefert der Hersteller hier einen deutlichen Schritt nach vorne ab. Die fünfte Generation gefällt mit sauberer, ausgewogener Wiedergabe und filtert Umgebungsgeräusche gut heraus. In beiden Disziplinen reicht er nicht ganz an den hervorragenden HDB 630 heran, hat bei der Akkulaufzeit aber die Nase vorn und wirkt sogar hochwertiger verarbeitet als sein Bruder (und vor allem als der direkte Vorgänger).

Mit einer UVP von etwa 400 Euro startete der Momentum 5 am 30. Juni in den Verkauf und spielt dabei klar in der Premium-Klasse mit. Klanglich und hinsichtlich der Features muss sich der neue Sennheiser nicht vor der Konkurrenz namens Bose und Sony verstecken, beim ANC bieten die Kontrahenten aber etwas mehr. Wer auf maximales ANC und ein faltbares Gehäuse Wert legt, ist bei Sony oder Bose womöglich besser aufgehoben. Wer aber einen langlebigen, komfortablen Allrounder mit überragender Akkulaufzeit, exzellenter Sprachqualität und reparaturfreundlichem Konzept sucht, bekommt hier ein außergewöhnlich stimmiges Paket.

Gold Award für Sennheiser Momentum 5 Wireless - 06/2026SennheiserMomentum 5 Wireless06/2026

VORTEILE

  • Herausragender Klang
  • Exzellente Mikrofonqualität
  • Hervorragendes ANC
  • Überragende Akkulaufzeit
  • Akku & Ohrpolster austauschbar
  • Eingängige Touch-Bedienung
  • Übersichtliche App

NACHTEILE

  • Nicht vollständig zusammenklappbar
  • Ohrpolster mit Hitzestau
  • ANC nicht ganz auf Augenhöhe mit Bose/Sony

Detailbewertung

Verarbeitung91
Tragekomfort94
Soundqualität95
Ausstattung95
ANC93
Preis-Leistungs-Verhältnis91

Fazit

Der Sennheiser Momentum 5 Wireless verbindet einen sauberen, ausgewogenen Klang und eine konkurrenzlose Akkulaufzeit mit einem reparaturfreundlichen Konzept. Wer auf maximales ANC und ein faltbares Design verzichten kann, bekommt für 400 Euro einen Kopfhörer, der buchstäblich fürs Leben gemacht ist.

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