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soundcore Liberty Buds im Test: Günstige Semi-In-Ears im Duell mit AirPods 4

Sind die neuen soundcore Liberty Buds DIE perfekte Alternative zu den Apple AirPods 4? Wir haben uns die preisgünstigen Semi-In-Ear-Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung und LDAC im Test einmal genauer angeschaut. Wie steht es um Soundqualität, Tragekomfort, Features und Akkulaufzeit?

Technische Daten der soundcore Liberty Buds

Produkt Liberty Buds
Bluetooth-Codecs SBC, AAC, LDAC
Maximaler Betriebsbereich 15m (ohne Hindernis)
Akkulaufzeit Bis zu 7 Std., insgesamt 30 Std. mit Ladeetui; (variiert je nach Lautstärkepegel und Audioinhalt)
Ladezeit 1,5 Std. (für Ladeetui via USB-C)
Wichtigste Funktionen Trageerkennung; Multipoint; IP55; Spatial Audio, ANC
Preis € 79,99 *

soundcore Liberty Buds Test: Schillernde Schönheit

Die soundcore Liberty Buds heben sich bereits optisch deutlich von der Masse der True Wireless Kopfhörer ab. Soundcore hat hier spürbar Entwicklungsarbeit investiert und ein eigenständiges, modernes Design geschaffen, das sich sehr angenehm (und auffällig) von den zahlreichen AirPods-Kopien am Markt abhebt. Der Korpus der Liberty Buds fällt dabei relativ groß aus, wodurch die Hörerstäbe im Vergleich eher kurz wirken. Sie sind nur minimal länger als der Korpus selbst. Diese leicht geschwungenen, nicht komplett geraden Stäbe verleihen den Kopfhörern ein zeitgemäßes und stimmiges Erscheinungsbild.

soundcore Liberty Buds

Erhältlich sind die Liberty Buds in drei Farbvarianten: Schwarz, Weiß und Hellblau. Auf den glatten Rückseiten prangt dezent das Soundcore-Logo, während der Metallic-Lack das darauf scheinende Licht stimmig reflektiert – sieht schon ziemlich edel aus.

Spannend wird es mit einer Besonderheit an der Oberseite. Hier lassen sich optional wechselbare Ohrhaken befestigen, die in drei verschiedenen Größen beiliegen. Diese Finnen sollen für zusätzlichen Halt sorgen, was besonders bei sehr glatten Ohren hilfreich sein kann, damit die Buds bei schnellen Bewegungen oder beim Sport sicher halten. Wer die Ohrhaken nicht benötigt, kann stattdessen auf Wunsch aber auch neutrale Abdeckungen anbringen.

Die Verarbeitungsqualität überzeugt auf ganzer Linie. Sowohl die Kopfhörer als auch die kompakte Ladebox sind sauber verarbeitet und frei von erkennbaren Qualitätsmängeln. Mit der Schutzklasse IP55 sind die Liberty Buds gegen Staub, Regen und Schweiß geschützt, was sie zu zuverlässigen Begleitern beim Sport oder bei schlechtem Wetter macht. Die Ladebox selbst wird nach oben aufgeschoben (ähnlich wie bei den soundcore Liberty 5) und ist angenehm hosentaschenfreundlich. Ein kleiner Wermutstropfen: Die Box verzichtet auf kabelloses Laden und wird ausschließlich über das beiliegende USB-A-auf-USB-C-Kabel geladen.

Ausstattung und Features der soundcore Liberty Buds

Technisch bewegen sich die soundcore Liberty Buds auf einem beeindruckend hohen Niveau. Nicht nur, wenn man den attraktiven Preis berücksichtigt. Herzstück sind die dynamischen 11-mm-Treiber, die einen Frequenzbereich von 20 bis 40.000 Hz abdecken und damit auch hochauflösende Audioinhalte wiedergeben können. Die Impedanz liegt bei 14 Ohm.

soundcore Liberty Buds

Besonders hervorzuheben ist die moderne Bluetooth-6.1-Konnektivität, die für eine stabile und energieeffiziente Verbindung sorgt. Neben den Standard-Codecs AAC und SBC unterstützen die Liberty Buds auch den hochauflösenden LDAC-Codec, der bei Android-Geräten für deutlich höhere Datenübertragungsraten und potenziell bessere Klangqualität sorgt. Die Bluetooth-Reichweite gibt Soundcore offiziell mit 10 Metern an, im Praxistest waren auf freier Fläche jedoch problemlos 15 Meter möglich.

Ein weiteres Highlight ist die Bluetooth Multipoint-Funktion, die das gleichzeitige Verbinden mit zwei Geräten ermöglicht. So kann man beispielsweise zwischen Laptop und Smartphone nahtlos wechseln, ohne ständig neu koppeln zu müssen.

Geerbt von den AirPods 4 haben die Liberty Buds ihre ANC-Funktion: Zur Geräuschunterdrückung setzen die Liberty Buds auf Soundcores ANC 3.0-Technologie mit zwei Mikrofonen pro Hörer. Diese Technologie kommt auch in Flaggschiff-Modellen wie den soundcore Liberty 5 oder Liberty 4 Pro zum Einsatz und ist damit theoretisch auf dem neuesten Stand. Zusätzlich bieten die Kopfhörer einen Transparenzmodus sowie eine Trageerkennung, die die Wiedergabe automatisch pausiert, wenn man einen Hörer aus dem Ohr nimmt.

Liberty Buds von soundcore: Überempfindliche Touchsteuerung

Die Steuerung der soundcore Liberty Buds erfolgt über kapazitive Touchflächen auf den Hörerrückseiten. Diese reagieren in meinem Test allerdings extrem empfindlich auf Berührungen, was nicht selten zu Fehleingaben führt. Jede versehentliche Berühren beim Zurechtrücken löst sofort eine Aktion aus, was im Alltag durchaus nerven kann. Als erste Gegenmaßnahme empfiehlt es sich, in der App alle Funktionen bei einmaligem Tippen zu deaktivieren, um Fehlauslösungen zu minimieren. Das hilft zumindest schon mal ein wenig.

soundcore Liberty Buds

Zur Verfügung stehen die Gesten: einmal tippen (optional), zweimal tippen, dreimal tippen sowie berühren und halten. Diese lassen sich in der Soundcore-App umfangreich individualisieren und mit Funktionen wie Lautstärkeregelung, Titelwechsel, Wiedergabe/Pause, Sprachassistent oder dem Durchschalten der Sound-Modi belegen. Bei Anrufen ist die Belegung jedoch fest vorgegeben: Doppeltippen nimmt Anrufe an, Berühren und Halten beendet oder lehnt sie ab.

Die Soundcore-App entfaltet dann auch das volle Potenzial der Liberty Buds. Neben der Gestensteuerung bietet sie zahlreiche Sound-Optimierungen: Es gibt fünf EQ-Presets und einen 8-Band-Equalizer, über den sich eigene Klangprofile erstellen und abspeichern lassen. Besonders clever ist die HearID-Funktion, die mittels eines kurzen A/B-Vergleichshörtests eine individuell auf das eigene Gehör abgestimmte EQ-Kurve erzeugt, die sich anschließend noch feintunen lässt. Mein Favorit, im Vergleich zu den Standard-EQ-Presets.

Darüber hinaus lassen sich in der App aktivieren: Spatial Audio für einen weiteren und offeneren Klangcharakter, ein Gaming-Modus zur Latenzreduzierung, eine Lautstärke-Begrenzung zum Gehörschutz, die Anpassung der Touchsensor-Empfindlichkeit, ein automatischer Abschalttimer und sogar umfangreiche KI-Live-Übersetzungsfunktionen, die sich zumindest derzeit kostenlos ausprobieren lassen. Auch Firmware-Updates und eine Suchfunktion per Signalton sind integriert. Das passt.

Stimmige Akkulaufzeit

Die Akkulaufzeit der soundcore Liberty Buds bewegt sich im soliden Mittelfeld, ohne besonders herauszustechen. Laut Hersteller sollen die Kopfhörer ohne ANC bis zu sieben Stunden, mit aktiviertem ANC etwa sechs Stunden durchhalten. Die Gesamtlaufzeit mit der Ladebox liegt bei 30 Stunden ohne ANC beziehungsweise 26 Stunden mit ANC.

soundcore Liberty Buds

Im Praxistest bei gemischter Lautstärke von 50 bis 70 Prozent erreichte ich mit deaktiviertem ANC eine Laufzeit von rund sechs bis 6,5 Stunden. Das ist ein alltagstauglicher Wert, der für die meisten Nutzungsszenarien ausreichen sollte. Mit aktiviertem ANC kostet die Geräuschunterdrückung etwa eine Stunde Laufzeit, sodass realistisch gesehen mit etwa fünf bis 5,5 Stunden zu rechnen ist. Ebenfalls gut, manche Konkurrenten spielen mitunter aber doppelt so lange.

Beim Einsatz des LDAC-Codecs reduziert sich die Laufzeit spürbar, da die höhere Datenübertragungsrate deutlich energiehungriger ist als der Standard-AAC-Codec. Hier waren im Test ohne ANC rund 4,5 Stunden möglich, mit aktiviertem ANC dürfte man auf etwa dreieinhalb Stunden kommen.

Die Schnellladefunktion ist praktisch: Nach nur 10 Minuten an der Steckdose sind bereits rund vier Stunden Wiedergabe im Normalmodus möglich. Das hilft in Situationen, in denen man schnell noch Energie tanken muss. Insgesamt ist die Akkulaufzeit nicht überragend, aber absolut ausreichend für den Alltag. Zumindest, sofern man das ANC nicht permanent aktiviert lässt, was bei diesem Bautyp ohnehin wenig Sinn ergibt.

Audioqualität, ANC und Mikrofone

Die Klangqualität der soundcore Liberty Buds steht und fällt mit der individuellen Passform im Ohr. Ein grundsätzliches Problem aller Halb-In-Ear-Kopfhörer. Sitzen die Liberty Buds gut, fest und sicher am Gehörgang, entfalten sie einen ausgesprochen dichten und natürlichen Klang mit einem Hauch angenehmer Luftigkeit, wie man sie von Open-Ears gewohnt ist. Der Bass agiert druckvoll und kräftig, schiebt gut an und sorgt für ordentlich Druck im Tieftonbereich. Diese starke Bassabstimmung ist bewusst gewählt, um die bauartbedingten Schwächen von Halb-In-Ears auszugleichen, geht allerdings etwas zulasten von Hoch- und Mitteltönen.

Die Mitten sind, typisch für die Soundcore-Signatur, leicht zurückgenommen. Das ist nicht zwingend negativ, führt aber dazu, dass Stimmen und Instrumente im mittleren Frequenzbereich etwas weniger präsent wirken als bei neutraleren Abstimmungen. Die Höhen sind insgesamt solide und bieten genügend Präsenz und Frische, erreichen aber ganz klar nicht die Präzision und Hochauflösung guter In-Ears.

Bei optimaler Passform liefern die Liberty Buds ein feines und gut zeichnendes Klangbild, das von angenehmer Tiefe und einer gewissen Leuchtkraft geprägt ist. In Kombination mit aktiviertem ANC, Spatial Audio und einer Bassanhebung über den HearID-Test entsteht ein recht guter und raumgreifender Klang, der bei atmosphärischer Musik Spaß macht. Unterm Strich bieten die Liberty Buds für ihren Preis ein gutes und stimmiges Klangbild, mit dem man absolut zufrieden sein kann.

ANC und Mikrofone

Das Active Noise Cancelling (ANC) ist der größte Schwachpunkt der Liberty Buds und wirft grundsätzlich ein paar Fragen auf. Technisch kommt hier Soundcores aktuelle ANC 3.0-Technologie zum Einsatz, die auch in Flaggschiff-Modellen verbaut ist – allerdings auf Basis von zwei statt drei Mikrofonen pro Hörer. Das Problem liegt nicht an der Technologie, sondern am Bautyp: Wer eine Geräuschunterdrückung wie bei geschlossenen In-Ears erwartet, wird enttäuscht.

Das ANC wirkt, bis auf eine minimale Reduktion einiger ganz tiefer Frequenzanteile, kaum. Aufgrund des luftigen Sitzes gelangt so viel Schall an den In-Ears vorbei ins Ohr, dass die Geräuschunterdrückung quasi ausgehebelt wird. Es macht also kaum einen Unterschied, ob du die ANC-Funktion nutzt oder nicht (und dann auch noch Akku sparst). Was sich bei zugeschaltetem ANC deutlich verändert, ist das Klangbild der Musik. Sie wird markanter in den Bässen und dichter in den Mitten, was durchaus positiv ist.

soundcore Liberty Buds

Auch der Transparenzmodus fällt ähnlich minimal in seiner Wirkung aus. Da ohnehin permanent Außengeräusche ins Ohr gelangen, macht der Transparenzmodus kaum einen spürbaren Unterschied. Es wäre wohl sinnvoller gewesen, auf das ANC zu verzichten und den Kopfhörer stattdessen etwas günstiger zu machen. Aber nun ja.

Die Mikrofone sind pro Hörer mit jeweils zwei Exemplaren bestückt, die durch eine KI-gestützte Umgebungsgeräuschunterdrückung unterstützt werden. Im Test werden typische Alltagsgeräusche wie vorbeifahrende Autos, eine laufende Waschmaschine oder Motorenlärm in Bus und Bahn zuverlässig reduziert. Die Sprachqualität ist für private Alltagsgespräche völlig ausreichend. Wer jedoch regelmäßig beruflich telefoniert oder höhere Ansprüche an die Sprachklarheit stellt, sollte eher zu einem Flaggschiff-Modell greifen.

soundcore Liberty Buds Test: Fazit

Die soundcore Liberty Buds hinterlassen gemischte Gefühle und sind definitiv kein Produkt für jeden. Der größte Knackpunkt ist die individuelle Passform: Da die Buds bei manchen Nutzern nicht gut halten und regelmäßig aus den Ohren fallen können, sind sie nicht für alle Ohranatomien geeignet. Die beiliegenden Ohrhaken in drei Größen können zwar den Halt verbessern, ändern aber nichts an der grundsätzlichen Passform oder der Klangwahrnehmung.

Wenn sie dir passen, bekommt man für rund 68 bis 80 Euro gut klingende und technisch astreine halboffene In-Ears, die genau die Lücke zwischen Open-Ears und klassischen In-Ears schließen. Sie verbinden luftigen, komfortablen Sitz mit intensivem und tiefem Hörerlebnis und sind damit ideal für alle, die klassische In-Ears mit Silikonaufsätzen nicht gut tragen können.

Die Schwächen liegen aber auf der Hand: Das ANC ist aufgrund der Bauform praktisch wirkungslos und kostet nur unnötig Akku. Auch der LDAC-Codec bringt aufgrund der hardwareseitigen Limitierungen keinen hörbaren Mehrwert, während der zusätzliche Energieverbrauch die Laufzeit spürbar reduziert. Die Akkulaufzeit ist mit sechs bis sieben Stunden solide, aber nicht überragend. Die Touch-Bedienung reagiert sehr empfindlich und neigt zu Fehlauslösungen. Und Klangqualität, Basswahrnehmung und ANC-Effektivität hängen massiv von der individuellen Passform ab.

Unterm Strich sind die soundcore Liberty Buds ein insgesamt stimmiger Halb-In-Ear-Kopfhörer für eine spezifische Zielgruppe. Wer den lockeren, druckfreien Sitz schätzt, mit der eigenen Ohrform zurechtkommt und auf wirkungsvolles ANC verzichten kann, erhält ein rundes Gesamtpaket mit gutem Klang, exzellenter App und modernem Design.

PRO

  • Guter Klang
  • Multipoint
  • umfangreiche App
  • Attraktiver Preis
CONTRA

  • Nicht für alle Ohren passend
  • ANC nahezu nutzlos
  • Empfindliche Touchbedienung

soundcore Liberty Buds

Verarbeitung
Tragekomfort
Soundqualität
Aufnahmequalität
Ausstattung
Preis-Leistungs-Verhältnis

83/100

Gute Semi-In-Ears, die einen überzeugenden Klang und hohen Komfort bieten, wenn sie denn in dein Ohr passen.

Philipp Briel

Ich bin leidenschaftlicher Gamer seit meiner frühen Kindheit und habe neben dem PC nahezu jede Spielekonsole bereits besessen. Auch Technik begeistert mich, vor allem brenne ich für Peripherie, PCs, Notebooks und Gadgets.

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