Der Touroll S3 Pro Klapprad Test zeigt: Für 849 € versprechen die Chinesen ein E-Faltrad mit 1.296 Wattstunden Akku und bis zu 195 km Reichweite. Klingt zu gut, um wahr zu sein. Wir haben das E-Klapprad mehrere Wochen über Asphalt, Feldwege und leichte Steigungen gejagt, um zu prüfen, ob die Praxis mit dem Datenblatt mithält. Spoiler: An der Reichweite liegt es nicht – wer zusätzlich vergleichen möchte, findet mehr Kandidaten in unserer Übersicht der besten E-Bikes.
Was Touroll an anderer Stelle einspart, fällt im Alltag auf. Drei Dinge stören uns sofort. Sie alle haben mit dem Lenker zu tun. Trotzdem ist das Bike eine ernstzunehmende Empfehlung – aber nur, wenn die Prioritäten stimmen. Touroll ist kein Unbekannter: Wir haben bereits über das Touroll J1 ST Trekking-E-Bike berichtet.
Touroll S3 Pro – Technische Daten & Lieferumfang
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Motor | 250 W Nennleistung, 750 W Spitzenleistung |
| Drehmoment | 50 Nm |
| Akku | 48 V / 27 Ah / 1.296 Wh, entnehmbar |
| Reichweite (Hersteller) | bis zu 195 km |
| Reichweite (Test) | über 120 km bei gemischtem Profil |
| Reifen | 20 × 3,0 Zoll, Fat Tire |
| Bremsen | Doppelscheibenbremse, mechanisch |
| Federgabel | 60 mm Federweg |
| Schaltung | 7-Gang |
| Display | 2,6″ LCD |
| Ladezeit | ca. 9 Stunden |
| Maximalgeschwindigkeit | 25 km/h (StVZO) |
| Beleuchtung | StVZO-konform |
| Schutzklasse | IPX4 |
| Preis (zum Testzeitpunkt) | ca. 849 € (mit dem Gutschein TOUROLLSSA spart ihr 6% auf die gesamte Touroll S-Serie inklusive S2, S2 Pro, S3 und S3 Pro) |
Im Karton liegt das Bike zu rund 90 Prozent vormontiert. Sattel, Pedale, Frontlicht, Frontblech und Lenker müssen selbst angesetzt werden, das nötige Werkzeug liegt bei. Eine angenehme Beobachtung gleich zu Beginn: Touroll verzichtet auf den üblichen Plastik- und Styropor-Wahnsinn. Der Aufbau dauert etwa 15 bis 30 Minuten, der Müll bleibt überschaubar – ein Pluspunkt, den günstige China-Bikes selten liefern.
Design & Verarbeitung
Der S3 Pro setzt auf einen klassischen Klapprahmen aus Aluminium mit niedrigem Einstieg. Schweißnähte sind sauber gezogen, Lackierung gleichmäßig. Auffällig sind die fetten 3-Zoll-Reifen: schmaler als die 4-Zoll-Walzen am S2-Vorgänger, aber breit genug für Schotter, Wurzelpassagen und Bordsteinkanten.
Hier kommt die erste Schwäche: der Lenker ist gerade. Kein leichter Schwung wie an einem klassischen Trekking- oder Hollandrad. Auf kurzen Stadtstrecken fällt das nicht ins Gewicht. Auf längeren Touren schon. Die Handgelenke knicken dauerhaft leicht ab, und nach 20 bis 30 Kilometern meldet sich das Handgelenk. Punkt zwei verschärft das Problem: Die Lenkerstange hat eine Einkerbung für die Klemmung des Vorbaus. Wer den Lenker später gegen ein gebogenes Modell tauschen will, hat damit nur eingeschränkte Auswahl. Standardlenker passen nur bedingt – das schmälert den günstigen DIY-Upgrade-Pfad.
Auf der Habenseite: Der Lenker lässt sich sehr hoch einstellen. Das ergibt eine angenehm aufrechte Sitzposition, die Rücken und Nacken entlastet. Wer also weiß, dass die geraden Griffe ein Thema sind, kann mit ergonomischen Bar-Ends gegensteuern.
Der Klappmechanismus arbeitet sauber. Rahmenscharnier auf, Lenker einklappen, fertig. Unter 30 Sekunden, sehr kompakt. Im Kofferraum eines Kompaktwagens findet das Bike Platz. Für Bahn-Pendler ist das Klappmaß ein echter Vorteil – ähnlich praktisch wie beim SachsenRAD F12, das wir als Faltrad für den ÖPNV getestet haben.
Praxis-Test: Antrieb, Reichweite und Fahrgefühl im E-Klapprad-Vergleich
Motor: Sportlich-direkt, mit Charakter
Der 250-W-Nabenmotor zieht sportlich-direkt an. Stufe 1 reicht für entspanntes Cruisen, Stufe 5 schiebt den S3 Pro souverän bis 25 km/h und meistert auch leichte bis mittlere Steigungen ohne Drama. Bei stärkeren Anstiegen merkt man die fehlende Drehmoment-Sensorik: Der Motor reagiert auf Trittfrequenz, nicht auf Pedaldruck. Ergebnis: kurze Verzögerung beim Anfahren, dann legt er sich rein. Wer aus Bosch-Mittelmotor-Welten wie beim Koga E-Xite kommt, muss sich umgewöhnen. Wer von einem normalen Fahrrad wechselt, wird begeistert sein.
Reichweite: Hier spielt der Pro seine Trumpfkarte
Das große Argument für den S3 Pro ist der 1.296-Wh-Akku. Touroll verspricht bis zu 195 km. Im Test mit gemischtem Profil – Stadt, Feldwege, leichte Steigungen, mittlere Unterstützungsstufe – haben wir über 120 km pro Ladung erreicht. Das ist deutlich unter Hersteller-Marketing, aber immer noch eine Hausnummer in dieser Preisklasse. Zum Vergleich: Viele Klappräder unter 1.000 € liefern 50 bis 70 km real.
Wer den Akku schonend fährt (Stufe 1–2, Rückenwind, flach), kann die 150-km-Marke realistisch knacken. Wer mit Vollgas am Berg arbeitet, landet eher bei 60 bis 80 km. So ist das mit E-Bikes – die Hersteller-Reichweite ist immer der Best Case.
Praktisch: Der Akku ist entnehmbar und abschließbar. Laden funktioniert im Bike oder separat in der Wohnung. Die 9 Stunden Ladezeit sind allerdings keine Schnellladung. Wer abends ankommt, hat morgens einen vollen Akku – mehr aber nicht.
Bremsen: Solide für die Klasse
Die mechanischen Doppelscheibenbremsen sind gut dosierbar und für ein Bike unter 850 € überraschend ordentlich. Für tiefe Abfahrten oder häufiges Pendeln im Stop-and-Go fehlt der Biss hydraulischer Systeme – das ist Klasse, kein Mangel. Im Alltag bremsen sie zuverlässig und vorhersehbar. Mit etwas Einfahrzeit packen die Beläge spürbar besser. Eine elektrische Motorbremse ist verbaut, schaltet aber im Test eher als Sicherheitsschalter und nicht als spürbare Bremshilfe.
Komfort & Sitzposition
Die 60-mm-Federgabel und die voluminösen 3-Zoll-Reifen schlucken Kopfsteinpflaster und Wurzeln gut weg. Der Sattel ist zweckmäßig, nach mehreren Stunden meldet er sich wie bei jedem Stock-Sattel – Tausch lohnt sich, wenn lange Touren das Hauptszenario sind.
Die Sitzposition ist dank hoher Lenkerverstellung komfortabel und entlastet den Rücken. Wie oben beschrieben: Der gerade Lenker ist die Achillesferse für Vieltourer.
Weitere Leistungsbereiche
Display & Bedienung
Das 2,6″-LCD zeigt Geschwindigkeit, Akkustand, Unterstützungsstufe (1–5), Tagesstrecke, Gesamtkilometer und Schiebehilfe. Ablesbarkeit auch bei Sonne ist solide. Eine App-Anbindung gibt es nicht – muss in dieser Preisklasse aber auch niemand erwarten. Die Bedienung läuft über einen Tasten-Block links am Lenker, intuitiv nach zwei Minuten.
Beleuchtung
StVZO-konform, ausreichend, aber nichts Besonderes. Der Frontscheinwerfer leuchtet die Strecke vor einem brauchbar aus, das Rücklicht ist hell genug. Wer nachts auf unbeleuchteten Landstraßen fährt, wird sich ein helleres System wünschen. Für Stadtbeleuchtung und Pendel-Routen reicht es.
Gepäckträger
Der Gepäckträger ist verbaut, was viele Klappräder in dieser Klasse nicht bieten. Aber: Es fehlt eine Federklappe. Wer Packtaschen oder eine Kiste fixieren will, muss zwingend Spanngurte mitnehmen. Das ist kein Drama, aber ein vermeidbarer Punktverlust – eine simple Federklemme kostet im Einkauf wenige Cent.
Preis-Leistungs-Verhältnis
Bei einem Preis von 849 € zum Testzeitpunkt spielt der Touroll S3 Pro in der unteren Mittelklasse der E-Klappräder. In dieser Preisregion sind 50–70 km Reichweite Standard, hier gibt es realistisch über 120 km. Das ist die ehrliche Stärke des Bikes.
Vergleichbare Modelle wie das ENGWE M20 oder das Fischer FR18 spielen bei deutlich kleineren Akkus oder höheren Preisen. Auch das faltbare Fiido D11 im Test oder das LANKELEISI GOLF-X als Klapp-E-Bike mit großer Reichweite bewegen sich in einer ähnlichen Liga, jeweils mit anderen Schwerpunkten. Wer bewusst mehr investiert, landet schnell bei 1.500 € und mehr für Modelle mit Drehmomentsensor und Markenkomponenten – etwa beim Fiido Titan im Test. Das ist eine andere Liga – der S3 Pro will und muss da nicht mithalten.
Fazit: Touroll S3 Pro Klapprad Test
Der Touroll S3 Pro ist ein ehrliches Angebot. Für 849 € bekommt man ein klappbares E-Bike mit einer Reichweite, die in dieser Klasse Maßstäbe setzt. Über 120 km real – das ist die Story dieses Bikes. Motor, Bremsen und Klappmechanismus liefern solide ab, der Aufbau ist erfreulich angenehm.
Die Schwächen sind klar benannt: Der gerade Lenker mit Einkerbung schränkt sowohl Ergonomie als auch Tausch-Optionen ein, der Gepäckträger braucht eigene Spanngurte, und Schnellladen ist nicht. Wer das wissen will, wird damit leben können. Wer 4 Stunden am Stück fährt, sollte sich vorher Bar-Ends besorgen.
Klare Kaufempfehlung für Pendler und Wochenend-Tourer, die viel Reichweite zum fairen Kurs suchen und keine Premium-Ergonomie erwarten. Wer einen Drehmoment-Sensor, hydraulische Bremsen und einen geschwungenen Lenker erwartet, sollte 500–800 € drauflegen und in einer höheren Klasse einkaufen.
VORTEILE
- Riesiger 1.296-Wh-Akku – über 120 km reale Reichweite im Test
- Sportlich-direkter Motor, der gut anzieht
- Schneller Klappvorgang unter 30 Sekunden, sehr kompakt
- Aufbau in 15–30 Minuten, wenig Verpackungsmüll
- Hoher Lenker für aufrechte, rückenfreundliche Sitzposition
- Solide mechanische Scheibenbremsen, gut dosierbar
- Faires Preis-Leistungs-Verhältnis für 849 €
NACHTEILE
- Gerader Lenker belastet die Handgelenke auf längeren Strecken
- Lenkerstange mit Einkerbung schränkt Auswahl beim Lenker-Tausch ein
- Gepäckträger ohne Federklappe – Spanngurte zwingend nötig
- Lange Ladezeit (ca. 9 Stunden), keine Schnellladung
- Beleuchtung erfüllt nur das Pflichtprogramm
- Trittfrequenz-Sensor statt Drehmoment-Sensor
Fazit
Solides E-Klapprad mit Mega-Akku zum fairen Preis. Über 120 km Reichweite real, aber gerader Lenker nervt auf Langstrecken. Für Stadt-Pendler mit Reichweiten-Angst eine klare Empfehlung.



