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The Town of Light im Test: Auf den Spuren des Grauens

Der Beginn vom Ende

Mit jedem erfolgreichen Lösen eines Rätsels, schalten wir eine Erinnerungssequenz frei. Diese sind immer grau und unscharf gehalten, damit wir sie klar als Erinnerungen identifizieren können. Ganz am Anfang von „The Town of Light“ sind diese Sequenzen noch relativ kurz und beinahe harmlos. Doch immer weiter ins Spiel hinein werden sie nicht nur länger, sondern auch immer schauriger. Genauso wie prägend – für Renée und uns. So wird Renée von einem Pfleger misshandelt und vergewaltigt. Sie wird von ihrer einzigen Freundin, und auch später Liebe, getrennt. Ihre Sachen wurden ihr schon bei der Einweisung abgenommen, aber die Briefe ihrer Mutter werden nicht an sie weitergeleitet. Die meiste Zeit in der Klinik verbringt sie unter Drogen gesetzt in der Abteilung für halbruhige Geisteskranke. Dort wurde sie auch gern ans Bett gefesselt.

The Town of Light
Renée erinnert sich daran, wie sie für eine Behandlung vorbereitet wurde. Sie hatte Angst. Und wir erleben es aus erster Perpektive, als seien wir das Opfer und nicht sie.

Eine Denervierung soll’s sein!

The Town of Light
Reneé wird zur Lobotomie gebracht.

Aber nichts von alledem hatte sie umgebracht, zumindest nicht psychisch. Bis wir zu ihrer letzten Erinnerung kommen. Da erleben wir eine wunderschöne Lobotomie, ebenfalls in der Ego-Perspektive. Schließlich wollen wir doch das angenehme Gefühl von Gänsehaut nicht missen wollen. Für diejenigen unter auch, die mit diesem Begriff nichts anfangen können: Bei einer Lobotomie handelt es sich um einen äußerst schmerzhaften neurochirurgischen Eingriff, der bei vollem Bewusstsein stattfand. Als Folge traten oft Persönlichkeitsstörungen und der Emotionalität auf. In den 40-ern war das eine sehr verbreitete Methode zur Behandlung von psychischen Krankheiten.

Eine Seele stirbt

The Town of Light
Renée hat versucht sich umzubringen – erfolglos.

Renée erlitt besagte Schäden und danach war sie kaum ansprechbar. Innerlich tot. Mehrfach hatte sie versucht, ihr Leid zu beenden. Sich einfach umzubringen. Aber das klappte nie, dafür waren die Schwestern doch zu achtsam. So fand Renée ein sehr schleichendes Ende in der Klinik.

Von Hilfe und einer ahnungslosen Außenwelt

Was ist mit ihrer Familie? Hat sich niemand für sie interessiert? Warum hat ihr niemand geholfen? Alles berechtigte Fragen auf die wir umso traurigere Antworten finden. Ihre Mutter, ihre Familie, hat Renées Briefe nie erhalten und der Versuch, sie aus der Klinik zu holen, blieb erfolglos. Sie hatte keine Ahnung, was ihrer Tochter dort eigentlich angetan wurde. Schließlich verstarb sie und Renée hat zu ihren Lebzeiten nie davon erfahren.

Es gab Angestellte, die Mitleid hatten. Eine der Schwestern war immer besonders nett zu den Insassinnen und es gab auch Ärzte, die Renée schmerzfrei behandelten oder gar entlassen wollten. Aber so weit kam es aufgrund mangelnder Kommunikation zwischen den Abteilungen nicht. Hinzu kommt, dass diverse Vorfälle wie Renées Vergewaltigung und darauffolgende und erzwungene Abtreibung komplett unter den Tisch gekehrt wurden von entsprechenden Autoritäten. In der Außenwelt wusste ebenfalls niemand von der miesen Behandlung der Patienten.

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CrazieShortie

Ich bin Isabell, gebürtige Norddeutsche und schon in frühen Jahren habe ich mich für Videospiele und dergleichen begeistert. Momentan bin ich neunzehn Jahre alt und studiere in Lübeck.

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