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Justizskandal: Urteil gegen Mitarbeitende der britischen Post aufgehoben

Jahrelang beschuldigte die britische Post zahlreiche Mitarbeitende des Diebstahls. In der Folge kam es teilweise zu Verurteilungen. Nun wurden alle Urteile aufgehoben: Hinter den scheinbar fehlenden Beträgen stand kein Diebstahl, sondern ein Softwarefehler.

Differenzbeträge waren Grundlage der Beschuldigungen

Zwischen den Jahren 2000 und 2014 kam es in zahlreichen Filialen der britischen Post zu auffälligen Differenzbeträgen, die den Konzern dazu veranlasste, Mitarbeitende des Diebstahls zu beschuldigen. Obwohl die für die Kassen zuständigen Leiterinnen und Leiter der betroffenen Filialen die Differenzbeträge nicht erklären konnten, stellte die Post keine Überprüfung des dahinter stehenden Systems an, sondern forderte die Erstattung der Differenzen durch Mitarbeitende. Einem Bericht des britischen Guardian zufolge sollen mehr als 900 Personen im Zusammenhang mit den Unregelmäßigkeiten verklagt und verurteilt worden sein.

Einige der Beschuldigten wehrten sich über Jahre hinweg gegen die Vorwürfe. Nun kam es in der Folge dessen zu einer Urteilsaufhebung gegen 39 Mitarbeitende: Es gilt als erwiesen, dass ein Softwarefehler die Ursache der Differenzbeträge darstellt. Aufgrund der laut dem Guardian großen Zahl der insgesamt Betroffenen sowie aufgrund der Hintergründe des Vorfalls ergibt sich eine enorme Brisanz. Bereits im Dezember 2019 hatte es eine Einigung mit 555 weiteren Klägerinnen und Klägern gegeben, an die eine Summe von umgerechnet etwa 66 Millionen Euro ausgezahlt wurde.

Post forderte Unschuldsbeweise

Die britische Post forderte von den durch sie beschuldigten Mitarbeitenden Beweise ihrer Unschuld und weigerte sich, mögliche eigene Fehler zu untersuchen. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch der Umstand, dass es bereits im Jahr 2009 erste Hinweise auf einen Fehler in der durch die Post verwendeten Software gab. Das Unternehmen reagierte ein Jahr später jedoch nicht mit einer Überprüfung, sondern mit dem Verweis darauf, die Software sei stabil und etwaige Differenzbeträge auf Diebstähle zurückzuführen.

Auch die Rolle des Unternehmens Fujitsu, das für die Software verantwortlich ist, wurde nun vom Gericht kritisiert. Demnach verfügte das Unternehmen über Daten, die die Nutzung des Systems transparent hätten machen und die Beschuldigten damit entlasten können, stellte diese jedoch nicht zur Verfügung. Ferner verwies das Gericht darauf, dass Fujitsu in der Lage gewesen sei, die Buchungsdaten der einzelnen Filialen zu verändern, ohne dass die Leiterinnen und Leiter der Filialen dies zwangsläufig hätten bemerken müssen.

Simon Lüthje

Ich bin der Gründer dieses Blogs und interessiere mich für alles was mit Technik zu tun hat, bin jedoch auch dem Zocken nicht abgeneigt. Geboren wurde ich in Hamburg, wohne nun jedoch in Bad Segeberg.

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