PC-Hardware

So kannst du die Soundqualität deines Headsets verbessern

Oft wird bei Spielen vor allem auf eine fotorealistische Grafik oder auf eine glaubwürdige Welt geachtet, wenn es um ein möglichst immersives Erlebnis geht. Doch ein weiterer Parameter hat ebenfalls einen großen Einfluss darauf: Der Sound. Nur leider bieten nicht alle Gaming-Headsets einen von Haus aus stimmigen Klang. Glücklicherweise kannst du das ändern. Wie? Das erfährst du in folgendem Tutorial!

Tipp 1: Aktiviere Windows Sonic

Virtueller 5.1- oder 7.1-Surround-Sound kann bei einigen Headsets in Spielen die Gegner-Ortung verbessern. Für den Genuss von Musik ist er aber nicht zu empfehlen, da der Klang oftmals stark verfälscht wird.

Windows 10 bietet eine eingebaute Möglichkeit für Raumklang. Zum Aktivieren öffnest du die Systemsteuerung und navigierst zu Hardware und Sound -> Sound. Nun wählst du dein Headset aus und klickst auf die Schaltfläche Eigenschaften. Unter dem Reiter Raumklang kannst du im Dropdown-Menü Windows Sonic für Kopfhörer aktivieren. Nun solltest du einen Unterschied hören.

Tipp 2: Verwende einen Equalizer

Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Das trifft natürlich auch auf Soundabstimmungen zu. So bevorzugt z. B. der Eine einen dominanten Bass, ein Anderer liebt kräftige Höhen. Es dürfte also klar sein, dass es für Headsets nicht „die eine Soundabstimmung“ gibt, die jedem gefällt. Aus diesem Grund gibt es Equalizer. Mit solcher Software lassen sich einzelne Frequenzen verstärken oder abschwächen. So kann jeder den Sound erreichen, der ihm gefällt.

Ein empfehlenswertes Programm dieser Art ist der kostenlose Equalizer APO.

Dieser bietet einen grafischen 12-Punkte-Equalizer, das heißt, du kannst 12 verschiedene Frequenzen kontrollieren. Wenn du möchtest, kannst du auch den experimentellen Mikrofon-Equalizer aktivieren.

Tipp 3: Das Headset ans Mainboard statt ans Gehäuse-Frontpanel anschließen

Viele aktuelle Mainboards, vor allem höherpreisige Modelle, bieten einen von den restlichen Leiterbahnen abgetrennten Audio-Signalweg an. Zusätzlich können sie noch über einen EMI-Shield verfügen. Dies ist eine Abdeckung über dem Soundchip, die elektromagnetische Interferenzen, welche in einem PC entstehen, abschwächt. Zusätzliche Kondensatoren für den Soundchip glätten die Spannung für einen störungsfreieren Sound.

Es ist also sinnvoll, von diesen Features Gebrauch zu machen, solange man keinen dedizierten DAC / AMP verwendet. Denn wer sein Headset an die Anschlüsse am Frontpanel des Gehäuses anschließt, verliert diese Trümpfe. Das HD-Audio-Kabel erstreckt sich durch den gesamten PC und kreuzt nicht selten den Weg mit der Grafikkarte und großen Teilen des Mainboards; zwei der größten Störfaktoren im PC. Zu allem Überfluss ist das Kabel oftmals mäßig abgeschirmt.

Tipp 4: Einen AMP / DAC verwenden

Ein „AMP“ (Amplifier), im Deutschen auch oft „Verstärker“ genannt, verstärkt das Eingangssignal, um das volle Klangpotenzial des angeschlossenen Kopfhörers nutzen zu können. Ebenfalls wird die Lautstärke erhöht.

Je höher die Impendanz (wird in Ohm angegeben) und je niedriger die Empfindlichkeit (in dB angegeben), desto stärker muss der AMP sein, um für eine hohe Lautstärke zu sorgen. Viele Headsets lassen sich auch ohne AMP gut betreiben, aber vor allem HiFi-Kopfhörer können ohne Verstärkung zu leise und / oder schwach klingen.

Ein „DAC“ (Digital-Analog-Converter), oder auf Deutsch „DAU“ (was wegen der negativen sekundären Bedeutung des Kürzels so gut wie nie verwendet wird) wandelt digitale Signale (Sound-Dateien) in analoge um. Normalerweise kümmert sich darum das Mainboard, aber dedizierte DACs bieten einige Vorteile. So sind sie weniger anfällig für Störungen und bieten ein breiteres Klangspektrum.

Wer bei einem DAC allerdings nur auf die maximale Abtastrate schaut, dem sei gesagt: Die nicht für ihre schlechte Klangqualität bekannte CD verwendet 16 Bit / 44.1 kHz; für den 08/15-User reichen 24 Bit / 96 kHz also mehr als locker aus.

Viele Geräte kombinieren einen DAC mit einem AMP. Diese reichen für praktisch alle Headsets aus. Einige empfehlenswerte Modelle stellen wir hier kurz vor:

Sharkoon Gaming DAC Pro S

Hinter dem sperrigen Namen steckt ein kompakter USB-Stick, welcher bereits von uns getestet und für gut befunden wurde. An diesen lässt sich entweder ein Kopfhörer / Headset oder Lautsprecher-Paar anschließen. Auf eine Software verzichtet Sharkoon, genauso auf Bedienelemente. Dafür fällt der Preis erfreulich niedrig aus.

Maximale Abtastfrequenz 24 Bit / 96 kHz
Anschlüsse 1x 3,5 mm Klinke In / Out, 1x USB In
Software keine
Preis € 17,99*

ASUS Xonar U7 MK II

Die Xonar U7 MK II wurde speziell für den Betrieb mit einem Headset und Lautsprechern entwickelt. So kann man an der Front des Gerätes ein Mikrofon anschließen und die Software, ASUS Sonic Studio, bietet mehrere Gaming-Spezifische Funktionen. Dazu gehört auch ein Radar, das zeigt, woher Geräusche kommen.

Der integrierte AMP soll, laut ASUS, Kopfhörer mit bis zu 600 Ohm Impedanz anfeuern können. Diese Aussage sollte aber mit einer gesunden Portion Misstrauen aufgenommen werden.

Maximale Abtastfrequenz 24 Bit / 192 kHz
Anschlüsse 4x 3,5 mm Klinke Out, 1x 3,5 mm Klinke In, 1x USB In, 1x Koaxial In, 2x RCA Out
Software ASUS Sonic Studio
Preis € 86,99*

FX-Audio DAC-X6

Im schicken Alu-Gehäuse kommt der potente DAC-X6 daher. Er bietet genug Leistung, um auch ineffizientere Kopfhörer anzutreiben. Allerdings geschieht die Stromversorgung nicht via USB, wie bei Sharkoon und ASUS, sondern über das mitgelieferte Netzteil.

Maximale Abtastfrequenz 24 Bit / 96 kHz
Anschlüsse 1x Koaxial In, 1x Toslink In, 1x 6,3 mm Out, 2x RCA Out, 1x USB In
Software keine
Preis Preis nicht verfügbar*

Topping MX3

Wer viele Funktionen möchte, ist beim MX3 genau richtig. So bietet er neben einem starken AMP, einem guten DAC und Anschlüssen für 3,5-mm-Klinke sowie Lautsprecher auch NFC, Bluetooth und ein Display. Wer also ein Multitalent zum (relativ) günstigen Preis sucht, ist hier genau richtig.

Maximale Abtastfrequenz 24 Bit / 192 kHz
Anschlüsse 1x 3,5 mm Klinke Out, 4x Speaker Out, 1x Koaxial In, 1x Toslink In, 2x AUX In, Bluetooth In, NFC
Software keine
Preis € 56,89*

Tipp 5: Tausche die Ohrpolster aus

Falls dein Headset die Möglichkeit bietet, die Ohrpolster auszutauschen, kannst du dies nutzen, um den Sound zu verändern. Je nach Oberflächenmaterial und Dicke des Polsters kann der Klang drastisch beeinflusst werden.

Dickere Ohrpolster vergrößern den Abstand deiner Ohren zu den Treibern. Dadurch wird die Soundstage, also die „Weite“ des Klangs, vergrößert. Außerdem sinkt die Intensität des Basses.

Angewinkelte Ohrpolster verbessern die Position der Treiber, sodass sie den Schall besser in deine Ohren emittieren können. Schließlich sind Ohren ja nicht plattgedrückt, sondern ebenfalls angewinkelt 😉

Bei den Bezügen der Polster gibt es gravierende Unterschiede. Folgende Materialien werden üblicherweise verwendet:

  • Kunststoff (z. B. Superlux HD 330*) – wird schnell warm, kratzig und geht schnell kaputt. Sorgt für starken Bass und scharfe Höhen.
  • Kunstleder (z. B. Audio-Technica ATH-M50XBT*) – das wohl gebräuchlichste Material. Wird schnell warm, isoliert gut von der Umgebung, sorgt für starken Bass und scharfe Höhen.
  • Velours (z. B. Beyerdynamic DT-770 Pro*) – kann Schweiß aufsaugen, schirmt kaum Umgebungsgeräusche ab, schwächt Bass und Höhen ab.
  • Hybrid (z. B. Hifiman Sundara*) – der äußere und innere Ring besteht aus Kunstleder, die Fläche, die auf der Haut aufliegt, aus Velours. Kann etwas Schweiß aufsaugen, schirmt etwas schlechter von der Umgebung ab als normale Kunstleder-Polster, relativ starker Bass und scharfe Höhen.
  • Echtleder (z. B. Audeze LCD-X*) – unterscheidet sich klanglich fast nicht von Kunstleder, kann aber bequemer und widerstandsfähiger sein.

Falls du deine Wahl getroffen hast, solltest du abmessen, ob deine Wunsch-Ohrpolster an dein Headset passen. Ein Universal-Ohrpolster, das an viele Headsets passen sollte, ist von Brainwavz*.

Tipp 6: Ein anderes Headset oder einen Kopfhörer kaufen

Manchmal hilft eben alles nichts und man muss sich eingestehen, dass man einen Fehlkauf getätigt hat. Damit das nicht mehr passiert, kannst du dir den umfangreichen Basic-Tutorials-Headset-Einkaufsführer durchlesen.

Vielleicht wirst du aber auch eher mit einem schönen Kopfhörer glücklich. Nachfolgend findest du einige empfehlenswerte Modelle im Einsteigerbereich:

Superlux HD668B

Dieser halboffene Kopfhörer bietet einen erstaunlich detailierten, neutralen Sound für seinen geringen Preis. Abstriche müssen bei der Materialqualität und dem Komfort der Ohrpolster gemacht werden. Erfreulicherweise ist das Kabel austauschbar.

Frequenzbereich 10 Hz – 30 kHz
Bauweise halboffen
Ohrpolster-Material Kunstleder
Gewicht 222 g
Anschlusskabel 1x 1 m, 1x 3 m (austauschbar)
Impendanz 65 Ohm
Empfindlichkeit 98 dB
Preis € 43,60*

Takstar Pro 82

Dieser Kopfhörer bildet die Basis des Cooler Master MH751 / 752. Besonders der sehr hohe Tragekomfort, bedingt durch ein geringes Gewicht und viel Polsterung, weiß zu überzeugen. Auch hier kann die Materialqualität nicht vollends überzeugen. Der Sound ist insgesamt relativ neutral. Geliefert wird der Pro 82 in einem stabilen Holzkoffer, in dem er auch gut transportiert werden kann.

Frequenzbereich 10 Hz – 20 kHz
Bauweise geschlossen
Ohrpolster-Material Kunstleder (Polster nicht austauschbar!)
Gewicht 237 g
Anschlusskabel 2,2 m, austauschbar
Impendanz 32 Ohm
Empfindlichkeit 96 dB
Preis Preis nicht verfügbar*

Beyerdynamic DT 770 Pro / DT 990 Pro

Die Klassiker des Heilbronner Unternehmens sind sehr robust gebaut. Ebenfalls gut fällt der Tragekomfort aus. Löblich ist auch die exzellente Ersatzteilversorgung des Herstellers. Leider ist das Kabel fest mit dem Kopfhörer verbunden. Ebenso sind die sehr scharfen Höhen und der leicht angehobene Bass nicht jedermanns Sache.

Der DT 770 Pro verfügt über eine geschlossene Bauweise und ein glattes Kabel, der DT 990 Pro ist ein offener Kopfhörer mit Spiralkabel.

DT 770 Pro DT 990 Pro
Frequenzbereich 5 Hz – 35 kHz 5 Hz – 35 kHz
Bauweise geschlossen offen
Ohrpolster-Material Velours Velours
Gewicht 270 g 250 g
Anschlusskabel 3 m, glatt, nicht austauschbar 3 m, spiral, nicht austauschbar
Impendanz 32 / 80 / 250 Ohm 250 Ohm
Empfindlichkeit 96 dB 96 db
Preis € 129,00* € 129,00*

Audio-Technica ATH-AD500X

Der extrem leichte und sehr offen gestaltete Kopfhörer aus der japanischen Audio-Schmiede weiß vor allem durch seine exzellente Ortung von Klängen zu gefallen. Der Sound fällt allgemein sehr neutral aus.

Kritik muss sich der AD500X vor allem für sein Kabel gefallen lassen. Es ist nicht abnehmbar und von minderwertiger Qualität.

Frequenzbereich 5 Hz – 25 kHz
Bauweise offen
Ohrpolster-Material Velours
Gewicht 235 g
Anschlusskabel 3 m, nicht austauschbar
Impendanz 48 Ohm
Empfindlichkeit 99 dB
Preis € 160,00*

Fazit

Wie du siehst, kannst du den Klang deines Headsets auf kostengünstige (oder auch eher teure) Art und Weise verbessern. Doch Vorsicht: Manche Tipps können den Klang (subjektiv) auch verschlechtern. Also probiere selbst ein bisschen herum, um das Meiste aus deinem Headset zu holen!

Thomas Stoffel

Seit über 8 Jahren beschäftige ich mich nun mit Hard- und Software - sowohl in meiner Freizeit als auch beruflich.

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D
Dermedienmann

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Bin eher der Fan von gutem Stereo Ton. Virtuellem Raumklang kann ich leider nix abgewinnen. Mit meiner aktuellen Kombi von Soundblaster Z und Hyper X Cloud Revolver bin ich sehr zufrieden. Die Gegner Ortung in z. B. BF5 ist genial.

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