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„Endless Space 2“ im Test – Der Kampf um die Vorherrschaft im All

Science-Fiction-Titel überschwemmen derzeit ja förmlich den Gamesmarkt, doch nicht selten wird fehlende Komplexität seitens der Spieler bemängelt. Nun hat endlich auch Endless Space 2 von Amplitude Studios die Early Access Phase hinter sich und wagt sich an den Versuch, Weltraumstrategie auf ein neues Level zu heben. Als Anführer machthungriger Fraktionen kämpft ihr für eure Vorherrschaft in den Weiten der Galaxien. Ob Amplitude Studios der große Wurf gelingt und euch mit Endless Space 2 ein rundum überzeugendes Strategie-Schwergewicht erwartet, erfahrt ihr in unserem Test.

Story: Seid ihr ein würdiger Nachfolger der Endless?

Die Szenerie erinnert unmittelbar an den ersten Teil. Einst lebten Endless in den Galaxien, die auf einen beeindruckenden Technologiefortschritt zurückblickten, durch den sie sich als übermächtige Gruppierung diverser Völker auftaten. Nun ist es an euch, als Anführer eurer Zivilisation das Weltall zu erkunden und im Kampf gegen sämtliche Alien-Rassen die Vorherrschaft in der Galaxis an euch zu reißen. Dabei geht ihr mit euren ganz eigenen Methoden und Taktiken vor, erobert Stück für Stück unerforschte Planeten und rangiert zum würdigen Nachfolger der Endless auf.

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Gameplay: Forschung ist alles!

Kenner der Serie sind in Endless Space 2 sofort mit den grundlegenden Spielmechaniken vertraut und werden von den neu konzipierten Features positiv überrascht sein. Eure Reise beginnt in einem zufallsgenerierten Universum, welches euch auch diesmal dank seiner genretypischen Faszination direkt in den Bann zieht.

Doch beginnen wir von vorne. Zunächst ist es eure Aufgabe, eine gewünschte Zivilisation festzulegen und eine von acht vorgefertigten Rassen anzuführen, die allesamt ihre ganz eigenen interessanten Charakteristika besitzen. Während die friedliebenden Sophons beispielsweise Vorreiter technologischen Fortschritts sind und oft von einem signifikanten Wissenschaftsbonus profitieren, versteht sich das menschliche United Empire als eine Monarchie, die vor allem Vorteile bei der Produktion aufweisen und Meister des Handels sind. Aufgrund ihrer ganz eigenen Stärken und Schwächen spielen sich die einzelnen Rassen gänzlich unterschiedlich. Zudem sorgen insbesondere die konträreren Hintergrundgeschichten für immer neue Abläufe und garantieren einen enormen Wiederspielwert. So könnt ihr je nach Rasse ganz unterschiedliche Sternensysteme besiedeln, stetig wechselnde Aufträge absolvieren und fraktionsspezifische Missionen antreten.

Eine weitere Antriebsfeder des Games ist der Bereich Forschung, der sich durch das stete Abrufen neuer Technologien merklich auf das Gameplay auswirkt. In einem mächtigen Technologie-Baum schaltet ihr nach und nach neue Features in den vier grundlegenden Bereichen Entwicklung, Militär, Wissenschaft & Erkundung sowie Wirtschaft & Handel frei. Insgesamt könnt ihr in jedem Forschungsgebiet fünf Stufen erringen. So erhaltet ihr Zugang zu neuen Gebäuden, entwickelt stahlharte Schilde für eure Raumschiffe oder treibt den Handel gewinnbringend voran.

Gameplay II: Beinharte Politik – seichte Gegner

Über eine Galaxie-Map dringt ihr zunehmend in die Tiefen des Weltraums ein und kolonisiert mittels Siedlerschiffen passende Sternsysteme. Habt ihr eurer Kolonialschiff zur Besiedlung ausgesendet, wird auf dem ausgewählten Planeten unmittelbar ein Außenposten errichtet.

Ein weiteres Kernelement ist die politische Komponente, die dem Game eine angenehme Tiefe verleiht, die sich von vielen anderen Genregrössen positiv abhebt. So gibt es ganz unterschiedlich gesinnte politische Fraktionen, wie beispielsweise die Ökologen, Wissenschaftler oder Pazifisten, die je nach Regierungsform um Macht ringen. Die jeweiligen Gesetze sind dabei maßgeblich für euer gesamtes Imperium, bescheren euch attraktive Boni, gehen aber auch mit unterschiedlichen Nachteilen einher.

Das Kampfsystem aus Endless Space 2 wurde hingegen deutlich entschlackt und fällt insgesamt relativ statisch und vereinfacht aus. Kämpfe tretet ihr nicht selbst an, sondern wählt vorab eine ausgesuchte Taktik und bedient euch unterschiedlicher Manöver, um eure Gegner in die Knie zu zwingen. Nach jeder Runde bekommt ihr anschaulich das Ergebnis in hübsch aufbereiteten Animationen präsentiert und könnt dem Gefecht noch einmal nachträglich folgen. Doch genau an dieser Stelle hat Endless Space 2 sein Potenzial nicht vollends ausgeschöpft. So sorgt vor allem die Passivität der Gegner-KI für wenig Spannung und präsentiert euch nur selten eine wirklich harte Nuss. Überhaupt sind selbst die unfreundlichsten Gegner nur wenig kampflustig und sprechen oft nicht mehr als leere Drohungen aus. Zwar ist es durchaus ein positiver Effekt, dass nicht jede Begegnung in einer Kriegserklärung mündet, etwas mehr Anspruch hätte diesem Bereich jedoch nicht geschadet.

Balance: Komplexität hat seinen Preis

Dennoch ist Endless Space 2 alles andere als einfach und wird vor allem blutige Neulinge anfangs deutlich überfordern. Zwar gibt es ein umfangreiches Tutorial, das euch zu jedem Zeitpunkt gerne durch das Spiel führt, viele Lösungen macht ihr jedoch erst im Selbstversuch aus. Insbesondere die richtige Positionierung eurer Flotte gestaltet sich gerne mal als schwieriges Unterfangen, wenn ihr euch in einer Schlacht übermächtigen Gegnerschiffen gegenüberseht.

Steuerung: Aufgeräumter geht nicht

In Sachen Steuerung hingegen lässt Endless Space 2 keine Wünsche offen und glänzt mit einem beeindruckend aufgeräumten Interface, das stets für den perfekten Überblick sorgt.

Grafik und Sound: Hier besteht Nachbesserungsbedarf

Präsentiert wird das Game durch ein solides Artwork, das die genretypischen Ansprüche weitestgehend abdeckt. Während die Weltraumgefechte stimmungsvoll in Szene gesetzt wurden, sind gerade in Sachen Terraforming nicht alle Möglichkeiten genutzt.

Auch soundtechnisch liefert Endless Space 2 zwar keine wirklichen Innovation, fängt das endlose Weltraumflair jedoch gekonnt ein. Während die englischen Sprecher einen durchweg guten Job erledigen, wurde auf eine deutsche Synchronisation leider gänzlich verzichtet. Auch die ein oder andere Textpassage geht nicht ganz sauber über die Bühne und lässt vor allem bei so manchem Platzhalter den ein oder anderen Fehler hervorstechen.

Fazit: Ein vielschichtiges Strategiespiel mit interessanten Mechaniken

Mit Endless Space 2 erwartet euch ein vielschichtiges Strategiespiel, das seine Stärken vor allem in ansprechend präsentierter Rundenstrategie ausspielt. Neben einem eleganten Interface-Design punkten vor allem außergewöhnliche Mechaniken, die fließend ineinanderreifen. Endless Space 2 beschreitet zwar nicht gänzlich neue Pfade, die unendlichen Möglichkeiten der Sternenerkundung werden jedoch auch Kenner der Serie langfristig begeistern. Neulinge des Genres werden zwar nicht mit einem sanften Einstieg empfangen, erhalten mit Endless Space 2 jedoch ein spannendes und facettenreiches Game, das vor allem mit einem lebendigen Setting und spielerischer Tiefe glänzt.

Pro
Contra
Story
85%
+ komplexes Science-Fiction Universum
+ interessante Grundstory für jede Fraktion
Gameplay
85%
+ verschiedene Fraktionen mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen
+ vielseitige Missionen
+ politische Komponente verleiht dem Game spielerische Tiefe
+ umfangreicher Technologiebaum
+ interessante Kampftaktiken
– sehr seichte Gegnertypen
Balance
80%
+ umfangreiches Tutorial – kein leichter Einstieg für Neulinge
Steuerung
85%
+ aufgeräumte Menüs
+ intuitive Steuerung
Grafik & Sound
75%
+ solides Artwork
+ stimmungsvoller Sound
+ gelungene englische Synchro
– technisch wurden nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft
– keine deutsche Synchro
– teils fehlerhafte Textpassagen

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