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Microsoft muss Hololens-Brille für US-Army überarbeiten

Für militärische Zwecke hat Microsoft für die US-Army eine spezielle AR-Brille auf Basis von Hololens entwickelt, die im Kampf eingesetzt werden soll. Allerdings scheint die Kampfbrille nun Probleme zu machen. Dementsprechend hat das US-Militär vorerst seine Großbestellung storniert. Bevor der millionenschwere Deal über die Bühne gehen kann soll der Tech-Konzern mit Sitz in Redmond (Washington) die Brille noch einmal überarbeiten. Für Microsoft dürfte das allerdings eine lohnenswerte Retour sein.

Microsoft stattet das US-Militär aus

Es ist schon spannend anzusehen, wie sich technische Neuentwicklungen aus dem Hause Microsoft entwickeln. Ein bekanntes Beispiel ist sicherlich Kinect für die Xbox. Die fragwürdige Bewegungssteuerung für Microsofts Spielekonsole wurde erstmals 2010 auf der Spielemesse E3 in Los Angeles gezeigt. Der Konzern war von der mehr schlecht als recht funktionierenden Steuerungsmethode derart überzeugt, dass sie mit Release der Xbox One der Konsole beilag. Mit wachsender Kritik reagierte Microsoft hingegen und stellte das System wieder ein. Doch das war lediglich Kinects Tod im Bereich der Videospiele. Hinter den Kulissen spielt die Steuerungsmethode noch immer eine große Rolle. So nutzt das US-Militär Kinect beispielsweise, um ihre Soldaten zu therapieren.

Ein ganz ähnliches Schicksal hat übrigens auch Microsoft Hololens ereilt. Die im Jahr 2015 erstmals auf der E3 gezeigte AR-Technik sorgte zwar für großes Erstaunen bei Videospieljournalisten, zu einem echten Release im Consumer-Bereich hat es aber nie gereicht. Stattdessen kam die Technik vornehmlich bei Unternehmen zum Einsatz, die sie für anschauliche Präsentationen nutzten. Doch auch das US-Militär zeigte Interesse an der mittlerweile zweiten Generation der AR-Brille. Insgesamt 6900 spezielle an militärische Anforderungen angepasste Hololens hat die Armee zu einem Preis von etwa 400 Millionen US-Dollar bestellt wie wir bereits im April 2021 berichteten. Das entspricht knapp 57.971 US-Dollar pro Kampfbrille. Die Erwartungen seitens des US-Militärs waren also entsprechend hoch.

US-Militär ist unzufrieden mit Hololens

Die Erwartungen auf Seiten der US-Army wurden allerdings offenbar nicht erfüllt. Nachdem man intensive Tests durchgeführt hat, klingt das Urteil zumindest vernichtend. Microsoft müsse bei seinen Kampfbrillen noch einmal nachbessern. Doch das scheint auch lukrativ zu sein. Wie aus einem Bericht von Bloomberg hervorgeht, soll der Tech-Konzern gemeinsam mit den anderen an der Entwicklung beteiligten Unternehmen noch einmal 40 Millionen US-Dollar für die Ausbesserungen erhalten. Damit steigt der Preis pro Kampfbrille auf 63.768 US-Dollar. Die Probleme, welche das Militär und insbesondere die Soldaten äußern, klingt nach typischen VR- bzw. AR-Problemen.

So sollen wohl mehr als 80 Prozent der beim Test involvierten Soldaten Probleme wie Übelkeit, schmerzende Augen oder Kopfschmerzen gehabt haben. Obendrein beschwerte sich eine der Testpersonen über eklatante Fehler bei der Konzeption. So sei man als Träger der Kampfbrille vor allem bei Dunkelheit viel besser zu erkennen. Das liegt an der dauerhaften Beleuchtung des Systems. Folglich wird man für die gegnerische Seite zum leichten Ziel. Doch es soll auch ganz grundsätzliche Mängel an der AR-Brille selbst gegeben haben. Im Rahmen eines Dauertests, der wohl drei Übungen über eine Dauer von 72 Stunden umfasste, kam es nämlich auch zu regelmäßigen Ausfällen essentieller Features des Systems.

Hololens sorgt für futuristische US-Army

Mit der vor knapp siebeneinhalb Jahren erstmals öffentlich vorgestellten AR-Technik hat die Kampfbrille für das US-Militär nicht mehr viel gemein. Vielmehr bildet die klassische Hololens 2 die Basis für ein System namens Integrated Visual Augmentation System (IVAS). Dieses erinnert zum Teil an Science-Fiction-Filme oder Videospiele wie Call of Duty: Modern Warfare. Noch in diesem Jahr soll IVAS ein fester Bestandteil in der US-Army werden. Damit das System allerdings einwandfrei funktioniert, muss Microsoft offenbar noch kräftig nachbessern. Und das ist nicht das erste Mal der Fall.

So hat das Unternehmen wohl bereits Ende 2022 noch einmal Nachbesserungen angekündigt. In der Version 1.2 soll das System nicht nur energieeffizienter arbeiten, sondern auch mehr Tragekomfort für die Soldaten bieten können. Für Microsoft dürfte sich die Kooperation mit der US-Army definitiv lohnen. Erweist sich die erste Bestellung mit 6900 Brillen nämlich als guter Kauf, möchte das US-Militär weitere Bestellungen aufgeben. Laut Bloomberg soll es sich in den kommenden zehn Jahren um insgesamt 121.000 IVAS-Brillen handeln.

Jens Scharfenberg

Gaming und Technik waren stets meine Leidenschaft. Dies hat sich bis heute nicht geändert. Als passionierter "Konsolero" und kleiner "Technik-Geek" begleiten mich diese Themen tagtäglich.

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