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Yandex gibt yandex.ru auf

Das Unternehmen Yandex gibt dem enormen Zensurdruck in Russland nach und sein Webportal yandex.ru auf. Auch Yandex News und der Empfehlungsdienst Zen werden abgegeben.

VKontakte übernimmt staatstreue Dienste

Bereits seit geraumer Zeit sieht Yandex sich einem wachsenden Zensurdruck ausgesetzt. So darf das Unternehmen bereits seit 2017 in seiner News-Sparte nur noch vom Kreml genehmigte Nachrichten anzeigen. 2019 musste Yandex dem russischen Staat darüber hinaus eine Beteiligung am Unternehmen gewähren, die mit enormem Einfluss auf das operative Geschäft einhergeht: Der Staat hat seitdem zwei Sitze im Verwaltungsrat, ein Vetorecht bei allen Unternehmensentscheidungen und das Recht, das Management des Unternehmens zu entlassen.

Für das Yandex scheint all das nicht länger tragbar gewesen zu sein. So hat das Unternehmen nun entschieden, die genannten Dienste an VKontakte abzugeben, das seit 2014 unter der Kontrolle des putintreuen Oligarchen Alisher Usmanov steht. Yandex teilte dazu mit, Verwaltungsrat und Management seien „zu dem Schluss gekommen, dass den Interessen der Aktionäre durch eine Exitstrategie aus dem Mediengeschäft (mit Ausnahme von Unterhaltungsstreaming) und Konzentration auf andere Technik und Dienste […] am besten gedient ist“.

Abgabe teilweise bereits im April beschlossen

Die Abgabe von Yandex News und Zen wurde bereits im April beschlossen. Diese beiden Dienste sind am offensichtlichsten den Kontrollbestrebungen des Staates dienlich: Während Yandex News kontrolliert, welche Nachrichten an die Öffentlichkeit gelangen, trackt Zen Bewegungsmuster und Browserverläufe der Nutzenden, um so personalisierte Empfehlungen zu erstellen – wobei die Daten selbstverständlich auch dem Regime bei seinen Überwachungs- und Kontrollbestrebungen nützlich sind.

Neu ist die Nachricht, dass auch das Webportal yandex.ru abgegeben wird. Nicht betroffen ist jedoch die Suchmaschine des Unternehmens, die fortan unter der URL ya.ru erreichbar sein wird. Auch der E-Mail-Dienst sowie andere Angebote von Yandex sind künftig unter der genannten Adresse erreichbar.

Völlig ohne Gegenleistung gibt Yandex seine beiden Dienste dabei nicht ab. Das Unternehmen erhält im Gegenzug den Lieferdienst Delivery Club von VKontakte.

Kreml muss Übernahme noch genehmigen

In trockenen Tüchern ist die Abgabe der Unternehmensbereiche an VKontakte indes noch nicht. So muss der Kreml den wechselseitigen Übernahmen von Unternehmensbereichen noch zustimmen. Der dafür nötige Prozess dürfte einige Monate in Anspruch nehmen. Eine Zustimmung ist dabei sehr wahrscheinlich, schließlich regte sich im Aufsichtsrat, in dem zwei Staatspersonen sitzen, kein Widerstand – und die Übernahme führt zu noch größerer staatlicher Kontrolle im Mediensektor. Auf ebendiese Kontrolle wirkt Russland in letzter Zeit immer stärker hin; zuletzt gab es Gerüchte, Russland wolle sich vom freien Internet abkoppeln.

Simon Lüthje

Ich bin der Gründer dieses Blogs und interessiere mich für alles was mit Technik zu tun hat, bin jedoch auch dem Zocken nicht abgeneigt. Geboren wurde ich in Hamburg, wohne nun jedoch in Bad Segeberg.

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